Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 6. September 2011

14 Tage später

Ramshyttan:
- Schwedisch, Englisch, mit Händen und Füssen, Deutsch und dann auch noch FRANZÖSISCH (Ich liebe den Akzent im Englisch der Franzosen.) - zu viel für meinen überforderten Kopf.
- Pilze sammeln ist genauso gefährlich wie Beeren pflücken.
- Mousse au chocolat muss nicht moussig sein. Es schmeckt auch, wenn es die Konsistenz von Schokoladencreme hat.
- Ein grosses Abschieds-Pancake-Essen mit selbst gepflückten Beeren.
- Es war nicht das letzte Mal an diesem atemberaubenden Ort. Ganz sicher.

Fiddlersfarm:
- Kleine Wanderungen mit grossen Rucksäcken - naja. Hauptsache, man kommt am Ziel an.
- Ich mag herzliche Begrüssungen. Und ich sehe gerne, dass sich nicht viel verändert hat. Die einen nennen das langweilig, ich nenne das beständig.
- Ein bisschen was HAT sich verändert: Das Chaos und der Dreck sind etwa um ein Viertel zurück gegangen. Immer noch unvorstellbar gross, aber besser. Hoffnung!
- Auch Kinder können sich weiterentwickeln. Die Grundzüge bleiben aber immer gleich.
- Zu viert (mit Bruder, einer Deutschen und einer Franzosin) macht die Arbeit doch gleich viel mehr Spass.
- Arbeit: "Wolken machen" oder auch Wolle von klebrigen Stellen befreien. An und für sich keine schlimme Arbeit, vor allem bei strömendem Regen - bis man die ersten Maden mit seinen Fingern zerquetscht hat. SIE WAREN ÜBERALL. Iih. Dann doch lieber keine weissen Weihnachten.
Ausserdem den Garten entrümpeln. Karotten, rote Beete, Kartoffeln, Zwiebeln ... - und alles im Überfluss. So hiess es denn dieses Jahr (anstatt "Lingonsylt und Apfelringe") Gemüse schnippeln (zum Teil mit der musikalischen Begleitung von Laifs Schülern - super!), kochen und in den Tiefkühler verfrachten.
Und wieder durfte ich malen: Diesmal eine Scheune, aber glücklicherweise im gleichen Farbton wie schon Maries Haus. Meine Hosen hätten sonst unmöglich ausgesehen, mit lauter bunten Farbtupfern... Dazu noch eine Feststellung: Eine lange Doppelleiter auf einem Traktor vermittelt einem nicht wirklich das Gefühl von Sicherheit. Dazu ein orkanartiger Wind und das Arbeitsklima ist perfekt.
- Hühner, Hasen, Katzen, Menschen, Pferde - alle wollen sie Essen haben.
- Auf der Fiddlersfarm gibts ein Klavier. JUHU!
- Ausflüge an die Küste und nach Halmstad zeigen: Auch dieser Teil des Landes ist noch genauso schön wie letztes Jahr.
- Laifs Brot ist lecker.
- Es gibt Menschen, deren Sätze zu 50 % lustig sind. Jeder zweite Satz bringt einen zum Lachen. Wahnsinn. Wenn ich diese Gedanken hätte, würde ich mich nur noch auf dem Boden kugeln.
- Riesentrampoline sind TOLL.
Es war eine rundum entspannte Woche, mit vielen guten Gesprächen und Momenten. Zeit zum Ankommen und Sein.

Schweden ist vorbei, diesmal ganz ohne Elch-Erlebnis. Mein Wortschatz hat sich um "Fliegenpilz", "Strick" und "Muskelkater" erweitert. Da werde ich wohl nochmal nach Schweden reisen müssen. Nach Amerika, Südafrika, Israel und Norwegen. Ach ach, das Fernweh, schon da, noch aus der Ferne.

Gatersleben:
Nach einer Woche gings dann weiter in die "alte Heimat", mit Bruderherz im Gepäck. Nach 12 Stunden und einer schönen Schiffsüberfahrt trafen wir in Gatersleben ein. Auch dort hat sich nicht viel verändert. Wie schön und entspannend nach den vielen neuen Eindrücken.
- Die Tierfrau bleibt eben eine Tierfrau. So teilten wir die Wohnung mit zwei Turmfalken, Mäusen, Ratten, einer Taube und einem Dutzend Schmetterlingspuppen. Die Insekten habe ich bewusst nicht aufgezählt, das würde den Rahmen sprengen.
- Nach einem Ausflug in das schöne Städtchen Quedlinburg (Cafe's über Cafe's - wäre eine perfekte Stadt für Cafe-Hopping; die alte Musikschule, wo noch immer die gleiche Flötenlehrerin arbeitet; viele schöne Fachwerkhäuser...), der dank der Deutschen Bahn übrigens sechs Stunden dauerte, von denen wir nur zweieinhalb in der Stadt selber waren, lasen wir eine kleine Schwalbe auf. Und mussten leider zusehen, wie sie wenig später starb, trotz fachmännischer Betreuung durch unsere Tierfrau. Fips ist jetzt im Schwalbenhimmel - da gibts ganz viele Mücken, die hat sie besonders gern. (Im Mückenhimmel gibts übrigens ganz viele Menschen.)
- Die Bürgermeisterin muss man nicht erkennen, wenn man seit 10 Jahren nicht mehr in dem Ort lebt. Oder?
- Ein Spaziergang zum ehemaligen Kindergarten. Schwelgen in Erinnerungen. Nostalgie. Ach ach. Da möchte man doch glatt nochmal Kind sein.

Nach drei Tagen ging es dann, diesmal alleine, weiter nach Wernigerode, zu meinen lieben Verwandten. Auch dort ist es immer wieder schön. Morgens habe ich Zeit für mich (die ich grösstenteils mit schlafen zubringe... Ich muss ja ausgeruht sein für die kommende Woche!) und nachmittags machen wir Stadtbummel, basteln, spielen Gitarre, lesen ... Abends gings dann ins Tischtennis, wo ich von einem über 80-jährigen Profi unterrichtet wurde - ich hoffe, er hatte danach keine Alpträume. Erkenntnis: Wernigerode und der Harz sind so schön wie eh und je. Und liebe Menschen bleiben liebe Menschen. Und Auto fahren macht Spass. Und Dachfenster (mit Regen drauf) sind ein MUST-HAVE. Ein zu schönes Geräusch, um es zu verpassen.

Morgen ist es soweit: Die letzte Etappe der Reise beginnt. Eine Woche darf ich mit dem cantacanti (Schulchor) Konzerte geben, Leute treffen, Zeit verbringen. Zuerst am Eurotreff in Wolfenbüttel, danach im Rahmen eines schon längst fälligen Gegenbesuchs bei unserem lieben Ahrensburger Chor (bei Hamburg). Es wird höchste Zeit für ein bisschen Musik!

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