Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Dienstag, 24. April 2012

Überraschungsgeschenk

Lily liebt Helmut. Und Helmut liebt Lily. Lily ist ein Krokodil. Und Helmut ist ein Frosch. Mit einem Cape. Das kann durchaus ein Problem sein. Nicht das Cape, die Verschiedenheit. Ist es aber nicht, denn Lily liebt Helmut wirklich und Helmut liebt Lily wirklich. Am Anfang waren sie kurz getrennt. Lily wusste nicht, ob sie Helmut jemals wiedersehen würde. Und sie wusste nicht, ob sie ihn wiedersehen wollte. Deshalb tröstete sie sich mit einem hässlichen Matrosen. Aber dann kamen zwei Fremde und brachten sie zu Helmut. Sobald sie Helmut sah, war der Matrose vergessen und die Liebe tief und innig.
Die beiden sehen sich leider nicht regelmässig. Aber Lily fühlt sich sehr wohl, dort, wo sie jetzt ist. Sie denkt viel an Helmut und kuschelt sich unter ihre warme Decke. Und sie freut sich auf ein Wiedersehen. Und sie dankt den Fremden von ganzem Herzen (auch Stoffkrokodile haben Herzen, ganze Herzen), dass sie da waren und da sind und dem Schicksal geholfen haben.

Mittwoch, 11. April 2012

Dozent vs. Student

"Zu einfache Texte sind nicht repräsentativ."
K.W. - Dozentin in Gesellschaftswissenschaften

WTF?? Soll das Uni sein? Sieht so differenziertes Denken aus? Kritisches Hinterfragen? Soll das wirklich Uni sein?? Nur weil jemand fähig ist, etwas einfach auszudrücken, kann es nicht wahr sein. Kann es nicht gut recherchiert und hinterfragt und argumentiert sein. Texte mit Inhalt müssen per se schwierig und schwer bis gar nicht verständlich sein. Wo kämen wir denn hin, wenn man die Welt in einfachen Texten erklären würde. Wo kämen wir denn hin, wenn man nicht Haare raufend über den Fremdwörtern und Schachtelsätzen verzweifeln würde, bis tief in die Nacht hinein. Das ginge ja gar nicht. Also sind einfache Texte einfach nicht repräsentativ. Logisch. So logisch.

Montag, 9. April 2012

Wie leicht Dinge doch zerbrechen können.

Montag, 2. April 2012

Gegensätze ziehen sich an

Die Liebe ist schon merkwürdig.
Sie füllt unsere Köpfe aus
und leert sie komplett.
Sie macht uns hungrig
und permanent satt.
Sie stellt uns vor Entscheidungen
und zeigt das Wesentliche glasklar.
Sie verändert uns
und nie sind wir natürlicher.
Sie bereitet uns den grössten Schmerz
und die tiefste Freude.
Die Liebe ist schon merkwürdig.
Sie kommt und sie geht
und sie ist immer da.

Sonntag, 1. April 2012

Denkanstösse

"Für mich sieht die Welt wie ein Foto aus." V.M.

"Busse sind wie Bananen - sie kommen immer in Bündeln." (Das Wort Busse ist auch mit dem Wort Männer ersetzbar.)

"Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge. Aber sie (die meisten Essayisten) machen es umgekehrt." Schopenhauer (in Tucholsky "Die Essayisten" 1931)

"Die brutale Gesellschaft belastet die Lehrer." BAZ am 24. März 2012, Helmut Hubacher

"Was nicht zu Papier zu bringen ist, steht für uns im Verdacht, dass es nicht ist." Vilém Flusser

"Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus dem Leben zu machen." Georg Bernard Shaw

Dienstag, 27. März 2012

168 Zentimeter

Irgendwie hatte ich immer gedacht, ich wachse noch. Ich hatte immer gedacht, ich werde auch einmal so gross wie die Erwachsenen. Aber wenn ich jetzt so um mich blicke, sehe ich da niemanden, der gross ist. Ich sehe Frauen, die Absätze tragen. Männer, die mich um einen oder zwei Köpfe überragen. Aber jemanden von Grösse? Hm. Ich hatte immer gedacht, ich werde auch einmal so gross wie die Erwachsenen. Aber wenn ich jetzt so um mich blicke, sind da alle gleich gross. Wenn ich jetzt so um mich blicke, bin ich gleich klein wie alle anderen. Ich werde also vermutlich nicht mehr weiter wachsen. Kleidertechnisch gesehen ein Vorteil, ganz klar. Aber irgendwie hatte ich immer gedacht, als ich noch klein war, dass ich auch einmal so gross werde wie die Erwachsenen.

Sonntag, 25. März 2012

Reiseziel

Mein Platz an der Sonne. Ich habe einen Platz an der Sonne. Ja, auch ich habe einen Platz an der Sonne. Mein Platz an der Sonne liegt manchmal im Schatten, unter dem Blätterdach. Oder auf der Dachterasse. Mein Platz an der Sonne kann mein Bett sein, oder ein Küchenstuhl. Ein Sitz im Zug. Im Hörsaal. In strömendem Regen. Er kann in der Schlange an der Supermarktkasse sein, oder inmitten einer Menschenmenge an einem Konzert. Es spielt keine Rolle. Es gibt ihn, meinen Platz an der Sonne, und ich kann dort bleiben so lange ich will. Ohne Sonnenbrandgefahr! Manchmal finde ich ihn gerade nicht. Aber er taucht immer wieder irgendwo auf. Mein Platz an der Sonne. Es gibt ihn.

Mittwoch, 21. März 2012

Deutschstudenten erobern die Küche oder Katastrophale Reime

zwei kleine deutschstudenten hatten nicht gern bier,
kekse backen pizza essen, da warens plötzlich vier.

vier kleine deutschstudenten luden ein ganz nach belieben
den und die und die und den, da warens plötzlich sieben.

sieben kleine deutschstudenten, eins davon verhex-t (-liebt)
seifenblasen, träumliwelt, da warens nur noch sechs.

sechs kleine deutschstudenten, eins mit dicken lymph'
krank war es und lag im bett, da warens nur noch fünf.

fünf kleine deutschstudenten, eins ein herdentier
musste sich mit andern treff'n, da warens nur noch vier.

Montag, 19. März 2012

Von Grottenolmen

"Im Sommer durfte ich in einer Höhle in Istrien Bekanntschaft mit einem Grottenolm machen. Dieser blinde Lurch lebt dort bei etwa 10 Grad im Wasser. Er kennt weder Sonne noch Veilchenduft, keine Pizzas oder Börsenkurse und nicht mal Rundbriefe. Seit dieser Begegnung frage ich mich oft, ob wir Menschen wirklich so genau wissen, was es in unserer Welt gibt und was nicht, oder ob wir nur oberirdische Grottenolme sind."
Ausschnitt aus einem (nicht meinem) Rundbrief

Samstag, 17. März 2012

Das Broccolibaumhaus

Eines meiner Lieblingsgemüse.


Und eines meiner Lieblingslieder:

Freitag, 16. März 2012

Klassentreffen

Wenn man merkt, dass man plötzlich nicht mehr in diese Welt gehört. In eine Welt, deren Teil man früher war. Wenn man merkt, dass sich der Schwerpunkt verschoben hat. Dass man nicht mehr über das Gleiche redet. Wenn man merkt, dass man sich entfernt hat, viel weiter als Erde und Mond voneinander entfernt sind. Wenn man merkt, dass man unterschiedliche Leben hat, dass andere Sachen wichtig sind, andere Dinge erfreuen und den Schlaf rauben. Dann hat wohl jemand die Tapete gewechselt. Und man kann noch so sehr versuchen, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen - man wird es nicht schaffen, man wird versagen, man wird nicht wieder Teil dieser Welt. Nie wieder. Jede Welt hat ihre Zeit.

Donnerstag, 15. März 2012

Eine andere Welt, gleich hinterm Haus

Wer auf einer Zugfahrt ein Ticket für die Uhren- und Schmuckmesse Basel geschenkt kriegt, darf dieses Geschenk nicht einfach so missachten. Also begab ich mich an die BaselWorld 2012, voller Interesse und Neugier, gespannt auf diese andere Welt. Meine Eindrücke:

- Alle Kleidung ist schwarz. Ausser die weissen Hemden der Herren. Und ausser mein violetter Pullover.
- Die Menschen scheinen ganz steif zu sein, ausserdem kann ich kaum jemanden finden, der so aussieht, als würde er (oder sie) sich amüsieren.
- Echte Fische in der Hauswand und Hufeisen im Schaufenster, dazu ein paar Billiardkugeln. Uhren zu vermarkten ist nicht einfach.
- Man sieht Asiaten und hört französisch.
- "Ich habe immer noch die Uhr von meinem Exfreund."
- Es gibt Frauen, die tragen halbe Bäume um den Hals.
- Es gibt Ringe mit Fell rundrum.
- Es gibt Schaufenster, in denen rechts und links ein Glas Wasser steht. Falls die Uhren, Ketten und Ringe durstig werden. Glaubs.
- Ich habe nun die biggest peacock-colored Tahitian cultured pearl ever found gesehen, mit einer size von 18,3 mm. Ja!
- Ganz ganz viele Leute werden einfach nur fürs Rumstehen bezahlt.
- Früher gab es Ritterkämpfe, heute entscheidet der teuerste Ring darüber, wer die schönste Frau ist.
- An Messen dürfen die Männer hemmungslos gucken. Und zwar angucken, die Hostessen, von oben bis unten. Und zurück.
- Glitzer, Reichtum, Eleganz. Und mittendrin Prix Garantie Kleenex, gut & günstig Kaffeesahne und ein ganz gewöhnlicher Müllsack mittem im Gang. Ein bisschen Alltag, wie erfrischend.
- Manche Aussteller lassen nur geladene Gäste in ihre Häuschen, um die Uhren anzuschauen. Die "normalen" Besucher müssen draussen bleiben und sich mit Katalogen zufrieden geben.

Fazit: Nie wieder ohne sehr sehr guten Grund.

Schlangenwörter

Demokratisierungsprozesse ist ein langes Wort. Dachte ich. Bis ich Uhrenfabrikbesitzervereinigungsvorsitzendentisch las.

Dienstag, 13. März 2012

Sonntag, 11. März 2012

Nach dem Tag

Ich vermisse sie. Zu lächeln. Zu fragen und zu antworten. Haare aus dem Gesicht zu streichen. Einladen und einladen zu lassen. Die Gedanken schweifen zu lassen, die Fantasie aufzuwecken, das Unmögliche auszuprobieren. Ich vermisse sie schon jetzt, die Freiheit.

Montag, 5. März 2012

Unbekannt

"Vielleicht hat diesen Satz noch nie jemand gesagt."

Sonntag, 4. März 2012

Der Vielfrass

Und sofort sind sie wieder da, die Zweifel. Nach einem Tag, einer Woche, einem Monat. Sofort sind sie wieder da, fressen sich tief ein, brennen, wie Säure sich durchfrisst und brennt. Sie werden gefüttert von Gedanken und der Fantasie, die Zweifel. Sie lachen hämisch und fühlen sich so vertraut an. Ich kenne sie gut. Aber man sollte Vertrautheit nicht mit "zu Hause" oder "wohl sein" verwechseln. Vertrautheit. Vertrauen. Das einzige, was wirklich über die Zweifel siegen kann. Vertrauen. Aber solange das noch nicht da oder noch zu schwach ist, ist Bestätigung nötig. Bestätigung, Versicherung, eine ständige Wiederholung des schon Gesagten und Gezeigten und ach so Klaren. Nur Geduld. Vertrauen braucht Zeit und Zweifel haben einen langen Atem, sind hartnäckig, ausdauernd. Aber die Mühe wird sich lohnen. Ganz, ganz sicher! Nur Geduld.

Dienstag, 28. Februar 2012

Die drey scheenschte Dääg

Nach endlosen Wochen der Vorbereitung ist sie endlich da. Alles kommt herbei geströmt, aus allen Ecken und Enden kommen sie, die Menschen. So viele Menschen. Überall. Sie laufen und pfeiffen und trommeln und blasen. Oder sie laufen einfach. Sie tragen alle das gleiche Kostüm und wollen doch irgendwie individuell sein. Ein Extra haben, das sie von den anderen unterscheidet, in der grossen Masse. Die grosse Masse. Sie schiebt durch die Strassen und Gassen, irgendwo hin, irgendwo rein. Man trinkt, isst, Mehlsuppe natürlich, hat Glitzerstaub in den Haaren, auch Räppli genannt. Dann gibts noch eine Blume in die Hand. So schön. Eine bunte Stadt die tanzt und pfeifft. Eine Schicht bunter Punkte bedeckt den Boden, den grauen Teer, als würde sich diese Schicht über den grauen Winter legen. Auf dem Heimweg kommen einem die Putzmaschinen entgegen. Sie machen das Grau wieder sichtbar. Aber bald werden die nächsten Punkte den Boden bedecken. Das Ende ist nämlich nicht nah. Zuerst muss noch gefeiert werden. Gefeiert, getanzt, gelebt. Und wenn man da so mittendrin ist, könnte man glatt die Welt vergessen, und für einen Moment, also für drei Tage, für die drey scheenschte Dääg, einfach sein, und tanzen, und pfeiffen, und sich schieben lassen, und sein Herz im Rhythmus der Trommeln schlagen lassen. Und allen Menschen geht es gut.