Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Samstag, 18. Dezember 2010

Brezelkönig

Gestern wollte ich mir eine Brezel kaufen und ging deshalb zum Brezelkönig. Vor mir war eine ausländisch aussehende Frau mit zwei kleinen Kindern an der Reihe. Sie wollte ihren Kindern eine grosse Brezel für 5 Franken kaufen. Dafür kratzte sie all ihr Kleingeld zusammen – es waren nur 4.30 Fr. Der Brezelverkäufer sagte daraufhin, dass er ihr die Brezel nicht geben könne, was die Kinder in Tränen ausbrechen liess. Ich sah das ganze und dachte „Oh nein, die arme Frau, ihr fehlen doch nur 70 Rappen, so ein Pech, jetzt kann sie die Brezel nicht kaufen!“
Ich stand da und beobachtete.
Dann plötzlich trat ein junger Mann, der hinter mir in der Schlange stand, an die Verkaufstheke: „Wie viel fählt denn?“ „Sibezg Rappe“, antwortete der Verkäufer. „Do händ sie en Stutz, isch guet eso!“
Einfach so.
Er kannte die Frau nicht, er wird sie nie wieder sehen, er hat absolut nichts davon, ausser einen Franken weniger in seinem Portemonnaie. Und noch etwas hat er. Meinen Respekt und meine Bewunderung. Denn ich erlebte die Situation mit, stand daneben, aber nie im Leben wäre es mir eingefallen, dass ich der Frau einfach das fehlende Geld schenken könnte! Vielleicht ist das so, weil wir schon als Kinder immer eingetrichtert bekommen „Dein Geld ist dein Geld, und du musst darauf aufpassen, überall lauern sie wie die Geier um dir das Geld aus der Tasche zu ziehen…“
Vielleicht war ich aber auch einfach nur egoistisch und geizig.

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