Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Donnerstag, 31. März 2011

Matriarchale Pressekonferenz

Heute war eine Pressekonferenz zum Matriarchatskongress. Ich wäre am liebsten schreiend nach draussen gelaufen. Meine Gedanken wurden wild durcheinander gewürfelt, sie streunten umher, stürzten sich auf andere Gedanken, die friedlich seit Ewigkeiten irgendwo vor sich hin dümpelten - und so weiter. Da das hier mein Platz ist, fühle ich mich nicht verpflichtet, irgendwas zu ordnen. Deshalb, in der ganzen Schönheit des Chaoses (Chaoses? Des Chaos? Hmm...):

Lehrer lehren. Woher weiss ich, dass das, was mir gelehrt wurde, stimmt? Wurde mir die Wahrheit beigebracht, was ist Lüge, gibt es eine rote Pille? Will ich überhaupt die rote Pille, will ich hinter meine Weltbildgrenzen schauen? Hat irgendetwas Bestand?

Aussage von A: "Ich beschäftige mich schon mein Leben lang damit, was für ein Gefühl das ,Leben' einem gibt." Oke... Ist das Leben dafür nicht ein bisschen zu kurz? Kann man es nicht besser nutzen?

Aussage von B: "Die Mutter schenkt Leben." Ja, das mag stimmen. Aber. Ohne Vater geht nix. Es müsste also richtig heissen: Die Mutter und der Vater schenken Leben. Zum Beispiel.

Aussage von C: "Das Mütterliche ist gut. Die Männer übernehmen mütterliche Dinge, zum Beispiel können sie schützend werden." Wo bleibt dann aber das väterliche? "Die Frauen übernehmen auch Dinge von den Männern, zum Beispiel können auch Frauen autoritär sein." Äh... super. Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Meiner Meinung nach ist das sehr gesucht und bringt nicht wirklich weiter. Aber vielleicht sehe ich einfach den Punkt noch nicht?

Es waren neunzig sehr fragwürdige Minuten. Ich finde die Weiblichkeit sehr wichtig, wie auch die Überlegungen zur Matriarchalen Gesellschaft. Aber wenn 1. Dinge nicht in einer Sprache erklärt werden können, in denen das Volk, welches am Ende ja der wichtigste Bestandteil ist, sie versteht, und wenn 2. die Männer dermassen aussen vor gelassen und negativ dargestellt werden, dann hört's bei mir auf. Schade.

Glauben zu wissen

Wenn in einer Pressekonferenz oder während eines Vortrags der Satz "Wie Sie wissen..." fällt, macht es bei mir Klick. Dann kann kommen was wolle, es gibt kein Zurück-Klick. Natürlich kann es sein, dass etwas erwähnt wurde, und der "Wie Sie wissen..."-Satz als Wiederholung verwendet wird. Oder es handelt sich um etwas, das allgemein bekannt ist. "Wie Sie wissen, flogen am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in das World Trade Center." Von diesen Beispielen rede ich hier aber nicht. Ich meine die "Wie Sie wissen"-Sätze, bei denen irgendetwas Fachliches folgt. Oder etwas, von dem der Redner genau weiss, dass das Publikum es eben nicht weiss. Deshalb erzählt er es ja. Und weil ihm kein besserer Satzanfang eingefallen ist, beginnt er eben mit "Wie Sie wissen...". Oder auch aus einem anderen Grund. Das spielt eigentlich keine Rolle.
Fakt ist: NEIN, ich weiss es eben genau nicht. Deshalb sitze ich hier. Deshalb höre ich zu. Also unterstellt mir nicht, ich wisse es schon. Nehmt nicht einfach etwas an. Man nimmt an, glaubt später daran, ist sich sicher, und wundert sich dann, dass es doch nicht so ist, wie man anfangs vermutet, dann als Tatsache genommen hat. So entstehen Lügen und Missverständnisse. Indem man davon ausgeht, dass. Indem man denkt, der andere wisse, dass.
Bitte, missbraucht die Sprache nicht. Überlegt, was ihr sagen wollt. Und sagt dann genau das. Und nichts anderes.

Müllhalde

Nein. Ihr müsst nicht nett zu mir sein. Ich vertrage es ja. Ich bin es mich ja gewöhnt. Ich bin ja ein Stehaufmännchen. Wirklich. Lasst einfach alles raus.
Ihr dürft euch auskotzen über alles und jeden, ihr dürft euch melden oder auch nicht, ihr müsst eure Versprechen mir gegenüber nicht einhalten, ihr dürft mich anschreien, ihr könnt mich ruhig anlügen und verarschen, ihr dürft mich ausnutzen, auslachen, ausrauben. Nehmt was ihr wollt, ladet den Müll ab. Ihr müsst keinen Platz machen, wenn ich aus dem Bus steigen will. Beim Einladen des Kinderwagens müsst ihr nicht helfen. Auch nicht wenn zur Rush-Hour an der Kasse noch 10 Rappen fehlen - mit einer langen Schlange im Rücken. Ihr dürft mich wecken, wann immer ihr wollt. Ich brauche weder Schlaf noch Essen, Geld oder Zuspruch. Ihr braucht mir nicht "Hallo" zu sagen oder die Tür aufzuhalten, ihr müsst nicht Bitte oder Danke sagen, nicht bei mir. Und vor allem müsst ihr auf gar keinen Fall am Telefon freundlich mit mir sein. Da sehe ich euch und ihr mich nicht, ihr könnt auflegen wann immer ihr wollt, mir ins Wort fallen und laut werden, ihr könnt euren Tagesfrust in die Ohrmuschel fliessen lassen. Nur rein damit.
Ich bin 19 und eine Frau. Geht bloss nicht mit mir um, als wäre ich ein vollwertiger Mensch.

Sonntag, 27. März 2011

Das harte Leben der Führungskräfte

"Hitler war Vegetarier"

Das ist der Titel eines Beitrags im NEON vom April 2011. In den nächsten 14 Zeilen geht der Holocaustforscher und Buchautor Charles Patterson auf diesen Mythos ein - und kommt zum Schluss, dass Hitler kein Vegetarier war, oder wenn er einer gewesen wäre, dann kein sehr guter:

"Als Hitler 1933 an die Macht kam, stellte er die wichtigste Vegetarierzeitung ein, verbot alle Vegetarierorganisationen in Deutschland und später in den besetzten Gebieten. Er liess ihre Leiter verhaften, Vegetarier mussten fliehen oder in den Untergrund gehen."

An was man als Diktator nicht alles denken muss. Wäre ich Diktator, würde ich den "Boxverband" zum Beispiel erst verbieten, wenn ich alles andere schon erledigt habe und die pure Langeweile Besitz von mir ergreift. Glaube ich. Vorher würde ich nicht ansatzweise auf die Idee kommen, das Vereinsverzeichnis nach Gruppierungen zu durchsuchen, die mir nicht gefallen. Da könnte man fast schon Mitleid mit den armen Diktatoren bekommen.

Wochenend-Wenn's

Wenn dich einer auf der Strasse anspricht und 'nen Stutz von dir will,
du ihm keinen gibst weil er raucht und trinkt,
und er dann lakonisch sagt: "Isch viel, sonen Stutz, gäll."

Wenn sich einer zu dir setzt, das Bierglas in der Hand,
und dich en français vollquatscht,
bis er in Tränen ausbricht und sagt: "Je suis 0.0, je suis merde."

Wenn du denselben Mann dann fragst, was er denn möge,
er ewig überlegen muss,
und dann schliesslich sagt: "J'aime bien la vie. Et j'aime les femmes."

Wenn dir jemand sagt, er fände toll, was du tust,
du das nicht ganz glauben kannst,
und nichts zu erwidern weisst als: "Hmm."

Wenn du eine Strasse entlang läufst,
mit bunten Häusern und blühenden Kirschbäumen,
und jemand zu dir sagt: "Willkommen daheim."

Wenn du an ein Konzert gehst, mit super Musik,
du es total geniesst,
und sie dann sagt: "Schön, dass du da warst."

Wenn du ganz allein was essen gehst, Kartoffelgnocchi,
es dir schmeckt,
und einfach einmal Stille herrscht.

Dann weisst du,
dass du bist.
Und dass du diesen Augenblick vielleicht vergessen wirst,
dass er aber notwendig war,
und gut,
und wichtig,
und dass er dich geprägt hat.

Indiänerle

Eigentlich wollte ich ja heute Indianer spielen gehen. Auf der Welle sollten wir uns begegnen. Doch früh morgens um 5.44 Uhr fiel dem Häuptling ein, dass er doch lieber Büffel jagen wolle. Oder vielleicht auch ein paar Höhlenmalereien anfertigen möchte. Eventuell war es auch 4.44 oder 6.44 Uhr, wegen der Zeitumstellung, ich weiss nicht genau. Jedenfalls ist das Indianerspiel geplatzt.

Nun habe ich Zeit und fühle mich so entspannt wie schon lange nicht mehr. So viele Eindrücke an einem Wochenende. Da wäre zum Beispiel ein supertolles Konzert von Alain Clark (Geheimtipp!!). Seine Musik ist mitreissend, seine Texte haben Inhalt, seine Band verbreitet gute Laune und das allerschönste: Er kann mit den Augen lachen. Hier eine Kostprobe - weitere tolle Lieder sind zum Beispiel "Corner of my street" oder "Good days" oder ... Naja, irgendwie sind fast alle Lieder toll.

Und heute Abend erwartet mich noch ein schwedischer Gottesdienst - ich nehme an, mein Fernweh wird danach noch grösser sein als es schon ist. Ich liebe dieses Land, die Leute, die Sprache.

Donnerstag, 24. März 2011

Ich halt dann mal ein Nickerchen

Ich halte viel von Power-Naps. Und ich praktiziere sie selber hin und wieder. Im Zug, auf dem Esstisch, früher in der Schule, vorzugsweise in Geografie oder Mathe. Doch was ist das Geheimnis dahinter, wieso fühlt man sich nach diesen kurzen Ausflügen ins Reich der Schlafenden oft erholter, als nach mehreren Stunden am selbigen Ort?
Ich habe die Antwort. Ohne Studien, ohne Expertenwissen, ganz simpel:
Wenn wir länger schlafen, kommen wir in den Tiefschlaf. Und irgendwann auch in eine Phase, in der wir träumen. Träume sind jedoch nicht erholsam, weil sie sich entweder mit Dingen befassen, die wir niemals können, haben oder sein werden, oder mit der realen Welt. Das "Niemals-erreichen-können" ist logischerweise nicht sehr erfrischend. Und die reale Welt ist oft so schrecklich, grausam, paradox, dass wir nach einer intensiven Auseinandersetzung damit auf keinen Fall gestärkt in den neuen Tag starten können.
Das ist der Grund, weshalb Power-Naps erholsamer sind als lange, intensive Schlafstunden.
Doch wieso kurz schlafen und nicht einfach wach bleiben?
Bleiben wir wach, befinden wir uns weiterhin in der realen Welt, die oben schon einmal beschrieben wurde: Grausam, schrecklich, paradox. Schlicht zuviel für unser menschliches Hirn und Herz. Mit dem Power-Nap können wir dieser Welt entfliehen, ohne ihr in der Traumwelt wieder begegnen zu müssen. Wir befinden uns sozusagen im Raum dazwischen. Im Power-Nap haben wir, oder ich zumindest, ein Schlupfloch gefunden, um wenigstens für eine kurze Weile einfach nur zu sein, ohne denken zu müssen, ohne es zu merken. Etwa so, als wäre man ohnmächtig. Einfach abstellen, loslassen. Ja, abstellen ist wohl das beste Wort dafür. Ausschalten. Aussteigen. Für einen kurzen Moment. Um dann wieder zurück ins Leben geworfen zu werden.

Der Erfolg eines Nagers

Ja, ich gebe es zu. Ich habe ihn gesehen. Den Justin-Bieber-Film mit dem Titel "Never say never". Und es war einfach unglaublich, ich habe meinen Mund vor lauter Staunen gar nicht mehr schliessen können. So viele Gedanken schossen mir durch den Kopf:
Ich bemittleide ihn. Ich beneide ihn. Er tut mir leid. Er kann wirklich was. Er ist arrogant. Typische Amerikaner. Diese armen Frauen. Was macht ihn so besonders? Wie sieht sein Leben in 10 Jahren aus? Er ist mitreissend. Er überzeugt, hat Charme, hat viele Talente. Heile Welt. Wo bleibt das Negative? Wie wird ein Superstar ein Superstar? Wieso gibt es so viele unentdeckte Talente, und ist das vielleicht gut so?
Oder auch: Ein Kind füllt ganze Hallen. Er hat ein Team von unglaublicher Grösse. Die für ihn arbeiten. Menschen fallen in Ohnmacht, weil sie ihn sehen oder berühren. Er hat eine Bühnenshow mit Feuerwerk, Tänzern und so weiter. Er zeigt Kinderfotos, seine Mutter erzählt, seine Grosseltern, er besucht seine Freunde und seine alte Schule. Er gibt Autogramme, twittert, ist krank - und wir können ihm bei allem zugucken. Er wird im gleichen Atemzug mit den Beatles, Rolling Stones und Michael Jackson genannt. Er singt Cover. Und er begeistert Massen von Frauen jeglichen Alters. Wahnsinn. Dieses Geschick ist unglaublich. Diese Kombination aus Talent, Glück, den richtigen Leuten mit den passenden Kontakten, einer raffinierten Verkaufsstrategie und der Maschinerie des Superhypes. Dazu noch ein paar Haare, Hundeaugen und "frisches Blut". Gecoverte Songs, ein paar Tanzschritte, schon hast du den Star von heute und morgen. Justin Bieber.
Ich kann es kaum glauben. Ich bin einfach sprachlos. Es gibt Leute, die 90 % ihres Daseins damit verbringen, an Menschen wie Justin Bieber zu denken. Ihn zu googlen, ihm zu twittern, was weiss ich. ALS GÄBE ES NICHTS WICHTIGERES. Lasst den armen Jungen doch in Ruhe. Kunst ist das Eine. Kunst, Kultur, Musik. Aber fanatische Groupies, "Mode-Starmusiker", eine geraubte Jugend, das ist etwas anderes. Lasst ihn jung sein. Macht nicht noch ein Leben kaputt. Und kümmert euch um wichtigere Sachen als um die Frage, in welcher Farbe ihr das Justin-Bieber-Plakat wohl malen solltet. Eigentlich hättet ihr nach den ersten drei oder vier Sätzen schon zu lesen aufhören sollen.

Mittwoch, 23. März 2011

Aus der Ecke

Manchmal (schon wieder dieses manchmal), manchmal jedenfalls wäre ich gern nur Zuschauer. Bei Festen zum Beispiel. Da würde ich mich gerne von Zeit zu Zeit in meinem Stuhl zurücklehnen und nur die Menschen betrachten, wie sie sich freuen, sich austauschen, wie sie tanzen und lachen, wie sie sich bewegen und wie sie ihre Mimik, ihre Körpersprache sprechen lassen, wie sie sich verhalten. Oder an einem Frühlingstag wie heute. Da würde ich gerne von 10 Metern Höhe - oder so - auf die Leute herab schauen. Und zugucken, wie sie die ersten Blumen bestaunen, die Sonne geniessen, einen Spaziergang machen oder das Fahrrad aus der Garage holen. Auch bei schwierigen Sitzungen wäre ich manchmal gern Betrachter. Dann könnte ich mit Abstand analysieren, was falsch und richtig läuft. Ich könnte die Leute besser einschätzen. Ich würde mich nicht über sinnlose Dinge aufregen.
Manchmal wäre ich gern nur Zuschauer.
Manchmal habe ich das Leben so satt, dass ich gerne aussetzen würde, um den anderen dabei zuzusehen, anstatt selbst zu leben. Denn immer in diesen Momenten, in diesen Aussetzern, oder danach, weiss ich wieder, weshalb ich lebe. Das ist ein schönes Gefühl.

Die Rasse Mensch

"Jemanden zu respektieren, seine Vergangenheit zu achten heisst, zu begreifen, dass er derselben Menschheit angehört wie man selbst – und nicht einer anderen, einer Menschheit zweiter Klasse."

Amin Maalouf

Montag, 21. März 2011

Weckruf von oben

Ja, das was in Japan passiert, ist schlimm. Schrecklich. Unbegreiflich.
Auch Haiti, Hurricane Katrina in New Orleans oder Sri Lanka im Dezember 2004 waren "echt krass".

Aber was ist mit Libyen?
Was ist mit dem Nahostkonflikt?
Oder weiter noch, was ist mit Tibet?
MIt Afghanistan, mit China, mit Nordkorea?
Was ist mit Iran, mit Darfur, mit dem Kongo?
Was ist mit den Menschenrechten? 
Was ist mit der Million Menschen, die hungern, die verhungern? Alle drei Sekunden stirbt jemand, weil er zu wenig Essen hat. Laut Wikipedia, Stand 2007. Alle drei Sekunden.

21
21
Tot.
21
21
Tot.

Und wir brauchen erst eine riesige Flutwelle, bebende Erde und die Gefahr eines atomaren Debakels, um zu reagieren? Was sollen die hungrigen Leute denn tun - noch hungriger werden sie nicht. Es ist Zeit, in unserer ach so fortschrittlichen Welt auch ohne Weckruf zu handeln. Aktiv. Denn man kann etwas bewirken. Auch wenn manche das nicht glauben, ich glaube es. Und wenn ich nur schon einen Menschen vor dem Verhungern retten kann. Dieser eine ist es wert.

Donnerstag, 17. März 2011

Wir Menschen sind doch alle Forellen

Du musst anders sein als die anderen, du musst ein Individuum sein, du musst gegen den Strom schwimmen.
Das hören wir immer wieder. Und wir geben unser Bestes, individuell zu sein, uns von der Masse abzuheben, uns zu etwas Besonderem zu machen. Anfangs fand ich das toll. Doch mit der Zeit kam immer mehr das Gefühl auf, einige Menschen schütteln zu wollen. Du musst nicht um des Anders-Sein-Willens anders sein! Sei einfach so, wie du bist. Geh deinen Weg. Manchmal führt dein Weg vielleicht in die gleiche Richtung wie der Strom fliesst. Dann gehst du mit ihm. Und manchmal geht der Weg aber auch wieder in eine andere Richtung. Dann schwimmst du gegen ihn.
So einfach ist das.

Schlaflos

Ich bin müde.

Das Aufstehen fällt mir schwer, meine Augen fallen zu, ich habe keine Energie. Ich bin müde.
Weil ich gestern spät ins Bett gegangen bin, weil sich alles im Kreis dreht und nicht wirklich Sinn macht, weil wir die Nacht durchgetanzt haben, weil man so viel tun kann wie man will, und es doch kein Ende nimmt.

Ich bin müde. Manchmal bin ich lebensmüde.

Aber trotzdem kommt immer wieder von irgendwo her ein Energieschub, ein Stubser, neue Kraft.

Ich hoffe nur, dass ich dann müde werde und einschlafe, wenn es Zeit wird.

Mittwoch, 16. März 2011

Frühlingsputz

Die Kaffebohnen tanzen mit dem Reiskorn,
das Mehlstäubchen umarmt das Zückerchen.
Die grünen Linsen diskutieren mit den Schokospänen,
das Cornflakes bewundert die leere Spaghetti-Packung.

Der Kohlrabi küsst den Schimmelkäse,
das Speckstückchen kuschelt sich an das Bier.
Die Spaghetti von vorgestern gesellen sich zum Brotkanten,
im Konfiglas entsteht intelligentes Leben.

Mittendrin bin ich.
Drehe mich im Kreis.
Und tanze mit dem Schwamm, dem Lappen, dem Wischmob
mit Cilit Bang, Vanish und Calgon.

Frühlingsputz.

Dienstag, 15. März 2011

Salzkörnchen

"Wer zu wenig schläft, der neigt gemäss einer Studie aus den USA zu übertriebenem Optimismus." (G.P., 'Salzkorn' im St. Galler Tagblatt vom Sa, 12. März 2011)

Äh...nein. Studie hin oder her (Wie aussagekräftig sind diese zahlreichen Studien aus den USA überhaupt? Konkrete Quellen bekommt man nämlich selten zu Gesicht, meist steht wie hier "eine Studie aus den USA", und alle Leute nicken mit den Köpfen.) jedenfalls, Studie hin oder her, ich denke nicht, dass Wenig-Schläfer zu Optimismus neigen. (Dann müsste ich zeitweise ein extrem optimistischer Mensch sein.) Weshalb ich der Studie aus dem tollen Amerika nicht glaube? Ganz einfach:
Wer wenig schläft, ist länger wach. Wer länger wach ist, nimmt mehr auf, sprich, kriegt mehr Informationen. Wer mehr Informationen hat, ist näher an der Wahrheit - bzw. erkennt eher, dass es sich bei fast allem um aufgeblasene Lügen handelt. Wer das sieht, wird Realist. Und wer Realist ist, kann unmöglich optimistisch sein. 

Dienstagmorgen

Ich gehe zur Bushaltestelle.
Ich warte.
Der Bus kommt.
Die Tür geht auf.
Der Bus ist überfüllt.
Jemand hat gekotzt.
Ich steige bei einer anderen Tür ein.
Eine Jugendliche macht Theater.
Ihre Schuhe sind mit Kotzespritzern übersät.
Es ist ein Drama.
Die Schuhe sind vom H & M.
Vermutlich für 9.90 Fr.
Die Frau regt sich auf.
Lange.
Ihr Tag ist gelaufen.
Sie flucht.
Ich muss lächeln.
Grinsen.
Lauthals lachen.
Sie guckt mich wütend an.
Es geht um ein Paar Schuhe.
Die dreckig sind.
Weil es jemandem schlecht wurde.

Was ist das Wichtige an der Geschichte?

Montag, 14. März 2011

Under colored umbrellas.

"we are nothing on this earth
but observers of the next geological happening
while we bide our time we can laugh, and lunch
with our friends in streetside cafes
under colored umbrellas
then when its time: some die
...and others move dirt at their convenience"

Sonntag, 13. März 2011

Gestutzte Eiche - nach Hermann Hesse

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnitten,
Gequältes Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen, 
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zum Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.

Das ist das Hoffnungsvollste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ob Herr Hesse wohl auch noch heute allem Weh zum Trotze verliebt in diese verrückte Welt wäre? Ich bezweifle es.

Merkwürdige Lebensweisheiten oder Es geht noch mehr

Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören.
An und für sich ist das ein logischer Satz. Hart und schwer einzuhalten, aber logisch. Auf den ersten Blick. Beim zweiten, genaueren Hinschauen jedoch sieht man, dass dieser Satz durch und durch unlogisch ist: Woher soll man wissen, wann es am Schönsten ist? Man hat ja nur die Vergangenheit als Messlatte. Die Zukunft kennt man noch nicht, deshalb kann man auch nicht wissen, ob sie vielleicht noch schöner als die Gegenwart oder die Vergangenheit wird. Und genau weil wir nur die Vergangenheit kennen, müssen wir entweder aufhören, sobald wir angefangen haben (wir können ja nicht wissen, ob es noch schöner werden kann - also müssen wir auf Nummer Sicher gehen und aufhören), oder aber wir machen solange weiter, bis wir sagen können: Vor fünf Minuten hätte ich aufhören sollen, da war es am Schönsten. Was uns aber auch nicht besonders viel bringt.
Also, versucht mich niemals mit dem dämlichen Satz "Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören." zu überreden. Das zieht bei mir nicht. Ich glaube nämlich, dass es noch schöner werden kann.

Samstag, 12. März 2011

Aussteiger

Lasst mich raus.
Lasst mich raus aus diesem doofen Spiel, ich habe keine Lust mehr.
Lasst mich raus aus unserer Welt.
In Afrika geht alles drunter und drüber.
In Asien ist nichts mehr sicher.
In Amerika spinnen sie eh schon lange,
und in Europa - aiaiai.
Die ganze Welt dreht durch.
Lasst mich hier raus.
Ich habe keine Lust mehr.

Mittwoch, 9. März 2011

Liebe, Lust und Leiden

Warum Ameisen nur noch Ameisensäure haben? Weil eine Ameise namens Lola, die Schokolade liebte, ganz viele Tränen vergoss, ihre und die aller anderen Ameisen auch. Sie füllte damit das Nichts um sich herum. Sie stand dort, wo heute der Bodensee ist. Jedenfalls floss all das Wasser ins Nichts, sodass die heutigen Ameisen nur noch Säure haben. Sie sind also sauer. Und leiden sehr darunter. Nur wenn sie Lust auf Schokolade bekommen, so wie Lola das hatte, dann sind sie lustig.

Schreibwettbewerbe regen die Kreativität an, definitiv.

Dienstag, 8. März 2011

Fastenzeit

Vierzig Tage ohne
Vierzig Tage mit
das macht dann zusammen
in vierzig Tagen fit.

Montag, 7. März 2011

Reden wir KLARTEXT

Das kann doch nicht sein.
Da haben Menschen Spass, geniessen das Leben, feiern, knüpfen Kontakte, beschäftigen sich miteinander (und nicht nur mit Computern und TV-Bildschirmen) - und nun soll ihnen dieser Ort der Begegnung, des Austauschs, der Jugend, der Lebensfreude genommen werden?
Und noch schlimmer: Wie dreckig muss es erst jenen gehen, die das KUGL aufgebaut haben? Die Zeit und Energie in ein Projekt investiert haben, das ihnen am Herzen liegt? Und die es jetzt einfach so aufgeben müssen, ohne einen wirklich Es kann doch nicht sein, dass alles an der Unflexibilität eines einzelnen Menschen scheitert. Wo bleibt da der diplomatische Kompromisswille? Wo bleibt da die Menschlichkeit? Wo bleibt da das Verständnis? Und wo bleibt da die Erinnerung daran, dass wir alle einmal jung waren?
Ich kann zu dem Thema eigentlich nicht mehr viel sagen - es ist auch schon genug darüber geredet worden. Nur eins noch: JUGEND, hört nicht auf, für euer Recht zu kämpfen. Hört nicht auf, euch selber Plätze zu schaffen, wo ihr sein könnt. Hört nicht auf, euch auszutauschen, zusammenzuschliessen, Ideale zu haben. Hört nicht auf, über den Rand zu blicken, über die Grenzen zu denken, die Mauern niederzureissen (auch wenn manche Menschen lieber Lärmschutzwände zu Hauf hätten...) Und erinnert euch in 20 Jahren, wenn die nächste Generation um die Häuser zieht, um Himmels Willen daran, dass IHR auch einmal jung ward.

Freunde

Was meine Mundwinkel nach oben zieht?
Es ist nicht der Alkohol, es kommt nicht durch den Joint, auch nicht durch die bunten Pillen. Es sind weder die vielen Männer, noch die Geschenke, die sich stapeln. Nicht die gute Musik, das schöne Wetter, ein Krampf meiner Gesichtsmuskeln oder der Sieg meiner Lieblingsmannschaft. Nein. Was meine Mundwinkel nach oben zieht, mich die Zähne zeigen lässt und Lachfalten verursacht, sind die Menschen um mich herum. Die vielen guten Seelen, jede einzelne, alle einzigartig und besonders, alle ein eigener grosser Schatz.
Sie machen mich glücklich.

Wir Menschenkinder

Menschlich sind wir alle,
aber Mensch sein ist schwer.

Die Feststellung

Wir sind nie zufrieden mit dem, was uns glücklich macht.
Nein.
Wir müssen immer auch noch das Beste haben.

Werte der Menschen

Vertrauen wird überbewertet.
Kontrolle ist besser.
Und funktioniert immer,
lässt uns nie im Stich,
enttäuscht uns nicht.
Wieso also vertrauen?

Freitag, 4. März 2011

Traurige neue Welt oder Die Guillotine

Wie kann es sein, dass wir im 21. Jahrhundert leben, uns als ach so fortschrittlich bezeichnen, wir von Menschenrechten reden, einen unstillbaren Wissensdurst haben, immer mehr erforschen und die Wissenschaft an ihre Grenzen treiben, wir Haustiere aus purem Vergnügen halten, unsere elektronischen Geräte verhätscheln - wie kann es sein, dass wir so sind, dass wir in einer Welt leben, in der alles möglich ist und dass die Todesstrafe trotzdem noch existiert? Und das nicht nur in den "zurück gebliebenen Ländern", nein, auch in Amerika, was sonst immer unser grosses Vorbild ist, zu dem wir aufschauen, dem wir alles abgucken und das unser Held ist, auch dort werden Menschen umgebracht, von anderen Menschen, und das ganze nennt sich dann auch noch legal und rechtens und pflichtbewusst.

Wie traurig ist das denn?

International

Äh...Russische Föderation? Besucht Gedanken - fetzen? Okay.

Donnerstag, 3. März 2011

Marsmännchen

Welche Leute aus Malaysia, Japan, Korea und Indonesien verirren sich auf meinen Blog??

Internationale Gäste, und das grade jetzt, wo ich mich so weltfremd fühle. Da arbeite ich bei der "Zeitung", sollte dem "Puls der Erde", oder besser gesagt der Gesellschaft, so nah wie noch nie sein - und doch fühle ich mich weltfremd. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Menschen wie du und ich gerade über die Tunesische Grenze rennen und froh um ihr Leben sind. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Menschen wie du und ich, also Menschen mit zwei Beinen und einer Nase und Haaren auf dem Kopf, dass solche Menschen andere umbringen, dass sie machthungrig sind und ein ganzes Land beherrschen wollen, dass sie sich ein Haus mit neun Badezimmern bauen. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass es im Moment kein wichtigeres Thema gibt, als die Echtheit diverser Doktorarbeiten oder die neue Frühjahrskollektion von Vögele, mit Til Schweiger und Penelope Cruz oder wem auch immer. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass gerade für jemanden eine Welt zusammen bricht, weil die grosse Liebe in Scherben auf dem Boden liegt.
Ich kann mich einfach nicht mehr in die Schicksale anderer Menschen hinein versetzen, es kommt mir alles so weit weg vor, teilweise zu grausam und abstrus, teilweise zu lächerlich um wahr zu sein.
Ich bin hier, und die Welt ist an einem ganz anderen Ort.
Scheiss Gefühl.

Dienstag, 1. März 2011

Wie geht's dir?

Ich fühle mich zu Hause,
und doch fehl am Platz.
Ich fühle mich gebraucht,
und doch so überflüssig.
Ich fühle mich gut,
und doch ist mir schlecht.
Ich fühle mich fit,
aber es dreht sich alles.
Ich fühle mich lebendig,
aber rundherum ist es kalt.
Ich fühle mich satt,
aber mein Magen knurrt.
Ich fühle das alles,
und doch kann ich nicht sagen,
wie es mir geht.