Hej!
Wieder eine Woche, wieder viele neue Erlebnisse. Leider nicht nur schöne, aber mehr dazu weiter unten.
Angefangen hat die Woche sehr gemütlich: Mit einem Potluck-Dinner in der evangelischen Gemeinde. Jeder hat etwas zu essen aus seinem Land mitgebracht und alle zusammen haben wir geschlemmt wie die Götter. Indien, Schweden, Holland, Amerika, England, Tschechien und noch viele andere Länder waren vertreten.
Weiter ging es mit einer Reise nach London. Weil eine Freundin dort als AuPair arbeitet, erbot sich eine Gratis-Unterkunft. Natürlich ist ein Kurzstreckenflug wie Malmö-London ökologisch absolut unvertretbar, und auch ich frage mich, wohin eine Gesellschaft, die mal eben schnell nach London jettet, wohl führen soll. Falls jemand mit mir über diese Themen diskutieren will - ich werde nicht darauf eingehen. Es waren tolle Tage in London, das war jedes einzelne Kerosinstäubchen wert. Ein paar Eindrücke:
- Das erste, was ich nach der Landung gesehen habe: IKEA. Das zweite: rote Busse. Das dritte: schöne Häuser mit Baustellen, Schrotthaufen etc. davor.
- Mein erster Kontakt mit englischen Menschen: Ein Servierfräulein, das mich um 15 Franken betrügen wollte. Unglaublich!
- Alle anderen Menschen waren aber sehr sehr nett. Gestresst und in Eile, aber sehr nett.
- Wir haben alles erlebt: Konzert (Angus Stone von Angus & Julia Stone - SUPERTOLL!!), Musical (A Chorus Line - SUPERTOLL!!), British Museum (gratis Eintritt, ergo viiiiiele Touristen. Und riesig. Aber interessant.), Kino, Shoppen, SightSeeing in roten Doppelstockbussen… eben, alles.
- Es war Valentinstag. Ein grosses Fest in England - überall sind Rosen, Herzen, Liebe.
- England hat tolle Süssigkeiten…
- London erinnert an New York. An ein besseres New York.
- Highlights: Die Märkte Camden Market (oder so) und Notting Hill. Sehr unterschiedlich, sehr gross, sehr toll.
Fazit: Ich werde zurückkehren.
Doch leider endeten die Tage nicht so sonnig, wie sie es hätten sollen. Ein eMail meines lieben Landlords setzte den Ferien ein jähes Ende. Er hat mich ausgezogen gemacht, sozusagen: Die fünf Tage meiner Absenz nutzte er, um meine Sachen in Kisten zu packen und in einen Kontainer zu stellen. Dazu gab es genaue Anweisung, was ich wie wo abzuholen habe. Es folgte die Suche nach einer Notfall-Schlafstelle (erfolgreich), eine katastrophale Rückreise (Autounfall auf dem Weg zum Flughafen, dadurch zwei Stunden Verspätung was zum Sprint durch den Flughafen führte; ein kaputtes Flugzeug; ein anderes, verspätetes Flugzeug; kein Bus vom Flughafen nach Lund; ein teures Taxi…) und eine Nacht in einem Bett. Die Nacht ist deshalb erwähnenswert, weil ich schon lange nicht mehr so dankbar für ein Bett war. Und das Zimmer ist sogar warm!! (Ja, ich habe ein eigenes Gästezimmer!) Wie auch immer, der Tag heute (das alles war gestern) war gefüllt von Besuchen bei der Polizei, der Vermittlungsagentur, einer anderen Wohnungsvermittlung und diversen anderen Orten. Ausserdem habe ich meine Sachen im Kontainer besucht und sie daraus befreit. Der Weg dorthin war steinig - like a treasure hunt (Schnitzeljagd), wie eine Polizistin sehr richtig feststellte. Die nächsten Tage werden mit Papierkram, Wohnungssuche etc. gefüllt sein. Fast wäre mir hier langweilig geworden, wieso also nicht ein weiteres Abenteuer, ein weiteres Mal packen, aus Tüten und Kisten leben, zu Gast sein. (Anmerkung: In London gab es "Beds in Bags" zu kaufen. Ein ganzes Bett in einer Tasche. Ich sollte mir sowas zutun. Dann könnte ich jeden Moment und überall meine Zelte aufschlagen.)
Rein organisatorisch bedeutet das auch, dass ich keine Adresse mehr habe. Bitte schickt also nichts mehr an die alte Adresse, sobald ich einen neuen Wohnort habe, lasse ich euch die Koordinaten wissen - seid gewiss, ich freue mich auch dort sehr über Nachrichten und will auch alle fleissig beantworten, sobald sich die Aufregung und Gefühle ein wenig gelegt haben. Bitte habt auch Geduld mit eMails, es wird aber alles gelesen und sehr gewertschätzt.
Bis es wieder ruhiger wird bin ich euch aber nicht böse, wenn ihr ein Kerzchen für mich anzündet oder mich in eure Gebete einschliesst. Ihr dürft auch einfach ein bisschen Schokolade für mich essen, das hilft immer.
Nun grüsse ich herzlich aus dem Norden (Es schneit. Pausenlos.) und wünsche euch nette Nachbarn, Vermieter und Mitbewohner.