Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 7. Mai 2013

In den Mai - Teil 18

Hej

Das Preisausschreiben ist hiermit offiziell beendet, die Gewinner sind aufgelistet und wurden noch nicht benachrichtigt. Das wird aber vor Juni-Beginn geschehen. Nun aber zum wöchentlichen Bericht, die wichtigsten Punkte stehen wie immer am Schluss, also schön durchhalten!
  • Wie versprochen kommen ein paar fundiertere Infos zu Valborg, wieder einmal ist die Quelle der Newsletter des International Desk. Eigentlich wird der 30. April ja "siste april" genannt - der Letzte im April. Traditionsgemäss versammelt man sich schon früh morgens und verbringt den ganzen Tag picknickend zusammen - Hering ist das Hauptgericht. Dazu singt man Lieder, die den Frühling begrüssen und Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbreiten. Früher fand am 30. April die Dorfversammlung statt, mit Eiern und Schnaps. Abends zündete man dann Feuer an, um die Raubtiere zu verjagen. Hier in Lund ging das folgendermassen zu und her:
  • Schon ab 8 Uhr in der Früh pilgerten mehrheitlich junge Menschen zum Stadtspark, Picknickdecken, Essen und viel Alkohol im Gepäck. Man richtete sich ein und in den nächsten 8 Stunden wurde gegessen, gesungen, getrunken und gelacht. Sehen und gesehen werden schien das Motto zu sein, und ab und zu fühlte ich mich wie an einem Openair - nur ohne Zelte und Musik. Je später der Tag desto kürzer die Schlangen vor den ToiTois und desto intensiver die Bewässerung der umliegenden Gärten. Einmal mehr wünschen sich die Frauen, ein Mann zu sein. Kostüme aller Art konnten entdeckt werden, ebenso wie Polizisten und Sanitäter - ein Grossaufgebot bei etwa 27'000 Besuchern. Am frühen Abend ging man dann nach Hause um abends auf diversen Partys weiter zu feiern / trinken. Hier ein leider schwedischer Zeitungsartikel, aber die Bilder sind sicher einer Betrachtung würdig: http://www.sydsvenskan.se/lund/27-000-festade-i-stadsparken/
  • Genau - der Müll. Unglaublich, was Menschen so produzieren. (Filmtipp: Trashed von Candida Brady) Ich fahre jetzt noch mit Herzrasen durch die Strassen und hoffe, dass sich mein Fahrradreifen noch ein bisschen länger gegen die vielen Scherben wehren kann. Mein Trüppchen war jedenfalls ganz friedlich eher aussen am Park positioniert, bei mir persönlich behielt auch das Essen über das Trinken Oberhand. Abends wurde das kümmerliche Maifeuer betrachtet - wenn der Sommer auch so wird, braucht man die Winterjacken gar nicht erst wegzupacken. Insgesamt ein spannender Tag mit vielen Eindrücken - noch einmal muss ich das aber nicht erleben. Und bei den Geschichten, die mir am nächsten Tag zu Ohren kamen, war ich dann doch ganz froh, dem Alkohol fern geblieben zu sein.
  • Der nächste Tag. Am ersten Mai gab es früher die Tradition, dass die Studenten bei ihren Professoren zum Fika vorbei gingen und ihnen dabei eine Rückmeldung geben durften - was macht er gut, was eher nicht. Mittlerweile gibt es das nur noch mit dem Rektor. Mit viel Pampam, von Flaggen umgeben und dem Männerchor begleitet klopfen die Studenten an die Tür der Uni. Der Rektor (oder die Rektoren) kommen heraus, dann beginnt der Kampf. Zuerst kritisieren / loben die Studenten, dann verteidigen sich die Rektoren. Am Schluss schreiten alle geeint davon. An und für sich finde ich diese Tradition toll - leider waren die Studenten aber viel zu lieb und zu unkritisch, zu wenig provozierend - meiner Meinung nach. Es folgten einige Umzüge durch die Strassen und Ansprachen verschiedener Parteien, wir genossen aber lieber die Sonne und hielten uns dem Trubel fern.
  • Ein paar leichte und unwichtige Infos dazwischen: "Spitzen schneiden" bedeutet in Schweden nicht, von allen Haaren das unterste Ende zu entfernen. Vielmehr wird einfach mal ein bisschen reingeschnippelt - ein paar Haare sind dann kürzer, andere nicht.
  • Beim Einkaufen gibt man Geld aus.
  • Wöchentliches Fussballspiel gehört nun zu meinem Alltag. Sehr toll, und so international wie nur möglich.
  • Mit Besuch muss man Ausflüge machen und darf so das Land auch noch ein bisschen mehr entdecken. Wir machten uns also einen Tag nach Falsterbo auf, dem süd-westlichsten Zipfel Schwedens. Was uns da erwartete: Strand (mit Sand!!), Meer (mit Duft!!), Wind, ein Leuchtturm, ein Café, Strandhäuschen, ein riiiiesiger Golfplatz mit Golfern (ich werde die Faszination für diesen Sport wohl nie verstehen)… Im Anhang ein Bild (Copyright beim Gast) - der Himmel war wolkenlos. Ein sehr lohnenswerter Ausflug. Nun ist aller Besuch wieder abgereist und ich bin wieder ganz allein. Aber einmal mehr weiss ich: Besuch kriegen ist eine tolle Sache.
  • Die Landlord-Geschichte geht in die nächste Runde. Momentan wird ihm nachspioniert, weil ein Brief nicht abgeliefert werden konnte. Wieder einmal bin ich über das schwedische Rechtssystem erstaunt, folge dem Vorgehen aber interessiert.
  • Schon ist die erste Maiwoche vorbei, und mit dem Mai hat auch die Nostalgie Einzug gehalten. Nur noch einen Monat bin ich hier, so langsam werden Reisepläne geschmiedet und die ersten Sachen verkauft und verschenkt - den ganzen Gerümpel kann ich unmöglich in die Schweiz transportieren. Die Unikurse nähern sich dem Ende und irgendwie hat auch niemand mehr so richtig Lust - die Sonne scheint viel zu hell und warm um drin zu hocken.
Nun die wichtigen Infos:
  • Wer Post nach Schweden möchte und/oder eine schwedische Briefmarke als Gegenleistung dafür, sollte sich sputen. Offiziell habe ich die Wohnung noch bis zum 10. Juni, evtl. gehe ich schon ein paar Tage früher, und nachgeschickt wird nichts. Also LOS!
  • Es gibt schon wieder einen Vegetarier mehr auf dieser Welt - ich fühle mich schon fast missionarisch.
  • GESUCHT: Eine 3-4-Zimmer-Wohnung in Basel, bezahlbar und WG-freundlich. Ja, endlich wird eine eigene WG gegründet, mit zwei der hoffentlich besten WG-Mitbewohnerinnen dieser Erde!
  • GESUCHT: Immer noch: Ein 2-Tages-Pass für das Openair St. Gallen.
Und zum Abschluss ein Lied, das wir heute im Schwedisch gesungen haben (mit Lehrer und Ukulele): http://www.youtube.com/watch?v=wEg3acjFf2M&playnext=1&list=PL9F3B565EE51DEE3B
Gesungen und geschrieben von Peps Persson, einem sehr sehr bekannten schwedischen Liedermacher. Und ein bisschen Ferienstimmung: http://www.youtube.com/watch?v=uFcM1DiWbro
Dieses Lied singen die Schulkinder immer vor den Sommerferien. Wir jetzt halt vor Himmelfahrt. Der Text stammt von Astrid Lindgren. Ida besingt übrigens den Frühling und die Natur.

Nächste Woche wird das Rundmail übrigens ferienhalber ausfallen.

Ha det bra und geniesst die Sonne!
Bästa hälsningar.


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