Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



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Samstag, 27. Oktober 2012

Schutz vor der Nacktheit

Ich bin das Wichtigste überhaupt. Ich bedecke, und sorge somit dafür, dass niemand von der Nacktheit pikiert wegschauen muss. Ich bedecke, wie der Schnee die Berge. Puder. Manche drücken mich nach unten, vermischen mich. Dann bin ich nicht mehr der Schnee auf dem Gipfel, dann bin ich die Wiese beim Abstieg, die schönsten Bergblumen, die Pause nach der grössten Anstrengung. Andere tragen mich Stück für Stück ab, wie ein Bagger. Sie tragen mich vom Gipfel in die warme Höhle. Bin ich nicht da, fehlt etwas. Nacktheit ist die Folge. Trocken, eintönig, langweilig.
Ich bin das Schokoladenpulver auf dem Cappuccino - Schäumchen. Ich bin das Wichtigste überhaupt.

Montag, 9. Juli 2012

Kleintiere

Heute hat mir ein Junge erklärt, wie ich Milben erkenne. Ich teile dieses Geheimnis nun mit euch.
Man muss ganz leicht auf das schnell kriechende, orange Tierchen drauf drücken (pf) und den Finger langsam verschieben. War es eine Milbe, entsteht eine rote Spur auf der Unterlage. Unser Demonstrationsobjekt war keine Milbe. Zwar auch klein und orange hatte es einen Panzer. In solchen Fällen muss man fester drauf drücken (pffftsch).
Sagte der Junge.
Ja, so ist das.

Samstag, 7. Juli 2012

Strassenszene

Gestern ist mir ein Bild begegnet, das mich tief berührt hat.
Ein Tandem fuhr an mir vorbei. Darauf sassen ein alter Mann (vorne) und eine alte Frau (hinten). Sie strampelten sehr langsam und im absoluten Gleichschlag (oder -tritt). Beide waren leicht vorn über gebeugt. Der Mann lenkte, die Frau streckte schon Kilometer vor der Kreuzung ihren linken Arm auf die Seite, das Blinklicht sozusagen. Ein perfektes Team. Wie lang sie wohl dafür geübt haben?

Donnerstag, 21. Juni 2012

Oben im Kreis

Vor einiger Zeit erzählte mir eine Frau etwas von einem Kreislauf. Alles sei ein Kreislauf. Und alle Stadien dieses Kreislaufs seien wichtig. Diese Frau beschrieb den Kreislauf folgendermassen:
Öpis mue cho, wachse, denn treits Blüete und Frücht, und denn vegohts wieder. So gohts immer wiiter. Cho, wachse, blüeh - vegoh. Cho, wachse, blüeh - vegoh. Cho, wachse, blüeh - vegoh.
Um diesen Vorgang zu unterstreichen hob sie jeweils ihre Arme in einem grossen Kreis über ihren Kopf. Sie fingen unten an und waren beim "blüeh" ganz oben. Dann machte die Frau eine eindrucksvolle Pause, die Spannung stieg - und wurde durch ein kurzes "vegoh" und das Herunterfallen der Arme gelöst.
An und für sich ein abgerundetes Bild, ein überlegtes Bild, ein Bild, über das sich jemand Gedanken gemacht hat. Aber - ja, schon wieder ein aber, und nein, ich werde nicht müde, solche abers immer und überall einzubringen, wo es mir nötig erscheint - aber: Wieso ist die Blüte der Höhepunkt? Wieso sind die Früchte im Kreislauf ganz oben? Wieso wird da eine bedeutungsvolle Pause gemacht, wo doch eigentlich alles gleichwertig ist? Wieso habe ich den Eindruck, dass die Frau in dem überlegten Bild extra die Blüten und Früchte ganz nach oben gesetzt hat, wieso glaube ich nicht, dass es ein Zufall ist, weil irgendwas halt oben sein muss? Und wieso habe ich nicht den Eindruck, das Bild entsteht aus der Bewegung, die auch die Pflanzen haben - sie wachsen in die Höhe und fallen dann wieder zusammen, nach unten? Wieso bloss habe ich einmal mehr den Eindruck, dass da etwas nicht wertbares gewertet wird, dass Blüten und Früchte tragen über das cho, wachse und vegoh gestellt wird, dass wieder einmal ein guter Ansatz da ist, aber nicht ganz durchdacht und ins Handeln einbezogen wurde?
Ist denn nicht alles gleich wichtig? Ist denn das vegoh nicht unerlässlich für die Blüten? Und das cho, ohne das cho würde es doch auch kein wachse geben! Bedingt nicht eins das andere? Ist es nicht ein Kreislauf auf ein und derselben Ebene? Ist ein Kreislauf nicht immer auf ein und derselben Ebene? Hm.
Vielleicht liegt es auch an mir. Wie komme ich darauf, dass diese Frau die Blüten über den Rest stellt? Nur weil sie dann ihre Arme am höchsten Punkt hat? Weshalb sollte sie mit dem höchsten geografischen Punkt auch die höchste Priorität darstellen wollen? Wie komme ich darauf, dass das wichtig, ein Kriterium für sie ist? Gehe ich etwa durch die Welt und nehme alles, was oben ist, wichtiger als die Dinge unten? Naja, beim Eis ist das ja wirklich so. Die Kugel oben ist das Wichtige, nicht das Cornet. Aber bei Rüebli zum Beispiel, da würde man schön dumm aussehen, wenn man sich nur auf den oberen Teil beschränken würde. Aber so ganz ehrlich: Wann hast du dich zum letzten Mal ausgiebig um deine Füsse gekümmert? Um den "untersten" Teil deines körperlichen Kreislaufs?
Ich persönlich kann räumliches Denken nicht von hierarchischem Denken trennen. Und ich wage zu behaupten, dass ich damit nicht alleine bin. Also wäre es wichtig, darauf Acht zu geben und vielleicht ein Bild zu erdenken, das nicht zu diesen missverständlichen Aussagen führt.

Alles ist wichtig. Blüeh, vegoh, cho, wachse.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Aufruf

Leute, passt mit eurer Sprache auf. Habt ihr jemals genau hingehört, was ihr so sagt und was ihr so gesagt kriegt? Wir nehmen immer an, wir verstünden schon, was der andere sagen wolle. Ich verstehe dich. Ich weiss, was du meinst. Klar. Aber habt ihr einmal wirklich genau hingehört?
Einige werden sicherlich wieder die Wichtigkeit dieser Fragen bezweifeln. Ich finde sie wichtig. (Abgesehen davon darf man auch unwichtige Fragen behandeln - falls es sowas überhaupt gibt.) Ich finde sie wichtig, weil wir ständig, immer und überall zugetextet werden. Da denke ich schon, dass es sich lohnt einmal anzuschauen, um was es da überhaupt geht.
Zum Beispiel sagte vor einer Weile jemand:
"Die Katastrophe hat gezeigt, dass nichts mehr selbstverständlich ist."
Wenn ich so einen Satz höre, dann frage ich mich sofort, was das mehr da soll. Nichts ist mehr selbstverständlich. Was war denn jemals selbstverständlich? Nichts ist selbstverständlich. Also ist dieser Satz gewissermassen eine Lüge, oder jedenfalls einfach...unsauber formuliert. Unsaubere Formulierungen führen zu mehr Missverständnissen. Unsaubere Formulierungen führen dazu, dass die Menschen sagen "Jaja, ich versteh schon", aber in Wahrheit verstehen sie nichts. Nichts.
Deshalb sage ich: Leute, passt mit der Sache auf, die in eurem Alltag vermutlich den höchsten Stellenwert überhaupt hat. Es ist die Mühe wert.

Montag, 18. Juni 2012

Taxi fahren Not helfen

"Und 200 Franken, das wären schon grad ein bisschen viel für dich...?!?"

Ich kann die Frau, die mir diese Frage stellt, nur kariert angucken. Es geht um eine Taxifahrt. Eine Taxifahrt, die bequem ist. Die einen schneller an den gewünschten Ort bringt. Bequem und schnell. Für nur 200 Franken.
Die Vorstellung, dass 200 Franken für irgendjemanden nicht viel sein könnten, ist mir zuwider.
Wie viele Menschen könnten leben von 200 Franken, könnten eine Ausbildung anfangen, wären nicht mehr blind, könnten sich einen Traum erfüllen mit 200 Franken. 200 Franken, das sind 25 Tage Nothilfe. 25 Tage, rausgeworfen an einem Abend, für eine halbe Stunde.
Wie viel Gutes könnten 200 Franken tun.

Wie kann man also nicht finden, dass 200 Franken viel sind?

Sonntag, 17. Juni 2012

Der Wirtschaftsstudent

Ein Mensch der nichts leistet - was will man mit dem schon anfangen? Was ist der schon wert?
Ein Mensch der handelt, ist der denn nichts? Wertlos? Und wie siehts aus mit jemandem, der einfach ist? Was heisst denn schon "leisten"? Was ist denn schon "Leistung"?
Ein Mensch der nicht der Norm entspricht, wird der einfach so gestrichen aus der Kartei? Untauglich?
Ein Mensch
der nichts leistet
ist wertlos.
Sagt mir der "Mensch" gegenüber ins Gesicht.
Er hätte mich genauso gut
anspucken können.
FUCK YOU.

Freitag, 8. Juni 2012

Plitsch platsch oder Alles Gute kommt von oben

Meine Vermutung ist ja, dass der liebe Gott den Regen erfunden hat, um uns an die Sintflut zu erinnern. Er will damit sagen: "He Leute, euer Lebensstil passt mir mal wieder so gar nicht, vielleicht solltet ihr was ändern." Damit spielt er zum Beispiel auf Menschen an, die Werbungen wie diese hier kreieren: "Deine Wunschfigur mit schriftlicher Abnehm-Urkunde." Und noch auf viele andere. Jedenfalls schickt er den Regen, das stelle ich mir jedenfalls so vor, um uns rein zu waschen. Um uns zu sagen: "Ok, du hast wieder ganz schön viel Mist angesammelt, du kriegst jetzt, hier, heute noch eine Chance. Du kannst noch mal anfangen, du bist jetzt sauber und fit für einen neuen Alltag."
Aber wir Menschen wollen das irgendwie nicht so recht hören. Deshalb kam (vermutlich) im Jahr 802 der Abt Alcuin von Tours auf die grandiose Idee, einem Bischof ein "Schutzdach" zu schicken. Seitdem verstehen es die Menschen konsequent, den Regen aus ihrem Leben auszublenden. Sie ziehen Capes an, spannen Schirme auf, gehen nicht mehr aus dem Haus. Denn sobald sie nur schon einen einzelnen Tropfen auf ihrer Haut spüren würden, könnten sie ja eventuell zur Einsicht gelangen. Wie tragisch das doch wäre. Also piksen wir uns lieber gegenseitig mit den tollen Schirmen und schauen zu, wie die Tropfen der Erkenntnis in den Tramschienen verkommen und in den Gulli fliessen.

Wenn es jetzt aber in die Küche regnet - dann, so denke ich, ist das ein eindeutiges Zeichen, dass wirklich etwas geändert werden sollte. So aufdringlich ist Gott nur selten, und das zu ignorieren könnte nicht absehbare, unerwünschte Folgen haben.

Freitag, 18. Mai 2012

Zusammenfassung einer Predigt

"Jesus ist in Wahrheit gar nicht in den Himmel "aufgefahren", wie das alle immer erzählen an Auffahrt. Er hängt fest, in der Cloud! Deshalb zeigen die Bilder an Auffahrt auch immer eine Wolke. Dort hängt er jedenfalls, ist quasi abgelegt in unserer Dropbox. Und genau wie all die Ferienfotos und sonstigen Unterlagen aus der Dropbox haben wir auch Jesus immer bei uns. In der Cloud. Wir haben jederzeit Zugriff auf ihn. So ist das mit Auffahrt und der Dropbox."

Sonntag, 13. Mai 2012

Führungsposition

Um was geht es hier eigentlich? Um Macht? Oder Geld? Vermutlich beides. Und all das wirklich nur wegen Macht und Geld? Wie traurig. Man jagt quasi dem Unglück hinterher. Wie traurig, sein ganzes Leben dafür zu opfern. Wenn man Glück hat, ist das Unglück schneller. Wenn nicht, dann kann man es einholen und wird Staatsoberhaupt oder Bankchef.

Standort

Ich mag diese Stadt ja schon. Die Wolken über ihr, die Sonnenstrahlen, die sich in den Fenstern und im Fluss brechen, das Plätschern, die Gebäude. Ich mag sie wirklich. Sie ist schön, eine schöne Stadt. Aber die Menschen darin, und das was die Menschen aus der Stadt gemacht haben - naja. Die Läden, die Werbungen, der Verkehr. Und wie sie rumlaufen - die Kleidung, die Laune, ohne jegliche Wertschätzung. Ich mag diese Stadt ja schon. Aber ohne Menschen wäre sie manchmal schöner.

Mittwoch, 11. April 2012

Dozent vs. Student

"Zu einfache Texte sind nicht repräsentativ."
K.W. - Dozentin in Gesellschaftswissenschaften

WTF?? Soll das Uni sein? Sieht so differenziertes Denken aus? Kritisches Hinterfragen? Soll das wirklich Uni sein?? Nur weil jemand fähig ist, etwas einfach auszudrücken, kann es nicht wahr sein. Kann es nicht gut recherchiert und hinterfragt und argumentiert sein. Texte mit Inhalt müssen per se schwierig und schwer bis gar nicht verständlich sein. Wo kämen wir denn hin, wenn man die Welt in einfachen Texten erklären würde. Wo kämen wir denn hin, wenn man nicht Haare raufend über den Fremdwörtern und Schachtelsätzen verzweifeln würde, bis tief in die Nacht hinein. Das ginge ja gar nicht. Also sind einfache Texte einfach nicht repräsentativ. Logisch. So logisch.

Donnerstag, 15. März 2012

Eine andere Welt, gleich hinterm Haus

Wer auf einer Zugfahrt ein Ticket für die Uhren- und Schmuckmesse Basel geschenkt kriegt, darf dieses Geschenk nicht einfach so missachten. Also begab ich mich an die BaselWorld 2012, voller Interesse und Neugier, gespannt auf diese andere Welt. Meine Eindrücke:

- Alle Kleidung ist schwarz. Ausser die weissen Hemden der Herren. Und ausser mein violetter Pullover.
- Die Menschen scheinen ganz steif zu sein, ausserdem kann ich kaum jemanden finden, der so aussieht, als würde er (oder sie) sich amüsieren.
- Echte Fische in der Hauswand und Hufeisen im Schaufenster, dazu ein paar Billiardkugeln. Uhren zu vermarkten ist nicht einfach.
- Man sieht Asiaten und hört französisch.
- "Ich habe immer noch die Uhr von meinem Exfreund."
- Es gibt Frauen, die tragen halbe Bäume um den Hals.
- Es gibt Ringe mit Fell rundrum.
- Es gibt Schaufenster, in denen rechts und links ein Glas Wasser steht. Falls die Uhren, Ketten und Ringe durstig werden. Glaubs.
- Ich habe nun die biggest peacock-colored Tahitian cultured pearl ever found gesehen, mit einer size von 18,3 mm. Ja!
- Ganz ganz viele Leute werden einfach nur fürs Rumstehen bezahlt.
- Früher gab es Ritterkämpfe, heute entscheidet der teuerste Ring darüber, wer die schönste Frau ist.
- An Messen dürfen die Männer hemmungslos gucken. Und zwar angucken, die Hostessen, von oben bis unten. Und zurück.
- Glitzer, Reichtum, Eleganz. Und mittendrin Prix Garantie Kleenex, gut & günstig Kaffeesahne und ein ganz gewöhnlicher Müllsack mittem im Gang. Ein bisschen Alltag, wie erfrischend.
- Manche Aussteller lassen nur geladene Gäste in ihre Häuschen, um die Uhren anzuschauen. Die "normalen" Besucher müssen draussen bleiben und sich mit Katalogen zufrieden geben.

Fazit: Nie wieder ohne sehr sehr guten Grund.

Schlangenwörter

Demokratisierungsprozesse ist ein langes Wort. Dachte ich. Bis ich Uhrenfabrikbesitzervereinigungsvorsitzendentisch las.

Dienstag, 13. März 2012

Dienstag, 28. Februar 2012

Die drey scheenschte Dääg

Nach endlosen Wochen der Vorbereitung ist sie endlich da. Alles kommt herbei geströmt, aus allen Ecken und Enden kommen sie, die Menschen. So viele Menschen. Überall. Sie laufen und pfeiffen und trommeln und blasen. Oder sie laufen einfach. Sie tragen alle das gleiche Kostüm und wollen doch irgendwie individuell sein. Ein Extra haben, das sie von den anderen unterscheidet, in der grossen Masse. Die grosse Masse. Sie schiebt durch die Strassen und Gassen, irgendwo hin, irgendwo rein. Man trinkt, isst, Mehlsuppe natürlich, hat Glitzerstaub in den Haaren, auch Räppli genannt. Dann gibts noch eine Blume in die Hand. So schön. Eine bunte Stadt die tanzt und pfeifft. Eine Schicht bunter Punkte bedeckt den Boden, den grauen Teer, als würde sich diese Schicht über den grauen Winter legen. Auf dem Heimweg kommen einem die Putzmaschinen entgegen. Sie machen das Grau wieder sichtbar. Aber bald werden die nächsten Punkte den Boden bedecken. Das Ende ist nämlich nicht nah. Zuerst muss noch gefeiert werden. Gefeiert, getanzt, gelebt. Und wenn man da so mittendrin ist, könnte man glatt die Welt vergessen, und für einen Moment, also für drei Tage, für die drey scheenschte Dääg, einfach sein, und tanzen, und pfeiffen, und sich schieben lassen, und sein Herz im Rhythmus der Trommeln schlagen lassen. Und allen Menschen geht es gut.

Sonntag, 26. Februar 2012

Am zweiten Unitag

Nein, ich fühle mich nicht überfordert. Ich wollte schon immer Robinson Crusoe sein.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Wenns *plingg* macht

Und plötzlich verschiebt sich der Schwerpunkt.
Das Zentrum, das von Bedeutung, der Mittelpunkt, Fokus.
Plötzlich kreist alles um etwas Anderes.
Plötzlich ist da eine Sicherheit, Gewissheit, Bestätigung.
Und plötzlich ist einfach alles gut.

Montag, 13. Februar 2012

Tagesplan

Manchmal sollte man zum Mittagessen nach Paris fahren,
oder sich selber eine Blume kaufen,
oder eine Tafel Schokolade ganz alleine essen,
oder einen Tag im Bett bleiben.
Manchmal sollte man den Regenschirm zu Hause lassen,
oder einen Roman statt einer Fachzeitschrift lesen,
oder auf der Strasse Schlittschuh laufen,
oder hemmungslos herumhüpfen und das tanzen nennen.
Manchmal sollte man nicht das tun, was man eben so tut.

Freitag, 20. Januar 2012

Der Countdown läuft.

Eigentlich soll ich ja einen Artikel über den Maya-Kalender schreiben. Beziehungsweise über das Ende des Maya-Kalenders und über das daraus resultierende Ende der Welt. Beim Recherchieren bin ich auf diese Webseite gestossen: www.21dezember2012.org. Nach zwei Minuten auf der Seite rast mein Herz, ich bin schweissgebadet - bildlich, nicht buchstäblich. Über zwanzig Vorhersagen und Szenarien werden aufgelistet, wie und warum die Welt im Dezember 2012 enden wird. "Der Bibel Code", "Prophezeihungen des Nostradamus", "Viren und Bakterien" und sogar "Die Finanzkrise" stehen da. Spätestens beim Artikel über Polsprünge und Sonnenstürme und bei den Aussagen der Hopi Indianer fange ich an, tatsächlich an den Untergang zu glauben. Währenddem läuft auf der linken Seite der Countdown. 336 Tage 00:31:58 bis zum 21. Dezember 2012 / 00:00. 336 Tage 00:31:57. 56. 55. 54. Wertvolle Sekunden. 48. Und ich. 45. Sitze nur rum. 39. Und gucke zu. 32. Wie die Zeit durch meine Finger rinnt. 20.
Schade, dass ich im Dezember wieder in Europa sein werde. Dort wird die Welt nämlich sieben Stunden vor Amerika untergehen. Ich denke, ich werde ein youtube-Video machen, damit sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorbereiten kann. Auf den Untergang. Und in den verbleibenden 336 Tagen 00:27:06 werde ich ganz viele Sachen tun. Ich werde wieder stricken lernen und ganz viel lesen, ich werde gute Musik hören und am Rhein sitzen und Menschen sagen dass ich sie gerne habe und Gleitschirm fliegen und Schokolade essen und endlich wieder einmal zum Frisör gehen. Ich werde leben. Und wenn am 21. Dezember 2012 um 00:00 die Welt untergeht, werde ich nichts bereuen. Und wenn die Welt am 22. Dezember 2012 noch immer existiert, werde ich auch nichts bereuen.
Was tust du in den nächsten 336 Tagen?