Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Sonntag, 30. November 2014

Die Rassistin

Du, Mensch.
Heute habe ich dich wieder einmal getroffen. Du bist schon öfter aufgetaucht, und es geht mir jedes Mal sehr ähnlich mit dir. Anfangs ist da Neugier. Dann kommt langsam die Skepsis, das Ernüchtern, schliesslich das Bedürfnis aufzuklären, zu informieren, aufzuzeigen, herauszufordern, in Frage zu stellen. Und dann, nach einem kurzen Traurigkeitsmoment, kommt ziemlich sehr schnell die Wut. Die blanke, nackte, kalte Wut. Beziehungsweise heisse Wut. Sie kocht in mir hoch und schlägt dir in Wellen entgegen. Manchmal mehr, manchmal weniger gefiltert. Bringen tut das nichts. Zurück bleiben schlechte Gefühle, ein rasendes Herz, rote, verquollene Augen und der bohrende Stachel der absoluten Hilflosigkeit.
Ich wäre gerne eine, die Menschen wie dich belächelt und gleich wieder vergisst. Oder die dich bemitleidet wegen deiner Unwissenheit, deines unnötigen Grolls, deines engen Horizontes. Bin ich aber nicht. Ich bin eine, die dich schweigend anschreit. Anbrüllt. Dir rechts und links eine runter haut, ohne dich zu berühren. Ich bin eine, die unendlich lang über eine Begegnung wie diese weinen kann. Trauern. Heulen, brüllen, schluchzen, dass Rotz und Wasser nur so fliessen. Eine, die vor Wut alles kurz und klein schlagen könnte, bei der die Adern beim blossen Gedanken an Menschen wie dich hervor treten und der Kopf rot anläuft.
(Andererseits würde ich es mir vermutlich übel nehmen, wenn ich nicht so reagieren würde. Menschen wie du – ihr seid Gift für die Menschlichkeit. Diesen Schmerz darf man ruhig in die Welt hinaus jaulen.)
Leider bin ich nicht eine von denen, die dich bemitleiden und für dich beten. Ich bete einzig und allein darum, keinen Leuten mehr wie dir begegnen zu müssen. Das ist vollkommen intolerant und keine Lösung. Aber auch Toleranz hat ihre Grenzen. Und diesen Preis bezahle ich gerne.

Samstag, 25. Oktober 2014

Servus aus München

Hallo ihr Lieben

Da bin ich wieder und melde mich aus München. Viel ist passiert seit dem letzten Mail vor zwei Monaten und da dachte ich, es wäre Zeit für ein kleines Update. Zumal das "letzte Mail" der Rundmails nie das wirklich letzte bleibt. Hier ist es also, das Update. Chronologisch.
  • Die grosse Bitte, die ich im letzten Mail äusserte - ein Computer für Gérard - hat sich erfüllt. DANKE hier noch einmal an den grosszügigen Spender. Ich bin absolut beeindruckt und die Freudensprünge, die ich noch immer mache, wenn ich daran denke, gehen immer noch in gefährlich hohe Höhen (Sauerstoff ist knapp da oben…). Danke. Gérard ist überglücklich mit dem Computer, er konnte sich nach einigen Schwierigkeiten (ich will wirklich nicht mit ihm tauschen) auch definitiv in der Uni einschreiben und sein Studium beginnen. Zudem lernte er durch die Computersache meinen Gastvater in Rennes kennen - die beiden verstehen sich super, treffen sich regelmässig und organisieren Projekte zusammen. Dann schreiben sie mir beide unabhängig, wie toll der andere doch ist und was sie so alles erlebt haben. Eine wahre Erfolgsgeschichte also, die mein Herz erwärmt, durch und durch.
  • Auch sonst hat mich Frankreich nachhaltig geprägt und ich denke täglich an die Menschen dort. Wer also einmal die Chance hat, in so einer Organisation zu arbeiten - tut es.
  • Die Reise nach Brüssel war ebenfalls ein Erlebnis. Wieder durfte ich tolle neue Menschen treffen, Dinge über die EU lernen, leckeres Bier trinken - einfach eine wundervolle Woche erleben. Mit zuwenig Schlaf, aber vielen guten Momenten.
  • Auch meine zweite Bitte aus dem letzten Mail wurde erhört. So fand sich denn eine ganze Truppe hilfsbereiter Super-Menschen, die mir bei der Verschiebung meines ganzen Krempels in den Freistaat Bayern halfen. Hier noch einmal DANKE für die sichere Fahrt, die lustigen Stunden, die Geduld mit meinem genervten und müden Ich, die Kreativität bei der Wandbemalung (siehe Bild…) und und und. Die Wohnung ist mehr oder weniger fertig eingerichtet (jetzt sogar mit Esstischplatte, direkt importiert aus Salzburg (schöne Stadt!)), ich fühle mich wohl und geniesse es, mein ganz eigenes Reich zu haben. Ausser beim Putzen. Da wäre ich nicht traurig, Unterstützung zu haben. Aber naja.
  • Was noch fehlt in der Wohnung: Viiiele schwarz-weiss-Karten. Denn gegenüber der bemalten Wand befindet sich eine beklebte Wand - beklebt mit einer riesigen Palmen-Fototapete. Diese Palmen sind ja schön und nett - bzw. nein, das sind sie eben nicht. Deshalb soll ihr hässliches blau-grün von einer schwarz-weiss-Welle verschlungen werden. Meine Adresse gibt's auf Nachfrage, ich freue mich und antworte auch - manchmal zeitnah, manchmal erst ein bisschen später.
  • Dann war ja noch das Jahreskonzert mit dem Orchester. Es hat riesig Spass gemacht, viele Leute waren da (hat mich gefreut!!) und einen schöneren Abschluss für dieses tolle Jahr kann ich mir kaum vorstellen.
  • Nach dem Orchester kam der Halbmarathon - 21 Kilometer quer durch Basel, quasi ein Abschiedslauf. Auch der war spassiger als gedacht. Natürlich gab es den ein oder anderen Kilometer, an den ich mich lieber nicht erinnere. Aber ich bin ins Ziel gekommen, und das ist doch ganz schön. Es wird nicht mein letzter Halbmarathon gewesen sein.
Jetzt bin ich also in München, die Uni hat auch hier begonnen und ich wage es, ein erstes Fazit zu ziehen:
  • Die Stadt ist wundervoll und es gibt viiiiel zu entdecken.
  • Meine Arbeit (vegane Sachen auf dem Viktualienmarkt verkaufen) macht richtig Spass. Sie fordert - neue Produkte, anderes Kassensystem, vielfältige Kundschaft mit unterschiedlichen Ansprüchen, ein neues Team… - aber ich freue mich immer darauf und sie bietet eine gute Abwechslung zum sitzenden Uni-Dasein.
  • Ich habe einen Hauskreis gefunden, mit sehr lieben Leuten. (Hauskreis: Wir treffen uns regelmässig, essen zusammen Abendbrot, singen Taizé-Lieder, lesen einen (Bibel-)Text und reden darüber - und über sonstige Dinge im Zusammenhang mit unserem Glauben und Gott und dem Leben.)
  • Die Uni macht ebenfalls Spass (jaja, mein Leben ist ganz spassig im Moment!). Das liegt vor allem an den Dozenten, die sehr motiviert sind (sehr ungewohnt, irgendwie…). Und an den Fächern, in denen wir spannende Sachen lernen. Und an den netten MitstudentInnen aus aller Welt: Russland, Ukraine, Indonesien, Österreich, Deutschland natürlich, Italien, China… Aber die Uni fordert auch, was gut ist, aber zeitraubend. Der Studiengang heisst Interkulturelle Kommunikation und Moderation, wir lernen Sachen im Bereich Sprachen, Unternehmenskommunikation, Marketing, Wirtschaft allgemein, Kommunikationstechniken und so weiter.
  • Daneben beschäftige ich mich momentan vor allem mit der Bachelor-Prüfungsvorbereitung für Dezember (BALD!!), was mich mit ein wenig Sorge erfüllt.
  • Es ist merkwürdig, wieder in Deutschland zu sein. Einerseits ein Land, dass ich gut kenne - immerhin habe ich einen Teil meines Lebens hier verbracht. Aber doch sind mir viele Dinge fremd und ich entdecke, dass ich doch sehr schweizerisch bin. Natürlich lassen sich Ostdeutschland und München - Freistaat Bayern - nicht vergleichen.  Ich bin also gewissermassen wieder im Ausland - weder in der ersten, noch in der zweiten Heimat. Vielleicht wird das hier ja die dritte bzw. vierte (Schweden…) Heimat…?
So, genug von mir. Zum Schluss möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken. Dieser Sommer war wieder sehr bewegt und voll und abwechslungsreich. Vieles wäre nicht möglich gewesen ohne euch. Deshalb: Danke für die Gastfreundschaft - in Edinburgh, in Rennes, in Basel (!!), im Toggenburg, überall, wo ich sein durfte. Danke für die Geduld, für die Grosszügig- und Freigiebigkeit bei sämtlichen Dingen (Farbe, Velos, und und und), für die Spontaneität, Verlässlichkeit, danke für Verständnis, aufbauende Worte und feste Umarmungen, fürs Kisten tragen und Pinsel schwingen, für noch so viel Sachen mehr. Danke!

Und der obligate random fact: In zahlreichen Ländern ist Englisch eine offizielle Amtssprache. Die Vereinigten Staaten von Amerika gehören nicht dazu.


Lasst es euch gut gehen und ich freue mich, von euch zu hören und euch zu sehen! In diesem Sinne - Servus aus München!



Mittwoch, 27. August 2014

Nach hinten und nach vorn - ein Resüme

Salut oder bald auch Servus

BITTE lest vor allem das fette rote BITTE am Ende des Mails, alles andere ist unwichtiger.
  • La vie en France ist zu Ende, die Zeit des Pendelns hat begonnen. In den nächsten Wochen wird der einzige Fixpunkt der Zug (hier stellvertretend für alle öffentlichen Verkehrsmittel aufgeführt) sein, der mich zwischen Basel, der Ostschweiz, Brüssel und München hin und her transportiert. Doch vor einem Blick auf die Zukunft hier noch ein Blick in die Vergangenheit:
  • Der beste Zugang zu älteren, arbeitslosen Männern, die meist auf der Strasse leben? Zigaretten, Bier oder - ein Spiel. Es lohnt sich, jassen zu lernen. Das kennt und liebt man nämlich auch in Frankreich. Mein Teampartner und ich haben zwar haushoch verloren, aber das ist Nebensache.
  • Nicht nur jassen, auch feiern kann ich jetzt auf französisch: Um den Freiwilligen für ihre Arbeit zu danken und auch einmal ausserhalb der "Arbeit" etwas zusammen zu unternehmen, habe ich sie zu einem gemütlichen Abendessen eingeladen. Zehn kamen, elf assen, elf tranken, elf spielten Spiele und diskutierten über Gott, den Glauben, ob Jesus perfekt war, die Welt, Zukunftspläne, Wertvorstellungen und Dinge, die sie bereuen. Bemerkenswert dabei ist, dass sich nicht alle untereinander kannten. Trotzdem und trotz der Verschiedenheit der Menschen (Franzosen, Afrikaner, Arbeitslose, Universitätsprofessoren etc.) einen ganzen Abend lang miteinander tiefe Gespräche führen zu können - das ist einfach toll.
  • Mit viel Gepäck bin ich gekommen, mit noch viel mehr wieder gegangen. Unter anderem dabei:
    • Bretonnische Galettes. Für daheim gebliebene Schleckermäuler.
    • Sandalen. Von meiner lieb gewonnenen algerischen Freundin.
    • Eine Taizé-Schüssel. Von meinem amerikanischen Zwilling.
    • Eine bretonnische Tasse. Von dem liebenswerten Ehepaar, das mich zum Bahnhof gebracht hat.
    • Viele Erinnerungen, die hoffentlich nie vergessen gehen.
    • Viele Kontakte, die hoffentlich eine ganze Weile halten.
    • Viele Wörter, die ich hoffentlich oft anwenden kann.
    • Viel Wissen über alles mögliche, beispielsweise Afrika, die verschiedenen Länder und Kulturen dort.
    • Bücher. Der kleine Prinz in Original, ein Buch über den tollen Markt in Rennes etc.
    • Das vielleicht wichtigste Gepäckstück: Die Gewissheit, etwas verändern zu können. Die Gewissheit, einen Unterschied zu machen. Die Gewissheit, nicht der ganzen Welt helfen zu können oder zu müssen, aber diesen paar Menschen ein paar schöne Augenblicke beschert zu haben.
Nun bin ich in München, habe meine zukünftige Wohnung gesehen (toll - klein aber fein!) und den Vertrag unterschrieben (juhu!). Bald geht es nach Brüssel (Studienreise mit der yes, young european swiss, um die EU besser kennen zu lernen), danach bin ich eine Weile in der Schweiz. Ab dem 1. Oktober studiere (Interkulturelle Kommunikation und Moderation) und wohne ich dann im Freistaat Bayern; Post (brauche viiiiel neue Wanddeko! Z.B. schwarz-weiss Bilder mit Musik- / Film- / anderen Tipps hinten drauf?!) und Besuch sind immer sehr willkommen, Adresse einfach erfragen.

Die Zeit der Rundmails endet also einmal mehr - schön war's. Ich möchte aber nicht ohne eine letzte Einladung, eine letzte Bitte, eine allerletzte Bitte und einen letzten random fact aufhören:

Einladung: Am 27. September um 20 Uhr findet in Therwil bei Basel unser Akkordeonorchester-Jahreskonzert statt. Komme wer kann - alle anderen auch. Es lohnt sich! (siehe Flyer unten)

BITTE: Eine der vielen Bekanntschaften und Freundschaften aus Rennes ist G. G. kommt aus Kamerun und hat International Affairs (oder sowas - mit international und Rechtswesen und so) studiert. Er ist im Moment ohne Papiere, also offiziell illegal in Frankreich. Seine Situation ist, wie die von vielen, ziemlich kompliziert. Er möchte gerne weiter studieren und darf das in Frankreich auch, in etwa einer Woche beginnt sein Semester. Der Mensch ist blitzgescheit, hat unglaublich viel Potenzial und wir haben viele Stunden Kaffee trinkend und diskutierend verbracht, was immer sehr bereichernd für mich war. G. schreibt gern, hat einen unstillbaren Wissensdurst und ist zielstrebig. Mit kleineren Schreibarbeiten (z.B. Texte für Webseiten von Musikern) verdient er sich ein bisschen Geld. Nun ist das Problem, dass er keinen Computer hat. Für diese Arbeiten, auch für Recherchen, natürlich für die Uni und um allgemein einfach zu schreiben wäre das aber sehr gut beziehungsweise notwendig. Momentan macht er alles über den Computer seines Cousins, bei dem er im Moment auch wohnt. Das ist aber sehr schwierig und auf Dauer nicht wirklich eine Lösung, gerade für das Studium. Lange Rede, kurzer Sinn: Falls jemand einen Computer (Laptop, da die Wohnsituation nicht stabil ist und das Ding deshalb transportabel sein sollte) hat, den er nicht mehr braucht - da würde sich ein sehr toller Mensch sehr drüber freuen. Es würde ihm seine Ausbildung möglich machen, was wiederum ein weiterer Schritt in Richtung geregeltes Leben darstellt. Es muss nicht das neueste Modell von morgen sein, aber natürlich wäre es auch nicht schlecht, wenn es kein Kasten von vorgestern wäre - wer schon einmal eine Arbeit für die Uni auf solch einem Gerät geschrieben hat, weiss, dass das Nerven ohne Ende kostet. Wer sowas hat oder jemanden kennt oder was weiss oder… - bitte melden.

Bitte II: Jetzt habe ich eine Wohnung - aber leider noch kein Umzugsequipment. Gesucht werden deshalb starke Menschen, die Lust auf einen Ausflug nach München haben; ein grosses Auto (so ein Kleinlaster / -bus, das grösste Auto, das man mit normalem Ausweis fahren darf) und ein Fahrer (jdm. der gut und gerne grosse, schwere Autos fährt) für eben dieses Auto. Umzugstermin ist irgendwann im September, flexibel, vorzugsweise nicht am Wochenende. Über Gegenleistungen kann verhandelt werden.

Random fact:
In München gibt es mehr Yoga-Studios als Kindertagesstätten. Was das zu bedeuten hat und warum das so ist, darf sich jeder selbst überlegen.

Und noch ein Filmtipp:
Monsieur Claude und seine Töchter. Eine französische Komödie über kulturübergreifende Ehen. Selten so gelacht. Wirklich.

Bästa hälsningar, danke für eure Ausdauer und lasst es euch gut gehen!


Donnerstag, 14. August 2014

Spät und lang

Salut!

Der späten Stunde wegen ohne Einleitung direkt zu den letzen zwei Wochen:
  • Ich habe zum ersten Mal eine ganze Artischocke gegessen. Kannte ich sonst nur als Pizzabelag, jetzt auch aus dem Dampfkochtopf. Hervorragend!
  • Jeden Tag lerne ich viel. Französische Vokablen und kulturelle Gepflogenheiten, aber auch meine Geografiekenntnisse (vor allem im Bereich Afrika) verbessern sich stetig. So auch das Wissen über einzelne Länder. In Guinea gäbe es zum Beispiel keinerlei Probleme zwischen Muslimen und Christen. Sie würden auch munter untereinander heiraten. Irgendwie hoffnungsvoll, dieser Gedanke.
  • Ebenfalls lehrreich: Ein Mittagessen mit einer irakischen Familie aus Mossul. Wer nicht weiss, was da gerade so abgeht, der informiere sich jetzt.
  • Ansonsten war die Zeit gefüllt mit liebem Besuch:
    • Zwei Franzosen: Auflug nach St. Malo (süsses Küstenstädtchen mit schönem Strand, der Entdecker Kanadas kommt von da) und Mont St. Michel (Pilgerort, eine Kirche auf einem Felsen im Meer). Zusammenfassung: Meer, Küste, Natur, Wind, Geruch, Rauschen, Flut, Crêpe / Galettes. Sehr schön. Siehe Bilder unten.
    • Eine Taizé-Bekanntschaft aus New York: drei Tage Englisch reden.
    • Drei Schweizerlein: zwei Tage Schweizerdeutsch reden. Gut zu wissen, dass diese Sprachkenntnisse noch vorhanden sind. Aber mein Französischniveau war nach diesen Tagen wieder…naja, sehr tief unten. Dafür kenne ich jetzt Vitré, ein winziges Städtchen ganz in der Nähe, mit Schloss und vielen Fachwerkhäusern.
      Ich hoffe, der ein oder andere Besucher wird seinen Weg auch nach München finden. Dort habe ich nämlich inzwischen eine Wohnung gefunden (ja, wirklich!) und freue mich, Tür und Tor für Gäste zu öffnen.
Nach viereinhalb Wochen hier ist es mir nun doch ein Anliegen, ein bisschen genauer zu erklären, was ich eigentlich den ganzen Tag lang mache:

Der Secours Catholique ist ein Knotenpunkt im Netzwerk der Hilfsorganisationen. Sie bieten von allem ein bisschen an, verweisen aber vor allem an die jeweils zuständigen Stellen.
  • Accueil ("Empfang", jeden Morgen 9-11 Uhr): Es gibt Kaffe und ein kleines Frühstück (manchmal Toast, meist Zwieback mit Marmelade). Man kann duschen, telefonieren, Wäsche waschen. Ausserdem bieten wir ein Dach über dem Kopf, Gesellschaft, ein offenes Ohr. Viele freuen sich nur schon über ein freundliches "Bonjour", wenn ich mich sogar an den Namen erinnern kann, werde ich mit einem Lächeln belohnt. Manchmal spielen wir UNO, manchmal sitzt jeder alleine in seiner Ecke, manchmal diskutieren wir über Polygamie, Probleme in Europa oder die beste Joggingschuhmarke. Es kommen vor allem Migranten aus verschiedensten Ländern, aber auch manche "SDF" (sans domicile fixe - Obdachloser), die meist Franzosen sind.
  • Nachmittag (14-17 Uhr): Nachmittags gibt es einen spezifischeren Accueil. Einmal nur für die Obdachlosen aus Frankreich, einmal für Migranten, die Hilfe mit den Behörden benötigen etc. Dabei lerne ich viel über das Asylwesen Frankreichs und höre zahlreiche Geschichten - warum Menschen ihre Heimat verlassen haben, wie sie hierher gekommen sind, was sie vorher für ein Leben hatten, wie ihr Leben jetzt aussieht. Es liessen sich Bände damit füllen. Manchmal können wir ihnen helfen, oft müssen wir sie woanders hinschicken oder können nur Mut zusprechen. Das ist teilweise sehr deprimierend, lohnt sich aber, wenn man auch die Dankbarkeit der Menschen sieht, die sich oft auch einfach nur darüber freuen, dass ihnen jemand aufmerksam zuhört.
  • Bagageri: Manchmal helfe ich in der Bagageri aus, wo die Menschen ihr Gepäck aufbewahren können. Da kommt es dann beispielsweise zu einer Begegnung mit einem polnischen Matrosen, der in Norwegen gearbeitet hat und in der Bretagne Gold sucht. Seine Sporttasche war voll gestopft - mit einem Europa-Atlas, geologischen Karten und Goldwäscherschüsseln. Dabei ist er weniger vom Gold an sich motiviert sondern viel mehr am Glücksgefühl des Findens.
Neben praktischen Sachen wie Dossiers suchen, Blätter kopieren, Kaffee kochen, Tische putzen und Wäsche machen verbringe ich den Tag vor allem mit dem Pflegen sozialer Kontakte. Eine armenische Sängerin mit Rückenproblemen, ein französisches Genie mit Schizophrenie, ein Afrikaner ohne Papiere, ein Jugendlicher ohne Ausbildung, ein gestrandeter Deutscher, ein lebensfroher Russe… Liebenswerte und sehr menschliche Menschen in Fülle. Sie alle wollen wahr genommen, beachtet werden. Meine Aufgabe ist also, meine Aufmerksamkeit so gut wie möglich aufzuteilen und in diesen wenigen Stunden das zu geben, was möglich ist. Was ich dafür von ihnen bekomme, kann mir keine Schule oder Universität bieten: Lehrstunden in Französischer Sprache und Kultur, in Geografie, Ethnologie, Politik aller Länder dieser Welt, in Menschlichkeit, UNO-Schummel-Möglichkeiten und (Über-)Lebenskunst etc. Dagegen erscheinen mir zwei offene Ohren und Augen, ein bisschen Klavierunterricht (Flohwalzer…) und eine Kanne Kaffe geradezu läppisch.

Fazit: 

Ich fühle mich sehr wohl. Die Leute im Büro, die Freiwilligen und die Gäste sind alle sehr freundlich und geduldig. Wenn ich in eineinhalb Wochen im Zug Richtung Basel sitze, werde ich viele neue Dinge im Gepäck haben. Vor allem in meinem Herzen.

Random fact:
Die Hauptstädte der Demokratischen Republik Kongo (Kinshasa) und der Republik Kongo (Brazzaville) liegen (vermutlich) so nah beieinander wie sonst keine zwei Hauptstädte. Geschätzte Distanz: Vier Kilometer.

Und ganz zum Schluss noch ein Werbespot für ein unterstützenswertes Projekt von Freunden:
https://www.100-days.net/de/projekt/captain-plant-food-truck/
Wirklich eine gute Sache von guten Leuten für einen guten Zweck. Und lecker.

Das war's - Zeit für die Nachtruhe.
Bleibt behütet und bästa hälsningar.

Küste zwischen Mont St. Michel und St. Malo
Küste zwischen Mont St. Michel und St. Malo
St. Malo
St. Malo
Mont St. Michel

Mittwoch, 30. Juli 2014

Rennes = Immer noch das Paradies

Salut!

Schon wieder sind zwei Wochen vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin froh, meinen Sommer mit Sonne, Wind und Regen verbringen zu dürfen (grösstenteils Ersteres) und nicht wie viele nur mit Letzterem… Die bekannte stichwörtliche (ja, das Wort existiert) Zusammenfassung - aber Achtung, es wird lang:
  • Die Ameisen. Ein paar Nächte hatte ich dieses tolle Gefühl, dass es überall krabbelt und kribbelt. Man hörte sie nämlich knirschen, die Viecher. Ohren, Zehen und alles andere sind aber noch dran. Mein Arzt des Vertrauens war das Internet, die Apotheke ein Supermarkt und die Medizin - frische Pfefferminzblätter. Angeblich mögen es die lieben Tierchen gar nicht, wenn Minze oder Basilikum sehr duftet. Zwei Nächte wurden es immer weniger, dann waren sie ganz weg. Ich bewohne mein wunderbares Dachzimmer also wieder alleine - und bin fast schon ein bisschen traurig… So langsam konnte ich alle Namen der Insektelchen… Frieda und Lisa und Irma und Roger und Paul und…
  • Ich habe schon seit einiger Zeit ein eigenes Velo und fahre auch fleissig damit herum. Der Kanal, der sich durch Rennes zieht, führt von Meer zu Meer. Wer die Strecke Basel-Mainz am Rhein entlang kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie es hier aussieht. Herrlich!
  • Herrlich, wenn wir schon dabei sind, ist auch der grosse Stadtpark hier. Thabor heisst er (nur schon der Name…) und bietet alles, was das Herz begehrt. Einen botanischen Garten en miniature, Bäume, Gewässer aller Art, eine Orangerie mit Kunstaustellungen, Wiesen, Blumen, verschlungene Wege und breite Alleen… Ein toller Ort, an dem man immer Zeit verbringen kann. Manchmal werden auch Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen angeboten, wie zum Beispiel ein Abend mit typisch bretagnischen (hm… halt typisch aus der Bretagne) Tänzen, natürlich mit passender Musik. Mein Highlight: Ein Akkordeonspieler mit roten Haaren und unglaublich schnellen Fingern. Solch schöne Töne - da geht einem das ganze Herz auf.
  • Nach dem Tanzen (und Hören) will der Körper gestärkt sein. In der Bretagne macht man das mit Galettes, Crêpes und Cidre. Delicieux! Oh, und viiiiiel Käse isst man hier. Ständig. Mein erstes Essen, zu dem ich hier eingeladen wurde, war aber - man glaubt es kaum - Schokoladenfondü.
  • Ansonsten ist die Bretagne wie ein eigenes Land. Und legt auch Wert darauf, anders zu sein, besonders, noch besonderer als alle anderen. Wie das Elsass. Und die Normandie. Und wie sie alle heissen. Zum Beispiel gibt es hier ein Spiel, das nach dem gleichen Prinzip wie Boule oder Bodja funktioniert, nur mit "Plättchen" (relativ schwer, rund aber flach, bei Wikipedia nennt man das "Wurfscheiben"). Heissen tut das Ganze dann "Jeu de palets bretons" (Spiel der bretagnischen Wurfscheiben sozusagen). Man hat ein Brett, stellt sich ein paar Meter davor auf, wirft eine kleine Wurfscheibe darauf (hofft, dass man trifft und so) und wirft dann die grösseren Wurfscheiben so, dass sie sich möglichst nah (oder auf) bei der kleinen Wurfscheibe positionieren. Gut ist, wer die Holzplatte trifft und die Wurfscheibe auch darauf liegen bleibt. Wer dann auch noch nah ist, zählt zu den Profis (wie die "gens de la rue", die "Menschen der Strasse" (Obdachlose), die seit vielen vielen Jahren jeden Montag beim secours catholique (wo ich arbeite) üben.
  • Meine Arbeit ist ansonsten einerseits nicht viel anders als das letzte Mal beschrieben und andererseits auch viel zu komplex, um das hier auszuführen. Wen's interessiert, der sollte da mündlich nachfragen. Es macht mir auf jeden Fall grosse Freude, ich lerne viel in allen denkbaren (wirklich!) Bereichen und bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen.
  • Was aber doch noch erwähnt sein muss - und ich gebe mir grosse Mühe, das nicht rassistisch oder in einer anderen Weise angreifend zu formulieren: Es gibt hier viele schwarze Menschen (dunkelhäutig, stark pigmentiert - was auch immer). Und man bzw. ich musste mich doch irgendwie erst daran gewöhnen. Nicht, dass ich noch nie solche Menschen gesehen habe - aber in der Schweiz weiss man in der Regel "Aha, jemand aus dem Ausland". Hier ist dem nicht so - es gibt viele Franzosen, die dunkelhäutig sind. Manchmal vergesse ich das. Warum das wichtig ist? Ist es nicht. Auf den ersten Blick. Aber vielleicht ja doch, irgendwie…?
Sonstige Erlebnisse:
  • Biber als Begleitung beim Joggen am Kanal.
  • Eine Kuchenbackaktion zur Rettung grässlicher Dosenmandarinen. Niemand wollte die Mandarinen, vom Kuchen hab ich nur noch die Krümel gesehen.
  • Fleissiges Training für den Halbmarathon - inzwischen auch mit angemessenem Schuhwerk. Ob der Preis dafür auch angemessen war, darüber lässt sich streiten. Aber was macht man nicht alles für die Gesundheit…
  • Teilnahme an einer "manifestation" (Demo, Umzug) für Palästina bzw. in Gedenken an die Ereignisse in Gaza. Beeindruckend, dass in dieser kleinen Stadt (etwa 200'000 Einwohner) doch etwa 400 Menschen zusammenkommen und für den Frieden marschieren. Und das immer wieder, heute findet schon die dritte "manifestation" zu diesem Thema statt!
  • Rendez-vous au parlament: Ein kulturelles Angebot der Stadt Rennes. Abends wird auf das Parlamentsgebäude in der Stadt eine Lichtshow projeziert, die die Geschichte von Rennes erzählt. Oder so. Hab nicht alles verstanden, was da erzählt wurde, aber die Lichteffekte und Videokunst waren doch sehr eindrücklich.
  • Ein Marktbesuch (jeden Samstag): gross, bunt, laut, überall Früchte und Gemüse und Fisch und Fleisch und Käse und Brot (herrliches Brot! Da sag einer Franzosen ässen nur Baguette - Schmarrn ist das, tolles Brot haben sie!), ein Saxophon und viele junge Leute, die dazu Lindy Hop tanzen (wer nicht weiss, was das ist, der youtube diesen Begriff jetzt. Youtuben = modern für "auf der Internetseite www.youtube.com eingeben und ein Video davon anschauen")), fröhliches Geschwatz, so richtig…Markt halt.
Tipps der Wochen:
  • Film "Jimmys Hall": starke Frauenrollen, toller Dialekt (natürlich im Original angucken!) und eindrückliche Geschichte
  • Vokalensemble Orpehus. Eine ukrainische achtköpfige Männergruppe, die wunderschön singt. Beim Konzert hier in Rennes fand ich heraus, dass sie vorher in der Schweiz waren - natürlich in meinem "Heimatdörfchen". Zufälle gibt's. Sie sangen orthodoxe Kirchenlieder, traditionell ukrainische Stücke und auch Klassiker wie Yesterday von den Beatles oder "In the jungle". In Glitzerwesten. Wenn irgendwelche Männer Glitzerwesten tragen können, dann diese. Und diese Stimmen - sehr eindrücklich. Sehr empfehlenswert. Sollten sie in eurer Nähe sein - geht hin.
  • DAS WICHTIGSTE ÜBERHAUPT: Unser Konzert am 27. September, Flyer siehe unten, WEHE DEIN Gesicht ist da nicht zu finden…!!
Random facts (ging ja letztes Mal vergessen, deshalb hier zwei):
  • Rennes ist, so sagt man, die kleinste Stadt (Frankreichs…Europas…der Welt…) mit einer Metro. Noch dazu vollautomatisch, da hockt also kein Metrofahrer vorne drin. Ganz schön gespenstisch, wie das Ding so durch die Röhren wuscht.
  • Der Elephant ist das einzige Tier mit vier Knien.
Das war's - ich freu mich, von euch zu hören, und melde mich sonst einfach, wenn's wieder passt. Lasst es euch gut gehen!

Bästa hälsningar (man darf ja die erworbenen Kompetenzen nicht einfach so schleifen lassen…)
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Mittwoch, 16. Juli 2014

Rennes = Paradies

Viele liebe Saluts

Nach dem ersten Arbeitstag und 48 Stunden in Rennes folgt schon der erste Bericht. Warum? Weil hoffentlich bald nur noch français aus meinem Mund quillt und ich euch davon verschonen möchte.

Taizé
  • Eine Woche Taizé bereichert in vielerlei Hinsicht. Neue Freundschaften, interkulturelle und -religiöse Gespräche, gelebte Solidarität und Toleranz… Ein Höhepunkt war ein Gespräch mit dem ehemaligen Erzbischof von Algier, der Hauptstadt von Algerien. Er erzählte von der Zusammenarbeit der Moslems und Christen, die dort schon seit vielen Jahren gut funktioniert. Beeindruckend! 
  • Ein weiteres Highlight: Ein von uns (ein paar Jugendliche) durften innerhalb der Woche einen Workshop zum Thema "Neue Solidarität" vorbereiten. Er wurde ein voller Erfolg und für meinen Teil zum Thema vegetarische / vegane Ernährung habe ich zahlreiche Rückmeldungen und Komplimente bekommen. Meine Worte hätten sehr zum Nachdenken angeregt, meinten viele. Und das ist genau das, was ich mit Gesprächen über diese Themen bezwecken möchte: keineswegs verurteilen oder provozieren oder beleidigen, sondern schlicht und einfach zum Nachdenken bringen. Nur damit ihr das auch alle noch einmal wisst und schwarz auf weiss seht…
  • Und ein drittes erfreuliches Erlebnis: Ich durfte bei einem sehr netten Ehepaar nach Paris mitfahren, ihre Töchter kennen lernen, trotz Grossvater im Krankenhaus bei ihnen übernachten und von ihnen zum Zug gebracht werden. Manche Sachen funktionieren einfach mit ein wenig Gottvertrauen.
  • Per Zufall verbrachte ich ausgerechnet den "14 juillet" in Paris, den französischen Nationalfeiertag. Wir verfolgten die mehrstündige Parade im Fernsehen, die Flugzeuge konnten wir aus dem Fenster sogar live sehen. Die Franzosen mögen ihr Militär schon sehr. Oder die Journalisten / Programmverantwortlichen wählen die Berichterstatter und interviewten Menschen sehr gezielt aus. Oder beides. Ich habe mir jedenfalls Mühe gegeben, nicht allzu schnippische Kommentare zu diesem ganzen Tamtam zu machen. Was angesichts meiner doch begrenzten Französischkenntnisse auch nicht wirklich schwierig war.
Rennes
  • Wohnen: nettes, älteres Ehepaar; wunderschönes Haus mit vielen afrikanischen Dekorationen; Dachzimmer mit Dachfenster (hoffentlich regnet es bald…eines der schönsten Geräusche!) und eigener AmeisenKOLONIE (!!!) direkt über dem Bett (irgendwelche Tipps oder Ratschläge? Einfach sein lassen? Sie befinden sich zwischen Decke und Wand (Dachschräge), sind morgens verschwunden und kommen im Verlauf des Tages wieder raus. Sie haben Flügel, einige jedenfalls, bleiben aber grösstenteils an mehr oder weniger dem gleichen Ort. Noch. Aber heute sind es schon massiv mehr als gestern… Esswaren habe ich keine in meinem Zimmer.); umgeben von grünen Bäumen und netten Nachbarn mit Katzen, die ich während der Ferien füttern darf / muss / kann / soll. Fazit: perfekt (trotz der Ameisen. Perfekte Perfektion gibt es nämlich nicht - es muss immer irgendein Problemchen geben, dass man lösen kann. Und Ameisen - das hatte ich noch nie.).
  • Freizeit: Rennes ist wunderschön, sehr grün, von einem Kanal (ergo Wasser) durchzogen, an dem man wunderbar joggen / spazieren kann. Die Distanzen sind laufbar, vielleicht lässt sich irgendwann irgendwie irgendwo ein fahrendes Vehikel (Velo oder Fahrrad) auftreiben.
  • Arbeiten: Der Arbeitsweg beträgt drei Minuten - ein grosses Plus. Der Arbeitsort nennt sich "secours catholique", eine Unterorganisation der Caritas France. Nach dem ersten Arbeitstag lässt sich sagen:
    • Den ganzen Tag Französisch und nur Französisch sprechen und hören ist anstrengend.
    • Mein Namensgedächtnis wird mit den Jahren nicht besser.
    • Auch das französische Asyl-System ist kompliziert und bürokratisch.
    • Ich mag Menschen.
Ein bisschen ausführlicher: Morgens betreue ich jeweils den "acceuil". Während zwei Stunden können Immigranten, Obdachlose, wer auch immer vorbei kommen und ein kleines Frühstück essen, Kaffee trinken, miteinander plaudern, duschen, Wäsche waschen. Ausserdem gibt es eine "bagagerie", wo sie Gepäck lassen können, das sie nicht immer herumtragen wollen. Nachmittags werden oftmals Beratungen für die Leute angeboten: Briefe übersetzen, Anträge stellen, Unterkünfte finden, Informationen geben. Getragen wird das alles von unzähligen Freiwilligen, die unglaublich freundlich, engagiert und kompetent erscheinen.

Soviel nach dem ersten Tag. Es wird sich zeigen, wie es weiter geht. Die "conclusion" bis jetzt: Es wartet ein grossartiger Sommer.

Seid herzlich gegrüsst.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Wieder einmal unterwegs

Hallo meine Lieben!

Kurz war die Ruhe, jetzt geht es wieder los: Die Kisten sind gepackt, die Möbel auseinander gebaut, das Zimmer in der besten WG der Welt ist leer, (fast) alles steht irgendwo in einer Lagerhalle. Nur ein grosser blauer Rucksack (und ein grosser roter Koffer, aber das klingt nicht ganz so poetisch, also bleiben wir beim Rucksack) wird mich in den nächten drei Monaten begleiten. In dieser Zeit geht es nach Taizé (6.-13. Juli), nach Rennes (14. Juli - 23. August) für ein Praktikum bei der Caritas, nach Brüssel (31. August - 7. September) als Mitorganisatorin einer Bildungsreise mit der yes - ja und dann ist es irgendwann Zeit für München.

Genau, München im "Freistaat Bayern". Dort werde ich ab Oktober einen Master in "Interkultureller Kommunikation und Moderation" machen - vorausgesetzt, ich finde ein Plätzchen für mein Bett. München sei ein schrecklicher Ort, um eine Wohnung zu suchen, heisst es. Das ist gelogen. Es ist noch viel schlimmer. Aber mit Glück, Vertrauen und ein bisschen Hilfe von oben wird sich schon ein Türchen auftun, so war es bis jetzt schliesslich immer. Falls aber jemand von euch gerade zufälligerweise jemanden kennt, der jemanden kennt, der mit jemandem verwandt ist, der… und so weiter - meine Mailadresse darf man gerne weiterleiten…
Natürlich stehen (sobald vorhanden) Tür, Tor und Briefkasten meines neuen Heims offen und warten auf Bevölkerung / Befüllung, sprich Besuch und Post. (Bis dahin: Adresse erfragen.) Auch über allgemeine Tipps zum Leben in München freue ich mich.

Nicht nur ein Schlafplatz, auch ein Akkordeon wird gesucht. Die letzten Monate im Akkordeonorchester Binningen-Bottmingen haben mir so viel Freude gemacht, dass ich das weiter verfolgen möchte. Gesucht wird ein ordentliches Gebraucht-Modell, Tasten, chromatisch (mehr Details auf Nachfrage).

Wo wir schon beim Akkordeon sind: Am 27. September 2014 findet in Therwil bei Basel das Jahreskonzert des Akkordeonorchesters Binningen-Bottmingen statt. Ich werde da natürlich noch kräftig mitspielen, weshalb ihr alle herzlichst eingeladen seid. Es würde mich sehr freuen, dort ein paar bekannte Gesichter zu erblicken!

Nach dem Konzert ist ein Halbmarathon durch die Strassen Basels geplant, irgendwie auch ein Abschiedslauf. Die drei Jahre Studium in dieser wunderschönen Stadt haben mich sehr bereichert und viele Dinge und Menschen lasse ich mit zwei weinenden Augen zurück. Es war schön, es war wirklich wirklich schön und ich werde wohl in vielen Jahren auch eine von denen sein, die ein ganz kleines bisschen wehmütig von den guten alten Studienzeiten erzählt. Aber es ist auch Zeit für etwas Neues, und München scheint da eine ganz gute Option zu sein.

So, zum Abschluss noch ein random fact der letzten Woche: In Edinburgh kann man frittiertes Mars essen. Wirklich. Und es ist lecker.

Lasst es euch gut gehen und auf bald!

Dienstag, 18. Februar 2014

Take Sides.

Neutrality helps the oppressor,
never the victim.
Silence encourages the tormentor,
never the tromented.
- Elie Wiesel