Du, Mensch.
Heute habe
ich dich wieder einmal getroffen. Du bist schon öfter aufgetaucht, und es geht
mir jedes Mal sehr ähnlich mit dir. Anfangs ist da Neugier. Dann kommt langsam
die Skepsis, das Ernüchtern, schliesslich das Bedürfnis aufzuklären, zu informieren,
aufzuzeigen, herauszufordern, in Frage zu stellen. Und dann, nach einem kurzen
Traurigkeitsmoment, kommt ziemlich sehr schnell die Wut. Die blanke, nackte,
kalte Wut. Beziehungsweise heisse Wut. Sie kocht in mir hoch und schlägt dir in
Wellen entgegen. Manchmal mehr, manchmal weniger gefiltert. Bringen tut das
nichts. Zurück bleiben schlechte Gefühle, ein rasendes Herz, rote, verquollene
Augen und der bohrende Stachel der absoluten Hilflosigkeit.
Ich wäre
gerne eine, die Menschen wie dich belächelt und gleich wieder vergisst. Oder
die dich bemitleidet wegen deiner Unwissenheit, deines unnötigen Grolls, deines
engen Horizontes. Bin ich aber nicht. Ich bin eine, die dich schweigend
anschreit. Anbrüllt. Dir rechts und links eine runter haut, ohne dich zu
berühren. Ich bin eine, die unendlich lang über eine Begegnung wie diese weinen
kann. Trauern. Heulen, brüllen, schluchzen, dass Rotz und Wasser nur so
fliessen. Eine, die vor Wut alles kurz und klein schlagen könnte, bei der die
Adern beim blossen Gedanken an Menschen wie dich hervor treten und der Kopf rot
anläuft.
(Andererseits
würde ich es mir vermutlich übel nehmen, wenn ich nicht so reagieren würde.
Menschen wie du – ihr seid Gift für die Menschlichkeit. Diesen Schmerz darf man
ruhig in die Welt hinaus jaulen.)
Leider bin ich nicht eine von denen, die dich bemitleiden und für dich
beten. Ich bete einzig und allein darum, keinen Leuten mehr wie dir begegnen zu
müssen. Das ist vollkommen intolerant und keine Lösung. Aber auch Toleranz hat
ihre Grenzen. Und diesen Preis bezahle ich gerne.




