Salut!
Schon wieder sind zwei Wochen vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin froh, meinen Sommer mit Sonne, Wind und Regen verbringen zu dürfen (grösstenteils Ersteres) und nicht wie viele nur mit Letzterem… Die bekannte stichwörtliche (ja, das Wort existiert) Zusammenfassung - aber Achtung, es wird lang:
Schon wieder sind zwei Wochen vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin froh, meinen Sommer mit Sonne, Wind und Regen verbringen zu dürfen (grösstenteils Ersteres) und nicht wie viele nur mit Letzterem… Die bekannte stichwörtliche (ja, das Wort existiert) Zusammenfassung - aber Achtung, es wird lang:
- Die Ameisen. Ein paar Nächte hatte ich dieses tolle Gefühl, dass es überall krabbelt und kribbelt. Man hörte sie nämlich knirschen, die Viecher. Ohren, Zehen und alles andere sind aber noch dran. Mein Arzt des Vertrauens war das Internet, die Apotheke ein Supermarkt und die Medizin - frische Pfefferminzblätter. Angeblich mögen es die lieben Tierchen gar nicht, wenn Minze oder Basilikum sehr duftet. Zwei Nächte wurden es immer weniger, dann waren sie ganz weg. Ich bewohne mein wunderbares Dachzimmer also wieder alleine - und bin fast schon ein bisschen traurig… So langsam konnte ich alle Namen der Insektelchen… Frieda und Lisa und Irma und Roger und Paul und…
- Ich habe schon seit einiger Zeit ein eigenes Velo und fahre auch fleissig damit herum. Der Kanal, der sich durch Rennes zieht, führt von Meer zu Meer. Wer die Strecke Basel-Mainz am Rhein entlang kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie es hier aussieht. Herrlich!
- Herrlich, wenn wir schon dabei sind, ist auch der grosse Stadtpark hier. Thabor heisst er (nur schon der Name…) und bietet alles, was das Herz begehrt. Einen botanischen Garten en miniature, Bäume, Gewässer aller Art, eine Orangerie mit Kunstaustellungen, Wiesen, Blumen, verschlungene Wege und breite Alleen… Ein toller Ort, an dem man immer Zeit verbringen kann. Manchmal werden auch Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen angeboten, wie zum Beispiel ein Abend mit typisch bretagnischen (hm… halt typisch aus der Bretagne) Tänzen, natürlich mit passender Musik. Mein Highlight: Ein Akkordeonspieler mit roten Haaren und unglaublich schnellen Fingern. Solch schöne Töne - da geht einem das ganze Herz auf.
- Nach dem Tanzen (und Hören) will der Körper gestärkt sein. In der Bretagne macht man das mit Galettes, Crêpes und Cidre. Delicieux! Oh, und viiiiiel Käse isst man hier. Ständig. Mein erstes Essen, zu dem ich hier eingeladen wurde, war aber - man glaubt es kaum - Schokoladenfondü.
- Ansonsten ist die Bretagne wie ein eigenes Land. Und legt auch Wert darauf, anders zu sein, besonders, noch besonderer als alle anderen. Wie das Elsass. Und die Normandie. Und wie sie alle heissen. Zum Beispiel gibt es hier ein Spiel, das nach dem gleichen Prinzip wie Boule oder Bodja funktioniert, nur mit "Plättchen" (relativ schwer, rund aber flach, bei Wikipedia nennt man das "Wurfscheiben"). Heissen tut das Ganze dann "Jeu de palets bretons" (Spiel der bretagnischen Wurfscheiben sozusagen). Man hat ein Brett, stellt sich ein paar Meter davor auf, wirft eine kleine Wurfscheibe darauf (hofft, dass man trifft und so) und wirft dann die grösseren Wurfscheiben so, dass sie sich möglichst nah (oder auf) bei der kleinen Wurfscheibe positionieren. Gut ist, wer die Holzplatte trifft und die Wurfscheibe auch darauf liegen bleibt. Wer dann auch noch nah ist, zählt zu den Profis (wie die "gens de la rue", die "Menschen der Strasse" (Obdachlose), die seit vielen vielen Jahren jeden Montag beim secours catholique (wo ich arbeite) üben.
- Meine Arbeit ist ansonsten einerseits nicht viel anders als das letzte Mal beschrieben und andererseits auch viel zu komplex, um das hier auszuführen. Wen's interessiert, der sollte da mündlich nachfragen. Es macht mir auf jeden Fall grosse Freude, ich lerne viel in allen denkbaren (wirklich!) Bereichen und bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen.
- Was aber doch noch erwähnt sein muss - und ich gebe mir grosse Mühe, das nicht rassistisch oder in einer anderen Weise angreifend zu formulieren: Es gibt hier viele schwarze Menschen (dunkelhäutig, stark pigmentiert - was auch immer). Und man bzw. ich musste mich doch irgendwie erst daran gewöhnen. Nicht, dass ich noch nie solche Menschen gesehen habe - aber in der Schweiz weiss man in der Regel "Aha, jemand aus dem Ausland". Hier ist dem nicht so - es gibt viele Franzosen, die dunkelhäutig sind. Manchmal vergesse ich das. Warum das wichtig ist? Ist es nicht. Auf den ersten Blick. Aber vielleicht ja doch, irgendwie…?
Sonstige Erlebnisse:
- Biber als Begleitung beim Joggen am Kanal.
- Eine Kuchenbackaktion zur Rettung grässlicher Dosenmandarinen. Niemand wollte die Mandarinen, vom Kuchen hab ich nur noch die Krümel gesehen.
- Fleissiges Training für den Halbmarathon - inzwischen auch mit angemessenem Schuhwerk. Ob der Preis dafür auch angemessen war, darüber lässt sich streiten. Aber was macht man nicht alles für die Gesundheit…
- Teilnahme an einer "manifestation" (Demo, Umzug) für Palästina bzw. in Gedenken an die Ereignisse in Gaza. Beeindruckend, dass in dieser kleinen Stadt (etwa 200'000 Einwohner) doch etwa 400 Menschen zusammenkommen und für den Frieden marschieren. Und das immer wieder, heute findet schon die dritte "manifestation" zu diesem Thema statt!
- Rendez-vous au parlament: Ein kulturelles Angebot der Stadt Rennes. Abends wird auf das Parlamentsgebäude in der Stadt eine Lichtshow projeziert, die die Geschichte von Rennes erzählt. Oder so. Hab nicht alles verstanden, was da erzählt wurde, aber die Lichteffekte und Videokunst waren doch sehr eindrücklich.
- Ein Marktbesuch (jeden Samstag): gross, bunt, laut, überall Früchte und Gemüse und Fisch und Fleisch und Käse und Brot (herrliches Brot! Da sag einer Franzosen ässen nur Baguette - Schmarrn ist das, tolles Brot haben sie!), ein Saxophon und viele junge Leute, die dazu Lindy Hop tanzen (wer nicht weiss, was das ist, der youtube diesen Begriff jetzt. Youtuben = modern für "auf der Internetseite www.youtube.com eingeben und ein Video davon anschauen")), fröhliches Geschwatz, so richtig…Markt halt.
Tipps der Wochen:
- Film "Jimmys Hall": starke Frauenrollen, toller Dialekt (natürlich im Original angucken!) und eindrückliche Geschichte
- Vokalensemble Orpehus. Eine ukrainische achtköpfige Männergruppe, die wunderschön singt. Beim Konzert hier in Rennes fand ich heraus, dass sie vorher in der Schweiz waren - natürlich in meinem "Heimatdörfchen". Zufälle gibt's. Sie sangen orthodoxe Kirchenlieder, traditionell ukrainische Stücke und auch Klassiker wie Yesterday von den Beatles oder "In the jungle". In Glitzerwesten. Wenn irgendwelche Männer Glitzerwesten tragen können, dann diese. Und diese Stimmen - sehr eindrücklich. Sehr empfehlenswert. Sollten sie in eurer Nähe sein - geht hin.
- DAS WICHTIGSTE ÜBERHAUPT: Unser Konzert am 27. September, Flyer siehe unten, WEHE DEIN Gesicht ist da nicht zu finden…!!
Random facts (ging ja letztes Mal vergessen, deshalb hier zwei):
- Rennes ist, so sagt man, die kleinste Stadt (Frankreichs…Europas…der Welt…) mit einer Metro. Noch dazu vollautomatisch, da hockt also kein Metrofahrer vorne drin. Ganz schön gespenstisch, wie das Ding so durch die Röhren wuscht.
- Der Elephant ist das einzige Tier mit vier Knien.
Das war's - ich freu mich, von euch zu hören, und melde mich sonst einfach, wenn's wieder passt. Lasst es euch gut gehen!
Bästa hälsningar (man darf ja die erworbenen Kompetenzen nicht einfach so schleifen lassen…).
Bästa hälsningar (man darf ja die erworbenen Kompetenzen nicht einfach so schleifen lassen…).
