Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 9. November 2010

Gib nicht auf. Oder doch?

Gib nicht auf.
Diesen Satz hört man so häufig. Ich jedenfalls. Es fängt an, wenn man Fahrrad fahren lernt, geht weiter, wenn man an einer Stange hochklettern will oder wenn man übt, in hohen Schuhen zu laufen. Ich hörte diesen Satz, als ich versuchte, hinter die Geheimnisse der Mathematik zu kommen und als ich mich durch den obligatorischen 20-Minuten-Lauf kämpfte. Manchmal wird dieser Satz, "Gib nicht auf!", auch ausgesprochen, wenn man erfolglos auf der Suche nach dem richtigen Kleid oder der perfekten Hose ist.
Gib nicht auf.
Natürlich werden die drei Worte auch in diversen Lebenskrisen als gut gemeinte Ratschläge benutzt. Als Ansporn, Motivation, Ermutigung, Hilfe.
Aber vielleicht werden sie auch manchmal zu oft benutzt. So oft, dass sie an Bedeutung verlieren. Oder in Situationen, in denen sie unangebracht sind. Denn vielleicht MUSS man manchmal aufgeben. Vielleicht ist manchmal aufgeben der richtige Weg. Vielleicht muss man sich manchmal eingestehen, dass es nicht geht, dass es nichts mehr zu geben gibt, dass es besser ist, zu gehen. Dass es besser ist, aufzugeben.
Vielleicht ist aufgeben manchmal stärker als kämpfen.

Sonntag, 7. November 2010

Von Lebensphasen und mysteriösen Bananenschalen

Mein Leben ist unterteilt in verschiedene Phasen.
Da gibt es die "We are happy now" - Phase, in der einfach alles gut ist. Ich grinse die Welt an und die Welt grinst zurück. Es wird getanzt, gesungen, das Leben wird in vollen Zügen ausgekostet.
Dann gibt es natürlich die Depri - Phase, in der nichts gut ist. Dazu gehört die obligate melancholische Musik, Regenwetter und undichte Schuhe. Ich könnte die Welt auf den Mond schiessen, theoretischerweise - praktisch ist das ja nicht so gut möglich.
Weiter kommt da noch die Phase des unsinnigen Lachens (erklärt sich von selber, oder? Man lacht von ganzem Herzen bis zum Bauchmuskelkater und weiss nicht mehr, weshalb.) oder die des verträumten Löcher-in-die-Luft-Starrens.
Ich möchte hier jetzt nicht alle Phasen aufzählen, es gibt hunderte, vielleicht sogar tausende davon. Aber eine Phase sollte doch noch erwähnt sein: die philosophische Phase. In dieser Phase stellt man sich tiefgründige Fragen, die bekanntesten sind "Was ist der Sinn des Lebens?" oder "Wieso ist der Himmel blau?" (wobei das eher eine physikalische Frage ist). In meinem Fall ist es so, dass die philosophische Phase einen der folgenden drei Auslöser benötigt: Entweder bin ich total übermüdet (das kommt am häufigsten vor), oder ich habe getrunken. Oder ich sehe eine pinke Bananenschale mitten auf der Wiese.
Ja. Das gibt es. Man läuft, nichts ahnend, mit unschuldigen Gedanken über eine wunderschöne Wiese. Und dann, plötzlich, erblickt man eine pinke, ja, pinke Bananenschale. So etwas regt schon zum denken an... Woher kommt die Bananenschale? Wieso ist sie pink? Verrottet sie trotz ihrer aussergewöhnlichen Farbe? Wie hat die Banane wohl geschmeckt? Müsste man solch ein einzigartiges Objekt nicht sorgfältig aufbewahren? Wieso ist sie pink, die Schale? Ist sie rutschig? Gibt es die Schale überhaupt, oder ist sie vielleicht nur eine Illusion? WIESO IST SIE PINK?? Wie hat die Banane wohl ausgesehen - lila? Und - wieso ist die Schale pink?
Viele belächeln diese Gedanken vermutlich. Aber auch sie wollen gedacht sein. Deshalb: Hoffen wir auf eine Menge weiterer Bananenschalenbegebenheiten!

Jedermannsrecht

Jeder Mensch sollte jemanden haben, der stolz auf ihn ist. Denn jeder Mensch hat etwas, auf das er stolz sein kann. Wieso gibt es dann immer noch Menschen, die alleine sind - oder sich alleine fühlen? Niemand sollte sich jemals alleine fühlen müssen.

Wir eingebildeten Menschenkinder.

Immer wieder vergessen wir, was wir für Winzlinge sind. Wir sind klein, unwichtig, noch nicht einmal ein Pünktchen des grossen Ganzen. Denke ich. Wieso denken wir immer, die Welt drehe sich um UNS? Oder irgendjemanden interessiere es, was WIR tun? Wir sind winzig, unwichtig, und doch absolut vom Gegenteil überzeugt.
Wir eingebildeten Menschenkinder.

Samstag, 6. November 2010

Wie kannst du nur.

Wie kannst du nur glücklich sein,
mit dem Wissen, dass so viele Menschen unglücklich sind?

Wie kannst du nur einschlafen,
ohne zu wissen, ob du wieder aufwachen wirst?

Wie kanns du nur "Hallo, wie geht's?" sagen,
als wäre nie etwas gewesen?

Wie kannst du dich nur an der Sonne freuen,
wo du doch weisst, dass sie Dinge verbrennt?

Wie kannst du dich nur am Regen freuen,
wo du doch die Überschwemmungen siehst?

Wie kannst du nur denken,
du könntest etwas verändern, bewirken, beeinflussen -
so klein, wie du bist?

Wie kannst du dir nur Gedanken über dich machen,
wo es doch so viel Wichtigeres gäbe.

Wie kannst du nur.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Am Kamin.

Die Flammen lodern im Kamin, manche bezeichnen es als "tanzen", für mich zucken sie nur unkontrolliert. Manche sagen, sie brennen und heizen. Ich finde, die VERbrennen und ÜBERhitzen. Sie nehmen alle Luft, füllen den ganzen Raum aus, mit Hitze und mit Rauch. Und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts übrig ausser eines Häufchen Asche. Wie kann man Gefallen an so etwas Zerstörerischen finden? Wenn unser Herz für etwas oder jemanden brennt, Feuer und Flamme ist, verwandelt es sich dann auch mit der Zeit in Asche? Wir wissen, dass Flammen schlecht sind. Wir verbennen uns. Wir sehen die Überbleibsel. Und doch setzten wir uns jedes Mal aufs Neue so nah wie möglich ans Feuer.

Montag, 25. Oktober 2010

Sonntags.

Sonntag sollte ein Tag der Freude sein.
Sonntags sollten wir so lange schlafen, wie wir wollen,
wir sollten essen, was wir gern haben
und Zeit mit den Menschen verbringen, die wir lieben.
Sonntags sollten wir tun, was uns Spass macht,
wir sollten frei haben vom Alltag
und unsere Sorgen vergessen können.
Sonntags sollten wir singen und tanzen und lachen,
wir sollten die Wärme der Sonnenstrahlen auf unserer Haut spüren
oder die Frische der Regentropfen.
Sonntags sollten alle Menschen glücklich sein.

Samstag, 23. Oktober 2010

Einfach leben

Wir haben verlernt,
die Dinge einfach nur zu geniessen.
Wir haben verlernt,
das Kleine zu schätzen,
in den Tag zu leben,
hinzuschauen,
zuzuhören.

Stattdessen rennen wir ständig hinter etwas her,
einer Illusion,
einer Einbildung,
einem Wunschtraum.

Lernen wir doch wieder,
die Augen und Ohren zu öffnen,
für das Alltägliche dankbar zu sein,
auf das Herz zu hören.

Und einfach nur zu leben.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

One of those days

It's one of those days
where everything goes wrong.
It's one of those days
where you don't see the sun shining
even if it's burning your skin.
It's one of those days
where nobody can find the right words
to make you believe
that the day will end
and another day will start.
It's one of those days
where you think
you'd better never have been born.
It's one of those days
where you need
a bar of chocolate.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Wieso.

Wieso kann ich nicht einfach gluecklich sein?

Wieso kann ich nicht einfach das Gute geniessen und ueber das weniger Schöne hinwegsehen?

Wieso fange ich lieber an zu jammern, als das Beste daraus zu machen?

Wieso taucht immer ein neues Problem auf, sobald das alte gelöst wurde?

Wieso kann ich die Wunder dieser Welt nicht mit den Augen sehen, wie sie es verdienen wuerden?

Wieso nehme ich Dinge so schwer, die ich sowieso nicht ändern kann? 

Wieso kann ich nicht einfach gluecklich sein.

Montag, 11. Oktober 2010

Frei

Ich stehe auf dem Sprungbrett. Mein Oberkörper beugt sich nach vorne, ich gehe leicht in die Knie, und bald konzentrieren sich alle Nerven auf die Füsse. Ich hebe die Fussballen und spüre nur noch die Zehen. Dann springe ich ab. Ich fliege durch die Luft und geniesse diesen kurzen Moment von Nichts, der nicht lange genug andauert, um etwas anderes zu denken oder zu fühlen als „Freiheit“. Doch schon berühren meine Fingerspitzen das Wasser; mein Körper, in dem jeder einzelne Muskel angespannt ist, zerteilt die Wasseroberfläche und ich tauche ein in das kühle Nass. Das Wasser schlägt über mir zusammen, umgibt mich, und der Augenblick der Freiheit ist vorüber.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Verlust. Verlieren.

Alle Welt tut immer so, als wäre das der Untergang. Die haben wohl noch nie „Vermiss mein nicht“ von Cecilia Ahern gelesen.
Verloren heisst nicht gleich „nicht mehr existent“! Verloren heisst „nicht mehr hier“, „nicht mehr meins“. Vielleicht nur zum Wohle aller.
Ausserdem – schon mal was von wiederfinden, zurückholen, erneut entdecken gehört?

Durchs Glas

Wenn ich nach draussen schaue, erscheint mir die Welt manchmal nur grau. Wie von einem Schleier bedeckt. Die Menschen schleichen in ihren dunklen Kleidern missmutig dahin. Ich kann keine klaren Konturen mehr ausmachen, alles verschwimmt und verschmilzt zu einem einzigen trüben Gemisch. Neblig. Trist. Sehr Trist.
Vielleicht sollte ich einfach mal wieder mein Fenster putzen…

Freitag, 8. Oktober 2010

Abschied

Abschied nehmen.
Vergessen.
Nicht vergessen, nur –
Verabschieden.
Zurück lassen.
Will ich das?
Ich muss.
Vielleicht will ich eines Tages.
Hoffentlich.

Montag, 4. Oktober 2010

Abtauchen

Im Wasser fühle ich mich wohl. Im Wasser bin ich sicher. Wenn ich im Wasser bin, kann ich abtauchen, wenn mir alles zu viel wird. Dann höre ich kein Geschrei und Gebrüll mehr, kein Flüstern oder Lachen, gar nichts. Nichts von dem ganzen dummen Gerede. Wenn ich im Wasser bin und untertauche, höre ich nur noch ein dumpfes Rauschen, das all die losen Worte übertönt, ausblendet, unwichtig erscheinen lässt.
Manchmal würde ich am liebsten unten bleiben. Manchmal würde ich am liebsten vergessen, aufzutauchen. Manchmal würde ich am liebsten für immer ein dem Rauschen verschwinden.


Freitag, 1. Oktober 2010

Allein mein.

Ich teile gerne.
Haus und Bett
Tisch, Essen und Trinken
liebe Worte
Zeit und Musik
Erlebnisse
Freud und Leid.

Aber manche Dinge
gehören nur mir.

Manche Momente
Bilder
Tränen
Gefühle
Gedanken
Spaziergänge.

Manche Erinnerungen
gehören nur mir
ganz allein.

Immun

Sie verletzen mich jedes Mal.
Ein kleiner Stich, ein kurzer Schmerz.
Ich habe es schon oft erlebt.
Anfangs war es immer ein riesiges Drama,
dann nur noch Routine, Alltag.
Aber sie verletzen mich jedes Mal.
Obwohl ich es weiss, obwohl ich darauf vorbereitet bin.
Sie verletzen mich jedes Mal.
Doch mit jedem Mal spüre ich den Schmerz weniger.
Mit jedem Mal werde ich weniger verletzlich.
Bis ich schliesslich ganz immun bin.
Immun gegen ihre Angriffe,
gegen ihre Gemeinheiten,
immun gegen ihre Stacheln.
Bald werde ich abgehärtet sein,
unempfindlich, resistent.
Gleichgültig ihnen gegenüber.
Bald werde ich sie nicht mehr spüren,
die Stiche der Brennnesseln.

Donnerstag, 30. September 2010

Paradox

Kann man sich tatsächlich über etwas freuen, von dem man vorher dachte, dass es etwas vom Schlimmsten wäre, das passieren könnte? Ist das nicht irgendwie paradox?

Sonntag, 26. September 2010

Nachts um 12

Zwei Fliegen machen Liebe auf dem Rand meiner Teetasse.
Manchmal kann das Leben so einfach sein.

Faule Äpfel

Wie viele faule Äpfel es doch gibt. Ich habe hier 40kg Äpfel vor mir, die zu Apfelringen verarbeitet werden sollen. Die eine Hälfte ist schon aufgefädelt in der Sauna und trocknet, die andere habe ich noch vor mir. Es ist immer das gleiche Prozedere: Apfel nehmen, schlechte Stellen rausschneiden, Kerngehäuse ausstampfen, schälen, schneiden, auffädeln. Die meisten Äpfel haben nur ein, zwei braune Stellen, wo sie ein bisschen zerquetscht und eingedrückt sind. Ab und an lässt sich auch einmal eine kleine Made finden.
Dann gibt es da aber noch die wunderschönen Äpfel, wie aus dem Lehrbuch sehen sie aus, man würde am liebsten reinbeissen. Anfangs habe ich mich immer besonders über diese „perfekten“ Äpfel gefreut. Doch beim Ausstampfen musste ich immer wieder feststellen, dass fast alle von innen her zerfressen sind, faul, ausgehöhlt. Ich musste die Äpfel regelrecht bis auf die Schale ausschaben, konnte meist beinahe die ganze Frucht wegwerfen. Diese Äpfel sind unbrauchbar. Ich kann sie nicht verwenden, sie sind nutzlos. Und doch greifen wir alle immer zuerst nach diesen grossen, schönen Exemplaren. Denen man ihr Makel nicht ansieht. Die ihre abgestorbenen Stellen zu verstecken wissen. Lernen wir denn nie dazu?