Salut!
Frankreich ist doch irgendwie noch sehr viel anderer, als ich dachte. Aber zurück zu den bewährten Stichworten:
Wohnheim:
Das Lied kann käuflich hier erworben werden: http://www.sonicservice.ch/torp-thewild
Ich lege euch das sehr ans Herz - diese Band ist es wirklich wert. Also hört, kauft und verbreitet!
So, das war's. Fazit: Ich lerne hier viel. Ich geniesse die Zeit und baue mir mein Leben auf, wenn auch auf Sparflamme - vier Monate sind doch schnell vorbei. Richtig Wurzeln schlagen will und werde ich hier also nicht. Trotzdem bin ich gespannt, was alles noch so kommt…
Seid von Herzen gegrüsst,
bästa hälsningar.
Frankreich ist doch irgendwie noch sehr viel anderer, als ich dachte. Aber zurück zu den bewährten Stichworten:
Wohnheim:
- Unsere Küche bleibt... naja, sie hat Charakter. Vor allem, wenn die zwei lieben Nachbarn Kartoffeln gekocht haben. Die lassen das Wasser munter überkochen und am Ende hat man einen braun-schwarzen Rand um die Platte, der fast wie ein Vulkan-Krater aussieht. Es ist ihnen aber kaum zu verübeln, denn die Kochplatten haben alle Charakter: Eine grosse lässt sich nicht regulieren - also entweder volle Kraft voraus oder rien du tout. Die andere grosse Platte funktioniert nur manchmal, wenn man Glück hat. Man muss immer genau hinhören, wenn's surrt - Jackpot; sonst - Pech gehabt. Die beiden kleineren Platten sind zuverlässiger, haben aber auch nicht immer Lust, vor allem, wenn der grosse Bruder nebendran schon in Betrieb ist. Kochen ist und bleibt hier also ein Erlebnis.
- Weitere Besonderheiten: Die Kühlschränke sind mit Schlössern versehen, inzwischen weiss ich den Code auch früh morgens verschlafen auswendig, ein definitives Plus. Inzwischen liegen die Schlösser aber eh meistens in der ganzen Küche verteilt, wir finden die alle doof.
- Leider hat man keine Chance auf Mitternachtssnacks, bei denen sonst immer die wirklich guten Gespräche entstehen - unsere Küche wird nämlich von 23 bis 5 Uhr abgeschlossen. Ja, genau. Unsere Küche wird abgeschlossen. Tee und Wärmflaschen zubereiten, Essensreste in den Kühlschrank tun - das muss alles vorher passieren. Das führt zu einer heillosen Überlastung, von 17 bis 23 Uhr sind immer mehr Menschen in dem kleinen Raum, als feuerschutztechnisch erlaubt wäre (keine Ahnung, ob das stimmt - aber so fühlt es sich an). Schliesslich besteht unsere kleine Familie (sprich alle auf unserem Gang wohnhaften Menschen) aus rund 40 Personen…
- Ausserdem: Wir haben keinen Tisch. Dafür viiiiele Leute. Andere wohnen in Wohnheimen, wo es riesige Tische gibt - aber keine Leute. Irgendwie ungünstig.
- Aber die Residenz hat auch echt positive Seiten. Mein direkter Zimmernachbar hat sich eine Gitarre gekauft - und kann auch richtig gut spielen! Er übt fleissig und ich lausche, wirklich toll. Gegenüber wohnt eine äusserst talentierte Pianistin / Sängerin, die auch hie und da vor sich hin trällert. Dazu noch ein paar Trommelrhythmen von einem der zahlreichen Afrikaner - herrlich.
- Es gibt einen Musikraum! Nachdem man einen Brief (handschriftlich!) an die Direktorin geschrieben hat, den man beim Empfang abgeben muss, damit er von da ins Büro wandert, von wo aus er dann irgendwann der Dame übergeben wird… kommt man auf eine Liste und darf den Raum auch benutzen - inklusive dem Klavier. Sehr toll!
- Es gibt auch einen Kompost! Ja! Ich habe hier einen Kompost! Und einen Kräutergarten mit Petersilie, Pfefferminze, Schnittlauch… Richtig toll!
- Es wohnen wirkliche Individuen hier - der Italiener, der in den ersten zwei Wochen wirklich nur Spaghetti mit Tomatensauce und Tomaten-Mozarella-Salat gegessen hat. Papa (ja...das ist der Name!), der nur Pommes und Spaghetti isst, weil er nichts anderes kochen kann… (Wir bringen es ihm bei. Letztens gab's Reis!) Sehr viele Menschen mit Arabisch-Kenntnissen, die mir alle gerne helfen wollen, um mir ihren Dialekt beizubringen...
- Es lohnt sich hier, zum Bus zu rennen. Die Busfahrer warten fast immer, halten sogar noch einmal an. In Basel und München waren das immer die aussergewöhnlich netten, hier ist das normal. Auch normal: Busse, die früher abfahren. Schade, wenn man stolz ist, mal so aus dem Haus gegangen zu sein, dass man zwei Minuten früher an der Haltestelle ist - nur um den Bus beim Runterlaufen davon fahren zu sehen…
- Apropos Bus - Oktober ist Fahrradmonat! Ich habe auf ein Busabo verzichtet und bin so nun gezwungen, das Fahrrad zu benutzen. Der Weg zur Uni ist zwar lang, aber die frische Luft tut gut. Die vielen Blätter auf dem Boden knistern, richtig schön.
- Es heisst, in der Bretagne habe man alle vier Jahreszeiten an einem Tag. Stimmt irgendwie - man sieht fast jeden Tag mal Gewitterwolken und blauen Himmel, es ist kalt und plötzlich kann man wieder draussen Kaffee trinken. Das Licht ist oft einfach fantastisch, viel zu schön zum Fotografieren. Aber wirklich geregnet hat es noch fast nie, das Wetter ist echt herrlich, vor allem an den Wochenenden - ein Traum für Ausflüge!
- Ausflüge - ja, bisher durfte ich schon einiges entdecken: Fougères (süsses kleines Städtchen), La Gacilly (kleines Dorf, wirklich schön, viele Künstler und Ateliers, Ursprungsort von Yves Rocher, jährlich ein GRANDIOSES Fotofestival, dieses Jahr zum Thema "nourrir la planète" - echt spannend! Vor allem Peter Menzel mit den Tellern der Welt: http://menzelphoto.photoshelter.com/gallery/Hungry-Planet-Family-Food-Portraits/G0000zmgWvU6SiKM/C0000k7JgEHhEq0w), Omaha Beach und Umgebung (in der Normandie, Meer und Wind und Strand, wichtig für den D-Day, eindrücklich irgendwie… Obwohl Krieg zu sehr glorifiziert wird mit den ganzen Gedenkstätten dort, also mit deren Art.).
- Ich besuche zwei Französischkurse und eine Vorlesung über Deutschland (sehr interessant), aber mein Hauptstudium besteht hier aus intensiven Arabisch-Stunden. Etwa 14 Lektionen pro Woche vertiefe ich mich in diese wunderschöne und komplizierte Sprache - ein wenig merkwürdig, sie auf Französisch zu lernen, aber es wird, es wird. Schon stehen die ersten Prüfungen an, zum Beispiel ein Diktat - ja, ein Diktat auf Arabisch! Uiuiui.
- Die Dozenten im Arabisch sind alle super, total engagiert und interessiert.
- Immerhin bin ich jetzt (hoffentlich) in den richtigen Kursen eingeschrieben, ich finde meistens die richtigen Räume und es kommt nur noch einmal pro Woche vor, dass ein Kurs spontan verschoben wird. Bei Verschiebungen nach hinten geht das einigermassen - manchmal kommt man aber auch an und dann heisst es, der Kurs hätte schon vor zwei Stunden statt gefunden. Tja, dumm gelaufen.
- Volleyball gibt's hier auch - macht auch hier Spass.
- Manchmal verabredet man sich zum Skypen - und dann stehen die Menschen plötzlich in echt vor der Tür. Sachen gibt's… Toll sowas!
- Die Welt ist klein. Überall trifft man Bekannte und Verwandte von Bekannten und Freunde von und so weiter. Irgendwie beängstigend. Und schön.
- Die Bürokratie hier… Naja. Die Franzosen stammen definitiv von den Schildbürgern ab. Mit Beispielen will ich gar nicht erst anfangen, dafür ist die Uhrzeit schon zu fortgeschritten und der Text schon zu lang.
- Auch in Paris durfte ich ein paar Tage verbringen. Eine wundervolle Stadt - mit Sonne noch viel mehr. Dank wertvoller Tipps entdeckten wir wirklich tolle Orte. Direkt vor der Unterkunft gab es einen riesigen bunten Markt (gaaaaanz viel Arabisch war da zu hören! Liess mich auch die Maus im Hotelzimmer vergessen, die meine Maiswaffeln mit Schokoüberzug angeknabbert hat. Merke: Mäuse lieben Schokolade!), so viel zu sehen und riechen und essen und und und…! Herrlich! Frühstück unter dem Eiffelturm, Sonnenuntergang beim Sacré-Coeur mit Blick über die Stadt und einem Glas Rotwein - das Leben kann so schön sein!
- Post ist inzwischen schon eingetroffen - herzlichen Dank! Die Wanddeko wächst… Beantwortet habe ich auch fleissig, jetzt kann es also von Neuem losgehen ;-)
Das Lied kann käuflich hier erworben werden: http://www.sonicservice.ch/torp-thewild
Ich lege euch das sehr ans Herz - diese Band ist es wirklich wert. Also hört, kauft und verbreitet!
So, das war's. Fazit: Ich lerne hier viel. Ich geniesse die Zeit und baue mir mein Leben auf, wenn auch auf Sparflamme - vier Monate sind doch schnell vorbei. Richtig Wurzeln schlagen will und werde ich hier also nicht. Trotzdem bin ich gespannt, was alles noch so kommt…
Seid von Herzen gegrüsst,
bästa hälsningar.