Heute habe ich einen Mord begangen. Oder eine gute Tat vollbracht. Je nachdem.
Und zwar war ich mit ausmisten beschäftigt, als eine grosse fette Spinne vor mir auf dem Boden krabbelte. Was ja eigentlich nichts Ungewöhnliches für einen Stall ist. Jedenfalls hob sich ganz automatisch mein schwer beschuhter Fuss und sauste auf das arme Tierchen nieder. Noch ein paar Mal hin und her gedreht und fertig war das Spinnenmus. Erst als ich mich schon wieder mit der vollen Schubkarre auf den Weg zum Misthaufen gemacht hatte, fing ich an, über mein Handeln nachzudenken. Manche Menschen hätten genauso reagiert wie ich. Ich hatte ein Lebewesen seiner Existenz beraubt, hatte es getötet, umgebracht, ermordet, beseitigt. Einfach so. Grundlos. Aus einer Laune heraus. Nur, weil mich das Tier, das übrigens etwa – äh – keine Ahnung, das jedenfalls sehr viel kleiner ist als ich, gestört hat. War das wirklich nötig? Woher nehme ich mir das Recht, dermassen willkürlich über Leben und Tod zu entscheiden? Wohin sind wir schon gekommen, wenn ich meine schlechte Laune an einem unschuldigen Tier auslassen muss? Nur weil es eklig aussieht und ich es nicht leiden kann. Tragisch. Sehr tragisch. Und wichtiger noch als „Wohin sind wir schon gekommen“ ist wohl „Wohin soll das führen?“
Schon gut, ich höre hier auf. Es war eine Spinne. Nicht mehr.
Aber es war eine Spinne. Nicht weniger. Etwas Lebendiges. Jetzt ist sie ein schwarzer toter Punkt auf dem Boden.
Das war eine Spinne.
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