Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Sonntag, 26. Dezember 2010

Morgenritual

Wenn ich morgens duschen gehe,
kommt es vor, das ich nichts sehe.
Meine Augen sind noch zu,
von des Abends ruhiger Ruh.
Doch will ich ja schön sauber sein
drum geh ich duschen, wasch mich rein.
Wenn die Wassertropfen kommen,
werde ich dann ganz besonnen,
denk hart nach, noch und nöcher,
starre grosse runde Löcher.
Doch dann kommt der Gedankenhasser (auch Duschkopf genannt)
besprenkelt mich mit heissem Wasser.
Nach dem Event bin ich dann wach,
es kommt schon vor, dass ich dann lach.
Denn meine Dusche ist so klug,
dass es fast schon wehtun tut.

(Immer, wenn ich Gefahr laufe, zu lange unter der Dusche zu verweilen, zu träumen oder gar einzuschlafen, wird das Wasser dermassen heiss, dass nur ein Fluchtweg bleibt. Praktisch, Wasser sparend und besser als jeder Vorsatz, keine Zeit zu vertrödeln.)

puzzle

du bist immer das gegenteil
sag ich zwei, willst du drei
mach ich dies, tust du das
frier ich, reisst du das fenster auf
und schwitz ich, drehst du die heizung an
bin ich müde, so willst du reden
und bin ich wach, so schweigst du
seh ich grün, siehst du rot
freu ich mich, bist du in not
hab ich hunger, so trinkst du
und esse ich, so fastest du
wenn ich gehe, dann kommst du
wenn ich da bin, bist du fort
du bist immer das andere
und doch passt es nicht
zusammen

schwerelos zum zweiten

ich liebe diese vormittage
an denen man nur rumsitzt

dies und das macht
und doch nichts richtiges
behutsam und sacht
aber bloss nichts wichtiges

an denen man tee trinkt
und dann wieder kaffee
und man ein liedchen singt
von matrosen auf der see

an denen man schon am morgen
die erste zigarette anzündet
an denen man ist ohne sorgen
und die flasche an den mund mündet

ich liebe diese vormittage
an denen man tut
und ich gar nicht erst frage
ist das überhaupt gut

ich liebe diese vormittage
sie sind zeitlos
schwerelos

schwerelos

ich liebe diese vormittage
an denen man nur rumsitzt
dies und das macht
und doch nichts richtiges
an denen man tee trinkt
und dann wieder kaffee
an denen man schon im bett
die erste zigarette anzündet
und sich sagt
es sei die letzte
nur um dann die nächste
aus dem päckchen zu nehmen
ich liebe diese vormittage
an denen man gar nicht erst
in den spiegel guckt
und an denen man
seine pflichten vergisst
und einfach mal tut
was man grade mag

Von Freud und Leid

Manchmal
ist da
zu viel Leid
für einen Menschen.
Er kann es nicht tragen, allein.

Dann teilt er es
denn geteiltes Leid
ist halbes Leid.

Aber manchmal
ist da
zu viel Freude
für einen Menschen.
Er wird überschwemmt, einsam.

Dann kann er es
nicht teilen
denn geteilte Freude
ist doppelte Freude.

Deshalb
sucht er sich ein Leid
und denkt
es sei ein Missverständnis
die falsche Adresse
der falsche Empfänger
nur von kurzer Dauer.

Anstatt
zu akzeptieren
zu geniessen
zu danken
anzunehmen.

My castle

Mein Zimmer.
Meine Hochburg.
Mein Platz.
Da gehör ich hin,
da fühl ich mich zu Hause,
da hab ich das Sagen.
Mein Zimmer.
Mein Ort der Sicherheit.
Da ist träumen erlaubt,
da darf ich sein,
da schlafe ich gut.
Mein Zimmer.
Und niemand hat das Recht,
in mein Zimmer einzudringen,
meine Hochburg zu stürmen,
meine Sicherheit zu nehmen.
Niemand.
Auch du nicht.
Das ist die Regel.

Chrüsimüsi nachts halb 2

Muss es uns gut gehen, nur weil es anderen schlechter geht als uns?
Regnet es morgen?
Warum verstehe ich mich mit so vielen Eltern gut?
Ist Lametta schön?
Wird das Leben besser?
Gibt es eine Glücklichkeitsgrenze?
Wie viele Kartons werde ich brauchen?
Welche Farbe wird mein erstes Auto haben?
Wann werde ich endlich meine Glacémaschine besitzen?
Kommt der Brief noch vor Donnerstag an?
Ist Connyland lustig?
Sind Kutteln lecker?

Schöne Gerüche:

-         Schnee
-         Frühling
-         Tee
-         Geschmolzene Butter
-         Frisches Gras
-         Heu
-         Neue Bücher
-   Druckerfarbe
-   Orangenschale
-   Zimt
-   salziges Meer

Verdient oder nicht?

Manche Menschen sind einfach zu lieb.
Manche Menschen sind einfach zu lieb zu mir.
Ich kann damit nicht umgehen,
ich lasse mich nicht gerne beschenken, bedienen,
ich lasse mir nicht gerne etwas geben.

Verdient oder nicht?

Nur ganz wenige schaffen es,
mir das Gefühl zu geben,
dass es in Ordnung ist.
Dass ich einfach annehmen darf,
und dass ich es wirklich verdient habe.
Dann fühle ich nur noch Dankbarkeit und Glück.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Ohne Worte

Manchmal fehlen mir die Worte,
um dir zu sagen, wie gern ich dich hab.
Manchmal kann ich nicht sagen,
wie sehr du mich verletzt.
Manchmal lässt sich kein Satz finden,
der eine Brücke zwischen uns schlägt.
Und manchmal habe ich keine Idee,
wie ich dich trösten könnte.
Manchmal bleibt mein Mund trocken,
ich habe alle Witze vergessen.
Und manchmal ist mein Kopf leer gefegt,
weder Fragen noch Antworten sind da.
Manchmal weiss ich einfach nicht,
was ich sagen soll.
Ich bin sprachlos.
Dann schweige ich
und hoffe,
dass die Botschaft trotzdem ankommt.

Montag, 20. Dezember 2010

Is that alright?

Eigentlich wollte ich ja was dazu schreiben - aber irgendwie ist da im Moment nur Leere. Deshalb halt einfach ohne Worte. Ist vielleicht auch mal ganz gut.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Kälte

Es ist kalt.
Mir ist kalt.
Ich zittere, meine Zähne klappern und ich spüre, wie die Kälte in jede einzelne Zelle dringt.
Ich bin durch und durch erkaltet.
Und ich warte gespannt.
Auf Wärme von aussen, die mich auzutauen vermag.
Oder auf innere Wärme, ein Fünkchen aus meinem Herzen.
Was wird wohl zuerst kommen, was wird mich wohl überzeugen?

Samstag, 18. Dezember 2010

Brezelkönig

Gestern wollte ich mir eine Brezel kaufen und ging deshalb zum Brezelkönig. Vor mir war eine ausländisch aussehende Frau mit zwei kleinen Kindern an der Reihe. Sie wollte ihren Kindern eine grosse Brezel für 5 Franken kaufen. Dafür kratzte sie all ihr Kleingeld zusammen – es waren nur 4.30 Fr. Der Brezelverkäufer sagte daraufhin, dass er ihr die Brezel nicht geben könne, was die Kinder in Tränen ausbrechen liess. Ich sah das ganze und dachte „Oh nein, die arme Frau, ihr fehlen doch nur 70 Rappen, so ein Pech, jetzt kann sie die Brezel nicht kaufen!“
Ich stand da und beobachtete.
Dann plötzlich trat ein junger Mann, der hinter mir in der Schlange stand, an die Verkaufstheke: „Wie viel fählt denn?“ „Sibezg Rappe“, antwortete der Verkäufer. „Do händ sie en Stutz, isch guet eso!“
Einfach so.
Er kannte die Frau nicht, er wird sie nie wieder sehen, er hat absolut nichts davon, ausser einen Franken weniger in seinem Portemonnaie. Und noch etwas hat er. Meinen Respekt und meine Bewunderung. Denn ich erlebte die Situation mit, stand daneben, aber nie im Leben wäre es mir eingefallen, dass ich der Frau einfach das fehlende Geld schenken könnte! Vielleicht ist das so, weil wir schon als Kinder immer eingetrichtert bekommen „Dein Geld ist dein Geld, und du musst darauf aufpassen, überall lauern sie wie die Geier um dir das Geld aus der Tasche zu ziehen…“
Vielleicht war ich aber auch einfach nur egoistisch und geizig.

Freitag, 17. Dezember 2010

Du

Dir ist kalt.
Du bist eingefroren, bis ins Innerste.
Du fühlst nichts.
Du bist absolut emotionslos.
Du hast Arme und Beine.
Du hast Ecken und Kanten.
Du bist bleich.
Du bist weiss wie ein Laken.
Du fällst.
Du befindest dich im freien Fall.

Du, die Schneeflocke.
Flockiger Schnee.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Du bist, aber woher?

Was macht dich zu dem Menschen, der du bist?
Sind es die Mensche, denen du begegnest?
Die Worte, die du gesagt (oder eben nicht) kriegst?
Oder sind es die Taten, die dir angetan werden?
Die Erfahrungen und Erlebnisse, die du machst?
Wirst du so, weil es das Schicksal oder Gott so wollte?
Oder weil es in deinen Genen liegt?
Oder sind es die Orte, an die du kommst,
die Bilder, die du siehst?

Du wirst geprägt, geformt, beeinflusst, verändert
durch die Liebe, die du erfährst.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Somewhere in the crowd there's you

Es gibt so viele Menschen auf der Welt. Das denke ich immer wieder. Ich meine, nur schon in meinem Dorf wohnen 800! Auf dem Weg zur Arbeit begegne ich dann tausenden von Leuten. Jung und alt, Frauen und Männer, mit Absatzschuhen, im Anzug oder in einen Wollschal gewickelt. Im Zug, auf der Strasse, in den Geschäften - überall kann man so unterschiedliche Persönlichkeiten entdecken. Die einen schlurfen ziellos dahin, die anderen eilen geschäftig zu ihrem nächsten Termin. Und einige wenige schlendern zufrieden durch die Menschenmassen und beobachten ebenjene. So weit so gut. Das sind die Menschen, die ich sehe.
Aber. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass es überall auf der Welt so zu und her geht, wenn ich mir die Menschenmassen New York's, Tokyo's oder Paris' vor Augen führe, dann überkommt mich doch ein leichter Schauer. So viele Menschen. Nur schon in der Schweiz leben fast 8 Millionen Menschen, die momentane Weltbevölkerung liegt bei fast 7 Milliarden. SIEBEN MILLIARDEN!! 7'000'000'000!! Nicht ein Mensch. Nicht 25 Menschen, deine Klasse zum Beispiel. Nicht 100 wie beim Familienfest oder 10'000 wie beim Shakira-Konzert. Sieben Milliarden Menschen laufen auf der Erde herum.
Ganz grob geschätzt sind davon vielleicht 4 Milliarden Greise, Kleinkinder, Babys, schwerst behindert etc. Das heisst, dass ich mich mit ca. 3 Milliarden Menschen gut verstehen könnte. Wie kann es bitte sein, dass man aus diesen 3 Milliarden genau die Menschen findet, die einen verstehen? Bzw. - ist es überhaupt möglich, dass wirklich ALLE verschieden sind? "Du bist einzigartig." Geht das wirklich? Irgendwann muss es sich doch wiederholen - schliesslich gibt es auch noch die Menschen, die es mal gab, und die, die es mal geben wird.
Naja, wie auch immer, ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt, was für wundervolle Menschen sich doch so nah vor meiner Nase befinden - wo sie doch auch per Zufall in Los Angeles, Peking oder London hätten landen können. Dafür danke ich dem lieben Gott, oder dem Schicksal, oder wem auch immer.
Danke, dass ich die besten und einzigartigsten Menschen aus diesen 7 Milliarden kennen darf.

En Floh?

Bli Bla Blo,
i glaub döt hockt en Floh.
Blo Bla Bli,
da cha doch gar nöd sii!

Blo Bla Bli,
denn Flöh sind zart und fii,
Bli Bla Blo,
das isch eifach eso.

Bla Blu Blö,
es wär aber so schöö,
Blö Blu Bla,
wärs en Floh, das da.

Blö Blu Bla,
denn rüefti wienen Maa,
Bla Blu Blö,
oh, en Floh, wie schöö!

Montag, 13. Dezember 2010

Schlechte Menschen - Die Liste

Was macht eine Person zu einem schlechten Menschen?

Wenn man nicht gut malen oder tanzen kann,
wenn man von Mode und Design keine Ahnung hat,
wenn man fremd geht oder jemanden umbringt?

Ist man dann ein schlechter Mensch?

Wenn man Lügen verbreitet oder jemanden nicht mag,
wenn man sich mit Alkohol ablenkt und schlecht in der Schule ist,
wenn man Bananen aus Costa Rica kauft und von Berlin nach München fliegt?

Macht einen das zu einem schlechten Menschen?

Wenn man gerne Fleisch isst oder schlechte Laune hat,
wenn man sich vordrängelt oder die Tür mal nicht für den nächsten aufhält,
wenn man eine Mathe-Schwäche hat oder eine Niete im Weitwurf ist?

Sind das die Kriterien für einen schlechten Menschen?

Wenn jemand sich nicht für Politik oder seinen Nachbarn interessiert,
wenn jemand komisch aussieht oder früh schwanger wird,
wenn jemand nicht an Gott glaubt oder zu faul zum arbeiten ist?

Wie kann man nur behaupten, ein Mensch sei schlecht, ohne seine guten Seiten, seine Qualitäten und Stärken, seine Gründe und seine Geschichte zu kennen?
Denn wenn man sie kennen würde, würde man ihn nicht mehr als schlechten Menschen bezeichnen wollen.

Was also sind die Punkte, die einen schlechten Menschen ausmachen?

Verzerrte Spiegelbilder

Was ist eigentlich so schlimm daran, an sich selber zu glauben?
Wieso darf man nicht auch mal "Das habe ich gut gemacht" sagen, ohne dass es gleich als "eingebildet" abgestempelt wird? Warum ist es dermassen verpönt, zu seinen Stärken zu stehen, und wieso wird oft nur auf Schwächen herumgeritten? Weshalb gilt man so schnell als "überheblich" oder "arrogant", nur weil sich nicht selber fertig macht, sondern weil man zu sich steht? Warum wird das Bild des Menschen so oft verzerrt und verdreht, bis zur Unkenntlichkeit?
Was ist so schlimm an einem gesunden Selbstbewusstsein?

Sonntag, 12. Dezember 2010

Seitenwechsel

Früher bin ich immer losgerannt, wenn ich einen Regenbogen sah. Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass man nur das andere Ende erreichen müsse, und dort wäre dann ein Schatz oder eine Überraschung oder was auch immer. Man müsse nur bis zur anderen Seite kommen.
Ich probiere es immer noch hin und wieder. Die andere Seite zu erreichen. Oder wenigstens einen Blick darauf zu erhaschen. Das versuche ich allgemein immer. Ein bisschen auf die andere Seite schauen, sehen, verstehen, begreifen. Mit Betonung auf versuchen, ich behaupte nicht, dass mir das immer gelingt. Aber ich finde es wichtig, die Dinge auch von einer anderen Seite zu betrachten. Schliesslich stehen wir ja alle mal auf beiden Seiten, oder? Wir alle sind mal Jäger und Gejagte, mal reich und mal arm, mal Opfer und mal Täter, mal Liebender und Geliebter, mal gross und klein usw.
Wir kennen so oft die andere Seite.
Wieso ist es dann so schwer, sie zu akzeptieren und zu verstehen?

-los

Du rauchst.
Du führst die Zigarette an den Mund,
nimmst den letzten Zug
und dann
wirfst du sie weg.
Auf die Strasse.
Achtlos.

Du trinkst.
Du führst die Flasche an den Mund,
nimmst den letzten Schluck
und dann
wirfst du sie weg.
In den See.
Gedankenlos.

Du redest.
Du bewegst die Zunge in deinem Mund,
sagst das letzte Wort
und dann
fängst du zu schweigen an.
In der Menge.
Wortlos.

Du isst.
Du bewegst die Gabel an den Mund,
nimmst den letzten Bissen
und dann
gehst du kotzen.
Ins Badezimmer.
Hilflos.

Du lebst.
Du rauchst, trinkst, redest, isst,
lebst den letzten Tag deines Lebens
und dann
wirfst du es weg.
Auf die Gleise.
Wertlos.

Fernweh

Ich will wieder dahin, wo ich einfach ich sein kann. Wo es egal ist, wie du aussiehst oder was du kannst. Wo nur der Moment zählt und du auch mal einfach im Heute sein kannst, ohne schon das Morgen oder Übermorgen zu planen. Wo endloser Wald auf sanften Hügeln nur von ruhigen Seen unterbrochen werden. Dahin, wo das Wort "Freiheit" noch eine Bedeutung hat, und wo ich mich willkommen fühle. Wo ich nicht von Verantwortung und Erwartungen erschlagen werde, wo ich aber trotzdem eine Aufgabe habe. Wo ich sinnvolles tun und etwas bewirken kann, wo ich gebraucht werde. Dahin, wo ich mich wohl fühle und wo mein Herz schlägt. Der Mond ist ja sowieso überall der gleiche.

Was ich tue

Ich wasche blaue Flecken mit Seife ab,
ich heile gebrochene Herzen mit einem Pflaster.
Ich lasse Tränen durch Südseewind verschwinden,
ich kitte zersplitterte Freundschaften mit Uhu-Alleskleber.
Ich wische Misstrauen mit Cilit Bang weg,
ich beseitige Vorurteile mit Swiffer.
Ich klebe kaputte Knochen mit Pritt,
ich bandagiere gebrochenes Vertrauen.
Nur eine weisse Weste waschen, das kann ich nicht.

Freitag, 10. Dezember 2010

Mögen, Nicht mögen und Gerne würden.

Ich mag es nicht, dass alles klein geschrieben wird und dass Rechtschreibung so unwichtig ist,
ich mag es nicht, wenn das Radio rauscht und die CD zerkratzt ist,
ich mag es nicht, abends nochmal aufstehen zu müssen, wenn ich schon im Bett liege,
ich mag es nicht, wenn mein Kuchen verbrennt oder ich nasse Füsse habe,
ich mag es nicht, wenn mein Briefkasten leer und jemand traurig ist,
ich mag es nicht, morgens mit dem Wecker aufzustehen und kein Brot mehr im Haus zu haben.

Ich würde gerne Nägel lackieren und Gedanken wie eine Nachttischlampe ausknipsen können,
ich würde gerne den bunten Würfel lösen können, ohne die Schritte auswendig gelernt zu haben,
ich würde gerne Heissluftballon fahren gehen und endlos Zeit haben,
ich würde gerne mit beiden Augen einzeln blinzeln und tanzen können,
ich würde gerne immer lachen und zehn Sprachen beherrschen,
ich würde gerne Excel und Männer verstehen.

Ich mag knirschenden Schnee und bunte Regenschirme,
ich mag Gänseblümchen und viele Kerzen,
ich mag einzelne Schneeflocken und riesige Regentropfen,
ich mag McFleury's und Pünktchen,
ich mag das Geräusch, wenn man Eischnee mit dem Teigschaber aus der Schüssel holt,
ich mag schönes Geschenkpapier und Steine.
Ich mag dich.

Und was magst du? Was magst du nicht? Was würdest du gerne?

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Einfach ehrlich

Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn alle Menschen ehrlich wären?
Ich glaube, ja, das wäre sie.
Logisch, die kleinen Notlügen ("Ja, ich habe meine Hausaufgaben gemacht, wirklich!") würden fehlen. Oder die Ausreden ("Nein Mama, ich kann diese wichtige Schulveranstaltung wirklich nicht für das Familienfest absagen!"), die uns ein paar schöne Stunden mit unseren Freunden (anstatt mit unserer grässlichen Familie) bescheren. Oder auch die Anstandssätze wie "Das Barbecue war wirklich gut!" (Ich hasse zwar Rauch und mag kein Bier, ausserdem bin ich Vegetarier, aber ja, das Stückchen Brot mit dem Glas Wasser war toll...!).
Aber wäre das wirklich ein so grosser Verlust?
Wäre der Gewinn, nämlich EHRLICHKEIT, wäre dieser Gewinn nicht unendlich viel mehr wert?
Keine falschen Komplimente. Keine faden Abspeisungen. Keine Heucheleien. Keine vorgetäuschten Gefühle. Keine Lügen eben.
Man würde einfach grade heraus sagen, was man denkt. Nicht verletzend. Nur ehrlich.
Und niemand müsste sich jemals fragen, was das jetzt wohl zu bedeuten hat, ob dieser Satz ernst gemeint war und ob jener wohl von Herzen kam. Alle wüssten, woran sie wären. Man würde keine Zeit an die falschen Menschen verschwenden.
Wäre das nicht besser für alle?

Die W-Orgie

Wieso schneit es erst bei unter 0°C?
Wieso dreht sich alles?
Wer hat das Wort "Türklinke" erfunden?
Warum klopft mein Herz schneller, wenn ich bloss an dich denke?
Was ist an Kerzen so toll?
Wieso soll ich Weihnachten schön finden?
Warum ist unser Drucker so scheisse?
Weshalb räumt es sich an manchen Tagen besser auf als an anderen?
Wann werde ich erwachsen?
Werde ich erwachsen?
Weshalb werde ich ganz nervös, wenn du mich anschaust?
Wann wird es Frühling?
Wo ist mein allererstes Meerschweinchen jetzt?
Wo werde ich mal wohnen?
Werde ich jemals ein GA besitzen?
Wer bist du?
Wieso hat man "Lieblings"-Dinge (Essen, Farben, Blumen...)?
Weshalb bin ich in dieser Familie gelandet?
Worin liegt der Sinn, immer wieder nach dem Sinn des Lebens zu fragen, wo wir doch genau wissen, dass wir die Antwort nicht bekommen?
Warum kann es nicht einfach allen gut gehen?
Was für Schuhe soll ich morgen anziehen?
Wieso könnte ich die ganze Welt umarmen, wenn du auch nur einen Satz mit mir sprichst?
Warum ist Tee kalt, wenn er warm, und heiss, wenn er kalt sein sollte?
Weshalb ist Musik etwas so unbegreiflich schönes?
Wie weit ist der Himmel weg?
Wo fängt er an?
Wo hört er auf?
Was sollen all diese bescheuerten Gedanken?

Ich geh' jetzt den Film mit dem runden Etwas gucken, dass überall das gleiche und niemals grösser als der Daumen ist.

Plan B

Wisst ihr, was ein total doofes Gefühl ist?
Wenn man merkt, dass man Plan B vergessen hat.
Das ist so ein richtiges Scheissgefühl.
Normalerweise hat man ja so seine Vorstellungen, wie etwas ablaufen sollte. Also zumindest so in groben Zügen. Das ist Plan A. Dazu hat man immer (ja, immer!) einen Plan B. Vielleicht nur im Unterbewusstsein, aber er ist immer da, dieser Plan B. Die andere Möglichkeit. Der zweite Weg. Jedenfalls kann man, falls bei Plan A irgendetwas schief geht oder etwas Unvorhergesehenes eintritt, also, dann kann man auf Plan B zugreifen. Man nimmt einfach Plan B und alles wird ein bisschen anders, aber man HAT einen Plan, nach dem man gehen kann. Und nach einer gewissen Zeit wird alles wieder mehr oder weniger seinen gewohnten Lauf nehmen.
Das Doofe ist nun also, wenn man den Plan B vergessen hat. Und zwar dann, wenn man ihn bräuchte. Von Plan A ist weit und breit nichts mehr zu sehen, der hat sich aus dem Staub gemacht. Dann steht man nämlich da, total planlos, und schwebt in der Luft. Man hat absolut keine Ahnung, wie man sich jetzt verhalten soll, und nicht den blassesten Schimmer davon, wie es jetzt weitergeht. Man ist total raum- und zeitlos und kann nur noch denken "Wo ist mein Plan B? Wo ist nur mein Plan B geblieben?" Dazu kommen dann die schwarzen Pünktchen - die gleichen, wie wenn man zu schnell aufsteht. Die schwarzen Pünktchen kommen und machen einen ganz irre, es fängt sich alles an zu drehen und man versteht die Welt nicht mehr (also ja, man versteht sie noch weniger als bis anhin). Und dann kann man auf einmal nichts mehr machen. Die Augen schliessen sich von ganz allein, sie halten diese Pünktchen und die Karusselfahrt nicht mehr aus. Plötzlich lösen sich all die verkrampften Muskeln. Sie lassen einfach los. Das ist ein wunderschönes Gefühl. (Dass man nachher blaue Flecken etc. hat, weil man logischerweise hingefallen ist, ist Nebensache.) Dieses Loslassen - einfach herrlich. Das ist aber auch das einzig Gute daran, Plan B vergessen zu haben. Man schwebt zwar total im leeren Raum und ist sehr verwirrt, dann empfindet man aber für einen winzig kleinen Moment eine Freiheit, die man sonst (meiner Meinung nach) auf keinem anderen Weg erfahren kann.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Muffins everywhere!

Muffins, Muffins, ich seh' nur noch Muffins! Überall!!
Kleine helle oder grosse dunkle,
mit bunten Kugeln, Streuseln oder roten Rosen verziert,
viereckige und runde,
mit Schokoglasur oder mit Zuckerguss,
halb aufgegessen, angebissen oder frisch aus dem Ofen,
als Christbaumkugel (oder eben -muffin), als Serviettenmotiv oder auf der Küchenschürze,
in den unzähligen Kochbüchern und Keksdosen,
ÜBERALL sehe ich Muffins.
Ich muss ins Bad, um kurz vor dieser Muffinwelt zu flüchten.
Ich schaue in den Spiegel.
In meinem Gesicht kleben Krümel. Die Überreste eines Muffins. AAAAAHH!

WHAT??

Was soll ein abgefackelter Teddy bedeuten?
Was sollen vier Jobangebote bedeuten?
Was soll Matsch im Dezember bedeuten?
Was sollen drei Verehrer bedeuten?
Was soll ein nicht vorhandener Dienstplan bedeuten?
Was sollen 25 Tage bis Silvester bedeuten?
Was soll ein Wachsstreifen auf dem schwarzen Mantel bedeuten?
Was sollen 17 Zimtsterne bedeuten?
Was soll ein überladener Swarowski-Weihnachtsbaum bedeuten?
Was sollen 10 verschiedene Muffin-Sorten bedeuten?
Was soll eine Sternschnuppe bedeuten?
Was soll das bedeuten?

Montag, 6. Dezember 2010

Danke.

Ich will hier gar nicht anfangen, für was ich mich bei wem bedanken möchte. Ich will auch nicht versuchen, in Worte zu fassen, wie sehr ich dankbar bin.
Ich will einfach nur Danke sagen, und ich hoffe, es kommt zur richtigen Zeit für die richtigen Dinge bei den richtigen Leuten an.
Danke.

Kindheit adee

Heute habe ich zum ersten mal den Nikolaustag vergessen. Während meiner gesamten Kindheit war das immer ein wichtiger Tag im Kalenderjahr. Die Schuhe wurden schon Wochen vorher peinlich genau geputzt; am Vorabend versuchte man, nicht einzuschlafen - was natürlich nicht gelang. So wachte man dann früh am Morgen des 6. Dezember auf und stürmte aufgeregt aus dem Zimmer, um zu sehen, was der Nikolaus in den Schuh davor getan hatte. Sobald der erste Schokoladennikolaus im Mund verschwunden war, widmete man sich dem Rest: Mandarinen, Nüsse, ganz viel Schokolade und manchmal war sogar ein Buch oder eine Kassette dabei.
Ich liebte den Nikolaustag. Alle hatten gute Laune, waren noch nicht allzu sehr im Weihnachtsstress und überall bekam man eine Kleinigkeit zugesteckt. Hier was Süsses, dort was Süsses...
Aber dieses Jahr ist es anders. Ich habe weder Schuhe geputzt noch morgens gespannt die Tür aufgemacht. Es regnet, die Menschen sind gestresst und unfreundlich wie immer und Grittibänz gibt's nur für Leute mit Garderobenschränkchen.
Als mir heute Vormittag bewusst wurde, dass ich den Nikolaustag vergessen hatte, traf mich das tief. Das war immer so ein schönes und wichtiges Ritual!
War.
Es war ein Stück meiner Kindheit. Und heute Morgen ist ein Teil dieser Kindheit gestorben. Wird irgendwann alles tot sein?

Sonntag, 5. Dezember 2010

Zugfahrt

Ich habe Angst.
Der Zug fährt mir zu schnell.
Und ich habe das Gefühl,
nur Passagier und nicht Lokomotivführer zu sein.
Passagier im eigenen Zug des Lebens.
Ist das genug?

Samstag, 4. Dezember 2010

Irgend sonen Tubel.

Ist es nicht bedenklich, dass so viele Menschen lieber sterben, als in unserer Gesellschaft weiterzuleben? Jedes einzelne Mal, wenn jemand von einer Brücke springt, sich vor einen Zug wirft oder Tabletten nimmt, jedes Mal, wenn ein Menschenleben unnötig verloren geht, haben wir versagt. Wir, als Gesellschaft. Denn wir waren nicht dazu in der Lage, diesem Menschen das zu geben, was er brauchte.
Jedes einzelne Mal, wenn ein Mensch den Weg Freitod als den einzigen oder besten ansieht, haben wir auf ganzer Linie versagt. Und das sollte uns treffen, das sollte uns aufwecken, uns erschrecken und uns aktiv werden lassen. Doch das einzig Aktive, das wir tun, ist den Arbeitgeber zu informieren, dass wir zu spät kommen, weil schon wieder "irgend sonen Tubel vor de Zug gumped isch".
Und wieder einmal frage ich mich: Was muss noch alles passieren, damit wir endlich aufmerksam werden? Damit wir endlich aufmerksam unsere Mitmenschen betrachten, ihnen die nötige Beachtung schenken, ein offenes Ohr oder eine helfende Hand? Damit wir begreifen, dass manches nicht von selber kommt? Wie viele Zeichen und Warnungen müssen noch kommen, wie viele Opfer müssen noch gebracht werden?
Ich fordere euch dazu auf, euer Handeln zu überdenken, euch selbst zu beobachten, kritisch zu betrachten. Ich fordere euch dazu auf, euch auch mit den unangenehmen Themen des Lebens zu befassen. Ich fordere euch dazu auf, weil es absolut notwendig ist, dass sich etwas in unserer Gesellschaft ändert. Und am besten fängt man ja bekanntlich immer vor der eigenen Haustür an. Also: Öffnet eure Türen, kommt ein, zwei Schritte heraus und kämpft euch durch den Müllhaufen, den ihr da vorfinden werdet! Es ist an der Zeit. Es ist überfällig.

Die GROSSE Eismaschine

Ach ja, ausserdem ist eine Eismaschine etwas GROSSES. Jawohl. Ein grosser Sinn des Lebens sozusagen. Yippiih!

Die Eismaschine - oder Der Sinn des Lebens

Wenn jemand zu dir kommt und sagt: "Ich möchte deinem Leben einen Sinn geben. Ich schenke dir eine Eismaschine." Was denkst du dann?
Ich glaube, wenn mir so etwas passieren würde, würde ich in etwa so denken:
1. Oh, toll, eine Eismaschine! Dann kann ich ganz viel Eis machen...und verschiedene Kreationen ausprobieren! Super!
2. Leben? Sinn? Unmöglich. Erst recht durch eine EISMASCHINE.
3. Ich muss eine extrem tragische Tragikfigur sein (die Wortwiederholung von "tragisch/Tragik" ist extra, um die TRAGIK zu betonen), jedenfalls muss ich sehr bemittleidenswert wirken, wenn jemand meinem leeren Leben zu einem Sinn verhelfen will. Und wenn er dazu noch glaubt, dies mit einer Eismaschine tun zu können. Mit einer EISMASCHINE! Kann man ein Leben mit einer Eismaschine ausfüllen?
Wie auch immer, wer kann schon von sich behaupten, es hätte ihm jemand angeboten, seinem Leben einen Sinn zu geben?
Niemand?
Ich auch nicht. (Das war alles rein hypothetisch gemeint, die Begebenheit ist frei erfunden und beruht auf keinerlei persönlichen Erfahrungen!)
Probieren wirs aus, oder? Vielleicht erfüllt uns die Eismaschine ja tatsächlich...

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Uns're teure neue Welt

Ich habe es satt, dieses Thema: Geld. Noch weniger vertrage ich den Satz "Man kann auch ohne Geld glücklich sein!" Das mag ja sein. Manch einer ist vermutlich sogar glücklicher ohne. Aber ich lebe in einer Gesellschaft, in der man nichts mehr ohne Geld bekommt. - Oder umgekehrt, MIT Geld kriegt man (fast) alles.
Ich habe es satt, dass ich keinen Film gucken (ohne kino.to), keinen Ausflug machen (ohne schwarzfahren) und kein Konzert hören kann (ohne youtube.com oder MTV), ohne Geld auszugeben. Ich möchte doch alles ausprobieren, Geschenke machen, mich ehrenamtlich engagieren, jemanden einladen, geniessen, mich weiterbilden... Ich möchte doch leben!
Aber leben ist teuer.
Zum Leben braucht man Geld. (Vom Sterben wollen wir gar nicht erst anfangen!)
Ich habe keines.
Aber ich will welches.
Und ich werde es haben.
Ich muss nur gut sein.
Und mich anstrengen.
Fleissig sein. Und sparsam. Always on the go.
Ich werde arbeiten.
Ich werde gut sein.
Eine der besten.
Und ich werde Geld haben, jawohl.

Dienstag, 30. November 2010

Lohnenswertes Leben?

Wofür es sich zu leben lohnt?
"Für die kleinen Dinge im Leben."
Jaja, schon klar. Ich SCHEISS auf die kleinen Dinge im Leben! Ich bin wie das Kind, das das grösste Geschenk unterm Weihnachtsbaum hervor holen will. Ich will auch etwas Grosses. Etwas Grosses, für das es sich zu leben lohnt.
Ich mag verwöhnt sein,
habe (zu) hohe Ansprüche,
ich mag egoistisch sein,
ziellos und planlos,
ich mag zu viel fordern
und zu wenig geben.
NA UND? In diesen fünf Minuten ist mir das egal. Und in diesen fünf Minuten, grade jetzt, in diesem Augenblick, wage ich es, noch etwas zu fordern: Ich fordere etwas Grosses, einen Grund, eine Aufgabe, irgendetwas, für das es sich zu leben lohnt.
Und komm mir ja nicht mit den kleinen Dingen im Leben. Ich habe sie satt, die kleinen Dinge; die flüchtigen Momente, die man geniessen soll; die kurzen Augenblicke der Zufriedenheit.
Also, ich warte. (Jetzt, da ich schon egoistisch, ziel- und planlos, verwöhnt etc. bin, kann ich auch gleich noch herrschsüchtig, befehlshaberisch und dominant sein.)

Freiere Freiheiten

Manchmal muss man die eine Freiheit für eine andere Freiheit aufgeben.
Man muss entscheiden,
welche Freiheit einem mehr wert ist,
welche Freiheit man leichter opfern kann,
mit welcher Freiheit man mehr Zeit verbringen will.
Manchmal muss man entscheiden, welche Freiheit freier macht.

Montag, 29. November 2010

und's, oder's und ?'s

ja oder nein?
sein oder schein?

hin oder her?
kreuz und quer?

auf oder ab?
schritt oder trab?

hoch oder runter?
froh und munter?
  
da oder dort?
auf und fort?

tief oder hoch?
vielleicht oder doch?

rein oder raus?
saus und braus?

wenig oder viel?
ernst oder spiel?

Donnerstag, 25. November 2010

Winter Wonderland

Weiss.
Weiss auf braun.
Weisser Staub,
federleicht,
pulvrig.
Wunderschön
überzieht er die Hügellandschaft.
Gleichmässig und sanft
legt er sich über sie.

Puderzucker auf Schokomuffins.

Dienstag, 23. November 2010

Ent-Täuschung

Du enttäuschst und du bist enttäuscht. Du bestehst aus Enttäuschungen.
Du bist eine einzige grosse Enttäuschung.
Enttäuschung.
Eigentlich gefällt mir dieses Wort. Man ist ent-täuscht. Befreit von der Täuschung. Das heisst automatisch, dass man weiss, was Sache ist. Man kennt die Wahrheit, wird nicht länger getäuscht. Das ist das Gute an Enttäuschungen. Die Klarheit, die folgt. Lieber spät als nie, oder?
Du enttäuschst und du bist enttäuscht.
Eigentlich müsstest du die Klar- und Wahrheit in Person sein. Wieso bloss bist du so verschwommen?

Montag, 22. November 2010

Was ich könnte

Ich könnte schreien vor Wut,
treten und stampfen
ganze Wälder ausreissen
so viel Zorn fühl ich in mir.

Ich könnte heulen vor Wut,
schluchzen und jammern
ganze Seen von Tränen
wollen raus, raus aus mir.

Ich könnte so vieles,
doch tun tu ich nichts.
Ich bin machtlos
          kraftlos
          hilflos


 
Also schweig ich und schlucke
den Groll, den Zorn, die Wut.
Und denke daran
was ich alles könnte
wenn ich stark wär.

Samstag, 20. November 2010

Gross und Klein

Ich hab' mich mal gefragt, ob es schlimm ist, wenn man die Gross-/Kleinschreibung nicht beachtet. Ich weiss, es kann zu schlimmen Verdrehungen kommen, wie bei
"Helft den armen Vögeln!" oder eben
"Helft den Armen vögeln!", oder
"Der Gefangene floh." und "Der gefangene Floh".
Aber ich meine, so im Allgemeinen. In meinem Tagebuch schreibe ich Einkaufen gross und schule klein. Ist das schlimm? Vielleicht sollten wir anfangen, alles gleich gross zu schreiben. Oder wir schreiben die wichtigen dinge gross und die unwichtigen dinge klein. Das wär doch was. Manche Zeitungen hätten plötzlich viel mehr Platz für Bilder...
Ich glaube, ich habe wieder einmal fünf Minuten und sechsundneunzig Wörter auf ein absolut unwichtiges und nicht interessantes Thema verwandt.

Wie soll ein Mensch das ertragen?

Wie soll ein Mensch den Tod eines anderen Menschen ertragen?
Wie soll ein Mensch das Gefühl ertragen, nicht geliebt zu werden?
Wie soll ein Mensch die verletzenden Worte und Taten der Mitmenschen ertragen?
Wie soll ein Mensch die Welt wie sie heute ist ertragen?
Wie soll ein Mensch es ertragen, nicht bei den Leuten sein zu können, bei denen er gerne wäre - wo er sich aufgehoben, sicher und geliebt fühlt?
Wie soll ein Mensch all die Hochs und Tiefs ertragen?
Wie soll ein Mensch die Einsamkeit, die uns alle dann und wann befällt, ertragen?
Wie soll ein Mensch es ertragen, immer wieder neu zu vertrauen, kennen und lieben zu lernen, und dann doch wieder enttäuscht zu werden, gehen lassen zu müssen?

Wie soll ein Mensch das ertragen, ohne daran zu Grunde zu gehen?

Donnerstag, 18. November 2010

Zu gross und zu klein

Die Welt ist zu gross für mich.
Ich bin zu klein für die Welt.
Es gibt zu viel zu seh'n,
zu viel zu tun,
zu viel zu erleben,
zu viel zu verändern.
Aber ich bin müde.
Und kraftlos.
Und verloren.
So machtlos.
Eben klein.
Zu klein für diese Welt.

Mittwoch, 17. November 2010

Weihnachts-Rush-Hour

Ich bin nicht gerne zu Rush-Hour-Zeiten in Grossstädten unterwegs.
Die Weihnachtszeit ist wie eine permanente Rush-Hour. Überall werden Waren angeprisen und Vorteile ausgeschrieben, ich soll Kundenkarten machen und Bonuspunkte sammeln. Ich fühle mich regelrecht bedrängt und eingeengt. Ich kriege ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts kaufe, und ich kriege ein schlechtes Gewissen, WENN ich etwas kaufe - denn eigentlich habe ich ja gar kein Geld. Und das meiste von diesem Krimskrams brauche ich gar nicht wirklich. Aber in der Weihnachtszeit schaffen es die Läden immer wieder, mir das Gefühl zu vermitteln, dass ich etwas UNBEDINGT haben muss. Dann kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie ich ohne das jeweilige Schmuckstück, Küchengerät oder ohne genau DIESEN Dekoartikel leben konnte.
Wenn ich in die Rush-Hour-Zone des Verkaufs komme, werde ich immer extrem unglücklich. Weil ich all die tollen Sachen nur bestaunen darf. Ich werde sie aber niemals kaufen und besitzen. Ich werde nie die ganzen schönen Geschenke verschenken, die mich aus den Regalen anlachen.
Ob ich glücklicher wäre, wenn ich mir jeden materiellen Wunsch erfüllen könnte?
Fraglich.
Und natürlich gibt es Dinge, die viel viel wichtiger und wertvoller als Geld sind. Gesundheit, Zeit, echte Freundschaften.
Aber so ein bisschen bisschen reich sein wäre trotzdem toll.

Montag, 15. November 2010

Immun 2

(Ergänzung zu "Immun" vom 1. Oktober)

Gegen Brennnesseln kann man immun werden.
Aber gegen manche Stiche wird man niemals immun.
So sehr man es sich auch wünscht,
sie werden immer schmerzen,
verletzen,
aufreissen,
brennen.

Hass

Ich verwende das Wort hassen nur ungern und sehr selten.

Aber.

Ich hasse es, wie du alles mit ein paar wenigen Worten kaputt machen kannst.
Ich hasse es, wie du mich im Innersten triffst und verletzt, ohne, dass du es merkst.
Ich hasse es, dass ich wert darauf lege, was du denkst.
Ich hasse es, dass ich immer wieder reinfalle, immer wieder hoffe.
Ich hasse es, wie du meine Pläne, Träume, Wünsche in den Dreck ziehst.
Ich hasse es, wie du mich wertlos und klein erscheinen lässt.

Und ich hasse mich dafür, dass ich mir wünsche, dass du mich magst.

Tunnelblick

Du bist in einem Tunnel gefangen. Du läufst und läufst. Es ist dunkel, dunkler als dunkel, "zappenduster" eben. Du sehnst dich nach einem bisschen Licht. Und irgendwann, als du schon längst jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren hast, siehst du tatsächlich ein Licht. Ganz weit vorne, ein kleines Lichtlein. Zuerst denkst du, dass du es dir einbildest. Doch das Licht bleibt da, es verschwindet nicht, und du läufst ihm entgegen. Plötzlich kommt dir ein Gedanke. Das Licht am Ende des Tunnels könnte ein entgegenkommender Zug sein!
Nun hast du verschiedene Möglichkeiten. Du könntest dich mitten auf die Schienen setzten, anfangen zu heulen und sagen: "Ich bin verloren!". Der Zug würde immer näher kommen und dich schlussendlich überrollen. Das wäre dann das Ende.
Du könntest auch probieren, am Zug vorbei zu kommen, damit du dann tagelang weiterlaufen kannst und schliesslich doch verhungerst, ohne das Tageslicht noch einmal gesehen zu haben.
Oder aber du könntest versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Spring auf, fahr mit, freunde dich mit den Fahrgästen an, unterhalte dich mit dem Lokomotivführer, diskutiere mit dem Schaffner, spüre den Fahrtwind auf deiner Haut, presse deine Nase gegen das Fenster und lass dich in die bequemen Sessel fallen, von denen aus du die Landschaft (irgendwann hört jeder Tunnel auf) an dir vorüberziehen siehst.
Just do it.

Und ausserdem: Es KÖNNTE der Zug sein. Vielleicht ist das Licht am Ende des Tunnels aber auch etwas ganz anderes... Was auch immer. Geh hin und schau nach.

You could be happy.

Die meisten Menschen brauchen etwas, bevor sie merken, was das Leben für ein Geschenk ist.
Das Etwas kann zum Beispiel ein Unfall sein, der grade noch einmal gut ausgegangen ist. Viele merken erst dann, was sie haben, wenn sie kurz davor sind, es zu verlieren.
Wieso?
Man kann auch so dankbar für sein Leben sein, man kann auch so etwas daraus machen, es nutzen, wertschätzen und geniessen. Braucht man dafür wirklich ein dramatisches Ereignis wie eine Nahtoderfahrung?
Carpe diem - nutze den Tag. Und mach etwas aus deinem Leben. Ohne grosses Trara von aussen. Tu es einfach. Weil es dir nicht geschenkt wurde, um es zu verschwenden.


Snow Patrol - You could be happy

Sonntag, 14. November 2010

Verlierer vs. Gewinner

Warum bin ich immer für die Verlierer?
Im Sport, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Musik und auf dem Schulhof.
Immer bin ich für den Verein, der verliert. Für den erfolglosen Politiker; den Laden, der Konkurs geht. Mir gefällt die Musik der armen Künstler, die niemals einen Zehner Gewinn mit ihrem Schaffen verdienen werden. In der Schule bin ich bei den komischen, merkwürdigen. Nicht bei den Coolen.
Warum bin ich immer für die Verlierer?
Oder warum sind alle anderen für die Gewinner?
Ich glaube, das hat zwei mögliche Gründe:
Die einen finden es schlichtweg bequemer. Natürlich ist es bequemer zu gewinnen. Und angenehmer. Wer jubelt schon nicht gerne, gewinnt, siegt?
Die anderen sind die Unwissenden. Viele KENNEN den Politiker vielleicht gar nicht, haben noch nie die Lieder meines unbekannten Musikers gehört, und noch nie hat ihnen jemand von meinem Lieblingsladen oder dem kleinen Sportverein erzählt.
Die Unwissenheit der zweiten Gruppe wird öfter auch als "Ignoranz" bezeichnet, was zum Teil sicherlich berechtigt ist. Denn es ist mühsam, fremdes kennenzulernen und dazu dann noch zu "verlieren", auf der Seite der Minderheit zu sein.
Aber ich glaube ganz fest daran, dass es auch Menschen gibt, die tatsächlich unwissend sind. Die sich auf die Verliererseite stellen würden, weil sie sie besser fänden, wenn sie nur wüssten, dass es sie gibt, die andere Seite.
Deshalb werde ich niemals aufhören, für die Verlierer zu sein. Für sie zu kämpfen. Sie zu unterstützen. Auch wenn sie wieder und wieder verlieren. Irgendwann werden sie - wir - gewinnen.
DARUM  bin ich für die Verlierer.

Samstag, 13. November 2010

Der Weg

Es gibt immer einen Weg.
Gibt es?
Ich bin mir nicht sicher.
Oder doch, ich bin mir sicher: Es gibt NICHT immer einen Weg.
Manchmal dreht man sich im Kreis, kommt nicht vom Fleck, ist festgefahren.
Manchmal muss man akzeptieren, dass man in einer Sackgasse ist.
Manchmal muss man akzeptieren, dass man am Abgrund steht.
Manchmal muss man akzeptieren, dass man die falsche Abbiegung genommen hat.
Wenn man Glück hat, ist der Weg zurück noch frei. Dann kann man bis zur letzten Kreuzung zurück gehen und einen anderen Weg ausprobieren.
Doch manchmal hat man eben kein Glück.
Und dann steht man da.
Dreht sich im Kreis.
Kommt nicht vom Fleck.
Ist festgefahren.
Und wenn dann jemand kommt und dir erzählen will, es gäbe immer einen Weg, kannst du ihm nur in die Augen schauen und sagen: "Wach auf. Die Welt ist kein schöner Ort. Es gibt böse Menschen. Und es gibt nicht immer einen Weg." Das ist der Grund, weshalb man manchmal nur dasitzt und heult. Weil es keinen Weg gibt. Noch nicht mal einen Trampelpfad.
Manchmal ist es auswegslos.

In diesen Zeiten muss man geduldig sein, warten, ausharren, durchhalten. Auf die Zähne beissen. Und irgendwann, irgendwie, irgendwo WIRD sich ein Weg zeigen. Einer, der vorher noch nicht da war. Aber bis dahin heisst es kämpfen.
Kämpfen gegen die Macht der Auswegslosigkeit.