Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Sonntag, 30. Januar 2011

Questionmark

Leben wir durch Fragen?
Ich meine, egal welchen Blog man liest, früher oder später trifft man auf Einträge, die nur so überlaufen vor Fragen. Egal welchen Film man schaut, welches Buch man liest, welches Gespräch man führt. Überall tauchen Fragen auf, und kaum ist eine beantwortet, hat man schon zehn weitere im Kopf. Immer wieder muss man nach Antworten suchen. In der Schule, bei Quiz-Shows, im Leben. Antworten zu wissenschaftlichen Fragen, zu meinem Innenleben, also zu Gefühlen, Empfindungen, Gedanken, Meinungsfragen. Antworten. Aber wenn jede Antwort so viele neue Fragen aufwirft, müssten wir dann nicht irgendwann in Fragezeichen ersticken? Weshalb tun wir uns das an? Ist das nicht masochistisch - Fragen stellen, wenn wir ganz genau wissen, dass wir viele Antworten niemals finden werden? Ausserdem, was genau ist an Fragen so interessant? Das "nicht wissen", das Unbekannte, das Geheimnisvolle? Oder die Herausforderung, etwas herauszufinden?
So oft haben wir keine Antworten und stellen deshalb Fragen. Und so oft machen wir all unser Glück von einer einzigen Antwort abhängig.
Das ist doch irgendwie komisch, nicht?

Maybe Baby

Was wäre, wenn ich schwanger wär?
Was wäre, wenn zwei sich ständig vermehrende Zellen für das Kotzen am Morgen, für den unglaublichen Appetit und für die letzten drei beschwerdenfreien Monate verantwortlich wäre?
Wäre ich der Aufgabe gewachsen, würde ich Babybücher und Elternratgeber lesen, hätte ich genug Geduld?
Wäre ich überfordert, würde ich es richtig erziehen, hätte das Baby eine Chance auf eine schöne Kindheit?
Würde ich mich freuen, und könnte ich es lieben?

Last night

Was hat es zu bedeuten, wenn man träumt, dass man spazieren geht, dann auf der Autobahn Autostopp macht, auf dem Pannenstreifen rennt und in das Auto springt (einen altmodischen stilvollen Käfer), in einer Kleinstadt vor einem süssen Café anhält und hemmungslos mit dem Fahrer rummacht, und dann in dem Café, das von innen eine Jazzspelunke ist, Saxophon spielt?

Freitag, 28. Januar 2011

Un-Interessen


"Er wird zu einer uninteressierten und also auch uninteressanten Person."
Uninteressiert führt zwingend zu uninteressant?
Aus uninteressiert ergibt sich uninteressant?
Oder kann man von Anfang an ein Gleichzeichen zwischen diese beiden Wörter setzen:
Uninteressiert = Uninteressant?
Will man eine Gleichung aufstellen, benötigt man zwei Werte. Diese Werte müssen irgendwie definiert sein. Also müssten auch wir zuerst die beiden Wörter definieren. Eine passende Definition zu finden ist aber gar nicht so einfach:
Ist jemand uninteressiert wenn er auf einen Aussenstehenden so wirkt? Kann man komplett uninteressiert sein (Uninteresse = 0)? Was ist das Gegenstück zu dem Wert, interessiert (+1 /-1)? Wann ist man interessiert? Ist man uninteressiert, nur weil man nie ins Theater geht und noch kein Museum von innen gesehen hat?
Weg vom einen Wert hin zum anderen:
Was heisst "uninteressant sein"? Was bedeutet das für jemanden, was hat es für Konsequenzen? Was ist uninteressant und was ist dementsprechend interessant?
Das Zitat vom Anfang lässt auf die These schliessen, dass uninteressierte Menschen für andere Menschen uninteressant sind. Oder umgekehrt, interessiert sich ein Mensch, ist er interessant. Denn ein uninteressanter Mensch interessiert sich nicht, genauso wie ein uninteressierter Mensch uninteressant ist. Und so weiter.

Solche Blogeinträge entstehen, wenn man mit 7h Schlaf in den vergangenen zwei Nächten (wohlgemerkt: 5/7 davon waren die erste Nacht) das Buch "Einstieg in den Journalismus" lesen muss. Darf. Kann. Will. Soll.
Nach dem Mittagessen.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kopfwiegeleien

Was macht ein Pärchen zu einem "dream-team"?
Ist es das "gemeinsam in die selbe Richtung schauen"?
Oder dass Mann und Frau im exakt selben Moment den Kopf von der rechten Seite auf die linke wiegen? Ist es, dass man alle Macken kennt und ihn oder sie trotzdem mag? Oder ist es, dass man zusammen lachen, weinen, schweigen und tanzen kann? Sind es die gleichen Interessen, die uns zusammen schweissen, oder sind es die Gegensätze, die Bewegung in die Beziehung bringen? Wieso sehen Pärchen, die lange zusammen sind, mit der Zeit immer gleicher aus? Die gleiche Frisur, Partnerlook mit dem gleichen karierten Hemd, beide sportlich durchtrainiert, zweimal die Eleganz in Person... Kann man nur durch Anpassung überleben?
Und wieso löst eine Bewegung - ebenjene von einem Ehepaar, die den Kopf im gleichen Augenblick von der einen auf die andere Seite legen - so komische Gedanken aus?

Dienstag, 25. Januar 2011

kopfloser nachtunsinn, merlotrot

ich sitz grade hier
mit einem glas wein
nachts um halb vier
das kann doch nicht sein

alles dreht sich im kreis
dann nur noch schwarz
manchmal auch weiss
doch plötzlich -

mein kopf plumpst herunter
als wär er zu schwer
und wandert ganz munter
auf und ab, hin und her

dann gehen die zehen
kriechen davon
hörn nicht auf mein flehen
im slang und jargon

es folgen die lunge
die augen und ohren
dann auch die zunge
und tastsensoren

zum schluss geht das herz
und man kann es gut sehen
es hat grossen schmerz
es will noch nicht gehen

doch manchmal da sollen
wir sehen die list
dass das was wir wollen
nicht wirklichkeit ist

denn wäre es so
läg ich jetzt im bett
und wäre ganz froh
und fänd mich ganz nett

doch so sitz ich hier
mit einem glas wein
nachts, fünf nach halb vier
kopflos - wie fein

Montag, 24. Januar 2011

Leuchtwürmchen

Ein leuchtender Wurm schlängelt sich durchs Tal. Zielstrebig steuert er ins dunkle Nichts. Das Knistern der Leitung ist zu hören und das Rollen der Räder. Ba-baamm, ba-baamm, ba-baamm. Drinnen sitzen Menschen; eingehüllt in ihre schwarzen Mäntel sehen alle gleich aus. Und doch sind sie so verschieden.
Der Lokführer, der sich in der Früh mit seiner Frau gestritten hat. Der alte Mann, der Zeitung liest; die Frau, die an ihren Kaffe denkt. Da ist der Junge, der lieber ausgeschlafen hätte, anstatt mit seiner Familie wandern zu gehen. Das Mädchen, das fast zu spät gekommen wäre; die junge Mutter, das Kind im Arm und Sorgenfalten im Gesicht. Auch dabei ein altes Ehepaar, ergraut sind ihre Haare schon. Gegenüber sitzt ein Mann im Anzug, wohl auf dem Weg zur Arbeit. Eine südländische Familie mit grossen Koffern, drei lauthals diskutierende Jugendliche, ein schmusendes Paar. Dann ist da noch die alte Frau mit ihrem Hund, daneben der betrunkene Strassenpenner. Das Kind mit dem gebrochenen Bein sitzt bei einer schlafenden Dame, davor ein Mann in schwarz, auf dem Weg zur Beerdigung seiner Mutter. Ganz hinten sitzt, einsam und verlassen, der Kondukteur. Es ist heut‘ nicht sein Tag, vielleicht wird er kündigen. Oh, und dort, noch eine Gestalt - hat gestern seinen Job verloren und traut sich‘s nicht daheim zu sagen.
All diese Gedanken. All diese Schicksale. All diese Menschen. Eingehüllt in ihre schwarzen Mäntel sehen alle gleich aus. Und sind doch so verschieden. Ein leuchtender Wurm schlängelt sich durchs Tal – die S9, Samstag um halb 6.

Sonntag, 23. Januar 2011

Tagesablauf - frei nach Eva Strittmatter

Aufstehn um neun Uhr dreissig,
Tee mit einem Buch: Zehn Uhr.
Ich mache viel, bin richtig fleissig.
Im Rasen meine Räderspur,

vom Einkaufen bis um elf.
Danach da kommt ein schöner Plan,
was ich mach und wem ich helf,
So find ich, ich habe wohlgetan?

Allmorgendliche Kontrolle,
rationell und kühl.
Nur Wahrheit spielt eine Rolle
und nicht das schöne Gefühl.

Neben den Tagespflichten
laufen die Fragen einher:
Wärs besser das Zeug zu vernichten?
Hat es Sinn oder ist es leer?

Automatisches Mittagessen,
gleichgültig, abwesend, stumm.
Ich bin von Worten zerfressen
und bin von Zweifeln krumm.

Nachmittag: leises Erheben,
Auflehnung, neuer Beginn.
Überwältigung durch das Leben.
Jetzt heisst es: heut. Und ich bin.

Hypothek für morgen: die Freu(n)de
über ein neues Ge(d)(s)icht.
In der Frühe zerfällt das Gebäude
in Schatten und in Licht.

Aufstehn wie alle Tage.
Um zehn mit einem Buch zum Tee.
Und immer kommt die gleiche Frage:
Ob ich heute vor mir besteh?


Original:

Aufstehn um fünf Uhr dreissig.
Tee mit den Kindern: sechs Uhr.
"Fahrt hin in Frieden, seid fleissig!"
Im Schnee ihre Räderspur.

Aufräumen bis um sieben.
Entwurf für den Tagesplan.
Was habe ich gestern geschrieben?
War es schlecht oder wohlgetan?

Morgendliche Kontrolle,
Rationell und kühl.
Nur Wahrheit spielt eine Rolle
Und nicht das schöne Gefühl.

Neben den Tagespflichten
Laufen die Fragen einher:
Wärs besser, das Zeug zu vernichten?
Hat es Sinn, oder ist es leer?

Automatisches Mittagessen,
Gleichgültig, abwesend, stumm.
Ich bin von Worten zerfressen
Und bin von Zweifeln krumm.

Nachmittag: leises Erheben,
Auflehnung, neuer Beginn.
Überwältigung durch das Leben.
Jetzt heisst es: heut. Und ich bin.

Hypothek für morgen: die Freude
Über ein neues Gedicht.
In der Frühe zerfällt das Gebäude
In Schatten und in Licht.

Aufstehn wie alle Tage.
Um sechs mit den Kindern zum Tee.
Und immer die gleiche Frage:
Ob ich heute vor mir besteh?

Von menschlichen Rätseln oder rätselhaften Menschen.

Der Mensch ist ein Rätsel. Oder nein, eigentlich ist er ganz einfach zu erklären: Er will immer das BESTE. Nehmen wir ganz banale Beispiele: Man sammelt Urkunden und hortet Auszeichnungen, man rennt um den ersten Platz, im Kino will man hinten in der Mitte sitzen und im Flugzeug am Fenster, und manche Leute brauchen eine Ewigkeit, um im Restaurant etwas zu bestellen, weil sie zuerst die gesamte Karte auf das GENAUESTE durchlesen müssen, um sicherzugehen, dass sie sich wirklich für das beste Gericht entschieden haben. Das ist doch eigentlich irre. Ich meine, die Pizzen schmecken doch alle ähnlich, der Boden ist überall der gleiche. Und ob da nun Schinken, Pilze und Peperoni oder Schinken, Oliven und Peperoni drauf liegen - who cares? Du. Du machst dir Gedanken darüber, welche wohl die bessere Wahl ist. Und er. Er ärgert sich nach der Bestellung, egal was er genommen hat, weil er der festen Überzeugung ist, dass es das Falsche war. Und sie. Wir alle. Wir alle geben uns nur mit dem besten zufrieden. Wir wollen in der vordersten Reihe stehen. Nur wenn es darum geht, kritisch zu sein, zu hinterfragen, zu helfen, sich zu engagieren, ohne, dass die grosse Menge Beifall klatscht - dann sind wir plötzlich ganz weit hinten und lassen die anderen vor. Wollten wir aber nicht zu den Besten gehören? Und trotzdem kneifen wir bei diesen einfachen (ok, nicht immer, aber oft) Dingen?
Ich sage ja: Der Mensch ist ein Rätsel.

Ohn(e)macht

Manchmal schaut man jemanden an und kann ganz genau spüren oder sehen, dass es der Person nicht gut geht. Beziehungsweise dass es der Person schlecht geht. "Nicht gut" ist es ja schnell einmal. Aber schlecht, das sollte nicht sein. Man würde dann gerne helfen, wäre gern da für die Person, würde gerne Ratschläge und Tipps geben oder einfach nur zuhören. Aber manchmal ist es einfach nicht die Zeit dafür. Weil es der falsche Ort ist, weil es das falsche Thema ist, weil die falsche Stimmung herrscht oder weil man den Menschen schlicht und ergreifend zu wenig kennt, um mit ihm über solche Dinge zu reden. In solchen Momenten wäre man am besten "everybody's-best-friend", denn dann hätte man die Berechtigung, nachzufragen, wieso es denn nicht gut geht. Dann hätte man die Berechtigung, helfen zu wollen und zu können. Aber so sitzt man einfach nur daneben, denkt sich seinen Teil und überlässt die Person den "Wellen und Wogen des Lebens".

Eifach öpis - Ein Manchmal-Mix

Ich mag das Wort manchmal. Ich benutze es oft. Es ist so schön vage. Manchmal bedeutet es soviel wie "selten", einmal unter vielen Malen. Es kann aber auch für "so manches Mal" oder "manche Male" stehen, wenn etwas mehrmals und öfter statt gefunden hat.

Manchmal malen manche Menschen, und so manche Male malten sie manche Mahle. Manchmal malten manche Menschen auch ein Mahnmal.

manchmal
manches Mal
manche Male
manche malen
manche Mahle
manches Mahl
Mahnmal

Donnerstag, 20. Januar 2011

Misslungene Geschenke

Ich gebe dir 'nen Kaktus,
der piekst dich aus Versehen.
Du schreist: "Aua, geht's noch?"
und beschliesst zu geh'n.

Ich schicke dir 'ne Rose,
die riecht nicht wie du denkst.
Du schreibst: "Wie sehr musst du mich hassen,
dass du mir sowas schenkst."

Ich bringe dir 'ne Palme,
die Schatten spenden soll.
Doch du kannst sie nicht leiden,
findest die Sonne toll.

So seh'n wir uns nie wieder,
wegen der Pflanzenwelt,
die leider schlicht und einfach,
nicht jedem gleich gefällt.

Dienstag, 18. Januar 2011

Tagtraum

Du läufst die Strasse entlang. Die endlos lange Strasse. Du hast es satt, kannst es nicht mehr sehen, diese Steine und Bäume, diese Strasse vor dir. Deshalb schliesst du die Augen. Noch immer läufst du, atmest, du spürst den Wind auf deinem Gesicht und kannst dir schon fast einbilden, du wärst woanders.
Du läufst.
Und läufst.
Und läufst.
Was, wenn du stehen bleibst?
Dich umdrehst?
Hinfällst?
Was, wenn du die Augen öffnest und siehst, dass du abgekommen bist von der sicheren, endlos langen Strasse? Wer rettet dich? Rettet dich überhaupt jemand? Oder machst du einfach die Augen wieder zu und läufst, fernab der Strasse?
Du läufst die Strasse entlang
und träumst weiter
vom abweichen
und treiben lassen.

Montag, 17. Januar 2011

Autofahrt

Der Radiomoderator redet.
Aus dem Telefon klingt eine Stimme.
Der Fahrer pfeift.
Das Kind plappert.
Der MP3-Player spielt Musik.
Alles gibt Geräusche von sich.
Nur ich sitze hinten im Auto
Und weine still vor mich hin.
In meinem Kopf ist nur ein Dröhnen
Ein Rauschen
Ein Grollen
Ein Donnern.
Ich habe aufgehört zu reden.
Ich habe aufgehört, Geräusche von mir zu geben.
Ich habe aufgehört, überhaupt etwas zu geben.
Weil niemand zuhört.
Weil ich falsch verstanden werde.
Weil nichts ankommt.
Weil zu viele Worte sinnlos sind.
Weil zu viel genommen wird.
Weil zu viel gesagt wurde.
Deshalb schweige ich.
Und weine still vor mich hin.

Ein neuer Tag

In der Morgendämmerung habe ich immer ein flaues Gefühl in meinem Magen. Nicht, weil es so früh ist oder ich noch nichts gegessen habe. Ich habe ein flaues Gefühl im Magen, das andere als „Zweifel“ bezeichnen.
Ich zweifle an vielen Dingen. Ob ich das Richtige tue, ob du mich wirklich gern hast, ob das Leben einen Sinn hat, ob es noch wirklich gute Menschen gibt, ob Ehrlichkeit sich lohnt.
Ich bezweifle vieles.
Ich verzweifle manchmal.
Ich zweifle oft.
Vor allem in der Morgendämmerung,
da zweifle ich daran,
ob die Sonne noch einmal aufgeht.
Heute ist sie aufgegangen.
Wer weiss, wie es morgen aussieht.
Do YOU know it for sure?

Sonntag, 16. Januar 2011

Ready to go.

Ich bin bereit.
Die Sachen sind gepackt,
alles ist verstaut.
Ich bin bereit.
Ich setzte meinen Rucksack auf,
und das plötzliche Gewicht
scheint mich zu erdrücken.
Ich fühle mich eingeengt,
zusammengestaucht.
Die vielen verschiedenen Dinge im Rucksack
lasten schwer auf mir.
Doch trotzdem bin ich bereit,
ihn mit noch mehr anzufüllen.
Es kann losgehen.
Ich bin bereit.

Résumé

Überbleibsel dieses Abends:
- ein paar Stückchen Peperoni
- ein nass geweintes Taschentuch
- kein einziges Foto
- die Frage, ob bestimmte Aktivitäten in eine bestimmte Jahreszeit gehören
- ein verwüsteter Gemeinderaum - und das Wissen, dass dort in 8 Stunden Sonntagsschüler sitzen
- Ananasreste
- ein todmüdes Ich
- ungefähr 10'000 schöne Erinnerungen (Okee, vielleicht nicht ganz so viel. Aber schon eine ganze Menge.)
- zwei halbe Salzstangen
und ein Päckchen Hagelzucker. Ausserdem ein Mars-, Pluto- oder Saturnmännchen und ein Tintenfisch ohne Tentakel.
Und die Frage, weshalb einem (fast) jeder den "letzten Wunsch" erfüllen würde. Wieso muss es unbedingt der letzte sein? Was ist am "letzten Wunsch" so besonders? Sollten wir nicht eigentlich jede (oder zumindest jede zweite) Chance nutzen, Wünsche zu erfüllen? Meist ginge es doch so einfach. Aber nein, einmal mehr muss es kurz vor Schluss sein, um zu merken, dass wir dem anderen etwas Gutes tun wollen. Traurig. Wirklich traurig.
Ach so, und natürlich habe ich wieder einmal die Bestätigung, dass nichts über einen gemütlichen Abend mit Freunden geht. Das nächste Mal vielleicht endlich mit der Eismaschine?!

It can't always be good weather.
But sometimes it just doesn't matter.

(Verzeiht mir das, es ist 20 nach 2.)

Donnerstag, 13. Januar 2011

Mondschnee liegt auf den Wiesen

Eva Strittmatter war eine sehr kluge Frau. Oder zumindest hatte sie ein paar helle Momente.

Aus "Reisen":
(...) Jede Reise ist ein Verrat,
Den ich schlechten Gewissens begehe.
Eine schwer zu vergebende Tat.
Denn was ich draussen sehe,
Verändert mich und macht mich neu
Und trennt mich von den Meinen.
Und doch bin ich der Liebe treu.
(Mag es auch anders scheinen.)

Wie wahr!

Oder aus "Wurzeln":
Ich bin mit vielen Menschen verbunden,
Und keinen von ihnen lasse ich.
Manche hab ich in der Ferne gefunden.
Doch fühl ich sie nahe: sie stützen mich.
Ich schreibe ihnen von meinem Leben
Und nehme ihr Leben in mich hinein.
Mit den Jahren wird aus Nehmen und Geben
Ein unauflöslich durchdrungenes Sein. (...)

(Aus "Mondschnee liegt auf den Wiesen" - lesenswert!)

Mittwoch, 12. Januar 2011

Happy Birthday!

Früher dachte ich, mit 18 ist man erwachsen, unglaublich klug und absolut sicher in dem, was man tut. Früher dachte ich, mit 18 weiss man, wo’s lang geht, mit 18 wird man eingeweiht in das grosse Geheimnis des Lebens.
Jetzt weiss ich es besser.
Mit 18 ist man weder klug noch selbstsicher. Mit 18 sind die wenigsten erwachsen und kennen genau ihren Weg. Aber mit 18 weiss man, dass vieles nur Lug und Trug ist, nur Schein; man weiss, dass niemand eine Ahnung hat, aber alle so tun. Deshalb fängst du mit 18 auch an so zu tun. Und denkst nicht mehr an deine Träume, Hoffnungen, Wünsche und Vorstellungen zurück.
Das war einmal – du bist ja jetzt erwachsen.

Kurz vor der Nacht

Deine Augenlider werden immer schwerer. Du spürst, wie der Schlaf über dich kommt. Du versuchst einen Atemzug lang dich zu wehren, dann stellst du fest, dass es eigentlich ganz schön wäre, in die Dunkelheit zu gleiten. Du bemühst dich, diesen Augenblick der Schwerelosigkeit auszukosten, in dem alle Probleme, Sorgen, Ängste, Emotionen und Gedanken kleiner werden und schliesslich ganz verschwinden. Am liebsten würdest du diesen Moment für ewig festhalten, oder zumindest noch ein bisschen länger als eben nur einen Moment. Doch auch dieser Wunsch wird unwichtig, tritt in den Hintergrund, macht der grossen Leere Platz, die dich nun ausfüllt. Warme, wohlige Leere. Dann lässt du los.

Montag, 10. Januar 2011

Zugfahrt

Ein Schuh kommt geflogen
er fliegt
direkt an meinen Kopf
und ich fange an
zu denken versuchen
erschüttert

Ein Schuh kommt geflogen
er fliegt
direkt in meine Magengrube
und ich kotze
vielleicht mein Mittagessen
aus

Und während ich denke und kotze
kommen zwei Füsse
angetapst
schutzlos
nackt
kalt
Mädchen
jemand könnte dir auf die Füsse treten
Ja
Aber meine Schuhe
kleben an deinem Kopf
und in deiner Magengrube

Ich gebe sie zurück
sie lassen sich nur schwer lösen
los
lose
Und dann
laufen die Füsse weg
Ich fühle mich verlassen
von den Füssen
und den Schuhen
nackt
schutzlos
Im Zug

Sonntag, 9. Januar 2011

Geordnet

chaos
fehler
warum
verwirrung
fragezeichen
unverständnis
durcheinander
buchstabensalat
unterschiede
möglichkeit
unpassend
korrektur
getrennt
chance
grenze
raum
zeit

Die Erkenntnis

Der Knoten ist geplatzt, ich habe es jetzt verstanden.
Ich darf tanzen und singen, ich darf hüpfen und springen, ich darf Spanisch sprechen, obwohl ich das gar nicht kann, und ich darf Cremeschnitten kaufen, obwohl ich die gar nicht mag. Ich darf Jiu Jitsu machen, obwohl ich gar nicht weiss, was das ist, und ich darf Polo spielen, obwohl ich die Regeln nicht kenne. Ich darf die Sonne geniessen und den Regen schön finden, ich darf danke und bitte sagen wie auch Hallo und Tschüss, ich darf nach 12 heim kommen und vor 9 wieder gehen, ich darf aber auch einen Tag im Bett liegen und bis 3 Uhr nachts alte Filme anschauen. Ich brauche keine Probleme da zu sehen, wo keine sind, und ich darf auch einfach so mal glücklich sein. Ich brauche mich nicht um die ganze Welt zu kümmern, ich brauche mich nicht zu fragen, ob ich wohl genüge oder ob ich nur eine Last bin. Ich brauche keine Angst vor irgendwas zu haben, nicht vor der Zukunft und nicht vor der Welt da draussen. Ich brauche mich nicht zu verstellen oder für etwas oder jemanden zu opfern. Ich darf und kann; ich brauche und muss nicht. Das ist weder egoistisch, noch faul, selbstgerecht oder eingebildet. Das ist einfach nur gesund.
Du liebst mich. Du hast mich angenommen. Du hast mich gemacht, wie ich bin.
Und ich bin gut so.

Wie kannst du nur. - Zum Zweiten

Wie kannst du nur daneben stehen und zusehen,
wie kannst du dich nur umdrehen und weggehen?
Wie kannst du nur die Augen verschliessen,
wie kannst du nur den Schmerz geniessen?
Wie kannst du nur so um dich schlagen,
wie kannst du dich denn das nur wagen?

Siehst du nicht was du da machst,
dass du verletzt und auch noch lachst?
Siehst du nicht das Durcheinander,
fehlt dir nicht das Miteinander?

Erlaube mir nun eine Frage
"Wie kannst du nur?" ist was ich sage.

Samstag, 8. Januar 2011

Geh, lauf, flieg!

Lass los, lass sie einfach mal laufen,
deine Tränen.
Lass los, lass sie davonfliegen,
deine Sorgen und Ängste.
Lass los, lass sie gehen,
deine Erwartungen und Vorurteile.
Lass einfach los, sei frei.
Das hat nichts mit Stärke und Schwäche zu tun.
Das ist Lebensqualität.




Oh, und sieh dir bei Gelegenheit diesen Film an:
How to drain your dragon

Freitag, 7. Januar 2011

Ich vs. Alltag

Ich fühl mich grad wie Supermann,
den keiner je besiegen kann.
Ich fühl mich stark und frei und gross,
denn ab heut' bin ich mein Boss.

Ich weiss genau, so wird's nicht bleiben,
Böses wird herum sich treiben.
Alltag wird es auch genannt,
das habe ich sehr wohl erkannt.

Doch werde ich mein Bestes geben,
einfach drum herum zu leben.

Kommunikation

Früher haben wir uns unterhalten.
Einer fing an, der andere ging darauf ein.
Fragen und Antworten,
Pros und Contras,
Aufgaben und Lösungen.
Dann drehte ich mich kurz um
oder schloss die Augen
gab nicht Acht
war woanders.
Und als ich wieder da war
aufmerksam
mit offenen Augen
merkte ich, dass ich inzwischen einen Monolog führte. Du gabst keine Antwort mehr. Oder konnte ich sie nur nicht hören? Ich probierte alles aus.
ich schrie
ich kreischte
ich schluchzte
ich rief
ich hauchte
ich beleidigte
ich liebkoste
ich flüsterte
Mit allen Mitteln versuchte ich, dich zum Reden zu bringen
ohne zu merken
dass du nur wartetest
bis ich endlich einmal still war.
Damit du anfangen konntest, zu erzählen.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Schliess die Augen und sieh.

Man sollte nicht immer mit weit aufgerissenen Augen durch die Welt laufen. "Vielleicht seh' ich noch jemanden, vielleicht verpass' ich ja was, vielleicht bin ich morgen blind." Andauernd schauen wir in unsere Vergangenheit zurück oder blicken in die Zukunft. Wie blöd ist das denn. Wir sollten öfter einfach mal einen Moment verharren, die Augen schliessen und dafür alles andere wahrnehmen. Was wir hören, was wir riechen und schmecken, was wir fühlen. Nur so können wir sehen, was wirklich da ist.
Also: Mach die Augen zu und sieh genau hin.

Pubertät

Wieso könnt ihr euer Leben nicht einfach geniessen?
Wieso muss es euch die ganze Zeit schlecht gehen, wieso könnt ihr nicht einfach mal das kleine (ja, das KLEINE) Schöne sehen, wieso muss es von einem Hoch ins nächste Tief gehen? Wieso probiert ihr immer wieder, jemand anderes zu werden, der ihr gar nicht seid? Wieso könnt ihr nicht stolz sein auf euch und euch selbst akzeptieren, ihr seid gut so wie ihr seid, das wisst ihr doch. Wieso müsst ihr euch andauernd selbst etwas beweisen, wie auch den anderen - wir alle haben unsere Qualitäten, Stärken, Schwächen. Wir alle sind mal (un)sicher, (un)glücklich und so weiter.
Bloss wieso macht ihr daraus so ein Drama, als würde sich die ganze Welt um euch drehen? Sie tut es nicht, die Welt dreht sich um die Sonne, um das Licht, um die Wärme. Wieso also könnt ihr die Sonne, das Licht, die Wärme - die Welt - nicht geniessen, wie sie ist, mit allem drum und dran, ohne dass ihr euch zusätzliche Grenzen setzt und Regeln aufstellt, ohne weitere Einschränkungen und Verzichte? Fangt an zu leben, und nehmt euch selber nicht zu ernst. Wenn du's leicht nimmst, ist's nur halb so schwer.
Ich will sein, nicht nur tun und scheinen.
Seid. Scheint und tut nicht nur.

Montag, 3. Januar 2011

people-watching

mängmol
wemmer so dLüüt aluegt
chamer öpis ganz speziells gseh
me muss nur gnau aneluege

e mueter mit ihrem chind
es päärli
fründe
en brüeder mit sinere schwöschter
vilicht au zwei fremdi mensche

me muss nur gnau aneluege
und denn gseht mer
wie dLiebi
überegumpet

gits öpis schöners?