--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---
Hej! - ! سلام
Schon wieder sind einige Wochen vergangen. Mittlerweile gehört der Muezzin zum festen Inventar der Geräusche und wenn auf einmal keine Hühner gackern, Hähne krähen oder Hunde bellen, horche ich auf. Es gab ein paar wundervolle Gewitter mit Blitz, Donner, Regen - noch ist alles grün, doch wenn man genau hinschaut, lässt sich bereits erahnen, dass das nicht mehr lange so bleiben wird.
Mohn oder Anemonen, Mienen oder Minen - so viel Text kommt leider nicht ganz ohne Fehler aus. Da mir momentan kein Lektor zur Verfügung steht, bitte ich euch, mir das zu verzeihen. Und wie ich schon vor einigen Jahren lernen durfte, gilt sowieso immer, bei Gelesenem wie Gehörtem: kritisch, kritisch und noch kritischer hinterfragen ;-)
Am Schluss gibt's wieder einige Bilder - noch immer von der schlechten Handykamera.
Arbeit
Das wichtigste Ereignis war natürlich die Eröffnung. Wie so oft wurden die meisten Aufgaben in letzter Sekunde erledigt, doch der Stress hat sich gelohnt. Wir konnten viele Gäste - die Finnische Botschafterin, Vertreter von der EU, Deutschen und Amerikanischen Botschaft, Unterstützer von nah und fern - begrüssen. Einige Beduinenfrauen waren mit ihren "Small Businesses" zu Gast und verkauften ihre Produkte: Parfüm, Schmuck, Keramik mit Beduinenmustern, Häkelsachen, Gewürze… Es war beeindruckend zu sehen, dass all das mit Sidrehs Hilfe entstanden ist. Denn Sidreh organisiert Kurse, in denen die Frauen alles lernen, was sie vor der Gründung eines Unternehmens wissen müssen: Marketing, Buchhaltung, Business-Planung etc. Nachdem alle Gäste verabschiedet waren, gab es ein leckeres Essen für alle, zum Nachtisch Wasserglacé - ein wunderbares Bild, wie all diese starken Frauen in ihren wunderschönen beduinischen Gewändern und die Kinder drumherum an ihrem Stieleis schleckten.
Neben der Eröffnung ging aber auch das tägliche Geschäft weiter. So wurde ich zur Teppichverkäuferin und durfte mithelfen, eine Art "Gewächshaus" an verschiedenen Orten aufzubauen. Es besteht aus einem Wasserbassin, auf dem die Pflanzen quasi schwimmen. So soll Wasser gespart werden und ein Garten ermöglicht werden, wenn keine Erde vorhanden ist. Den ersten Ertrag gab es gestern zum Abendessen - sehr schmackhaft! Auch Fische haben wir nun im Büro. Sie sind Teil eines Aquaponic-Systems. Das mit Ammoniak angereicherte Wasser geht über eine Pumpe in eine Pflanzenbox mit Vulkankieseln. Diese haben ganz viele Löcher, somit eine grosse Oberfläche, auf der sich irgendwelche Mikroorganismen bilden können. Die verwandeln das Ammoniak dann in Nitrit und Nitrat, das die Pflänzchen gut wachsen lässt. Steigt das Wasser auf ein gewisses Level, wird es per Sogwirkung wieder ins Fischbecken gepumpt. So in etwa. Die Pflanzen- und Physik-Experten rasten bei dieser Beschreibung vermutlich aus, aber das hier ist ja auch kein Fachbuch…
Auch zwei Schulbesuche standen an. Einmal ein Besuch zur Evaluation des Unterrichts, eine Klasse, die Schreiben und Lesen auf Hebräisch und Arabisch lernt. Die Frauen - alle jung, alle verheiratet, alle Mütter - wollen alle mehr lernen. Einmal in der Woche reiche ihnen nicht, da würde man alles bis zum nächsten Mal vergessen, klagten sie. Doch so einfach ist das nicht: Selbst wenn die Lehrerin Zeit hätte und der Raum frei wäre - würden die Männer es erlauben? Und wer passt in der Zwischenzeit auf die Kinder auf?
Nach der Stunde (es ging um Körperteile und ich lernte fleissig mit) scharten sich die Frauen und Mädchen (die hatten im Nebenzimmer Unterricht) um mich. Die Mädchen zeigten mir ihre Zeugnisse, wir verständigten uns mit Händen und Füssen und einmal mehr war ich es leid, die Sprache nicht zu beherrschen. Am Schluss sprach ich (dank Übersetzung meiner Teamkollegin) noch mit der Frau, die in dem Haus wohnt, in dem der Unterricht statt findet. Sie muss jeweils auf die Kinder aufpassen. Eigentlich wäre sie lieber Teil der Klasse und würde auch lernen - doch ihr vertrauen alle und irgendjemand muss es schliesslich tun. Sie hofft aber, bald in einem zweiten Kurs mitmachen zu können. Fünf Töchter und drei Söhne im Alter zwischen 4 und 14 Jahren hat sie daheim, ihr Mann hat sich eine zweite Frau genommen, was ihr sehr zu schaffen macht. Sie erzählte sehr offen, und ihre Augen sind irgendwie besonders.
Ebenfalls eine besondere Frauengruppe habe ich einem unanerkannten Dorf ein ganzes Stück von hier entfernt kennen gelernt. Wir waren dort zu Gast, um den erfolgreichen Abschluss eines Kurses (Small Business) zu feiern, die Diplome zu überreichen, eine Feedback-Runde zu machen und über die Zukunft nachzudenken. Wir trafen uns im einzigen Gemeinschaftsraum des Dorfes, in der Moschee: von aussen eine Blechhütte, innen mit grünem Teppich ausgelegt. Wie immer gab es Kardamom-Kaffee, Zucker-Tee, andere Süssgetränke und ein paar noch süssere Gebäckstücke. Eine Frau hatte Brot mit Zatar (Thymian mit Sesam und Olivenöl… glaube ich) mitgebracht - richtig lecker! Die Frauen berichteten alle, wie viel sie gelernt hätten, dass sie noch mehr lernen möchten, was sie für Pläne haben. Und: Dass ihr Selbstbewusstsein durch den Kurs massiv gestärkt worden sei. Vorher dachten sie, sie seien zu doof, könnten das nicht, wären unnütz. Doch nun haben sie gemerkt, dass sie durchaus etwas können. Es ist, als wäre aus einem Samen endlich ein Sprössling geworden, der nun die Erddecke durchbrochen hat und - trotz Wind, Wetter und Hitze - wächst und gedeiht. Wir hatten viel Spass zusammen und die Frauen meinten, ich solle unbedingt wieder kommen und ihnen Englisch beibringen. Sie kennen kein Nein, und so meinte ich dann, dass ich mal schauen würde, ob sich das irgendwie organisieren liesse. Bei der Eröffnung packten sie mich wieder und wir vereinbarten unser erstes Treffen. Leider musste es verschoben werden - es regnete letzte Woche zu stark, um in das Dorf zu kommen (zur Erinnerung: unanerkannt = keine Infrastruktur = keine Strassen = bei Regen nicht erreichbar). So warte ich nun aufgeregt auf nächste Woche. Ich bin gespannt, wie der Sprachunterricht so klappt - mein Arabisch hält sich wirklich noch sehr in Grenzen, wie auch ihr Englisch… Aber die Motivation und der Wille sind ansteckend und ich freue mich auf dieses Abenteuer.
Es beeindruckt mich, was die Frauen hier für eine Stärke, Energie und Willenskraft an den Tag legen. Auf den ersten Blick mögen einige etwas schüchtern, in ihren Verhüllungen gar unterwürfig wirken. Doch lässt man sie zu Wort kommen, hört ihnen zu und gibt ihnen Raum, entfalten sich da ganz wunderbare Charaktere.
Nach der Eröffnung gab es für das ganze Team einen Workshop: Vier intensive Tage lang wurde das Thema "gender-sensitive value-chains" behandelt. Was für ein Spass! Ganz ohne Ironie! Ich lernte viel - einerseits über das Thema an sich, das wir gleich praktisch anwendeten; andererseits über das Workshop leiten. Viele im Studium angesprochene Herausforderungen und die Reaktionen der Trainerin konnte ich nun live beobachten. Einmal mehr wurde mir bestätigt, dass Praxis und gebündelte Einheiten zu einem Thema sehr viel mehr Sinn machen, als das gängige Modell "jede Woche zwei Stunden". Und wieder wären Arabischkenntnisse von Vorteil gewesen - der Nutzen von Sprachkenntnissen schwebt mir hier täglich vor den Augen.
Der letzte Monat war arbeitstechnisch jedoch vor allem von einem geprägt: Frust. Ganz viel Frust. Es ist nicht immer einfach, in einem kulturell sehr anderem Umfeld zu arbeiten. Dinge brauchen Zeit und Geduld, man muss Kompromisse eingehen und manchmal auch Sachen tun, die man selbst für nicht sehr sinnvoll hält. Dabei ist mir bewusst geworden, wie wichtig die berühmte Work-Life-Balance ist. Und die ständigen Planänderungen hier lehren mich, mich nicht zu sehr auf etwas zu fixieren. Flexibilität ist definitiv eine Tugend, die man hier gut gebrauchen kann. Ich selbst werde sie wohl noch ein wenig mehr üben müssen.
Während der Vorbereitungen für die Eröffnung habe ich wieder einmal viel gemalt. Toiletten-Menschen (Beide Toiletten sind nun für Frauen zugänglich, eine davon auch für Männer. Mehr als fair, finde ich.), ein Tisch, eine unverputzte Beton-Aussenwand (SCHRECKLICH!) und und und kamen unter den Pinsel. Auch wurde gekleistert: Ein Couchtisch für die Wohnung ist im Entstehen, beklebt mit vielen bunten Blumen. Was für ein Spass! Leider war eine der Farben alles andere als wasserlöslich - so hatte ich denn nach dem Pinsel auswaschen (bzw. dem Versuch dazu) vollkommen graue und klebrige Hände. Zum Verzweifeln! Mit irgendeinem giftigen Zeug ging das dann wieder einigermassen ab - wenig später wurde es mit Henna überdeckt. Womit wir zum nächsten Unterkapitel kommen.
Wochenende - Unterwegs gesichtet
Von unserer Office Managerin und guten Seele wurde ich an eine Hochzeit mitgenommen. Anscheinend läuft das überall ein bisschen anders ab, in ihrer Familie feiert man so: Ab Sonntag oder Monat feiern alle Frauen zusammen, die Männer irgendwo in der Nähe in einem Zelt, jeden Abend etwa von 19 bis 22 Uhr. Es gibt Essen und Musik, man sitzt auf Plastikstühlen im Kreis (wenn kein Platz mehr ist, wird ein zweiter Kreis innerhalb des ersten Kreises angefangen) und tauscht den neuesten Klatsch aus. Die Braut und die Brautmutter sind nicht Teil dieser Feierlichkeiten, sie müssen zu Hause bleiben. Getanzt wird immer familienweise. Dabei tritt man von einem Fuss auf den anderen, läuft langsam im Kreis und lässt die Handgelenke, Arme und Hände ein wenig kreisen. Die Musik ist laut und es wird oft durch die Lieder gezappt. Die Frauen versorgen auch die Männer mit Essen (ausser am Freitag, da sind die Männer zuständig). Am Donnerstag treffen sich morgens dann alle Frauen (die Männer wie gewohnt im Zelt), um das Henna vorzubereiten. Man singt (eine Gruppe singt vor, die andere nach, begleitet von einer Trommel) und klatscht und isst. Irgendwann kommen die ältesten Frauen in ihren traditionellen beduinischen Kleidern und weissen Kopftüchern. Sie setzen sich im Kreis um die grossen Schüsseln mit dem Henna-Pulver. Das wird dann mit Schwarztee vermengt und die Frauen fangen wie wild an zu kneten. Am Schluss sind ihre Hände ganz orange und die Masse in den Schüsseln sieht aus wie Schlamm. Nun wird das Henna in kleine Becherchen abgefüllt und zusammen mit ein paar Süssigkeiten in ein Säckchen verpackt. Damit gehen die weiblichen Gäste und der Bräutigam dann abends zur Braut nach Hause - mit wenig Henna werden ihre Hände bemalt, der Rest wird weggeschmissen - es geht nur um die Symbolik (Ich habe auch ein Tässchen bekommen, obwohl ich abends gar nicht dabei war. Eine Teamkollegin übte sich dann gleich und vollführte ein Kunstwerk auf meiner angegrauten Hand.). Am Freitag ist dann die richtige Hochzeit, bei der auch die Braut dabei sein darf.
Ich muss zugeben, dass ich bereits nach einem Abend und dem Henna-Morgen völlig erschöpft war. Während der Woche muss ja auch noch gearbeitet werden. Keine Ahnung, wie die Frauen das durchstehen. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis und hat viel Spass gemacht - die Hochzeitsgäste haben mit mir über meine Tanz-Versuche gelacht und nach einer Weile fühlte ich mich nicht mehr komplett am falschen Ort.
Noch ein Random Fact zu den Hochzeiten: Viele, sehr viele Frauen heiraten hier ihre Cousins. Cousins ersten Grades. Warum genau ist mir nicht klar. Was das längerfristig für die Gesundheit der Kinder und Enkel bedeutet, bleibt eurem Vorstellungsvermögen überlassen.
Letzte Woche wurde ich wieder einmal auf einen Ausflug mitgenommen. Mit einem Beduinen hier aus dem Dorf ging es nach Ein Gedi ans Tote Meer - nur schon die Autofahrt durch die kahlen Hügel ist es wert! Wir wanderten ein wunderbares Tal hinauf, bis zu einem Wasserfall. Es war faszinierend, am Wasser entlang zu laufen, all das Leben rundherum, die Bäume, das Grün. Nur wenige Meter daneben fing die Wüste an - kahle Steine und Felsen. Ein Teil des Wanderweges führte im Wasser entlang, man musste klettern, konnte baden und sich am Schluss vom Wasserfall "massieren" lassen. Wirklich ein wunderbares Erlebnis bei gut 30°C. Nach einem Picknick entschieden wir uns gegen das geplante Baden im Toten Meer - zu erschöpft waren wir von der Wanderung. Es war spannend, ein wenig aus dem Leben eines Jugendlichen zu hören. Er lebte einige Zeit in den USA und ist somit offener und weltlicher als andere Menschen hier. Gleichzeitig ist er tief hier verwurzelt und in einigen Angelegenheiten stark konservativ und traditionell. Ob er selbst sich dessen bewusst ist - keine Ahnung. Einfach ist es vermutlich nicht.
Everyday in Israel
Ebenfalls frustrierend kann das Ausbleiben von warmem Wasser sein, besonders nach einem langen, anstrengenden und grauen Tag. Noch ungünstiger ist das komplette Ausbleiben von jeglichem Wasser. Vor allem, wenn man zu viert ist. Aber auch dieser Herausforderung wurde gemeistert, inzwischen fliesst das kühle und auch das warme Nass wieder. Und ich kann ganz klar sagen: Warme Duschen sind ein Luxus, den ich nicht für längere Zeit aufgeben möchte. Nennt mich empfindlich oder verwöhnt, aber jeder hat da wohl so seine schwachen Punkte.
Vor einigen Wochen hiess es plötzlich, wir hätten am nächsten Tag frei. Warum, konnte mir niemand so genau erklären - ein Feiertag oder etwas ähnliches sei es. Im Nachhinein fand ich dann heraus, dass wir eigentlich gestreikt hatten. Es war nämlich der 30. März, Land Day, der seit 1976 "gefeiert" wird. An diesem Tag wurden bei einer Demonstration gegen eine Landenteignung zu Gunsten einer jüdischen Siedlungen sechs Palästinenser erschossen. Als Antwort darauf folgte ein allgemeiner Streik in palästinensischen Ortschaften in Israel. Mehr Infos auf Englisch zum Beispiel hier: http://972mag.com/why-land-day-still-matters/89099/.
Ostern verpasste ich hier völlig - an Ostersonntag und Ostermontag wurde normal gearbeitet. Ich versuchte, einer Teamkollegin den Hintergrund dieses Festes zu erklären - gar nicht so einfach, wenn jemand so gar keinen christlichen Hintergrund hat! Dafür wird immer mehr über Ramadan geredet, den Fastenmonat, der Anfang Juni beginnt.
Auch feststellen durfte ich, dass ich unweigerlich altere. Ein 17-Jähriger fragte mich, ob er mich duzen dürfe und von einer fast 16-Jährigen wurde ich beim Mail schreiben belächelt: "Du benutzt noch eMails? Du bist so Old School!", hiess es da. Tja, so ist das wohl.
Ausblick
Die zweite Halbzeit ist nun angebrochen und ich habe das Gefühl, gleichzeitig schon ewig hier und doch eben erst aus dem Flieger gestiegen zu sein. Gärten, Spielplätze, Computerarbeiten stehen weiterhin auf dem Programm, wie auch Arabisch. Nächste Woche geht es aber erst einmal wieder auf Erkundungstour: Mit gleich zwei Besuchern und per Mietauto geht es quer und längs durch Israel und Palästina. Mal sehen, ob wir den Menschenmassen, die zu Pessach immer unterwegs sind, in der Natur entfliehen können. Auch werde ich ein zweites Mal versuchen, mein Visum zu verlängern. Letzte Woche meinten sie, ich wäre zu früh dran, da es ja noch bis Mai gültig wäre. Ich solle im Mai wiederkommen. Unter Umständen müsste ich das Land dann halt zügig verlassen, aber im Moment könnten sie mir halt noch keine Verlängerung gewähren. Die liebe Bürokratie hat mich also wieder, aber das gehört mittlerweile ja dazu.
Eigentlich bin ich ja wegen meiner Masterarbeit hier. Sie nimmt sehr langsam aber sicher Formen an - ein genaueres Update dazu folgt im nächsten Mail, wenn der Rahmen und die Details ein wenig klarer sind. Es wird spannend, ihr dürft euch auf etwas freuen!
Längerfristig spiele ich mit dem Gedanken, mich nach einem bewegten Sommer ab September für ein paar Monate in Leipzig niederzulassen, um intensiv an meiner Masterarbeit zu schreiben. Wer da also jemanden kennt, der da ein Zimmer frei hat oder sowas in der Richtung… der darf mich das gerne wissen lassen. Auch sonst freue ich mich natürlich immer von euch zu hören! Viiiiiel Post ist in letzter Zeit angekommen, das Empfangen klappt weiterhin einwandfrei, im Büro freuen sich alle mit, meine Wand sieht immer besser und bunter aus - Nachrichten sind also weiterhin herzlich willkommen.
Random Fact: Die Zeitumstellung fand in Israel schon von Donnerstag auf Freitag statt. Somit hatten wir während zwei Tagen zwei Stunden Zeitverschiebung, anstatt wie sonst nur eine Stunde.
Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام
------------------------------------------------------------------
Hej! - ! سلام
Schon wieder sind einige Wochen vergangen. Mittlerweile gehört der Muezzin zum festen Inventar der Geräusche und wenn auf einmal keine Hühner gackern, Hähne krähen oder Hunde bellen, horche ich auf. Es gab ein paar wundervolle Gewitter mit Blitz, Donner, Regen - noch ist alles grün, doch wenn man genau hinschaut, lässt sich bereits erahnen, dass das nicht mehr lange so bleiben wird.
Mohn oder Anemonen, Mienen oder Minen - so viel Text kommt leider nicht ganz ohne Fehler aus. Da mir momentan kein Lektor zur Verfügung steht, bitte ich euch, mir das zu verzeihen. Und wie ich schon vor einigen Jahren lernen durfte, gilt sowieso immer, bei Gelesenem wie Gehörtem: kritisch, kritisch und noch kritischer hinterfragen ;-)
Am Schluss gibt's wieder einige Bilder - noch immer von der schlechten Handykamera.
Arbeit
Das wichtigste Ereignis war natürlich die Eröffnung. Wie so oft wurden die meisten Aufgaben in letzter Sekunde erledigt, doch der Stress hat sich gelohnt. Wir konnten viele Gäste - die Finnische Botschafterin, Vertreter von der EU, Deutschen und Amerikanischen Botschaft, Unterstützer von nah und fern - begrüssen. Einige Beduinenfrauen waren mit ihren "Small Businesses" zu Gast und verkauften ihre Produkte: Parfüm, Schmuck, Keramik mit Beduinenmustern, Häkelsachen, Gewürze… Es war beeindruckend zu sehen, dass all das mit Sidrehs Hilfe entstanden ist. Denn Sidreh organisiert Kurse, in denen die Frauen alles lernen, was sie vor der Gründung eines Unternehmens wissen müssen: Marketing, Buchhaltung, Business-Planung etc. Nachdem alle Gäste verabschiedet waren, gab es ein leckeres Essen für alle, zum Nachtisch Wasserglacé - ein wunderbares Bild, wie all diese starken Frauen in ihren wunderschönen beduinischen Gewändern und die Kinder drumherum an ihrem Stieleis schleckten.
Neben der Eröffnung ging aber auch das tägliche Geschäft weiter. So wurde ich zur Teppichverkäuferin und durfte mithelfen, eine Art "Gewächshaus" an verschiedenen Orten aufzubauen. Es besteht aus einem Wasserbassin, auf dem die Pflanzen quasi schwimmen. So soll Wasser gespart werden und ein Garten ermöglicht werden, wenn keine Erde vorhanden ist. Den ersten Ertrag gab es gestern zum Abendessen - sehr schmackhaft! Auch Fische haben wir nun im Büro. Sie sind Teil eines Aquaponic-Systems. Das mit Ammoniak angereicherte Wasser geht über eine Pumpe in eine Pflanzenbox mit Vulkankieseln. Diese haben ganz viele Löcher, somit eine grosse Oberfläche, auf der sich irgendwelche Mikroorganismen bilden können. Die verwandeln das Ammoniak dann in Nitrit und Nitrat, das die Pflänzchen gut wachsen lässt. Steigt das Wasser auf ein gewisses Level, wird es per Sogwirkung wieder ins Fischbecken gepumpt. So in etwa. Die Pflanzen- und Physik-Experten rasten bei dieser Beschreibung vermutlich aus, aber das hier ist ja auch kein Fachbuch…
Auch zwei Schulbesuche standen an. Einmal ein Besuch zur Evaluation des Unterrichts, eine Klasse, die Schreiben und Lesen auf Hebräisch und Arabisch lernt. Die Frauen - alle jung, alle verheiratet, alle Mütter - wollen alle mehr lernen. Einmal in der Woche reiche ihnen nicht, da würde man alles bis zum nächsten Mal vergessen, klagten sie. Doch so einfach ist das nicht: Selbst wenn die Lehrerin Zeit hätte und der Raum frei wäre - würden die Männer es erlauben? Und wer passt in der Zwischenzeit auf die Kinder auf?
Nach der Stunde (es ging um Körperteile und ich lernte fleissig mit) scharten sich die Frauen und Mädchen (die hatten im Nebenzimmer Unterricht) um mich. Die Mädchen zeigten mir ihre Zeugnisse, wir verständigten uns mit Händen und Füssen und einmal mehr war ich es leid, die Sprache nicht zu beherrschen. Am Schluss sprach ich (dank Übersetzung meiner Teamkollegin) noch mit der Frau, die in dem Haus wohnt, in dem der Unterricht statt findet. Sie muss jeweils auf die Kinder aufpassen. Eigentlich wäre sie lieber Teil der Klasse und würde auch lernen - doch ihr vertrauen alle und irgendjemand muss es schliesslich tun. Sie hofft aber, bald in einem zweiten Kurs mitmachen zu können. Fünf Töchter und drei Söhne im Alter zwischen 4 und 14 Jahren hat sie daheim, ihr Mann hat sich eine zweite Frau genommen, was ihr sehr zu schaffen macht. Sie erzählte sehr offen, und ihre Augen sind irgendwie besonders.
Ebenfalls eine besondere Frauengruppe habe ich einem unanerkannten Dorf ein ganzes Stück von hier entfernt kennen gelernt. Wir waren dort zu Gast, um den erfolgreichen Abschluss eines Kurses (Small Business) zu feiern, die Diplome zu überreichen, eine Feedback-Runde zu machen und über die Zukunft nachzudenken. Wir trafen uns im einzigen Gemeinschaftsraum des Dorfes, in der Moschee: von aussen eine Blechhütte, innen mit grünem Teppich ausgelegt. Wie immer gab es Kardamom-Kaffee, Zucker-Tee, andere Süssgetränke und ein paar noch süssere Gebäckstücke. Eine Frau hatte Brot mit Zatar (Thymian mit Sesam und Olivenöl… glaube ich) mitgebracht - richtig lecker! Die Frauen berichteten alle, wie viel sie gelernt hätten, dass sie noch mehr lernen möchten, was sie für Pläne haben. Und: Dass ihr Selbstbewusstsein durch den Kurs massiv gestärkt worden sei. Vorher dachten sie, sie seien zu doof, könnten das nicht, wären unnütz. Doch nun haben sie gemerkt, dass sie durchaus etwas können. Es ist, als wäre aus einem Samen endlich ein Sprössling geworden, der nun die Erddecke durchbrochen hat und - trotz Wind, Wetter und Hitze - wächst und gedeiht. Wir hatten viel Spass zusammen und die Frauen meinten, ich solle unbedingt wieder kommen und ihnen Englisch beibringen. Sie kennen kein Nein, und so meinte ich dann, dass ich mal schauen würde, ob sich das irgendwie organisieren liesse. Bei der Eröffnung packten sie mich wieder und wir vereinbarten unser erstes Treffen. Leider musste es verschoben werden - es regnete letzte Woche zu stark, um in das Dorf zu kommen (zur Erinnerung: unanerkannt = keine Infrastruktur = keine Strassen = bei Regen nicht erreichbar). So warte ich nun aufgeregt auf nächste Woche. Ich bin gespannt, wie der Sprachunterricht so klappt - mein Arabisch hält sich wirklich noch sehr in Grenzen, wie auch ihr Englisch… Aber die Motivation und der Wille sind ansteckend und ich freue mich auf dieses Abenteuer.
Es beeindruckt mich, was die Frauen hier für eine Stärke, Energie und Willenskraft an den Tag legen. Auf den ersten Blick mögen einige etwas schüchtern, in ihren Verhüllungen gar unterwürfig wirken. Doch lässt man sie zu Wort kommen, hört ihnen zu und gibt ihnen Raum, entfalten sich da ganz wunderbare Charaktere.
Nach der Eröffnung gab es für das ganze Team einen Workshop: Vier intensive Tage lang wurde das Thema "gender-sensitive value-chains" behandelt. Was für ein Spass! Ganz ohne Ironie! Ich lernte viel - einerseits über das Thema an sich, das wir gleich praktisch anwendeten; andererseits über das Workshop leiten. Viele im Studium angesprochene Herausforderungen und die Reaktionen der Trainerin konnte ich nun live beobachten. Einmal mehr wurde mir bestätigt, dass Praxis und gebündelte Einheiten zu einem Thema sehr viel mehr Sinn machen, als das gängige Modell "jede Woche zwei Stunden". Und wieder wären Arabischkenntnisse von Vorteil gewesen - der Nutzen von Sprachkenntnissen schwebt mir hier täglich vor den Augen.
Der letzte Monat war arbeitstechnisch jedoch vor allem von einem geprägt: Frust. Ganz viel Frust. Es ist nicht immer einfach, in einem kulturell sehr anderem Umfeld zu arbeiten. Dinge brauchen Zeit und Geduld, man muss Kompromisse eingehen und manchmal auch Sachen tun, die man selbst für nicht sehr sinnvoll hält. Dabei ist mir bewusst geworden, wie wichtig die berühmte Work-Life-Balance ist. Und die ständigen Planänderungen hier lehren mich, mich nicht zu sehr auf etwas zu fixieren. Flexibilität ist definitiv eine Tugend, die man hier gut gebrauchen kann. Ich selbst werde sie wohl noch ein wenig mehr üben müssen.
Während der Vorbereitungen für die Eröffnung habe ich wieder einmal viel gemalt. Toiletten-Menschen (Beide Toiletten sind nun für Frauen zugänglich, eine davon auch für Männer. Mehr als fair, finde ich.), ein Tisch, eine unverputzte Beton-Aussenwand (SCHRECKLICH!) und und und kamen unter den Pinsel. Auch wurde gekleistert: Ein Couchtisch für die Wohnung ist im Entstehen, beklebt mit vielen bunten Blumen. Was für ein Spass! Leider war eine der Farben alles andere als wasserlöslich - so hatte ich denn nach dem Pinsel auswaschen (bzw. dem Versuch dazu) vollkommen graue und klebrige Hände. Zum Verzweifeln! Mit irgendeinem giftigen Zeug ging das dann wieder einigermassen ab - wenig später wurde es mit Henna überdeckt. Womit wir zum nächsten Unterkapitel kommen.
Wochenende - Unterwegs gesichtet
Von unserer Office Managerin und guten Seele wurde ich an eine Hochzeit mitgenommen. Anscheinend läuft das überall ein bisschen anders ab, in ihrer Familie feiert man so: Ab Sonntag oder Monat feiern alle Frauen zusammen, die Männer irgendwo in der Nähe in einem Zelt, jeden Abend etwa von 19 bis 22 Uhr. Es gibt Essen und Musik, man sitzt auf Plastikstühlen im Kreis (wenn kein Platz mehr ist, wird ein zweiter Kreis innerhalb des ersten Kreises angefangen) und tauscht den neuesten Klatsch aus. Die Braut und die Brautmutter sind nicht Teil dieser Feierlichkeiten, sie müssen zu Hause bleiben. Getanzt wird immer familienweise. Dabei tritt man von einem Fuss auf den anderen, läuft langsam im Kreis und lässt die Handgelenke, Arme und Hände ein wenig kreisen. Die Musik ist laut und es wird oft durch die Lieder gezappt. Die Frauen versorgen auch die Männer mit Essen (ausser am Freitag, da sind die Männer zuständig). Am Donnerstag treffen sich morgens dann alle Frauen (die Männer wie gewohnt im Zelt), um das Henna vorzubereiten. Man singt (eine Gruppe singt vor, die andere nach, begleitet von einer Trommel) und klatscht und isst. Irgendwann kommen die ältesten Frauen in ihren traditionellen beduinischen Kleidern und weissen Kopftüchern. Sie setzen sich im Kreis um die grossen Schüsseln mit dem Henna-Pulver. Das wird dann mit Schwarztee vermengt und die Frauen fangen wie wild an zu kneten. Am Schluss sind ihre Hände ganz orange und die Masse in den Schüsseln sieht aus wie Schlamm. Nun wird das Henna in kleine Becherchen abgefüllt und zusammen mit ein paar Süssigkeiten in ein Säckchen verpackt. Damit gehen die weiblichen Gäste und der Bräutigam dann abends zur Braut nach Hause - mit wenig Henna werden ihre Hände bemalt, der Rest wird weggeschmissen - es geht nur um die Symbolik (Ich habe auch ein Tässchen bekommen, obwohl ich abends gar nicht dabei war. Eine Teamkollegin übte sich dann gleich und vollführte ein Kunstwerk auf meiner angegrauten Hand.). Am Freitag ist dann die richtige Hochzeit, bei der auch die Braut dabei sein darf.
Ich muss zugeben, dass ich bereits nach einem Abend und dem Henna-Morgen völlig erschöpft war. Während der Woche muss ja auch noch gearbeitet werden. Keine Ahnung, wie die Frauen das durchstehen. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis und hat viel Spass gemacht - die Hochzeitsgäste haben mit mir über meine Tanz-Versuche gelacht und nach einer Weile fühlte ich mich nicht mehr komplett am falschen Ort.
Noch ein Random Fact zu den Hochzeiten: Viele, sehr viele Frauen heiraten hier ihre Cousins. Cousins ersten Grades. Warum genau ist mir nicht klar. Was das längerfristig für die Gesundheit der Kinder und Enkel bedeutet, bleibt eurem Vorstellungsvermögen überlassen.
Letzte Woche wurde ich wieder einmal auf einen Ausflug mitgenommen. Mit einem Beduinen hier aus dem Dorf ging es nach Ein Gedi ans Tote Meer - nur schon die Autofahrt durch die kahlen Hügel ist es wert! Wir wanderten ein wunderbares Tal hinauf, bis zu einem Wasserfall. Es war faszinierend, am Wasser entlang zu laufen, all das Leben rundherum, die Bäume, das Grün. Nur wenige Meter daneben fing die Wüste an - kahle Steine und Felsen. Ein Teil des Wanderweges führte im Wasser entlang, man musste klettern, konnte baden und sich am Schluss vom Wasserfall "massieren" lassen. Wirklich ein wunderbares Erlebnis bei gut 30°C. Nach einem Picknick entschieden wir uns gegen das geplante Baden im Toten Meer - zu erschöpft waren wir von der Wanderung. Es war spannend, ein wenig aus dem Leben eines Jugendlichen zu hören. Er lebte einige Zeit in den USA und ist somit offener und weltlicher als andere Menschen hier. Gleichzeitig ist er tief hier verwurzelt und in einigen Angelegenheiten stark konservativ und traditionell. Ob er selbst sich dessen bewusst ist - keine Ahnung. Einfach ist es vermutlich nicht.
Everyday in Israel
Ebenfalls frustrierend kann das Ausbleiben von warmem Wasser sein, besonders nach einem langen, anstrengenden und grauen Tag. Noch ungünstiger ist das komplette Ausbleiben von jeglichem Wasser. Vor allem, wenn man zu viert ist. Aber auch dieser Herausforderung wurde gemeistert, inzwischen fliesst das kühle und auch das warme Nass wieder. Und ich kann ganz klar sagen: Warme Duschen sind ein Luxus, den ich nicht für längere Zeit aufgeben möchte. Nennt mich empfindlich oder verwöhnt, aber jeder hat da wohl so seine schwachen Punkte.
Vor einigen Wochen hiess es plötzlich, wir hätten am nächsten Tag frei. Warum, konnte mir niemand so genau erklären - ein Feiertag oder etwas ähnliches sei es. Im Nachhinein fand ich dann heraus, dass wir eigentlich gestreikt hatten. Es war nämlich der 30. März, Land Day, der seit 1976 "gefeiert" wird. An diesem Tag wurden bei einer Demonstration gegen eine Landenteignung zu Gunsten einer jüdischen Siedlungen sechs Palästinenser erschossen. Als Antwort darauf folgte ein allgemeiner Streik in palästinensischen Ortschaften in Israel. Mehr Infos auf Englisch zum Beispiel hier: http://972mag.com/why-land-day-still-matters/89099/.
Ostern verpasste ich hier völlig - an Ostersonntag und Ostermontag wurde normal gearbeitet. Ich versuchte, einer Teamkollegin den Hintergrund dieses Festes zu erklären - gar nicht so einfach, wenn jemand so gar keinen christlichen Hintergrund hat! Dafür wird immer mehr über Ramadan geredet, den Fastenmonat, der Anfang Juni beginnt.
Auch feststellen durfte ich, dass ich unweigerlich altere. Ein 17-Jähriger fragte mich, ob er mich duzen dürfe und von einer fast 16-Jährigen wurde ich beim Mail schreiben belächelt: "Du benutzt noch eMails? Du bist so Old School!", hiess es da. Tja, so ist das wohl.
Ausblick
Die zweite Halbzeit ist nun angebrochen und ich habe das Gefühl, gleichzeitig schon ewig hier und doch eben erst aus dem Flieger gestiegen zu sein. Gärten, Spielplätze, Computerarbeiten stehen weiterhin auf dem Programm, wie auch Arabisch. Nächste Woche geht es aber erst einmal wieder auf Erkundungstour: Mit gleich zwei Besuchern und per Mietauto geht es quer und längs durch Israel und Palästina. Mal sehen, ob wir den Menschenmassen, die zu Pessach immer unterwegs sind, in der Natur entfliehen können. Auch werde ich ein zweites Mal versuchen, mein Visum zu verlängern. Letzte Woche meinten sie, ich wäre zu früh dran, da es ja noch bis Mai gültig wäre. Ich solle im Mai wiederkommen. Unter Umständen müsste ich das Land dann halt zügig verlassen, aber im Moment könnten sie mir halt noch keine Verlängerung gewähren. Die liebe Bürokratie hat mich also wieder, aber das gehört mittlerweile ja dazu.
Eigentlich bin ich ja wegen meiner Masterarbeit hier. Sie nimmt sehr langsam aber sicher Formen an - ein genaueres Update dazu folgt im nächsten Mail, wenn der Rahmen und die Details ein wenig klarer sind. Es wird spannend, ihr dürft euch auf etwas freuen!
Längerfristig spiele ich mit dem Gedanken, mich nach einem bewegten Sommer ab September für ein paar Monate in Leipzig niederzulassen, um intensiv an meiner Masterarbeit zu schreiben. Wer da also jemanden kennt, der da ein Zimmer frei hat oder sowas in der Richtung… der darf mich das gerne wissen lassen. Auch sonst freue ich mich natürlich immer von euch zu hören! Viiiiiel Post ist in letzter Zeit angekommen, das Empfangen klappt weiterhin einwandfrei, im Büro freuen sich alle mit, meine Wand sieht immer besser und bunter aus - Nachrichten sind also weiterhin herzlich willkommen.
Random Fact: Die Zeitumstellung fand in Israel schon von Donnerstag auf Freitag statt. Somit hatten wir während zwei Tagen zwei Stunden Zeitverschiebung, anstatt wie sonst nur eine Stunde.
Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام
------------------------------------------------------------------
Hej! - ! سلام
Again weeks passed by. Meanwhile, the muezzin belongs to my natural surrounding and when suddenly no hens are cackling, no roosters are crowing and no dogs are barking I get a little confused. There were some lovely thunderstorms with thunderbolt and rain – so far everything is still green, but when you have a closer look you can already imagine that it won’t stay much longer like this.
At the bottom you can find several pictures again – still taken with a bad smartphone camera.
Work
The most important happening was, of course, the re-opening. As often most of the tasks were accomplished in the last second, but it was worth the stress. We welcomed many guests – the Finish ambassador, representatives from the EU, the German and the American embassy, supporters from near and far. Some Bedouin women were hosted with their “Small Businesses” and sold their products: perfume, jewellery, pottery with Bedouin patterns, crotchet work, spices… It was impressive to see what was created with Sidrehs help: Sidreh organizes courses where women learn everything about starting a small business: marketing, accounting, business planning and so on. After all the guests where on their way home, the staff and all the volunteers had a great meal together – with water ice for desert. A truly wonderful picture how all these strong women in their stunning Bedouin robes surrounded by numerous children were licking on their iced-lolly.
The most important happening was, of course, the re-opening. As often most of the tasks were accomplished in the last second, but it was worth the stress. We welcomed many guests – the Finish ambassador, representatives from the EU, the German and the American embassy, supporters from near and far. Some Bedouin women were hosted with their “Small Businesses” and sold their products: perfume, jewellery, pottery with Bedouin patterns, crotchet work, spices… It was impressive to see what was created with Sidrehs help: Sidreh organizes courses where women learn everything about starting a small business: marketing, accounting, business planning and so on. After all the guests where on their way home, the staff and all the volunteers had a great meal together – with water ice for desert. A truly wonderful picture how all these strong women in their stunning Bedouin robes surrounded by numerous children were licking on their iced-lolly.
Right after the opening daily business had to continue. So I became a rug seller and helped building a new kind of greenhouse. It consists of a water basin on which the plants are “swimming”. This technique is supposed to be water conserving and it enables people to have a garden without using any soil. I just ate the first earnings for dinner and I have to say – very tasty! In addition to that, we’re now having fish at the office. They are part of an aquaponic-system. The water, enriched with ammoniac, goes through a pump in a box with volcano stones in which plants are growing. These small stones have many holes and therefore a huge surface on which microorganisms can grow. They change the ammoniac into nitrite and nitrate, which makes the plants grow. When the water reaches a certain level a suction effect transfers it all back into the fish basin. Something like this. The biologists and physicists will be furious with this description, but this isn’t a specialist book…
Also we had two school visits. The first one was to evaluate the instruction from a literacy course where women learn to read and write in Arabic and Hebrew. The women – all young, married and mothers – all wanted to learn more. Once a week isn’t enough, they said, they always forget everything in between. But it’s not that easy: Even if the teacher had time and the room was free – would the men allow it? And who takes care of the children during the classes?
Afterwards the class (the subject was body parts and I devotedly studied with them) the women and girls (they had classes in another room) gathered around me. The girls showed me their certificates, we communicated with hands and feet and once more I was tired of not knowing the language. At the end I spoke (thanks to the translation of my colleague) to a women who lives in the house where the courses take place. She has to take care of all the children. Actually she would rather be part of the class and learn too – but everybody trusts her and somebody has to watch them. But she’s hoping to be part of a second group – if and when this is going to happen, nobody knows. She has five daughters and three sons in the age between 4 and 14, her husband married a second wife, what really disturbs her. She speaks very openly and her eyes are somewhat extraordinary.
Afterwards the class (the subject was body parts and I devotedly studied with them) the women and girls (they had classes in another room) gathered around me. The girls showed me their certificates, we communicated with hands and feet and once more I was tired of not knowing the language. At the end I spoke (thanks to the translation of my colleague) to a women who lives in the house where the courses take place. She has to take care of all the children. Actually she would rather be part of the class and learn too – but everybody trusts her and somebody has to watch them. But she’s hoping to be part of a second group – if and when this is going to happen, nobody knows. She has five daughters and three sons in the age between 4 and 14, her husband married a second wife, what really disturbs her. She speaks very openly and her eyes are somewhat extraordinary.
Also a very outstanding group of women I met in an unrecognized and distant village. We were there to celebrate the successful ending of a course (small businesses), to hand over the certificates, to evaluate the course and to think about the future. We met in the only community space available in this village, the mosque: from the outside a hut, inside covered with green carpet. As always we drank cardamom-coffee, sugar-tea, other sweet drinks and some even sweeter pastries. One woman had brought bread with Zatar (thyme with sesame seeds and olive oil… I think) – delicious! All the women stated how much they had learned and that they would like to learn even more. And: That their self-confidence was discovered and strengthened in this course. Before they thought they were too stupid, they couldn’t do it, they were useless. But now they realized, that they are indeed able to get things done. It is, as if from a seed finally a tiny little seedling, a plant has been starting to grow that now bursts through the soil and grows, despite of wind, weather and heat. We had a lot of fun together and the women were obsessed with the idea of me coming back to teach them English. They don’t take no for an answer and so I told them to have a look and see if something could be organized. At the opening they grabbed me again and we agreed on a first meeting. Unfortunately it had to be postponed due to the heavy rain last week, which made it impossible to reach the village (as a reminder: unrecognized = no infrastructure = no streets = not accessible in the rain). So now I am excited and waiting for next week. I’m curious how this “language class” will come off – my Arabic is still very limited and so is their English… But the motivation and the will are catching and I’m looking forward to this adventure.
It’s impressive to see these women’s strengths, energy and will power. At first sight they might seem a little shy or with their veiling even submissive, but when you listen to them and give them some space, wonderful characters unfold.
It’s impressive to see these women’s strengths, energy and will power. At first sight they might seem a little shy or with their veiling even submissive, but when you listen to them and give them some space, wonderful characters unfold.
After the opening we had a workshop with the whole team. During four intensive days we discussed “gender-sensitive value-chains”. So much fun! Without any irony! I learned a lot – on the one hand about the subject itself, which we directly implemented in real life; on the other hand about leading and coaching a workshop. I was able to observe many challenges we spoke about in my studies and also the trainers’ reactions. And once again I was reassured that compact units about one subject are much more useful than the current model “once a week two hours”. And once again Arabic language skills would have been an advantage – the awareness of the benefit of language skills in general is part of my daily life here.
But the last month was, at least what concerns work, also affected by frustration. A lot of frustration. It’s not always easy to work in a culturally very different environment. Things need time and money, you have to compromise and sometimes you have to do things that you don’t consider that meaningful. But I became aware of the importance of the famous work-life-balance. And the constant changes of plans teach me, not to be too fixated on something. Flexibility is definitely a useful virtue here. I myself will have to practise that a little more, I guess.
During the preparations for the opening I – once again – painted a lot. Toilet-humans (Both toilets are now accessible for women, one of them also for men. More than fair, I think.), a table, a raw concrete wall (AWFUL!) and and and went under the brush. Also we pasted: A coffee table for the apartment is under construction, now pasted with many colourful flowers. What a fun activity! Unfortunately one of the colours was anything than water-soluble, which ended in me having completely grey and sticky hands. Exasperating! With some toxic fluid I was able to remove most of it – and shortly after it was covered with henna anyway. With what we’re reaching the next chapter.
During the preparations for the opening I – once again – painted a lot. Toilet-humans (Both toilets are now accessible for women, one of them also for men. More than fair, I think.), a table, a raw concrete wall (AWFUL!) and and and went under the brush. Also we pasted: A coffee table for the apartment is under construction, now pasted with many colourful flowers. What a fun activity! Unfortunately one of the colours was anything than water-soluble, which ended in me having completely grey and sticky hands. Exasperating! With some toxic fluid I was able to remove most of it – and shortly after it was covered with henna anyway. With what we’re reaching the next chapter.
Weekend – Seen on the road – Small town life
From our office manager and good soul I was tagged along to a wedding. Apparently this is a little different in each family, this family does it in the following way: From Sunday or Monday on all women celebrate together, the men somewhere near in a tent, every evening from around 7p.m. until 22p.m. There is food and music, you sit on plastic chairs in a circle (when there is no more space a new circle is opened inside the first one) and chitchat. The bride and her mother aren’t part of these celebrations, they have to stay at home. The dancing happens family-wise. You step from one foot to the other walk slowly in a circle and swing your wrists, arms and hands in an elegant manner. The music is incredibly loud and zapping is part of the program. The women also provide for the men’s food (except on Friday, then the men prepare everything). On Thursday the women come together early in the morning (and the men as usual in the tent) to prepare the henna. They sing (a group starts, the others follow, accompanied by a drum) and clap and eat. Eventually the oldest women come with their traditional Bedouin clothes and white headscarves. They sit down in a circle around the big bowls with henna-powder. The powder gets mixed with black tea and the women start to knead it like crazy. In the end their hands are all orange and the mass in the bowls looks like mud. Now the henna is filled into small cups and packed together with sweets into a small bag. The female guests will take these bags with them when they visit the brides house in the evening, also the groom will be there at that occasion. With a little henna they will paint the brides hands, the rest is thrown away – it’s just about the symbolism. (I was lucky to get a bag myself, even though I didn’t attend the celebrations in the evening. A colleague then painted my hands, a truly artistic act on my gray hand.) On Friday is the real wedding where also the bride is invited to celebrate. I have to admit that I was already exhausted after one evening and the henna-morning. During the week you also have to work – no idea how they all do it. In any case, it was an adventure and a lot of fun – the other guests laughed with me about my dancing-attempts and after a while I didn’t feel completely misplaced.
Another random fact about weddings: Many, many women here marry their cousins. First grade cousins. Why exactly I don’t know. What this means in a long term for the health of these children and grandchildren you can imagine yourself.
Last week I had the chance to go on another excursion. With a Bedouin from my village I went to Ein Gedi at the Dead Sea – already the ride through the rolling, bare hills is worth it! We hiked through a lovely valley until we reached a waterfall. It was fascinating to walk besides the water, surrounded by all this life, the trees, the green. Only a few meters next to this “green stripe” the desert starts – bald stones and cliffs. A part of the hiking path leads through the water, you have to climb, you can bathe and get a little massage from the waterfall at the end. A truly wonderful experience at 30°C. After the pick-nick we decided not to go swimming in the Dead Sea as planned but to get back – we were just too exhausted after the hike. It was very interesting to hear a little from the life of a young adult. He was living in the US for some years and is therefore more open than other people here. At the same time he is deeply rooted in this society and has quite conservative and traditional views in some matters. If he realizes himself – I don’t know. But I’m sure it’s not easy.
Everyday in Israel
Likewise frustrating is the absentness of warm water, especially after a long, exhausting and grey day. It gets even more uncomfortable when the water stops completely – and you’re several people. But also this challenge was coped with and meanwhile the water is running again, cold as well as warm. And I can definitely say: Warm showers are a luxury that I don’t want to give up for a longer period of time. Call me spoiled or sensitive, but I guess everybody has his weaknesses.
Likewise frustrating is the absentness of warm water, especially after a long, exhausting and grey day. It gets even more uncomfortable when the water stops completely – and you’re several people. But also this challenge was coped with and meanwhile the water is running again, cold as well as warm. And I can definitely say: Warm showers are a luxury that I don’t want to give up for a longer period of time. Call me spoiled or sensitive, but I guess everybody has his weaknesses.
Some weeks ago there was suddenly a free day announced. Why I couldn’t figure out completely – a holyday or something like this, the others told me. Afterwards I found out that we were officially striking. It was the 30 March, land day, which is being celebrated since 1976. On this day, six Palestinians were killed at a demonstration against land grabbing for Jewish settlements. In response to that many people followed a general strike in numerous Palestinian settlements in all Israel. More information is for example available here: http://972mag.com/why-land-day-still-matters/89099/.
Easter passed by without any further notice – on Easter and Easter Monday we worked as usually. I tried to explain the background of this feast to a colleague – not that easy when somebody doesn’t have any Christian background at all! Instead people start talking about Ramadan more and more, the Holy Month of Muslims, starting in June. Also I had to realize that I inevitably age. A 17-year-old asked if he could call me by my first name (and say “du”) and from an almost 16-year-old I got smiled at while writing an email: “You’re still using emails? You’re so old school!” Well, that’s how life goes, I guess.
Outlook
The second half of my stay has started now and I have the feeling that I’ve been here forever and at the same moment I’ve just gotten out of the airplane. Gardens, playgrounds and computer work are still on the program, as is Arabic. But next week I’ll be again discovering the country: With two visitors we’ll explore Israel and Palestine. We’ll see if we can hide in the nature from the crowds that are on the roads on Pessach. Also I’ll try a second time to extend my visa. Last week they told me I was too early since it’s still valid until May. So I have to return in May. Maybe I’ll have to leave the country in a rush, but they can’t tell me yes or no now. The beloved bureaucracy is catching up, but that’s part of the game, I guess.
Technically I’m here for my master thesis. Slowly but steady something is developing – a more detailed update will follow next time, when everything is a little more precise and settled. But it’ll be interesting in any case, you can be excited!
In the long-term I’m considering settling down after an eventful summer in Leipzig for a few months, to work intensively on my thesis. Whoever knows somebody there who has a spare room or something like that… let me know! But also apart from that I’m always thrilled to hear from you. A lot of mail has arrived lately, the receiving continuous to work well, at the office everybody shares my happiness, my wall gets more beautiful and colourful – so messages continue to be welcome.
Random Fact: The clock change happened from Thursday to Friday in Israel. Hence, during two days, we had two hours time difference and not just one, as usually.
Random Fact: The clock change happened from Thursday to Friday in Israel. Hence, during two days, we had two hours time difference and not just one, as usually.
All the best and be safe.
Bästa hälsningar – سلام
![]() |
| Was für eine Pflanze ist das? - What plant is it? |
![]() |
| Das Tote Meer - The Dead Sea |
![]() |
| Wandern bei Ein Gedi - Hiking at Ein Gedi |
![]() | ||
| Ein Gedi |
![]() |
| Der Sidreh-Baum - The Sidreh tree |
![]() |
| Spring-Fair beim Britischen Botschafter - Spring-Fair at the British Ambassadors residence |
![]() |
| Die Toiletten-Menschen - The toilet-humans |
![]() |
| Das Aquaponic-System mit Fischen und Babysalat - The aquaponic system with fish and baby salad |
![]() |
| Dorfleben - Small Town Life |
![]() |
| Flower Power at home |
































