Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 24. März 2015

Ein Drittel Minga

Servus

Ja, da bin ich wieder. Ein Drittel der Zeit in München ist vorbei, ein guter Zeitpunkt für eine Zwischenevaluation, finde ich. Aber was wäre eine solche ohne Stichpunkte…?
  • Das erste Semester an der Uni ging schnell vorbei - geprägt war es vor allem von der endlosen Lernerei für die Bachelor-Prüfungen in Basel. Diese wurden im Dezember erfolgreich absolviert, somit ist das Kapitel Bachelor nun voll und ganz abgeschlossen. Nun freue ich mich, mich die zwei weiteren Semester mehr auf das Studium hier konzentrieren zu können, das mir immer noch sehr gefällt. Ein Highlight im nächsten Jahr: mein Wahlpflichtfach Arabisch… Bis jetzt bin ich noch sehr mit abmalen beschäftigt, aber das läuft bald hoffentlich wie von alleine.
  • Für mein geistiges Wohl ist weiterhin mit Hauskreis und mittlerweile auch Taizé-Gebeten und anderen Aktivitäten in der Hochschulgemeinde gesorgt; dort häufen sich die netten Leute und ich fühle mich sehr willkommen.
  • Auch Sport muss sein: So habe ich vor einiger Zeit einen Volleyballverein gefunden, in dem ich einmal pro Woche herumhüpfe. Wir sind eine zwischen 20 und 80 Jahre alte bunt gemischte Truppe, für Spass ist also gesorgt.
  • Die Arbeit (vegane Lebensmittel auf dem Viktualienmarkt verkaufen, was bei den Temperaturen der letzten Monate doch des öfteren eine Herausforderung für Körper und Geist war) wurde erst einmal pausiert - mal sehen, was sich in dem Bereich so auftun wird. Und für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ja, ich bin vegan, und ja, ich habe auch vor das zu bleiben, und ja, es geht mir sehr gut damit.
  • Für die Stadt hatte ich noch nicht sehr viel Zeit, aber so langsam entdecke ich mehr und mehr schöne Orte. Der Englische Garten ist natürlich ein Traum, ebenso Sonnenuntergänge auf dem Olympiaparkhügel, auch die zahlreichen Kaffees, eins schöner und gemütlicher als das andere; alle laden zum stundenlangen Verweilen ein. Von Konzerten, Theater, Kino und so weiter muss ich gar nicht erst anfangen, aus kultureller Sicht war München durchaus keine schlechte Wahl. Zwar finde ich München nach wie vor gross, laut und dreckig (alles drei keineswegs wertend gemeint! Vielleicht könnte man es auch einfach "lebendig" nennen.) und möchte den Grossteil meines Lebens doch an ruhigeren Orten verbringen - aber so für einen Master ist das schon ganz in Ordnung und eine tolle Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.
  • Ach ja, Karneval war ja noch… Durchaus eine Erfahrung wert, aber an die Basler Fasnacht kommt dieses lustige Volksfest nicht heran.
  • Nun zum besten Teil: den Reisen. Nach den Abstechern in die Schweiz zwecks Prüfungen war ich in Prag unterwegs, wie jedes Jahr am Europäischen Jugendtreffen von Taizé. Kurz darauf ging es nach Warschau, wo ich wundervolle Tage mit der besten Halb-Schwedin verbringen durfte, die ich kenne. Danach ging es nach Slowenien, wo ich in Prag geschlossene Freundschaften pflegen und ein wunderschönes kleines Land entdecken durfte. (Ich habe sehr viel über Kultur, Politik, Wirtschaft, Geografie und Sprache gelernt und werde nicht zum letzten Mal dort gewesen sein. Dieses Land ist wirklich eine kleine versteckte Perle mitten in Europa.) Danach ging es wieder für ein paar Tage in die Schweiz, denn leider ging mein Schokoladenvorrat langsam zur Neige. Nach ganz wunderbaren Ferientagen in der allerallerallerbesten WG in Basel (inkl. Bummelsonntag, sonnige Stunden am Rhein, mehreren (!!) Besuchen in der Universitätsbibliothek, durchtanzten Nächten, wundervollen Menschen und sausig-brausigen Fahrradfahrten) bin ich nun zurück in München und schon mitten im zweiten Semester.
  • Eine zukünftige Reise auf die ich mich besonders freue: Ukraine. Mit Taizé und orthodoxen Christen werde ich in Kiew und Lviv dieses Jahr Ostern feiern, hoffentlich in Frieden.
  • Und dann noch etwas zu einem ganz anderen Thema. Schon vor den Anschlägen auf Charlie Hebdo war das Thema in aller Munde, aber danach und auch in Zeiten von Pegida, Ecopop, Umsetzungsvorschlägen für die Masseneinwanderungsinitiative, Bootsunglücken vor den Küsten Europas und Boko Haram kommt es immer wieder auf. Wie sollen wir mit Menschen umgehen, die anders sind als wir? Die aus anderen Ländern kommen, andere Sprachen sprechen, andere Fähigkeiten haben, an andere Götter glauben, anders leben als wir? Ich habe keine Antwort auf alle diese Fragen, keinen Masterplan, und ja, es GIBT viele Schwierigkeiten. ABER oft würde es schon reichen, uns daran zu erinnern, dass wir alle in erster Linie Menschen sind. Alle mit ihrem individuellen Päckchen, aber alles Menschen. (Sehr empfehlen dazu und zu anderen Themen kann ich "Die Anstalt" auf ZDF. Ohne Worte, einfach nur grandios. Jede einzelne Ausgabe.)
  • Was übrigens weiterhin fehlt in meiner supertollen Wohnung: Viiiele schwarz-weiss-Karten. Denn gegenüber der bemalten Wand befindet sich noch immer eine beklebte Wand - beklebt mit einer riesigen Palmen-Fototapete. Diese Palmen sind ja schön und nett, doch soll ihr blau-grün von einer schwarz-weiss-Welle verschlungen werden. Momentan sind es eher noch…einzelne Tropfen, die den Briefkasten erreichen (danke aber an dieser Stelle an alle fleissigen Kartenschreiber!). Adresse kann erfragt werden, ich freue mich und antworte auch - manchmal zeitnah, manchmal erst ein bisschen später.
Kaum zu glauben, aber ja, ich bin tatsächlich schon am Ende angekommen. Anzufügen habe ich nur noch einen Lesetipp: das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse. Es ist momentan einer meiner ständigen Begleiter.
Ich freue mich immer über Lebenszeichen, natürlich auch in Fleisch und Blut anstatt schwarz-weiss…

Seid von Herzen gegrüsst und bästa hälsningar.

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