Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 27. März 2012

168 Zentimeter

Irgendwie hatte ich immer gedacht, ich wachse noch. Ich hatte immer gedacht, ich werde auch einmal so gross wie die Erwachsenen. Aber wenn ich jetzt so um mich blicke, sehe ich da niemanden, der gross ist. Ich sehe Frauen, die Absätze tragen. Männer, die mich um einen oder zwei Köpfe überragen. Aber jemanden von Grösse? Hm. Ich hatte immer gedacht, ich werde auch einmal so gross wie die Erwachsenen. Aber wenn ich jetzt so um mich blicke, sind da alle gleich gross. Wenn ich jetzt so um mich blicke, bin ich gleich klein wie alle anderen. Ich werde also vermutlich nicht mehr weiter wachsen. Kleidertechnisch gesehen ein Vorteil, ganz klar. Aber irgendwie hatte ich immer gedacht, als ich noch klein war, dass ich auch einmal so gross werde wie die Erwachsenen.

Sonntag, 25. März 2012

Reiseziel

Mein Platz an der Sonne. Ich habe einen Platz an der Sonne. Ja, auch ich habe einen Platz an der Sonne. Mein Platz an der Sonne liegt manchmal im Schatten, unter dem Blätterdach. Oder auf der Dachterasse. Mein Platz an der Sonne kann mein Bett sein, oder ein Küchenstuhl. Ein Sitz im Zug. Im Hörsaal. In strömendem Regen. Er kann in der Schlange an der Supermarktkasse sein, oder inmitten einer Menschenmenge an einem Konzert. Es spielt keine Rolle. Es gibt ihn, meinen Platz an der Sonne, und ich kann dort bleiben so lange ich will. Ohne Sonnenbrandgefahr! Manchmal finde ich ihn gerade nicht. Aber er taucht immer wieder irgendwo auf. Mein Platz an der Sonne. Es gibt ihn.

Mittwoch, 21. März 2012

Deutschstudenten erobern die Küche oder Katastrophale Reime

zwei kleine deutschstudenten hatten nicht gern bier,
kekse backen pizza essen, da warens plötzlich vier.

vier kleine deutschstudenten luden ein ganz nach belieben
den und die und die und den, da warens plötzlich sieben.

sieben kleine deutschstudenten, eins davon verhex-t (-liebt)
seifenblasen, träumliwelt, da warens nur noch sechs.

sechs kleine deutschstudenten, eins mit dicken lymph'
krank war es und lag im bett, da warens nur noch fünf.

fünf kleine deutschstudenten, eins ein herdentier
musste sich mit andern treff'n, da warens nur noch vier.

Montag, 19. März 2012

Von Grottenolmen

"Im Sommer durfte ich in einer Höhle in Istrien Bekanntschaft mit einem Grottenolm machen. Dieser blinde Lurch lebt dort bei etwa 10 Grad im Wasser. Er kennt weder Sonne noch Veilchenduft, keine Pizzas oder Börsenkurse und nicht mal Rundbriefe. Seit dieser Begegnung frage ich mich oft, ob wir Menschen wirklich so genau wissen, was es in unserer Welt gibt und was nicht, oder ob wir nur oberirdische Grottenolme sind."
Ausschnitt aus einem (nicht meinem) Rundbrief

Samstag, 17. März 2012

Das Broccolibaumhaus

Eines meiner Lieblingsgemüse.


Und eines meiner Lieblingslieder:

Freitag, 16. März 2012

Klassentreffen

Wenn man merkt, dass man plötzlich nicht mehr in diese Welt gehört. In eine Welt, deren Teil man früher war. Wenn man merkt, dass sich der Schwerpunkt verschoben hat. Dass man nicht mehr über das Gleiche redet. Wenn man merkt, dass man sich entfernt hat, viel weiter als Erde und Mond voneinander entfernt sind. Wenn man merkt, dass man unterschiedliche Leben hat, dass andere Sachen wichtig sind, andere Dinge erfreuen und den Schlaf rauben. Dann hat wohl jemand die Tapete gewechselt. Und man kann noch so sehr versuchen, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen - man wird es nicht schaffen, man wird versagen, man wird nicht wieder Teil dieser Welt. Nie wieder. Jede Welt hat ihre Zeit.

Donnerstag, 15. März 2012

Eine andere Welt, gleich hinterm Haus

Wer auf einer Zugfahrt ein Ticket für die Uhren- und Schmuckmesse Basel geschenkt kriegt, darf dieses Geschenk nicht einfach so missachten. Also begab ich mich an die BaselWorld 2012, voller Interesse und Neugier, gespannt auf diese andere Welt. Meine Eindrücke:

- Alle Kleidung ist schwarz. Ausser die weissen Hemden der Herren. Und ausser mein violetter Pullover.
- Die Menschen scheinen ganz steif zu sein, ausserdem kann ich kaum jemanden finden, der so aussieht, als würde er (oder sie) sich amüsieren.
- Echte Fische in der Hauswand und Hufeisen im Schaufenster, dazu ein paar Billiardkugeln. Uhren zu vermarkten ist nicht einfach.
- Man sieht Asiaten und hört französisch.
- "Ich habe immer noch die Uhr von meinem Exfreund."
- Es gibt Frauen, die tragen halbe Bäume um den Hals.
- Es gibt Ringe mit Fell rundrum.
- Es gibt Schaufenster, in denen rechts und links ein Glas Wasser steht. Falls die Uhren, Ketten und Ringe durstig werden. Glaubs.
- Ich habe nun die biggest peacock-colored Tahitian cultured pearl ever found gesehen, mit einer size von 18,3 mm. Ja!
- Ganz ganz viele Leute werden einfach nur fürs Rumstehen bezahlt.
- Früher gab es Ritterkämpfe, heute entscheidet der teuerste Ring darüber, wer die schönste Frau ist.
- An Messen dürfen die Männer hemmungslos gucken. Und zwar angucken, die Hostessen, von oben bis unten. Und zurück.
- Glitzer, Reichtum, Eleganz. Und mittendrin Prix Garantie Kleenex, gut & günstig Kaffeesahne und ein ganz gewöhnlicher Müllsack mittem im Gang. Ein bisschen Alltag, wie erfrischend.
- Manche Aussteller lassen nur geladene Gäste in ihre Häuschen, um die Uhren anzuschauen. Die "normalen" Besucher müssen draussen bleiben und sich mit Katalogen zufrieden geben.

Fazit: Nie wieder ohne sehr sehr guten Grund.

Schlangenwörter

Demokratisierungsprozesse ist ein langes Wort. Dachte ich. Bis ich Uhrenfabrikbesitzervereinigungsvorsitzendentisch las.

Dienstag, 13. März 2012

Sonntag, 11. März 2012

Nach dem Tag

Ich vermisse sie. Zu lächeln. Zu fragen und zu antworten. Haare aus dem Gesicht zu streichen. Einladen und einladen zu lassen. Die Gedanken schweifen zu lassen, die Fantasie aufzuwecken, das Unmögliche auszuprobieren. Ich vermisse sie schon jetzt, die Freiheit.

Montag, 5. März 2012

Unbekannt

"Vielleicht hat diesen Satz noch nie jemand gesagt."

Sonntag, 4. März 2012

Der Vielfrass

Und sofort sind sie wieder da, die Zweifel. Nach einem Tag, einer Woche, einem Monat. Sofort sind sie wieder da, fressen sich tief ein, brennen, wie Säure sich durchfrisst und brennt. Sie werden gefüttert von Gedanken und der Fantasie, die Zweifel. Sie lachen hämisch und fühlen sich so vertraut an. Ich kenne sie gut. Aber man sollte Vertrautheit nicht mit "zu Hause" oder "wohl sein" verwechseln. Vertrautheit. Vertrauen. Das einzige, was wirklich über die Zweifel siegen kann. Vertrauen. Aber solange das noch nicht da oder noch zu schwach ist, ist Bestätigung nötig. Bestätigung, Versicherung, eine ständige Wiederholung des schon Gesagten und Gezeigten und ach so Klaren. Nur Geduld. Vertrauen braucht Zeit und Zweifel haben einen langen Atem, sind hartnäckig, ausdauernd. Aber die Mühe wird sich lohnen. Ganz, ganz sicher! Nur Geduld.

Dienstag, 28. Februar 2012

Die drey scheenschte Dääg

Nach endlosen Wochen der Vorbereitung ist sie endlich da. Alles kommt herbei geströmt, aus allen Ecken und Enden kommen sie, die Menschen. So viele Menschen. Überall. Sie laufen und pfeiffen und trommeln und blasen. Oder sie laufen einfach. Sie tragen alle das gleiche Kostüm und wollen doch irgendwie individuell sein. Ein Extra haben, das sie von den anderen unterscheidet, in der grossen Masse. Die grosse Masse. Sie schiebt durch die Strassen und Gassen, irgendwo hin, irgendwo rein. Man trinkt, isst, Mehlsuppe natürlich, hat Glitzerstaub in den Haaren, auch Räppli genannt. Dann gibts noch eine Blume in die Hand. So schön. Eine bunte Stadt die tanzt und pfeifft. Eine Schicht bunter Punkte bedeckt den Boden, den grauen Teer, als würde sich diese Schicht über den grauen Winter legen. Auf dem Heimweg kommen einem die Putzmaschinen entgegen. Sie machen das Grau wieder sichtbar. Aber bald werden die nächsten Punkte den Boden bedecken. Das Ende ist nämlich nicht nah. Zuerst muss noch gefeiert werden. Gefeiert, getanzt, gelebt. Und wenn man da so mittendrin ist, könnte man glatt die Welt vergessen, und für einen Moment, also für drei Tage, für die drey scheenschte Dääg, einfach sein, und tanzen, und pfeiffen, und sich schieben lassen, und sein Herz im Rhythmus der Trommeln schlagen lassen. Und allen Menschen geht es gut.

Sonntag, 26. Februar 2012

Unbegrenzte Möglichkeiten

"Alle sagten: "Das geht nicht." Da kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht."
Unbekannt

Am zweiten Unitag

Nein, ich fühle mich nicht überfordert. Ich wollte schon immer Robinson Crusoe sein.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Wenn die Worte fehlen - bleibt da die Musik.

You can feel like a part of something
if you're part of the scene
You can make your life look pretty
out a little ice and gin
Wash off the make-up and prepare the aspirin
Well you can get out of this party dress
but you can't get out of this skin.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Abflug

Wenn ich etwas machen könnte, das eigentlich unmöglich ist, würde ich den Wolkenstrand erfinden. Man kann sich auf dem flauschigen Nichts räkeln oder darüber schlendern, es durch die Zehen rieseln lassen oder eine Abkühlung im blauen Himmel nehmen. Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos und das Wetter immer schön. Man kann in der Wolle versinken oder sich ganz davon tragen lassen. Man kann sich darin einwickeln bis nur noch die Nasenspitze rausguckt. Und man bräuchte niemals einen Sonnenschirm.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Wenns *plingg* macht

Und plötzlich verschiebt sich der Schwerpunkt.
Das Zentrum, das von Bedeutung, der Mittelpunkt, Fokus.
Plötzlich kreist alles um etwas Anderes.
Plötzlich ist da eine Sicherheit, Gewissheit, Bestätigung.
Und plötzlich ist einfach alles gut.

Montag, 13. Februar 2012

Basler Poesie

S git Blüemli am Wäg,
Unschynber, chly,
Men achtet se chuum
Und goht dra verby.

Und so gits au Möntsche
Wo me verchennt,
Me lauft dra verby
So chalt und so frönd.

Doch nehmsch echly Zyt
Und bliibsch echly stoh,
Wurdsch stuune und loose
Und alles verstoh.

Helene Bossert