Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Montag, 15. November 2010

Tunnelblick

Du bist in einem Tunnel gefangen. Du läufst und läufst. Es ist dunkel, dunkler als dunkel, "zappenduster" eben. Du sehnst dich nach einem bisschen Licht. Und irgendwann, als du schon längst jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren hast, siehst du tatsächlich ein Licht. Ganz weit vorne, ein kleines Lichtlein. Zuerst denkst du, dass du es dir einbildest. Doch das Licht bleibt da, es verschwindet nicht, und du läufst ihm entgegen. Plötzlich kommt dir ein Gedanke. Das Licht am Ende des Tunnels könnte ein entgegenkommender Zug sein!
Nun hast du verschiedene Möglichkeiten. Du könntest dich mitten auf die Schienen setzten, anfangen zu heulen und sagen: "Ich bin verloren!". Der Zug würde immer näher kommen und dich schlussendlich überrollen. Das wäre dann das Ende.
Du könntest auch probieren, am Zug vorbei zu kommen, damit du dann tagelang weiterlaufen kannst und schliesslich doch verhungerst, ohne das Tageslicht noch einmal gesehen zu haben.
Oder aber du könntest versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Spring auf, fahr mit, freunde dich mit den Fahrgästen an, unterhalte dich mit dem Lokomotivführer, diskutiere mit dem Schaffner, spüre den Fahrtwind auf deiner Haut, presse deine Nase gegen das Fenster und lass dich in die bequemen Sessel fallen, von denen aus du die Landschaft (irgendwann hört jeder Tunnel auf) an dir vorüberziehen siehst.
Just do it.

Und ausserdem: Es KÖNNTE der Zug sein. Vielleicht ist das Licht am Ende des Tunnels aber auch etwas ganz anderes... Was auch immer. Geh hin und schau nach.

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