Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Mittwoch, 27. Oktober 2010

Am Kamin.

Die Flammen lodern im Kamin, manche bezeichnen es als "tanzen", für mich zucken sie nur unkontrolliert. Manche sagen, sie brennen und heizen. Ich finde, die VERbrennen und ÜBERhitzen. Sie nehmen alle Luft, füllen den ganzen Raum aus, mit Hitze und mit Rauch. Und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts übrig ausser eines Häufchen Asche. Wie kann man Gefallen an so etwas Zerstörerischen finden? Wenn unser Herz für etwas oder jemanden brennt, Feuer und Flamme ist, verwandelt es sich dann auch mit der Zeit in Asche? Wir wissen, dass Flammen schlecht sind. Wir verbennen uns. Wir sehen die Überbleibsel. Und doch setzten wir uns jedes Mal aufs Neue so nah wie möglich ans Feuer.

Montag, 25. Oktober 2010

Sonntags.

Sonntag sollte ein Tag der Freude sein.
Sonntags sollten wir so lange schlafen, wie wir wollen,
wir sollten essen, was wir gern haben
und Zeit mit den Menschen verbringen, die wir lieben.
Sonntags sollten wir tun, was uns Spass macht,
wir sollten frei haben vom Alltag
und unsere Sorgen vergessen können.
Sonntags sollten wir singen und tanzen und lachen,
wir sollten die Wärme der Sonnenstrahlen auf unserer Haut spüren
oder die Frische der Regentropfen.
Sonntags sollten alle Menschen glücklich sein.

Samstag, 23. Oktober 2010

Einfach leben

Wir haben verlernt,
die Dinge einfach nur zu geniessen.
Wir haben verlernt,
das Kleine zu schätzen,
in den Tag zu leben,
hinzuschauen,
zuzuhören.

Stattdessen rennen wir ständig hinter etwas her,
einer Illusion,
einer Einbildung,
einem Wunschtraum.

Lernen wir doch wieder,
die Augen und Ohren zu öffnen,
für das Alltägliche dankbar zu sein,
auf das Herz zu hören.

Und einfach nur zu leben.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

One of those days

It's one of those days
where everything goes wrong.
It's one of those days
where you don't see the sun shining
even if it's burning your skin.
It's one of those days
where nobody can find the right words
to make you believe
that the day will end
and another day will start.
It's one of those days
where you think
you'd better never have been born.
It's one of those days
where you need
a bar of chocolate.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Wieso.

Wieso kann ich nicht einfach gluecklich sein?

Wieso kann ich nicht einfach das Gute geniessen und ueber das weniger Schöne hinwegsehen?

Wieso fange ich lieber an zu jammern, als das Beste daraus zu machen?

Wieso taucht immer ein neues Problem auf, sobald das alte gelöst wurde?

Wieso kann ich die Wunder dieser Welt nicht mit den Augen sehen, wie sie es verdienen wuerden?

Wieso nehme ich Dinge so schwer, die ich sowieso nicht ändern kann? 

Wieso kann ich nicht einfach gluecklich sein.

Montag, 11. Oktober 2010

Frei

Ich stehe auf dem Sprungbrett. Mein Oberkörper beugt sich nach vorne, ich gehe leicht in die Knie, und bald konzentrieren sich alle Nerven auf die Füsse. Ich hebe die Fussballen und spüre nur noch die Zehen. Dann springe ich ab. Ich fliege durch die Luft und geniesse diesen kurzen Moment von Nichts, der nicht lange genug andauert, um etwas anderes zu denken oder zu fühlen als „Freiheit“. Doch schon berühren meine Fingerspitzen das Wasser; mein Körper, in dem jeder einzelne Muskel angespannt ist, zerteilt die Wasseroberfläche und ich tauche ein in das kühle Nass. Das Wasser schlägt über mir zusammen, umgibt mich, und der Augenblick der Freiheit ist vorüber.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Verlust. Verlieren.

Alle Welt tut immer so, als wäre das der Untergang. Die haben wohl noch nie „Vermiss mein nicht“ von Cecilia Ahern gelesen.
Verloren heisst nicht gleich „nicht mehr existent“! Verloren heisst „nicht mehr hier“, „nicht mehr meins“. Vielleicht nur zum Wohle aller.
Ausserdem – schon mal was von wiederfinden, zurückholen, erneut entdecken gehört?

Durchs Glas

Wenn ich nach draussen schaue, erscheint mir die Welt manchmal nur grau. Wie von einem Schleier bedeckt. Die Menschen schleichen in ihren dunklen Kleidern missmutig dahin. Ich kann keine klaren Konturen mehr ausmachen, alles verschwimmt und verschmilzt zu einem einzigen trüben Gemisch. Neblig. Trist. Sehr Trist.
Vielleicht sollte ich einfach mal wieder mein Fenster putzen…

Freitag, 8. Oktober 2010

Abschied

Abschied nehmen.
Vergessen.
Nicht vergessen, nur –
Verabschieden.
Zurück lassen.
Will ich das?
Ich muss.
Vielleicht will ich eines Tages.
Hoffentlich.

Montag, 4. Oktober 2010

Abtauchen

Im Wasser fühle ich mich wohl. Im Wasser bin ich sicher. Wenn ich im Wasser bin, kann ich abtauchen, wenn mir alles zu viel wird. Dann höre ich kein Geschrei und Gebrüll mehr, kein Flüstern oder Lachen, gar nichts. Nichts von dem ganzen dummen Gerede. Wenn ich im Wasser bin und untertauche, höre ich nur noch ein dumpfes Rauschen, das all die losen Worte übertönt, ausblendet, unwichtig erscheinen lässt.
Manchmal würde ich am liebsten unten bleiben. Manchmal würde ich am liebsten vergessen, aufzutauchen. Manchmal würde ich am liebsten für immer ein dem Rauschen verschwinden.


Freitag, 1. Oktober 2010

Allein mein.

Ich teile gerne.
Haus und Bett
Tisch, Essen und Trinken
liebe Worte
Zeit und Musik
Erlebnisse
Freud und Leid.

Aber manche Dinge
gehören nur mir.

Manche Momente
Bilder
Tränen
Gefühle
Gedanken
Spaziergänge.

Manche Erinnerungen
gehören nur mir
ganz allein.

Immun

Sie verletzen mich jedes Mal.
Ein kleiner Stich, ein kurzer Schmerz.
Ich habe es schon oft erlebt.
Anfangs war es immer ein riesiges Drama,
dann nur noch Routine, Alltag.
Aber sie verletzen mich jedes Mal.
Obwohl ich es weiss, obwohl ich darauf vorbereitet bin.
Sie verletzen mich jedes Mal.
Doch mit jedem Mal spüre ich den Schmerz weniger.
Mit jedem Mal werde ich weniger verletzlich.
Bis ich schliesslich ganz immun bin.
Immun gegen ihre Angriffe,
gegen ihre Gemeinheiten,
immun gegen ihre Stacheln.
Bald werde ich abgehärtet sein,
unempfindlich, resistent.
Gleichgültig ihnen gegenüber.
Bald werde ich sie nicht mehr spüren,
die Stiche der Brennnesseln.

Donnerstag, 30. September 2010

Paradox

Kann man sich tatsächlich über etwas freuen, von dem man vorher dachte, dass es etwas vom Schlimmsten wäre, das passieren könnte? Ist das nicht irgendwie paradox?

Sonntag, 26. September 2010

Nachts um 12

Zwei Fliegen machen Liebe auf dem Rand meiner Teetasse.
Manchmal kann das Leben so einfach sein.

Faule Äpfel

Wie viele faule Äpfel es doch gibt. Ich habe hier 40kg Äpfel vor mir, die zu Apfelringen verarbeitet werden sollen. Die eine Hälfte ist schon aufgefädelt in der Sauna und trocknet, die andere habe ich noch vor mir. Es ist immer das gleiche Prozedere: Apfel nehmen, schlechte Stellen rausschneiden, Kerngehäuse ausstampfen, schälen, schneiden, auffädeln. Die meisten Äpfel haben nur ein, zwei braune Stellen, wo sie ein bisschen zerquetscht und eingedrückt sind. Ab und an lässt sich auch einmal eine kleine Made finden.
Dann gibt es da aber noch die wunderschönen Äpfel, wie aus dem Lehrbuch sehen sie aus, man würde am liebsten reinbeissen. Anfangs habe ich mich immer besonders über diese „perfekten“ Äpfel gefreut. Doch beim Ausstampfen musste ich immer wieder feststellen, dass fast alle von innen her zerfressen sind, faul, ausgehöhlt. Ich musste die Äpfel regelrecht bis auf die Schale ausschaben, konnte meist beinahe die ganze Frucht wegwerfen. Diese Äpfel sind unbrauchbar. Ich kann sie nicht verwenden, sie sind nutzlos. Und doch greifen wir alle immer zuerst nach diesen grossen, schönen Exemplaren. Denen man ihr Makel nicht ansieht. Die ihre abgestorbenen Stellen zu verstecken wissen. Lernen wir denn nie dazu?

Samstag, 25. September 2010

Grundlos glücklich

Es ist zwar neblig, aber ich kann den Weg trotzdem noch sehen.
Es regnet zwar, aber ich weiss, die Sonne wird wieder scheinen.
Es gibt zwar Probleme, aber wir werden die Hürden meistern können.
Ich mach zwar viele Fehler, aber ich mache auch einiges richtig.
Du bist zwar nicht hier, aber ich weiss, du bist irgendwo da draussen.
Ich hab zwar viel zu tun, aber jetzt mache ich eine Pause.
Ich bin zwar müde, aber ich habe trotzdem noch Energie.
Ich weiss zwar nicht wieso, aber dies ist einer der Momente,
in denen ich einfach zufrieden bin,
ohne Grund.
Ich weiss zwar, dass der Moment vergeht, aber ich geniesse ihn
und bewahre das Gefühl in meinem Herzen.

Freitag, 24. September 2010

Mord beim Misten?

Heute habe ich einen Mord begangen. Oder eine gute Tat vollbracht. Je nachdem.
Und zwar war ich mit ausmisten beschäftigt, als eine grosse fette Spinne vor mir auf dem Boden krabbelte. Was ja eigentlich nichts Ungewöhnliches für einen Stall ist. Jedenfalls hob sich ganz automatisch mein schwer beschuhter Fuss und sauste auf das arme Tierchen nieder. Noch ein paar Mal hin und her gedreht und fertig war das Spinnenmus. Erst als ich mich schon wieder mit der vollen Schubkarre auf den Weg zum Misthaufen gemacht hatte, fing ich an, über mein Handeln nachzudenken. Manche Menschen hätten genauso reagiert wie ich. Ich hatte ein Lebewesen seiner Existenz beraubt, hatte es getötet, umgebracht, ermordet, beseitigt. Einfach so. Grundlos. Aus einer Laune heraus. Nur, weil mich das Tier, das übrigens etwa – äh – keine Ahnung, das jedenfalls sehr viel kleiner ist als ich, gestört hat. War das wirklich nötig? Woher nehme ich mir das Recht, dermassen willkürlich über Leben und Tod zu entscheiden? Wohin sind wir schon gekommen, wenn ich meine schlechte Laune an einem unschuldigen Tier auslassen muss? Nur weil es eklig aussieht und ich es nicht leiden kann. Tragisch. Sehr tragisch. Und wichtiger noch als „Wohin sind wir schon gekommen“ ist wohl „Wohin soll das führen?“
Schon gut, ich höre hier auf. Es war eine Spinne. Nicht mehr.
Aber es war eine Spinne. Nicht weniger. Etwas Lebendiges. Jetzt ist sie ein schwarzer toter Punkt auf dem Boden.
Das war eine Spinne.

Warten

Ich warte auf besseres Wetter
Ich warte auf meinen Superheld.
Ich warte auf die nächsten Tage
Ich warte auf `ne schönere Welt.

Ich warte auf die Superidee
Ich warte auf den Bus.
Ich warte auf `nen richtigen Freund
Ich warte auf `nen Kuss.

Ich warte auf den nächsten Kampf
Ich warte auf ein offenes Ohr.
Ich warte auf das Sandmännchen
Ich warte auf `nen Pick-Nick im Moor.

Ich warte auf meinen Hund
Ich warte auf `ne Heissluftballonfahrt.
Ich warte auf deinen Brief
Ich warte bis jemand sagt „Start“.

Ich warte auf Selbstbeherrschung
Ich warte auf Ehrlichkeit
Ich warte auf Mut und Respekt
Ich warte auf die Gelegenheit.

Ich warte auf so vieles
Ich warte auf die Chance meines Lebens
Ich warte auf das beste
Ich warte vergebens.

Das letzte Mal

So oft
So viele Male
Hab ich gesagt
Einmal noch
Einen Versuch
Eine Chance
Ein letztes Mal.

Und so oft
So viele Male
Habt ihr mich
Enttäuscht
Ausgenutzt
Verraten
Wie auch dieses Mal.


So oft
So viele Male
Hab ich
Gehofft
Gewagt
Vertraut
Jedes einzelne Mal.

Und so oft
So viele Male
Habt ihr
Gelogen
Betrogen
Versagt
Fast jedes Mal.


Doch dieses Mal
War das letzte.
Schliesslich
Endlich
Endgültig.

Unwiderruflich.

Aus und vorbei.

Dienstag, 21. September 2010

Betrink dich

Betrink dich und sag die Wahrheit
Betrink dich und sag was du denkst
Betrink dich und ich führ dich nach Hause
Betrink dich und ich bleib, bis du dich fängst

Betrink dich, sauf dir den Ärger vom Leib
Betrink dich, übertreib mal so richtig
Betrink dich, ertränk deine Schmerzen
Betrink dich, das ist auch einmal wichtig

Betrink dich und vergiss das Morgen
Betrink dich, leb in Saus und Braus
Betrink dich, vergiss deine Sorgen
Betrink dich und kotz alles aus.