Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Donnerstag, 30. September 2010

Paradox

Kann man sich tatsächlich über etwas freuen, von dem man vorher dachte, dass es etwas vom Schlimmsten wäre, das passieren könnte? Ist das nicht irgendwie paradox?

Sonntag, 26. September 2010

Nachts um 12

Zwei Fliegen machen Liebe auf dem Rand meiner Teetasse.
Manchmal kann das Leben so einfach sein.

Faule Äpfel

Wie viele faule Äpfel es doch gibt. Ich habe hier 40kg Äpfel vor mir, die zu Apfelringen verarbeitet werden sollen. Die eine Hälfte ist schon aufgefädelt in der Sauna und trocknet, die andere habe ich noch vor mir. Es ist immer das gleiche Prozedere: Apfel nehmen, schlechte Stellen rausschneiden, Kerngehäuse ausstampfen, schälen, schneiden, auffädeln. Die meisten Äpfel haben nur ein, zwei braune Stellen, wo sie ein bisschen zerquetscht und eingedrückt sind. Ab und an lässt sich auch einmal eine kleine Made finden.
Dann gibt es da aber noch die wunderschönen Äpfel, wie aus dem Lehrbuch sehen sie aus, man würde am liebsten reinbeissen. Anfangs habe ich mich immer besonders über diese „perfekten“ Äpfel gefreut. Doch beim Ausstampfen musste ich immer wieder feststellen, dass fast alle von innen her zerfressen sind, faul, ausgehöhlt. Ich musste die Äpfel regelrecht bis auf die Schale ausschaben, konnte meist beinahe die ganze Frucht wegwerfen. Diese Äpfel sind unbrauchbar. Ich kann sie nicht verwenden, sie sind nutzlos. Und doch greifen wir alle immer zuerst nach diesen grossen, schönen Exemplaren. Denen man ihr Makel nicht ansieht. Die ihre abgestorbenen Stellen zu verstecken wissen. Lernen wir denn nie dazu?

Samstag, 25. September 2010

Grundlos glücklich

Es ist zwar neblig, aber ich kann den Weg trotzdem noch sehen.
Es regnet zwar, aber ich weiss, die Sonne wird wieder scheinen.
Es gibt zwar Probleme, aber wir werden die Hürden meistern können.
Ich mach zwar viele Fehler, aber ich mache auch einiges richtig.
Du bist zwar nicht hier, aber ich weiss, du bist irgendwo da draussen.
Ich hab zwar viel zu tun, aber jetzt mache ich eine Pause.
Ich bin zwar müde, aber ich habe trotzdem noch Energie.
Ich weiss zwar nicht wieso, aber dies ist einer der Momente,
in denen ich einfach zufrieden bin,
ohne Grund.
Ich weiss zwar, dass der Moment vergeht, aber ich geniesse ihn
und bewahre das Gefühl in meinem Herzen.

Freitag, 24. September 2010

Mord beim Misten?

Heute habe ich einen Mord begangen. Oder eine gute Tat vollbracht. Je nachdem.
Und zwar war ich mit ausmisten beschäftigt, als eine grosse fette Spinne vor mir auf dem Boden krabbelte. Was ja eigentlich nichts Ungewöhnliches für einen Stall ist. Jedenfalls hob sich ganz automatisch mein schwer beschuhter Fuss und sauste auf das arme Tierchen nieder. Noch ein paar Mal hin und her gedreht und fertig war das Spinnenmus. Erst als ich mich schon wieder mit der vollen Schubkarre auf den Weg zum Misthaufen gemacht hatte, fing ich an, über mein Handeln nachzudenken. Manche Menschen hätten genauso reagiert wie ich. Ich hatte ein Lebewesen seiner Existenz beraubt, hatte es getötet, umgebracht, ermordet, beseitigt. Einfach so. Grundlos. Aus einer Laune heraus. Nur, weil mich das Tier, das übrigens etwa – äh – keine Ahnung, das jedenfalls sehr viel kleiner ist als ich, gestört hat. War das wirklich nötig? Woher nehme ich mir das Recht, dermassen willkürlich über Leben und Tod zu entscheiden? Wohin sind wir schon gekommen, wenn ich meine schlechte Laune an einem unschuldigen Tier auslassen muss? Nur weil es eklig aussieht und ich es nicht leiden kann. Tragisch. Sehr tragisch. Und wichtiger noch als „Wohin sind wir schon gekommen“ ist wohl „Wohin soll das führen?“
Schon gut, ich höre hier auf. Es war eine Spinne. Nicht mehr.
Aber es war eine Spinne. Nicht weniger. Etwas Lebendiges. Jetzt ist sie ein schwarzer toter Punkt auf dem Boden.
Das war eine Spinne.

Warten

Ich warte auf besseres Wetter
Ich warte auf meinen Superheld.
Ich warte auf die nächsten Tage
Ich warte auf `ne schönere Welt.

Ich warte auf die Superidee
Ich warte auf den Bus.
Ich warte auf `nen richtigen Freund
Ich warte auf `nen Kuss.

Ich warte auf den nächsten Kampf
Ich warte auf ein offenes Ohr.
Ich warte auf das Sandmännchen
Ich warte auf `nen Pick-Nick im Moor.

Ich warte auf meinen Hund
Ich warte auf `ne Heissluftballonfahrt.
Ich warte auf deinen Brief
Ich warte bis jemand sagt „Start“.

Ich warte auf Selbstbeherrschung
Ich warte auf Ehrlichkeit
Ich warte auf Mut und Respekt
Ich warte auf die Gelegenheit.

Ich warte auf so vieles
Ich warte auf die Chance meines Lebens
Ich warte auf das beste
Ich warte vergebens.

Das letzte Mal

So oft
So viele Male
Hab ich gesagt
Einmal noch
Einen Versuch
Eine Chance
Ein letztes Mal.

Und so oft
So viele Male
Habt ihr mich
Enttäuscht
Ausgenutzt
Verraten
Wie auch dieses Mal.


So oft
So viele Male
Hab ich
Gehofft
Gewagt
Vertraut
Jedes einzelne Mal.

Und so oft
So viele Male
Habt ihr
Gelogen
Betrogen
Versagt
Fast jedes Mal.


Doch dieses Mal
War das letzte.
Schliesslich
Endlich
Endgültig.

Unwiderruflich.

Aus und vorbei.

Dienstag, 21. September 2010

Betrink dich

Betrink dich und sag die Wahrheit
Betrink dich und sag was du denkst
Betrink dich und ich führ dich nach Hause
Betrink dich und ich bleib, bis du dich fängst

Betrink dich, sauf dir den Ärger vom Leib
Betrink dich, übertreib mal so richtig
Betrink dich, ertränk deine Schmerzen
Betrink dich, das ist auch einmal wichtig

Betrink dich und vergiss das Morgen
Betrink dich, leb in Saus und Braus
Betrink dich, vergiss deine Sorgen
Betrink dich und kotz alles aus.

Das 1. Mal

Der 1. Zahn
Der 1. Schrei
Das 1. Wort
Der 1. Brei

Der 1. Schritt
Das 1. Rad
Die 1. eigne
Gute Tat

Das 1. Kostüm
Die 1. Wut
Der 1. Stich
Das 1. Blut

Das 1. Mal
Die Schuhe binden
Das 1. Mal
Ein Nestlein finden

Mitten in der
Schülermasse
Der 1. Tag
Die 1. Klasse

Das ABC
Das 1 x 1
Das 1. Zeugnis
Ist nun meins

Das 1. Mal schwimmen
Das 1. Mal Kino
Das 1. Mal Rad fahr’n
Der 1. Albino

Das 1. Mal woanders schlafen
Das 1. selbst verdiente Geld
Das 1. Mal links rechts gewusst
Der 1. Fernsehserienheld

Das 1. eigne Zimmer
Das 1. Mal allein zu Haus
Das 1. selbst geschrieb‘ne Lied
Die 1. schwarz-weiss-braune Maus.

Das 1. Mal im Flugzeug
Das 1. Mal am Meer
Das 1. Mal im Zelturlaub
Das macht ganz schön was her.

Die 1. beste Freundin
Die 1. durchgemachte Nacht
Das 1. Mal ein Witz von mir
Zu dem auch endlich einer lacht.

Die 1. Lüge
Die 1. CD
Das 1. Kleid
Die 1. Soirée

Der 1. Freund
Der 1. Kuss
Die 1. Liebe
Zum 1. Mal Schluss

Der 1. Vollrausch
Der 1. Alptraum
Die 1. Party
Der 1. Christbaum

Das 1. Mal
Es kommt so oft
Ob man’s will oder nicht
Ob man bangt oder hofft

47 1. Male
Und noch so viel mehr
Gibt mein ach so kurzes
junges Leben her.

Montag, 20. September 2010

Wut

Ich bin wütend.

Ich tobe und schreie
ich trete und schlage
ich zerplatze schier.

Ich kann nicht atmen
ich kann nicht denken
da ist nur noch Wut,
Enttäuschung,
Hass.

Das alles passiert in mir.
Doch aussen
läuft nur eine einzelne Träne an meiner Wange herunter,
und tropft auf die Tischdecke,
wo sie einen kleinen nassen Punkt hinterlässt.

Freitag, 17. September 2010

Wovon ich erzählen könnte.

Ich schaue zum Mond und hätte so viel zu sagen.
Ich könnte von meinem Tag erzählen: 4 Schnittwunden, 3 Verbrennungen, 1 notfallmässiger Arztbesuche, ein ausgekugeltes Knie, ein Absturz, 5 Stromschläge, ein Pferdehuf im Bein, ein Pferdegebiss im Arm, ein gerettetes Leben, kirschgrosse Hagelkörner, ein Fast-Wutanfall, ein Ganz-Wutanfall, Musik, 5 l Apfelmuss, ein Eimer self-made Schokoladeneis, ein Schokokuchen, ein nerviger Wecker, das schlimmste Kind auf Erden.
Das war mein Tag.
Davon könnte ich erzählen.
Oder ich könnte erzählen, dass heute das Pferd meiner Freundin gestorben ist. Einer sehr guten Freundin. Sie haben den ganzen Tag um das Leben dieses Pferdes gekämpft. Und verloren. Klar, es ist "nur" ein Pferd. Kein Mensch.
Aber.
Ich war oft zum Reiten bei ihr, wir waren auch zwei Wochen zusammen mit den Pferden in den Ferien. Mir ist das Pferd also auch ans Herz gewachsen, ich bin traurig und geschockt. Wie muss sie sich erst fühlen? Sie hat ihre gesamte Freizeit mit den Pferden verbracht. In dem Haus, in dem ich immer Willkommen bin, in dem so viel Freude herrscht, wo immer gute Stimmung ist, sitzen jetzt fünf Leute, die ich sehr gerne habe. Und sind tieftraurig.
Und ich kann nichts dagegen tun.
Davon könnte ich erzählen.
Oder ich könnte erzählen, dass warten fast immer unsinnig ist, dass Missverständnisse unumgänglich sind, dass Erwartungen zwangsläufig zu Enttäuschungen führen, dass Vertrauen früher oder später missbraucht wird, dass Zeit eben nicht alle Wunden heilt.
Davon könnte ich erzählen.
Und noch von viel mehr.
Aber ich erzähle nichts von all' dem.
Stattdessen schaue ich zum Mond.
Wieder einmal.
Und schweige.

Donnerstag, 16. September 2010

Das Richtige?

Woher wissen wir, ob wir das Richtige tun?
Richtig - wir wissen es nicht. Woher sollten wir auch. Wir sind ja nur kleine, dumme, unwissende Menschen, die nicht in das grosse Geheimnis eingeweiht werden müssen. Es kommt ja sowieso alles, wie es kommen muss.
Das sagen zumindest manche.
Andere sagen "Folge deinem Herzen" oder "Hör auf deinen Bauch". "Immer der Nase nach". Einige sagen auch "Der liebe Gott wirds schon richten".
Super. Tolle Hilfen. Denn auch mit Schicksal, Herz, Bauch, Nase oder Gott frage ich mich immer wieder, ob ich das Richtige tue.
Ein kleines Zeichen wäre nett.
Ein Wink des Schicksals. Ein Herzschlag, ein Kribbeln im Bauch, ein Niesen oder eine Geste des Himmels.
Nur damit ich sicher sein kann,
dass ich nicht schon längst
auf den Abgrund
zusteuere.

Mittwoch, 15. September 2010

Einmal ist besser

Ich gehe einen Weg entlang. Zum zweiten Mal. Beim zweiten Mal ist er nicht mehr so schön, geheimnisvoll, verzaubert wie anfangs. Beim ersten Mal hatte ich gerade genug Zeit, auf die schönen Pflanzen, die idyllische Ruhe, die anmutigen Biegungen und Windungen des Weges zu achten. Jetzt sehe ich den Müll in den Büschen, die Robidog-Kästen, jetzt stolpere ich über die unregelmässigen Pflastersteine, noch dazu geht mein Schnürsenkel auf. Jetzt ist die Stille unheimlich, hinter jeder Hecke oder Kurve könnte jemand sein. Hätte ich doch nur einen anderen Rückweg gewählt. Dann wäre dies hier immer das traumhafte Stückchen Erde geblieben, dass ich beim ersten Mal wahrgenommen habe.
Doch wir müssen alles wieder und wieder wiederholen, bis es zerschunden ist und wir alle Schönheit und all das geheimnisvolle genommen haben. Wir sollten das Schöne geniessen, in unseren Herzen aufbewahren, es gehen lassen, wenn die Zeit gekommen ist. Und nicht hinterherlaufen, festhalten, zerstören.
Manchmal hält einmal länger als zigmal.

Erinnerungen

Ich wünschte, ich hätte eine Kamera
die all die schönen Bilder
und Erinnerungen
festhalten könnte.
Sonnenstrahlen, die durch eine Baumkrone dringen.
Den Vollmond, wunderschön am klaren Himmel.
Einen Regenbogen.
Ein Gänseblümchen
inmitten einer Gänseblümchenwiese
Einen verregneten Sonntagnachmittag,
zu Hause vor dem Kamin
mit einem heissen Kakao
und einem guten Buch.
Schöne Musik.
Eine Umarmung.
Einen Moment Zufriedenheit.
Ein Stündchen Schlaf.
Einen schönen Spaziergang.
Die bunten Blätter im Herbst
und den ersten Schnee im Winter.
Ein bekanntes Lied im Radio.
Nach Hause kommen.
Das Funkeln des Meeres.
Ein liebes Wort.
Die edlen Bewegungen einer Katze
wie sie auf einen Baum springt.
Den Geschmack einer frischen Aprikose auf der Zunge.
Die zarte Hand eines Kindes
das nach dir greift
weil es dich braucht.
Ich wünschte ich hätte eine Kamera
die all die schönen Bilder
und Erinnerungen
festhalten könnte.
Um mich an leeren grauen Tagen
daran zu erinnern
dass es sich lohnt.

Dienstag, 14. September 2010

Der Mond

Eigentlich
dürfte man niemals
ein Wort über den Mond verlieren.
Versuchen
ihn zu beschreiben
umschreiben
illustrieren
darzustellen
davon zu berichten.
Denn wie er dort oben steht
voll oder leer
sichelförmig
kommend oder gehend
ist er immer wunderschön
und zu perfekt
als dass man
treffende, angemessene Worte
für ihn finden könnte.

Sonntag, 12. September 2010

Kaugummipapier

Kaugummipapier ist eigentlich schon etwas Komisches. Wir wollen doch einen Kaugummi, kein Papier! Doch anstatt uns einfach diesen Kaugummi zu gewähren, ist er ein-, zwei-, sogar dreimal verpackt (Orbit). Wir müssen uns regelrecht durchkämpfen, durchbeissen, bis wir schliesslich bei unserem Kaugummi angelangt sind. Falls wir dann überhaupt noch Lust zum kauen haben.
Mit vielen anderen Dingen verhält es sich genauso. Sie sind umhüllt, verpackt, eingeschlossen. Babybel, Überraschungseier, ja sogar beim Pralinato-Glacé muss man zuerst das drumherum essen, bis man zum Schokoladenkern kommt. Eine Frechheit ist das!
Und bei all dem Verpackungswahnsinn haben wir angefangen, auch uns selbst und andere zu verpacken. Wir umgeben uns mit Lügen, Trugbildern, Wünschen, Hoffnungen, Halbwahrheiten. Dabei haben wir vergessen (oder verlernt?) uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf den Menschen, den Schokoladenstengel, die Überraschung, den Käse. Auf den Kaugummi.

Finally

Ja, auch ich hab nun den Weg in die Blogger-Welt gefunden und werde sie so gut ich kann mit Texten und Gedanken bereichern. Ich freue mich immer über Kommentare!