Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Mittwoch, 20. April 2016

Viel Arbeit und ein Wasserfall - Israel III - A lot of work and a waterfall

--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---

Hej! - ! سلام

Schon wieder sind einige Wochen vergangen. Mittlerweile gehört der Muezzin zum festen Inventar der Geräusche und wenn auf einmal keine Hühner gackern, Hähne krähen oder Hunde bellen, horche ich auf. Es gab ein paar wundervolle Gewitter mit Blitz, Donner, Regen - noch ist alles grün, doch wenn man genau hinschaut, lässt sich bereits erahnen, dass das nicht mehr lange so bleiben wird.
Mohn oder Anemonen, Mienen oder Minen - so viel Text kommt leider nicht ganz ohne Fehler aus. Da mir momentan kein Lektor zur Verfügung steht, bitte ich euch, mir das zu verzeihen. Und wie ich schon vor einigen Jahren lernen durfte, gilt sowieso immer, bei Gelesenem wie Gehörtem: kritisch, kritisch und noch kritischer hinterfragen ;-)
Am Schluss gibt's wieder einige Bilder - noch immer von der schlechten Handykamera.

Arbeit
Das wichtigste Ereignis war natürlich die Eröffnung. Wie so oft wurden die meisten Aufgaben in letzter Sekunde erledigt, doch der Stress hat sich gelohnt. Wir konnten viele Gäste - die Finnische Botschafterin, Vertreter von der EU, Deutschen und Amerikanischen Botschaft, Unterstützer von nah und fern - begrüssen. Einige Beduinenfrauen waren mit ihren "Small Businesses" zu Gast und verkauften ihre Produkte: Parfüm, Schmuck, Keramik mit Beduinenmustern, Häkelsachen, Gewürze… Es war beeindruckend zu sehen, dass all das mit Sidrehs Hilfe entstanden ist. Denn Sidreh organisiert Kurse, in denen die Frauen alles lernen, was sie vor der Gründung eines Unternehmens wissen müssen: Marketing, Buchhaltung, Business-Planung etc. Nachdem alle Gäste verabschiedet waren, gab es ein leckeres Essen für alle, zum Nachtisch Wasserglacé - ein wunderbares Bild, wie all diese starken Frauen in ihren wunderschönen beduinischen Gewändern und die Kinder drumherum an ihrem Stieleis schleckten.

Neben der Eröffnung ging aber auch das tägliche Geschäft weiter. So wurde ich zur Teppichverkäuferin und durfte mithelfen, eine Art "Gewächshaus" an verschiedenen Orten aufzubauen. Es besteht aus einem Wasserbassin, auf dem die Pflanzen quasi schwimmen. So soll Wasser gespart werden und ein Garten ermöglicht werden, wenn keine Erde vorhanden ist. Den ersten Ertrag gab es gestern zum Abendessen - sehr schmackhaft! Auch Fische haben wir nun im Büro. Sie sind Teil eines Aquaponic-Systems. Das mit Ammoniak angereicherte Wasser geht über eine Pumpe in eine Pflanzenbox mit Vulkankieseln. Diese haben ganz viele Löcher, somit eine grosse Oberfläche, auf der sich irgendwelche Mikroorganismen bilden können. Die verwandeln das Ammoniak dann in Nitrit und Nitrat, das die Pflänzchen gut wachsen lässt. Steigt das Wasser auf ein gewisses Level, wird es per Sogwirkung wieder ins Fischbecken gepumpt. So in etwa. Die Pflanzen- und Physik-Experten rasten bei dieser Beschreibung vermutlich aus, aber das hier ist ja auch kein Fachbuch…

Auch zwei Schulbesuche standen an. Einmal ein Besuch zur Evaluation des Unterrichts, eine Klasse, die Schreiben und Lesen auf Hebräisch und Arabisch lernt. Die Frauen - alle jung, alle verheiratet, alle Mütter - wollen alle mehr lernen. Einmal in der Woche reiche ihnen nicht, da würde man alles bis zum nächsten Mal vergessen, klagten sie. Doch so einfach ist das nicht: Selbst wenn die Lehrerin Zeit hätte und der Raum frei wäre - würden die Männer es erlauben? Und wer passt in der Zwischenzeit auf die Kinder auf?
Nach der Stunde (es ging um Körperteile und ich lernte fleissig mit) scharten sich die Frauen und Mädchen (die hatten im Nebenzimmer Unterricht) um mich. Die Mädchen zeigten mir ihre Zeugnisse, wir verständigten uns mit Händen und Füssen und einmal mehr war ich es leid, die Sprache nicht zu beherrschen. Am Schluss sprach ich (dank Übersetzung meiner Teamkollegin) noch mit der Frau, die in dem Haus wohnt, in dem der Unterricht statt findet. Sie muss jeweils auf die Kinder aufpassen. Eigentlich wäre sie lieber Teil der Klasse und würde auch lernen - doch ihr vertrauen alle und irgendjemand muss es schliesslich tun. Sie hofft aber, bald in einem zweiten Kurs mitmachen zu können. Fünf Töchter und drei Söhne im Alter zwischen 4 und 14 Jahren hat sie daheim, ihr Mann hat sich eine zweite Frau genommen, was ihr sehr zu schaffen macht. Sie erzählte sehr offen, und ihre Augen sind irgendwie besonders.

Ebenfalls eine besondere Frauengruppe habe ich einem unanerkannten Dorf ein ganzes Stück von hier entfernt kennen gelernt. Wir waren dort zu Gast, um den erfolgreichen Abschluss eines Kurses (Small Business) zu feiern, die Diplome zu überreichen, eine Feedback-Runde zu machen und über die Zukunft nachzudenken. Wir trafen uns im einzigen Gemeinschaftsraum des Dorfes, in der Moschee: von aussen eine Blechhütte, innen mit grünem Teppich ausgelegt. Wie immer gab es Kardamom-Kaffee, Zucker-Tee, andere Süssgetränke und ein paar noch süssere Gebäckstücke. Eine Frau hatte Brot mit Zatar (Thymian mit Sesam und Olivenöl… glaube ich) mitgebracht - richtig lecker! Die Frauen berichteten alle, wie viel sie gelernt hätten, dass sie noch mehr lernen möchten, was sie für Pläne haben. Und: Dass ihr Selbstbewusstsein durch den Kurs massiv gestärkt worden sei. Vorher dachten sie, sie seien zu doof, könnten das nicht, wären unnütz. Doch nun haben sie gemerkt, dass sie durchaus etwas können. Es ist, als wäre aus einem Samen endlich ein Sprössling geworden, der nun die Erddecke durchbrochen hat und - trotz Wind, Wetter und Hitze - wächst und gedeiht. Wir hatten viel Spass zusammen und die Frauen meinten, ich solle unbedingt wieder kommen und ihnen Englisch beibringen. Sie kennen kein Nein, und so meinte ich dann, dass ich mal schauen würde, ob sich das irgendwie organisieren liesse. Bei der Eröffnung packten sie mich wieder und wir vereinbarten unser erstes Treffen. Leider musste es verschoben werden - es regnete letzte Woche zu stark, um in das Dorf zu kommen (zur Erinnerung: unanerkannt = keine Infrastruktur = keine Strassen = bei Regen nicht erreichbar). So warte ich nun aufgeregt auf nächste Woche. Ich bin gespannt, wie der Sprachunterricht so klappt - mein Arabisch hält sich wirklich noch sehr in Grenzen, wie auch ihr Englisch… Aber die Motivation und der Wille sind ansteckend und ich freue mich auf dieses Abenteuer.
Es beeindruckt mich, was die Frauen hier für eine Stärke, Energie und Willenskraft an den Tag legen. Auf den ersten Blick mögen einige etwas schüchtern, in ihren Verhüllungen gar unterwürfig wirken. Doch lässt man sie zu Wort kommen, hört ihnen zu und gibt ihnen Raum, entfalten sich da ganz wunderbare Charaktere.

Nach der Eröffnung gab es für das ganze Team einen Workshop: Vier intensive Tage lang wurde das Thema "gender-sensitive value-chains" behandelt. Was für ein Spass! Ganz ohne Ironie! Ich lernte viel - einerseits über das Thema an sich, das wir gleich praktisch anwendeten; andererseits über das Workshop leiten. Viele im Studium angesprochene Herausforderungen und die Reaktionen der Trainerin konnte ich nun live beobachten. Einmal mehr wurde mir bestätigt, dass Praxis und gebündelte Einheiten zu einem Thema sehr viel mehr Sinn machen, als das gängige Modell "jede Woche zwei Stunden". Und wieder wären Arabischkenntnisse von Vorteil gewesen - der Nutzen von Sprachkenntnissen schwebt mir hier täglich vor den Augen.

Der letzte Monat war arbeitstechnisch jedoch vor allem von einem geprägt: Frust. Ganz viel Frust. Es ist nicht immer einfach, in einem kulturell sehr anderem Umfeld zu arbeiten. Dinge brauchen Zeit und Geduld, man muss Kompromisse eingehen und manchmal auch Sachen tun, die man selbst für nicht sehr sinnvoll hält. Dabei ist mir bewusst geworden, wie wichtig die berühmte Work-Life-Balance ist. Und die ständigen Planänderungen hier lehren mich, mich nicht zu sehr auf etwas zu fixieren. Flexibilität ist definitiv eine Tugend, die man hier gut gebrauchen kann. Ich selbst werde sie wohl noch ein wenig mehr üben müssen.
Während der Vorbereitungen für die Eröffnung habe ich wieder einmal viel gemalt. Toiletten-Menschen (Beide Toiletten sind nun für Frauen zugänglich, eine davon auch für Männer. Mehr als fair, finde ich.), ein Tisch, eine unverputzte Beton-Aussenwand (SCHRECKLICH!) und und und kamen unter den Pinsel. Auch wurde gekleistert: Ein Couchtisch für die Wohnung ist im Entstehen, beklebt mit vielen bunten Blumen. Was für ein Spass! Leider war eine der Farben alles andere als wasserlöslich - so hatte ich denn nach dem Pinsel auswaschen (bzw. dem Versuch dazu) vollkommen graue und klebrige Hände. Zum Verzweifeln! Mit irgendeinem giftigen Zeug ging das dann wieder einigermassen ab - wenig später wurde es mit Henna überdeckt. Womit wir zum nächsten Unterkapitel kommen.

Wochenende - Unterwegs gesichtet
Von unserer Office Managerin und guten Seele wurde ich an eine Hochzeit mitgenommen. Anscheinend läuft das überall ein bisschen anders ab, in ihrer Familie feiert man so: Ab Sonntag oder Monat feiern alle Frauen zusammen, die Männer irgendwo in der Nähe in einem Zelt, jeden Abend etwa von 19 bis 22 Uhr. Es gibt Essen und Musik, man sitzt auf Plastikstühlen im Kreis (wenn kein Platz mehr ist, wird ein zweiter Kreis innerhalb des ersten Kreises angefangen) und tauscht den neuesten Klatsch aus. Die Braut und die Brautmutter sind nicht Teil dieser Feierlichkeiten, sie müssen zu Hause bleiben. Getanzt wird immer familienweise. Dabei tritt man von einem Fuss auf den anderen, läuft langsam im Kreis und lässt die Handgelenke, Arme und Hände ein wenig kreisen. Die Musik ist laut und es wird oft durch die Lieder gezappt. Die Frauen versorgen auch die Männer mit Essen (ausser am Freitag, da sind die Männer zuständig). Am Donnerstag treffen sich morgens dann alle Frauen (die Männer wie gewohnt im Zelt), um das Henna vorzubereiten. Man singt (eine Gruppe singt vor, die andere nach, begleitet von einer Trommel) und klatscht und isst. Irgendwann kommen die ältesten Frauen in ihren traditionellen beduinischen Kleidern und weissen Kopftüchern. Sie setzen sich im Kreis um die grossen Schüsseln mit dem Henna-Pulver. Das wird dann mit Schwarztee vermengt und die Frauen fangen wie wild an zu kneten. Am Schluss sind ihre Hände ganz orange und die Masse in den Schüsseln sieht aus wie Schlamm. Nun wird das Henna in kleine Becherchen abgefüllt und zusammen mit ein paar Süssigkeiten in ein Säckchen verpackt. Damit gehen die weiblichen Gäste und der Bräutigam dann abends zur Braut nach Hause - mit wenig Henna werden ihre Hände bemalt, der Rest wird weggeschmissen - es geht nur um die Symbolik (Ich habe auch ein Tässchen bekommen, obwohl ich abends gar nicht dabei war. Eine Teamkollegin übte sich dann gleich und vollführte ein Kunstwerk auf meiner angegrauten Hand.). Am Freitag ist dann die richtige Hochzeit, bei der auch die Braut dabei sein darf.
Ich muss zugeben, dass ich bereits nach einem Abend und dem Henna-Morgen völlig erschöpft war. Während der Woche muss ja auch noch gearbeitet werden. Keine Ahnung, wie die Frauen das durchstehen. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis und hat viel Spass gemacht - die Hochzeitsgäste haben mit mir über meine Tanz-Versuche gelacht und nach einer Weile fühlte ich mich nicht mehr komplett am falschen Ort.
Noch ein Random Fact zu den Hochzeiten: Viele, sehr viele Frauen heiraten hier ihre Cousins. Cousins ersten Grades. Warum genau ist mir nicht klar. Was das längerfristig für die Gesundheit der Kinder und Enkel bedeutet, bleibt eurem Vorstellungsvermögen überlassen.

Letzte Woche wurde ich wieder einmal auf einen Ausflug mitgenommen. Mit einem Beduinen hier aus dem Dorf ging es nach Ein Gedi ans Tote Meer - nur schon die Autofahrt durch die kahlen Hügel ist es wert! Wir wanderten ein wunderbares Tal hinauf, bis zu einem Wasserfall. Es war faszinierend, am Wasser entlang zu laufen, all das Leben rundherum, die Bäume, das Grün. Nur wenige Meter daneben fing die Wüste an - kahle Steine und Felsen. Ein Teil des Wanderweges führte im Wasser entlang, man musste klettern, konnte baden und sich am Schluss vom Wasserfall "massieren" lassen. Wirklich ein wunderbares Erlebnis bei gut 30°C. Nach einem Picknick entschieden wir uns gegen das geplante Baden im Toten Meer - zu erschöpft waren wir von der Wanderung. Es war spannend, ein wenig aus dem Leben eines Jugendlichen zu hören. Er lebte einige Zeit in den USA und ist somit offener und weltlicher als andere Menschen hier. Gleichzeitig ist er tief hier verwurzelt und in einigen Angelegenheiten stark konservativ und traditionell. Ob er selbst sich dessen bewusst ist - keine Ahnung. Einfach ist es vermutlich nicht.

Everyday in Israel
Ebenfalls frustrierend kann das Ausbleiben von warmem Wasser sein, besonders nach einem langen, anstrengenden und grauen Tag. Noch ungünstiger ist das komplette Ausbleiben von jeglichem Wasser. Vor allem, wenn man zu viert ist. Aber auch dieser Herausforderung wurde gemeistert, inzwischen fliesst das kühle und auch das warme Nass wieder. Und ich kann ganz klar sagen: Warme Duschen sind ein Luxus, den ich nicht für längere Zeit aufgeben möchte. Nennt mich empfindlich oder verwöhnt, aber jeder hat da wohl so seine schwachen Punkte.

Vor einigen Wochen hiess es plötzlich, wir hätten am nächsten Tag frei. Warum, konnte mir niemand so genau erklären - ein Feiertag oder etwas ähnliches sei es. Im Nachhinein fand ich dann heraus, dass wir eigentlich gestreikt hatten. Es war nämlich der 30. März, Land Day, der seit 1976 "gefeiert" wird. An diesem Tag wurden bei einer Demonstration gegen eine Landenteignung zu Gunsten einer jüdischen Siedlungen sechs Palästinenser erschossen. Als Antwort darauf folgte ein allgemeiner Streik in palästinensischen Ortschaften in Israel. Mehr Infos auf Englisch zum Beispiel hier:  http://972mag.com/why-land-day-still-matters/89099/.

Ostern verpasste ich hier völlig - an Ostersonntag und Ostermontag wurde normal gearbeitet. Ich versuchte, einer Teamkollegin den Hintergrund dieses Festes zu erklären - gar nicht so einfach, wenn jemand so gar keinen christlichen Hintergrund hat! Dafür wird immer mehr über Ramadan geredet, den Fastenmonat, der Anfang Juni beginnt.
Auch feststellen durfte ich, dass ich unweigerlich altere. Ein 17-Jähriger fragte mich, ob er mich duzen dürfe und von einer fast 16-Jährigen wurde ich beim Mail schreiben belächelt: "Du benutzt noch eMails? Du bist so Old School!", hiess es da. Tja, so ist das wohl.

Ausblick
Die zweite Halbzeit ist nun angebrochen und ich habe das Gefühl, gleichzeitig schon ewig hier und doch eben erst aus dem Flieger gestiegen zu sein. Gärten, Spielplätze, Computerarbeiten stehen weiterhin auf dem Programm, wie auch Arabisch. Nächste Woche geht es aber erst einmal wieder auf Erkundungstour: Mit gleich zwei Besuchern und per Mietauto geht es quer und längs durch Israel und Palästina. Mal sehen, ob wir den Menschenmassen, die zu Pessach immer unterwegs sind, in der Natur entfliehen können. Auch werde ich ein zweites Mal versuchen, mein Visum zu verlängern. Letzte Woche meinten sie, ich wäre zu früh dran, da es ja noch bis Mai gültig wäre. Ich solle im Mai wiederkommen. Unter Umständen müsste ich das Land dann halt zügig verlassen, aber im Moment könnten sie mir halt noch keine Verlängerung gewähren. Die liebe Bürokratie hat mich also wieder, aber das gehört mittlerweile ja dazu.

Eigentlich bin ich ja wegen meiner Masterarbeit hier. Sie nimmt sehr langsam aber sicher Formen an - ein genaueres Update dazu folgt im nächsten Mail, wenn der Rahmen und die Details ein wenig klarer sind. Es wird spannend, ihr dürft euch auf etwas freuen!

Längerfristig spiele ich mit dem Gedanken, mich nach einem bewegten Sommer ab September für ein paar Monate in Leipzig niederzulassen, um intensiv an meiner Masterarbeit zu schreiben. Wer da also jemanden kennt, der da ein Zimmer frei hat oder sowas in der Richtung… der darf mich das gerne wissen lassen. Auch sonst freue ich mich natürlich immer von euch zu hören! Viiiiiel Post ist in letzter Zeit angekommen, das Empfangen klappt weiterhin einwandfrei, im Büro freuen sich alle mit, meine Wand sieht immer besser und bunter aus - Nachrichten sind also weiterhin herzlich willkommen.

Random Fact: Die Zeitumstellung fand in Israel schon von Donnerstag auf Freitag statt. Somit hatten wir während zwei Tagen zwei Stunden Zeitverschiebung, anstatt wie sonst nur eine Stunde.

Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام

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Hej! - ! سلام

Again weeks passed by. Meanwhile, the muezzin belongs to my natural surrounding and when suddenly no hens are cackling, no roosters are crowing and no dogs are barking I get a little confused. There were some lovely thunderstorms with thunderbolt and rain – so far everything is still green, but when you have a closer look you can already imagine that it won’t stay much longer like this.
At the bottom you can find several pictures again – still taken with a bad smartphone camera.

Work
The most important happening was, of course, the re-opening. As often most of the tasks were accomplished in the last second, but it was worth the stress. We welcomed many guests – the Finish ambassador, representatives from the EU, the German and the American embassy, supporters from near and far. Some Bedouin women were hosted with their “Small Businesses” and sold their products: perfume, jewellery, pottery with Bedouin patterns, crotchet work, spices… It was impressive to see what was created with Sidrehs help: Sidreh organizes courses where women learn everything about starting a small business: marketing, accounting, business planning and so on. After all the guests where on their way home, the staff and all the volunteers had a great meal together – with water ice for desert. A truly wonderful picture how all these strong women in their stunning Bedouin robes surrounded by numerous children were licking on their iced-lolly.
 
Right after the opening daily business had to continue. So I became a rug seller and helped building a new kind of greenhouse. It consists of a water basin on which the plants are “swimming”. This technique is supposed to be water conserving and it enables people to have a garden without using any soil. I just ate the first earnings for dinner and I have to say – very tasty! In addition to that, we’re now having fish at the office. They are part of an aquaponic-system. The water, enriched with ammoniac, goes through a pump in a box with volcano stones in which plants are growing. These small stones have many holes and therefore a huge surface on which microorganisms can grow. They change the ammoniac into nitrite and nitrate, which makes the plants grow. When the water reaches a certain level a suction effect transfers it all back into the fish basin. Something like this. The biologists and physicists will be furious with this description, but this isn’t a specialist book…
 
Also we had two school visits. The first one was to evaluate the instruction from a literacy course where women learn to read and write in Arabic and Hebrew. The women – all young, married and mothers – all wanted to learn more. Once a week isn’t enough, they said, they always forget everything in between. But it’s not that easy: Even if the teacher had time and the room was free – would the men allow it? And who takes care of the children during the classes?
Afterwards the class (the subject was body parts and I devotedly studied with them) the women and girls (they had classes in another room) gathered around me. The girls showed me their certificates, we communicated with hands and feet and once more I was tired of not knowing the language. At the end I spoke (thanks to the translation of my colleague) to a women who lives in the house where the courses take place. She has to take care of all the children. Actually she would rather be part of the class and learn too – but everybody trusts her and somebody has to watch them. But she’s hoping to be part of a second group – if and when this is going to happen, nobody knows. She has five daughters and three sons in the age between 4 and 14, her husband married a second wife, what really disturbs her. She speaks very openly and her eyes are somewhat extraordinary.
 
Also a very outstanding group of women I met in an unrecognized and distant village. We were there to celebrate the successful ending of a course (small businesses), to hand over the certificates, to evaluate the course and to think about the future. We met in the only community space available in this village, the mosque: from the outside a hut, inside covered with green carpet. As always we drank cardamom-coffee, sugar-tea, other sweet drinks and some even sweeter pastries. One woman had brought bread with Zatar (thyme with sesame seeds and olive oil… I think) – delicious! All the women stated how much they had learned and that they would like to learn even more. And: That their self-confidence was discovered and strengthened in this course. Before they thought they were too stupid, they couldn’t do it, they were useless. But now they realized, that they are indeed able to get things done. It is, as if from a seed finally a tiny little seedling, a plant has been starting to grow that now bursts through the soil and grows, despite of wind, weather and heat. We had a lot of fun together and the women were obsessed with the idea of me coming back to teach them English. They don’t take no for an answer and so I told them to have a look and see if something could be organized. At the opening they grabbed me again and we agreed on a first meeting. Unfortunately it had to be postponed due to the heavy rain last week, which made it impossible to reach the village (as a reminder: unrecognized = no infrastructure = no streets = not accessible in the rain). So now I am excited and waiting for next week. I’m curious how this “language class” will come off – my Arabic is still very limited and so is their English… But the motivation and the will are catching and I’m looking forward to this adventure.
It’s impressive to see these women’s strengths, energy and will power. At first sight they might seem a little shy or with their veiling even submissive, but when you listen to them and give them some space, wonderful characters unfold.
 
After the opening we had a workshop with the whole team. During four intensive days we discussed “gender-sensitive value-chains”. So much fun! Without any irony! I learned a lot – on the one hand about the subject itself, which we directly implemented in real life; on the other hand about leading and coaching a workshop. I was able to observe many challenges we spoke about in my studies and also the trainers’ reactions. And once again I was reassured that compact units about one subject are much more useful than the current model “once a week two hours”. And once again Arabic language skills would have been an advantage – the awareness of the benefit of language skills in general is part of my daily life here.
 
But the last month was, at least what concerns work, also affected by frustration. A lot of frustration. It’s not always easy to work in a culturally very different environment. Things need time and money, you have to compromise and sometimes you have to do things that you don’t consider that meaningful. But I became aware of the importance of the famous work-life-balance. And the constant changes of plans teach me, not to be too fixated on something. Flexibility is definitely a useful virtue here. I myself will have to practise that a little more, I guess.
During the preparations for the opening I – once again – painted a lot. Toilet-humans (Both toilets are now accessible for women, one of them also for men. More than fair, I think.), a table, a raw concrete wall (AWFUL!) and and and went under the brush. Also we pasted: A coffee table for the apartment is under construction, now pasted with many colourful flowers. What a fun activity! Unfortunately one of the colours was anything than water-soluble, which ended in me having completely grey and sticky hands. Exasperating! With some toxic fluid I was able to remove most of it – and shortly after it was covered with henna anyway. With what we’re reaching the next chapter.

Weekend – Seen on the road – Small town life
From our office manager and good soul I was tagged along to a wedding. Apparently this is a little different in each family, this family does it in the following way: From Sunday or Monday on all women celebrate together, the men somewhere near in a tent, every evening from around 7p.m. until 22p.m. There is food and music, you sit on plastic chairs in a circle (when there is no more space a new circle is opened inside the first one) and chitchat. The bride and her mother aren’t part of these celebrations, they have to stay at home. The dancing happens family-wise. You step from one foot to the other walk slowly in a circle and swing your wrists, arms and hands in an elegant manner. The music is incredibly loud and zapping is part of the program. The women also provide for the men’s food (except on Friday, then the men prepare everything). On Thursday the women come together early in the morning (and the men as usual in the tent) to prepare the henna. They sing (a group starts, the others follow, accompanied by a drum) and clap and eat. Eventually the oldest women come with their traditional Bedouin clothes and white headscarves. They sit down in a circle around the big bowls with henna-powder. The powder gets mixed with black tea and the women start to knead it like crazy. In the end their hands are all orange and the mass in the bowls looks like mud. Now the henna is filled into small cups and packed together with sweets into a small bag. The female guests will take these bags with them when they visit the brides house in the evening, also the groom will be there at that occasion. With a little henna they will paint the brides hands, the rest is thrown away – it’s just about the symbolism. (I was lucky to get a bag myself, even though I didn’t attend the celebrations in the evening. A colleague then painted my hands, a truly artistic act on my gray hand.) On Friday is the real wedding where also the bride is invited to celebrate. I have to admit that I was already exhausted after one evening and the henna-morning. During the week you also have to work – no idea how they all do it. In any case, it was an adventure and a lot of fun – the other guests laughed with me about my dancing-attempts and after a while I didn’t feel completely misplaced.
Another random fact about weddings: Many, many women here marry their cousins. First grade cousins. Why exactly I don’t know. What this means in a long term for the health of these children and grandchildren you can imagine yourself.

Last week I had the chance to go on another excursion. With a Bedouin from my village I went to Ein Gedi at the Dead Sea – already the ride through the rolling, bare hills is worth it! We hiked through a lovely valley until we reached a waterfall. It was fascinating to walk besides the water, surrounded by all this life, the trees, the green. Only a few meters next to this “green stripe” the desert starts – bald stones and cliffs. A part of the hiking path leads through the water, you have to climb, you can bathe and get a little massage from the waterfall at the end. A truly wonderful experience at 30°C. After the pick-nick we decided not to go swimming in the Dead Sea as planned but to get back – we were just too exhausted after the hike. It was very interesting to hear a little from the life of a young adult. He was living in the US for some years and is therefore more open than other people here. At the same time he is deeply rooted in this society and has quite conservative and traditional views in some matters. If he realizes himself – I don’t know. But I’m sure it’s not easy.
 
Everyday in Israel
Likewise frustrating is the absentness of warm water, especially after a long, exhausting and grey day. It gets even more uncomfortable when the water stops completely – and you’re several people. But also this challenge was coped with and meanwhile the water is running again, cold as well as warm. And I can definitely say: Warm showers are a luxury that I don’t want to give up for a longer period of time. Call me spoiled or sensitive, but I guess everybody has his weaknesses. 

Some weeks ago there was suddenly a free day announced. Why I couldn’t figure out completely – a holyday or something like this, the others told me. Afterwards I found out that we were officially striking. It was the 30 March, land day, which is being celebrated since 1976. On this day, six Palestinians were killed at a demonstration against land grabbing for Jewish settlements. In response to that many people followed a general strike in numerous Palestinian settlements in all Israel. More information is for example available here: http://972mag.com/why-land-day-still-matters/89099/.

Easter passed by without any further notice – on Easter and Easter Monday we worked as usually. I tried to explain the background of this feast to a colleague – not that easy when somebody doesn’t have any Christian background at all! Instead people start talking about Ramadan more and more, the Holy Month of Muslims, starting in June. Also I had to realize that I inevitably age. A 17-year-old asked if he could call me by my first name (and say “du”) and from an almost 16-year-old I got smiled at while writing an email: “You’re still using emails? You’re so old school!” Well, that’s how life goes, I guess.
 
Outlook
The second half of my stay has started now and I have the feeling that I’ve been here forever and at the same moment I’ve just gotten out of the airplane. Gardens, playgrounds and computer work are still on the program, as is Arabic. But next week I’ll be again discovering the country: With two visitors we’ll explore Israel and Palestine. We’ll see if we can hide in the nature from the crowds that are on the roads on Pessach. Also I’ll try a second time to extend my visa. Last week they told me I was too early since it’s still valid until May. So I have to return in May. Maybe I’ll have to leave the country in a rush, but they can’t tell me yes or no now. The beloved bureaucracy is catching up, but that’s part of the game, I guess.
 
Technically I’m here for my master thesis. Slowly but steady something is developing – a more detailed update will follow next time, when everything is a little more precise and settled. But it’ll be interesting in any case, you can be excited!

In the long-term I’m considering settling down after an eventful summer in Leipzig for a few months, to work intensively on my thesis. Whoever knows somebody there who has a spare room or something like that… let me know! But also apart from that I’m always thrilled to hear from you. A lot of mail has arrived lately, the receiving continuous to work well, at the office everybody shares my happiness, my wall gets more beautiful and colourful – so messages continue to be welcome.

Random Fact: The clock change happened from Thursday to Friday in Israel. Hence, during two days, we had two hours time difference and not just one, as usually. 


All the best and be safe.
Bästa hälsningar – سلام


Was für eine Pflanze ist das? - What plant is it?
Das Tote Meer - The Dead Sea
Wandern bei Ein Gedi - Hiking at Ein Gedi
Ein Gedi  
Der Sidreh-Baum - The Sidreh tree
Spring-Fair beim Britischen Botschafter - Spring-Fair at the British Ambassadors residence
Die Toiletten-Menschen - The toilet-humans
Das Aquaponic-System mit Fischen und Babysalat - The aquaponic system with fish and baby salad
Dorfleben - Small Town Life
Flower Power at home

Dienstag, 22. März 2016

Jeder Tag ein Abenteuer - Israel II - Every day an adventure

--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---

Hej! - ! سلام

Es wird lang lang lang, aber es sind auch gaaaanz viele Fotos dabei ;-) Wieder mit der schlechten Handykamera aufgenommen, ergänzt durch Bilder meiner wundervollen Reisebegleitung.

Eigentlich wollte ich euch ja schon vor einer Weile schreiben. Aber das ist das Leben hier: Du machst einen Plan - und du wirst ihn garantiert nicht so durchführen. Nun sitze ich also ein wenig verraucht (Nuura, die Hausbesitzerin, macht gerade frisches, beduinisches Brot. Das sind so riesige flache Fladen-Crêpes, vermutlich nur aus Wasser und Mehl, die wie Pizzateig ausgerollt und dann "zwischen den Händen herumgeworfen" werden. Dann kommen sie auf eine Art Grill: Unten ist Feuer, oben drüber eine Metallwölbung. Darauf wird der Teig gelegt und alle paar Sekunden gedreht. Nach einer guten halben Minute (gefühlt) ist der Fladen-Crêpe fertig. Echt lecker!! Jedenfalls war der Abzug verstopft, wie mir Nuura auf Arabisch (sie quasselt einfach immer und ich nicke und lächle) erklärte - deshalb rauchte es ganz schrecklich. Aber ich habe zwei warme, riesige, runde Fladen abgestaubt, ein voller Erfolg :-)) - also, ich sitze verraucht, aber zufrieden (auf dem Heimweg sah ich einen Vater, der mit seinen zwei Knirpsen - sie in rosa, er in blau - Fussball spielte. Ein sehr schönes Bild, das es wohl fast überall auf der Welt gibt.) und mit einer Kanne Tee auf meinem Sofa (!) und höre Musik aus Musikboxen (!!). Das sind die zwei Neuerungen in meinem sonst eher kargen Heim, beides habe ich der kompletten Neueinrichtung unserer Büros zu verdanken. Ich geniesse diese beiden Luxusgüter sehr und sie versüssen mir den Feierabend.

Versüssen. Ein gutes Stichwort dieses sehr unstrukturierten Berichts. In Israel besteht prinzipiell einfach alles zur Hälfte aus Zucker. Alles. (Ausser vielleicht Nuuras Brot…) Schrecklich. Aber vielleicht lassen sich so die vielen Essensabfälle erklären. Vermutlich herrscht hier auch einfach eine Kultur, in der man den Teller nicht leer isst. Aber die Mengen, die zurück bleiben und weggeschmissen werden, sind doch einfach schockierend. Richtig gutes, leckeres Essen, das man leicht einpacken und später noch essen könnte. Wie auch bei "Mülltrennung" (ich muss es einfach noch einmal erwähnen: So. Viel. Müll.) bekommt nun also "Food Waste" eine ganz neue Bedeutung.

Auch das Wort "Familie" gehört in diese Kategorie. Hier gibt es Menschen, die 14 Geschwister mit einem Altersunterschied von 30 Jahren haben. Kind - schwanger - Wechseljahre, so in etwa sah das Leben dieser Mutter aus. Was das für ihren Körper, ihre Psyche und ihr eigenes Leben bedeutet, kann nur erahnt werden. Ihr merkt es schon: Ich lerne hier viel. Über die Weberei, über Heiraten und Hochzeiten ("Freunde" gibt es nicht, nur Verlobte. Man heiratet, zieht zusammen. Man kann sich auch scheiden lassen (leichter als in der katholischen Kirche), wobei die Frau wieder zu ihrer Familie zieht - bis sie erneut heiratet.), ich lerne, dass Fotos der Frauen im Internet zu ihrem Tod führen können und dass die Beduinen grosszügig sind: Schon so einige Brote, Früchte, Kräuter etc. habe ich zugesteckt, so manchen Tee serviert und Essenseinladungen ausgesprochen bekommen. Mit Händen und Füssen versuchte ich einigen neugierigen Dorffrauen zu erklären, dass meine Mutter Pfarrerin ist - als "weiblichen Imam für Christen" habe ich sie schlussendlich beschrieben. Ich härte mich mit Kaltwasserduschen ab (mmh…), lerne immer mal wieder einen Brocken Arabisch ("nuss" heisst "halb", "mumtääs" heisst exzellent) und lerne auch die Organisation Sidreh an sich immer besser kennen.

Arbeit
Viele haben gefragt, was hier so meine Aufgaben sind. Das ist schwer zu beschreiben. Ich sortiere Fotos und organisiere das Archiv, ich schleife und streiche Tische, bohre Löcher in Betonwände, mache Internetrecherchen, laufe mit Wollfäden hin und her, betreue Gäste… was auch immer anfällt. In Zukunft werde ich hoffentlich noch ein paar mehr Gärten in den unanerkannten Dörfern besuchen können und kräftig bei dem Bau von Spielplätzen helfen. Ausserdem stehen Basare in Jerusalem und Tel Aviv an sowie eine Weiterbildung für alle Teammitglieder. Aber all das ist noch weit weg. Wichtig ist momentan nur der 5. April, denn dann findet unsere grosse Wiedereröffnung statt. Der Betonboden vor dem Eingang wurde endlich gegossen, das traditionelle Beduinenzelt steht wieder, nun mit (untraditioneller, aber sehr praktischer weil bei Wassergewinnung helfender) Dachkonstruktion, die Weberinnen produzieren fleissig, um den Laden zu füllen - so langsam verwandelt sich das Büro in einen Bienenstock, in dem Erwartungen, Vorfreude, Stress, Anspannung und Hoffnung zu spüren sind.
Die Kommunikation ist nicht immer einfach, nur schon wegen des Sprachenwirrwarrs: In Sitzungen wird Arabisch, Englisch, Hebräisch, Deutsch geredet, insgesamt beherrscht unser Team etwa zehn Sprachen, sogar Gebärdensprache ist vertreten. So konnte zum Beispiel noch nicht genau eruiert werden, ob der Bruder einer Mitarbeiterin in Russland oder Rumänien studiert

Wochenende - Unterwegs gesichtet
Schon nach kurzer Zeit durfte ich den ersten Besuch hier in Israel empfangen. Zwei Wochen waren wir unterwegs, viel haben wir gesehen:
  • Lakiya: mit Hitze, frei laufenden Pferden, Kamelen, Schafen, Hühnern - in seiner ganzen Schönheit halt.
  • Tel Aviv: Jaffa… ganz wunderbar! So viele (Floh-)Märkte und wundervolle Sachen, Street-Art ohne Ende, veganes Essen, Meer, Sonne, Leben.
  • Nazareth: Da haben wir eine Wohnung gestrichen - inkl. Decke. Voll fleissig! Danach gings noch auf einen Hügel, um über die Stadt zu sehen, denn Nazareth liegt wie in einer Salatschüssel. Ein netter Araber hatte Mitleid mit uns und nahm uns mit seinem Auto ein paar Meter den Berg hinauf mit - bis zu seinem Parkplatz, wie er uns stolz erklärte.
  • Jerusalem: Beeindruckend. Ganz anders als in meinen Vorstellungen - obwohl ich es mir eigentlich gar nicht vorgestellt hatte… So viele Religionen, so viele Menschen, so viel Militär und Polizei. Die Altstadt, umgeben von den hohen, dicken Mauern, ist eine Welt für sich. Auch hier gibt es viele Marktstände: Brot, Gewürze, Schnickschnack, Schals (… so viele schöne Schals!!), armenische Keramik-Kunst - es gibt alles. Die Klagemauer, die Al-Aqsa-Moschee (Mein absolutes Highlight. Die arabische Kunst ist einfach faszinierend und sehr beeindruckend.), verschiedene Kirchen (unter anderem mit dem Raum des Letzten Abendmahls - ein leeres Gewölbe halt, irgendwie unspektakulär)... und dann der neuere Teil mit lauter hippen Läden, vielen veganen Angeboten (also - schlechtes Essen ist anders), einem lebendigen Lebensmittelmarkt - so viel in einer Stadt.
  • Das Tote Meer: Eine Odyssee. Der Ticketkauf versetzte den halben Bahnhof und die ganze Belegschaft in Aufruhr und strapazierte unsere Nerven bis hin zu gefährlichen Zonen. Wir meisterten aber auch diese Herausforderung und fanden den richtigen Bus, der uns nach einer wundervollen Fahrt durch endlose Hügellandschaften (ISRAEL IST BERGIG!) irgendwo aussetzte. Ein einsames Schild wies uns den Weg. Nach einem viertelstündigen Fussmarsch, vorbei an Ruinen und Mienenfeldern, kamen wir zu einer Art "Ressort". 14 Euro pro Person kostete der Spass, dann durften wir an den Badestrand. Dieses Salzwasser ist wirklich ein Erlebnis. Es wurde alles ausprobiert, auf dem Rücken, dem Bauch, "stehend" im Wasser, Schlammpackungen, ein Tropfen Salzwasser auf der Zunge, ein Bier in der am tiefsten gelegenen Bar der Welt (417m UNTER dem Meeresspiegel - da hat man voll viel Sauerstoff!)… was man halt so macht am Toten Meer. Vielleicht ging Jesus ja über dieses Gewässer, vielleicht war das vor 2000 Jahren noch salziger und damit möglich…? Wer weiss.
  • See Genezareth: Da war alles so grün! Tiberias ist eine unglaublich hässliche Stadt (mehrheitlich von orthodoxen Juden bewohnt - Perücken!), vieles wurde auch mit Vulkangestein gebaut, den es dort überall gibt. Der Libanon und auch die Hügel Syriens sind in Sichtweite.
  • Haifa: EIN EINZIGER BERG! STEIL!! MIT VIELEN TREPPEN!! ANSTRENGEND!!! Viel haben wir gesehen und erlebt, zwei Wochen, die sich anfühlen wie zwei Monate.
Galiläa und den See Genezareth durfte ich kurz darauf mit einer Gruppe Südamerikaner noch einmal genauer erkunden. Wir waren in Kafr Kanna, wo an einem Hochzeitsfest Wasser zu Wein wurde; in der "Brotvermehrungs"-Kirche in Tabgha (in dieser Region wurden auch die ersten Apostel "rekrutiert", die Bergpredigt, die Heilung des Aussätzigen, Jesus' Gang auf dem Wasser (doch nicht das Tote Meer…) und noch viele Ereignisse mehr fanden statt); auf dem Berg der Seligpreisungen; in Migdal (Magdala in der Bibel, beim Bau eines Hotels wurde das Dorf aus Christus' Zeiten entdeckt) und dann auch noch mit dem Boot auf dem See Genezareth. Doch anstatt andächtig zu beten, liess der (arabische) Bootsmann lateinamerikanische Musik laufen. Sofort sprang die ganze Gruppe auf und fing hemmungslos an zu tanzen. Ein wahrhaftiges Fest, das Boot wackelte, die Augen glänzten, die Hüften kreisten. Doch die Gespräche während des ganzen Tages mit einzelnen Leuten aus dieser Gruppe waren das schönste: So viele kreative Ideen, so viel Idealismus und Tatendrang, so viel Liebe für die Welt, sprudelnde Energie, Hoffnung - sie waren definitiv eine Bereicherung für mich, all diese Menschen aus Kolumbien, Peru, Uruguay, Paraguay, Panama, Bolivien und und und. Überhaupt begegnen mir hier überall solche Menschen: Bei einer Besuchergruppe ein paar nette US-Amerikaner, die mich mit ihrem Auto auf einen Ausflug in ein Naturschutzgebiet und in die Stadt Ashdod mitnahmen (wir fuhren an Scharons Grab vorbei… SEHR touristisch, nur schon von weitem!); bei einem Frauenkongress eine Reiseleiterin, die ursprünglich aus dem Berner Oberland kommt, sowie eine liebenswerte französische Nonne; eine ehemalige Volontärin… Es tut gut zu sehen, dass es zahlreiche Menschen gibt, die nicht die AfD wählen oder Trump unterstützen (Alle drei Amerikaner meinten, Bernie Sanders habe eine Chance und sie würden ihn wählen. Das war zwar vor drei Wochen, aber trotzdem ist das schön.).
Nach all dem Rumgereise war ich dann aber doch froh, wieder nach Lakiya zurück zu kommen. Die Frauen im Büro wachsen mir täglich mehr ans Herz, das Dorfleben tut nach Basel, München, Rennes ganz gut und auch die Sonne gefällt mir (noch) einigermassen.

Everyday in Israel
Was mich in diesem Land immer verfolgt, was man überall sieht: Hügel und Huckel, Militärs und Polizisten, Müll, Sicherheitskontrollen, ganz viel Street-Art. Ich weiss immer noch nicht genau, wann ich mit wem welche Sprache sprechen oder was ich wo anziehen soll (am besten immer Englisch und am besten immer jegliche Körperteile bedecken, was für mich als eingefleischte Tank-Top-Trägerin eine echte Herausforderung ist, vor allem bei knapp 30°C), und auch die Kontinentenfrage ist komplizierter geworden: Tel Aviv sei nämlich, laut unseres Hostel-Gastgebers, die sicherste Stadt Europas. Ja, wirklich! Asien und Afrika (wir erinnern uns: Dahin gehört Israel geografisch bzw. geologisch.) "wollen" Israel nicht, deshalb schliesst dieses sich kurzerhand Europa an - was auch ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest und in irgendeiner Fussballliga (…da hält sich mein Interesse in Grenzen, so undurchsichtig, wie der Fussballsport heutzutage ist) erklärt. Eine sehr merkwürdige Angewohnheit (überhaupt gibt es hier einiges, dass mich an die USA erinnert…): Man wird immer mit dem Auto bis direkt vor die Tür gefahren. So ganz direkt vor die Tür. Auch wenn das total mühsam und unpraktisch ist, man dadurch andere Leute zuparkt und es am Ende mehr Zeit kostet, als wenn man die letzten drei Schritte gelaufen wäre.

Neu erfahren habe ich von der Bevölkerungsgruppe der Drusen. Es gibt insgesamt etwa 1,2 Millionen Drusen, etwa 130'000 leben in Israel und stellen somit eine klare Minderheit dar. Sie zählen sich zu den Arabern, aber nicht zu den Muslimen. Ihre Religion ist geheim, jedoch sehr entfernt mit dem Islam verbunden. Man kann nur als Druse geboren werden (es wird nicht missioniert, andere Religionen werden akzeptiert) - wer ausserhalb heiratet, wird von der Gemeinschaft verstossen. (Schon einmal ein Random Fact: Die arabischen Dörfer liegen am Fusse der Hügel, die jüdischen oben drauf - aus Sicherheitsgründen.)

Inzwischen sass ich schon selber hinter dem Autosteuer, war alleine in Lakiya Falafel kaufen (blonde, junge Frau mit Autoschlüsseln alleine in einem Falafelladen… mit gaaaaanz vielen Männern), habe mich verlaufen und den Weg erfragen können und noch vieles mehr. Die Erlebnisse hier häufen sich und jeder Tag ist ein kleines Abenteuer, irgendwie. Trotzdem muss ich sagen, dass Israel das erste Land ist, in dem ich weniger gerne allein unterwegs bin. Vielleicht liegt das noch an der Fremdheit und den mangelnden Sprachkenntnissen. Doch ein Teil davon lässt sich sicherlich auch auf mein Geschlecht und seine Rolle in diesem Land schieben. "Frau sein" hat hier eine andere Bedeutung, in der jüdischen wie auch der arabischen Bevölkerung, und noch nie war ich mir meines Geschlechts so bewusst.

Rückblick
Post ist angekommen! Ja, es scheint tatsächlich einwandfrei und zeitnah zu funktionieren, zumindest das Empfangen! Nachrichten sind also herzlich willkommen, fragt einfach nach der Adresse.

Danke an dieser Stelle auch für eure zahlreichen Glückwünsche, über die ich mich sehr gefreut habe. Und leider muss ich euch alle enttäuschen: Man feiert den Geburtstag hier wenig bis gar nicht. Ich habe mir also das geschenkt, was ich mir jedes Jahr schenke: einen Tag voller Gemütlichkeit und gutem Essen.

Von einigen Seiten erhielt ich die Rückmeldung, ich sei ja so mutig, einfach hier zu leben - was natürlich sehr schmeichelnd für mich ist. Man könnte nun viel dazu sagen - ich möchte an dieser Stelle nur kurz etwas dazu schreiben: Die erste Zeit an einem Ort ist, für mich zumindest, immer scheisse. Ja, scheisse. Man schwankt ständig zwischen Hoch und Tief, ist voller Erwartungen und Ängste, weiss nicht wohin mit seinen Eindrücken, will erzählen und berichten und ist doch zu müde dazu. Man fühlt sich allein und überwältigt zugleich, muss sich ständig anpassen und ist abends todmüde davon, sich den ganzen Tag vorsichtig in einem unbekannten Umfeld bewegt zu haben. In den ersten Tagen frage ich mich immer, jedes einzelne Mal, was ich eigentlich hier mache. Was mich geritten hat, mich auf so etwas einzulassen - sei es ein Auslandssemester in Frankreich oder Schweden, ein Studium in München, eine Masterarbeit in Israel. Gleichzeitig habe ich aber auch immer mehr das Gefühl, dass alles kleine Puzzleteile oder Mosaiksteinchen für ein grosses Ganzes sind. Durch die Landlord-Geschichte in Schweden bin ich wohl selbstständiger und -bewusster geworden, die Wohnsituation in Frankreich lässt mir hier alles wie Luxus erscheinen, durch das wwoofing habe ich rudimentäre Gartenkenntnisse, die viele Vereinsarbeit hilft mir jetzt beim Organisieren, Strukturieren und Netzwerken. Warum ich diese schweren Tage der Anfangsphase also immer wieder auf mich nehme? Weil es sich richtig anfühlt. Weil mein Platz zu diesem Zeitpunkt eben an diesem Ort ist - was mir all die wunderbaren, erlebnisreichen, anstrengenden und stressigen, abenteuerlichen, erfüllenden Tage nach dem Anfang zeigen.

Ausblick
Es wird weitergehen mit…
  • Arbeiten: Fotos für einen Online-Shop schiessen, Gärten besuchen, Spielplätze planen, die Wiedereröffnung meistern…
  • Reisen: Durch Israel, vielleicht nach Jordanien und Palästina, wer weiss.
  • Lesen, Lernen, Schreiben: Arabisch und die Masterarbeit - zwei grosse Ziele.
  • Erdbeeren essen!!: Mit Schrecken musste ich nämlich feststellen, dass die Erdbeersaison hier rasant dem Ende entgegen geht. Mein Jahreskontingent wurde jedoch noch lange nicht erfüllt, weshalb es nun täglich eine grosse Portion Erdbeeren gibt. Lecker! (Auch täglich gibt es Avocado, Humus, Tahini. Noch mag ich alles drei sehr.)
  • Nachrichten von euch, yay!
Random Fact: Der See Genezareth ist für einen Grossteil der Wasserversorgung in Israel zuständig. Dabei besteht er aus zwei Schichten: unten ist Salzwasser, oben Süsswasser. Pumpt man zu viel Wasser ab, könnte der ganze See zu Salzwasser werden, was verheerend für die Bevölkerung wäre. Auch dieser See liegt unter dem Meereslevel (gute 200m).
 
Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام

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Hej! - ! سلام

This will be excessively long, but there are also maaaany pictures at the bottom. Once again taken with a bad smartphone-camera, completed by my wonderful travel companion.

Actually, I wanted to write you already a while ago. But that’s life here: You make a plan – and I guarantee, you won’t succeed in putting it into practice. So now I’m sitting a little “smoky” (Nuura, the landlady, is baking fresh Bedouin bread. It looks like huge flat Crêpes, probably made from water and flour. You roll them like pizza dough and throw it from one hand into the other. Then you put them on something like a grill: below you have the fire, above there is a metal curvature. On this thing you put the dough and turn it every few seconds. After more or less half a minute the flat crêpe is done. Delicious! However, the outlet was blocked, what Nuura explained in Arabic (she just keeps on twaddling and I nod and smile) – that’s why there was so much smoke everywhere. But I managed to get two warm, huge, round pancakes, a big success :-)) – anyway, I’m sitting “smoky” but happy (on my way home I saw a dad, playing soccer with his two tykes – her in pink, him in blue. A beautiful picture that you can find almost anywhere in the world, I guess.) and with a cup of tea on my sofa (!) and music is coming out of the speakers (!!). These are the two new things in my sparse home, both I was able to hijack thanks to a completely new design for our offices. I really enjoy these two luxury goods and they sweeten my evenings.

Sweets – a good keyword for this unstructured report. In Israel everything consists on principle of at least fifty percent sugar. Everything. (Except maybe Nuuras bread…) Horrible. But maybe that’s how to explain all this food-waste. Presumably this is also just a culture where you don’t clean up your plate. But the amount of food that is thrown away here is just shocking. Very good, delicious food that you could easily wrap up and eat later. So just as “waste separation” (I just have to mention it one more time: So. Much. Waste.) also “food waste” gets a totally new meaning.

Also the word “family” belongs in that category. There are people here who have 14 siblings with an age difference of 30 years. Child – pregnant – menopause, that’s more or less how the life of that mother must have looked like. What that means for her body, her psyche and her own life can only be assumed.

You might have realized it by now: I’m learning a lot here. About the weaving, about marrying and weddings (“Boy-/girlfriends” don’t exist here, just fiancé/es. You marry, you move together. You can also get a divorce (it’s even easier than in the Catholic Church), but then the woman has to move back in with her family – until she’s marrying again.), I’m learning, that photos of the women here, published online, can lead to their death and that Bedouins are generous: I already received some breads, fruits, herbs etc., I was served many teas and several times people invited me for lunch or dinner. With hands and feet I tried to explain to some curious women that my mother is a pastor – finally I just described her as a “female Imam for Christians”. I harden myself with cold showers (mmh…), every now and then I’m learning a lump Arabic (“mumtääs” means excellent) and I’m also getting to know Sidreh as an organization better and better.

Work
Many of you asked about my tasks here. That’s difficult to describe. I sort pictures, organize the archive, grind and paint tables, I drill wholes in concrete walls, do some online research, I run around with woollen threads, welcome guests… whatever needs to be done. In the future I’ll hopefully spend some more time in the gardens, visit some unrecognized villages and help actively with the construction of some playgrounds. Furthermore, several bazaars are planned in Jerusalem and Tel Aviv as well as a training for the whole staff.
But all of this is still far away. At the moment only one date is important: the 5th April. Then our big re-opening is taking place. The concrete soil at the entrance is finally constructed, the traditional Bedouin tent is standing again, now with a (untraditional but really useful (because it’s helping to collect rainwater for the demo-gardens)) roof construction, the weavers are producing like busy bees to fill the empty shelves in the store – slowly the office turns into a hive where you can sense expectations, anticipation, stress, strain and hope.
The communication isn’t always easy, already because of all the languages: In meetings we speak Arabic, English, Hebrew, German. In total our team speaks ten languages, even sign language. That’s why I couldn’t quite find out whether the brother of a co-worker is studying in Russia or Romania. 

Weekend – Seen on the road – Small town life
Soon after my arrival I already had the pleasure to welcome the first visitor here in Israel. For two weeks we were on the road and saw a lot:
  • Lakiya: with heat, free-range horses, camels, sheep’s, chickens – just in all its beauty.
  • Tel Aviv: Jaffa… amazing! So many (flee-)markets and wonderful things, street-art everywhere, vegan food, the sea, sun, life.
  • Nazareth: There we painted a flat – incl. the ceiling. Hard work! After that we climbed a hill to enjoy the view because Nazareth lies in a “salad bowl”. A kind Arab had pity on us and gave us a lift for some meters uphill – right up to his parking lot, as he told us with pride.
  • Jerusalem: Impressive. It was totally different than I had imagined – even though I didn’t even have an imagination of it… So many religions, so many people, so many police and military uniforms. The old city, surrounded by thick walls, is a world for itself. Also here you can find many booths: bread, spices, bric-a-brac, scarves (… so many beautiful scarves!!), Armenian pottery-art – everything is there. The Western Wall, the al-Aqsa-mosque (My absolute highlight. The Arabic art is totally fascinating and so impressive!), different churches (among others the Cenacle, “Upper Room”, where the last supper took place – an empty vault, somehow unspectacular)… and then the new part with all these hip shops, many vegan offers (I was definitely not eating badly), a vivid food product market – so many things in one city.
  • The Dead Sea. An odyssey. The purchase of a ticket occupied half of the station and ended in the staff going crazy. But we also managed this challenge, found the right bus which left us after a wonderful ride through endlessly rolling hills (Israel is HILLY!) somewhere in the nowhere. A lonely sign pointed into the direction where we were suspecting the beach. After a fifteen-minute walk, passing ruins and mine fields, we reached some kind of “resort”. We had to pay 14 euro per person, then we were allowed to enter the “beach zone”. The salty water really is an experience. We tried everything: lying on the back, on the stomach, to “stand” (or better fly) in the water, mudpacks, a drop of saltwater on the tongue, a beer in the lowest bar on earth (417m UNDER the sea level – you have a lot of oxygen there!)… you know, just the kind of stuff you do at the Dead Sea. Who knows, maybe Jesus walked over these waters, maybe it was even saltier 2000 years ago and therefore possible…?
  • Sea of Galilee: Everything was so green! Tiberias is an incredible ugly city (by the majority orthodox Jews are living there – wigs!), many things were build from volcanic rocks that is very common in that area. Lebanon and also the hills of Syria are in sighting distance.
  • Haifa: ONE SINGLE MOUNTAIN! STEEP!! WITH MANY STAIRS!! EXHAUSTING!!!
We saw and experienced a lot, two weeks that felt like two months.

I had the great opportunity to explore Galilee and the Sea of Galilee again shortly after with a group of South Americans. We went to Cana where at a wedding water turned into wine; to the “Church of Multiplication” in Tabgha (in this region also many other things took place: the calling of the first apostles, the sermon on the mount, the healing of the leper, Jesus’ walk on the waters (so after all not the Dead Sea…) etc.); to Migdal (Magdala; while building a hotel they discovered the ruins of the original village existing to Jesus’ times) and then we went on a boat on the Sea of Galilee. But instead of praying the (Arabic) boatman turned on some Latin-American music. Instantly the whole group jumped up and started to dance intemperately. A true party: the boat was shaking, eyes were shining and hips were swinging. But the conversations during the whole day with some of these people were the most amazing thing: So many truly creative ideas, so much idealism and zest for action, so much love for the world, sparkling energy, hope – they have definitely been an enrichment for me, all these people from Columbia, Peru, Uruguay, Paraguay, Panama, Bolivia and so on. Actually I meet many of these people here: as part of a visiting group some US-Americans, who took me with their car on an excursion to some nature reserve and to the city of Ashdod (we passed Sharon’s grave along the way… VERY touristy, already from far away!); at a women’s congress a tour guide who comes originally from the Bernese Oberland as well as a lovely French nun; a former volunteer… It’s comforting to see, that there are many people who don’t vote for the AfD (a horrible party in Germany) or support Trump (All the US-Americans said Bernie Sanders had a chance and they would vote for him. That was three weeks ago but still it gives me hope.).
After all this travelling I was also happy to return to Lakiya. The women from the office are growing closer to my heart every day, the village life suits me after Basel, Munich and Rennes (for the moment).

Everyday in Israel
What seems to chase me in this country, what you can see everywhere: hills and bumps, military and police, trash, security controls, a lot of street-art. I still don’t know quite what language to speak with whom or what I should wear (best: English and always cover any body parts, what poses a real challenge for me as die-hard tank-top-wearer, especially at almost 30°C), and also the question about the continent has become more difficult: Tel Aviv turns out to be, according to our hostel-host, the safest city in Europe. Yes, really! Asia and Africa (we recollect: That’s where Israel belongs geographically and geologically, respectively.) don’t “want” Israel, which is why they just join Europe – what also explains their participation at the Eurovision Song Contest and in some soccer league (… my interest keeps within a limit here, as nontransparent as soccer has become). A really strange habit (generally there are many things here that remind me of the USA…): People will always drive you right up to your doorstep. Like really just directly to the entrance. Also when it’s totally inconvenient and unpractical, you box somebody in and it takes way more time in the end as if you just had walked the last three steps.

Recently I came to know something about the Druses. Totally there are around 1,2 million Druses, around 130’000 live in Israel and are therefore clearly a minority. They count themselves as Arab but not Muslim. Their religion is secret but very distantly related to Islam. You can just be born as a Druse (they don’t proselytize, other religions are being accepted) – who marries somebody from “outside” is expulsed. (Already one Random Fact: The Arab villages lay at the foot of the hills, the Jewish on top of it – for security reasons.)

Meanwhile I already drove a car, bought a falafel in Lakiya all by myself (a blond, young women with car keys, alone in a falafel place… with maaaany men), I got lost and was able to ask for directions and many things more. Experiences heap up and every day is a little adventure, somehow. However, I have to admit that Israel is the first country where I don’t feel too comfortable being on the move by myself. Maybe it’s because of the foreignness and the lacking language skills. But to a certain amount it might also be related to my gender and its role in this country. “To be a woman” has another meaning here, in the Jewish as also in the Arab community, and I’ve never been as conscious about my gender as I am here.

Review
Mail arrived! Yes, it really seems to work well and prompt, at least the receiving! So messages are very welcome, just ask me for the address.

Thank you also for all the lovely birthday wishes that made me really happy. But unfortunately I have to disappoint you all: People don’t really celebrate their birthdays here. So I just made myself the same present as every year: a day full of coziness and good food.

Some people told me that I was so courageous to just live here – obviously this is very flattering for me. We could say many things to this issue – I just want to mention something: The first few days in another place are always shitty, at least for me. Yes, shitty. You’re constantly fluctuating between ups and downs, you’re full with expectations and fears, you don’t know where to go with your impressions, you want to report and talk about everything but you’re too tired for it. You’re feeling lonely and overwhelmed at the same time, you constantly have to adapt which is extremely tiring as is moving around in an unknown surrounding. In this first period of time I always, every single time, find myself asking, what the heck I’m doing at this place. What made me engage with something like this – be it an exchange in France or Sweden, studies in Munich, a master thesis in Israel. At the same time I also get the feeling, that everything is a small piece or tessera for one big whole. Through the landlord-story in Sweden I became more self-confident and independent, after the whole living situation in France everything here appears like luxury, by wwoofing I acquired rudimentary knowledge about gardening, the different commitments in all the associations teached me how to organize, structure and network. So why do I put up with this and go through these hard days of the beginning phase again and again? Because it feels right. Because in this moment my place is right there - what all these wonderful, eventful, exhausting and stressful, adventurous, fulfilling days after the beginning prove.

Outlook
It will continue with…
  • Work: Take pictures for an Online-Shop, visit the gardens, prepare the construction of the playgrounds, survive the re-opening…
  • Travel: Through Israel, maybe to Jordan and Palestine, who knows.
  • Read, Learn, Write: Arabic and my master thesis – two huge goals.
  • Eat Strawberries!!: Shockingly I had to find out that strawberry season is ending here soon! But I haven’t eaten my annual contingent yet so I have to eat a huge portion every day. Delicious! (Also part of everyday life: Avocado, Humus, Tahini. Until now I still love all of it.)
  • Messages from you, yay!
Random Fact: The Sea of Galilee is the main fresh water supply for Israel. It consists of two layers: below saltwater, above fresh water. If you drain too much water the whole lake could turn into saltwater which would be disastrous for Israel’s population. Also this lake lays below sea level (about 200m).
 
All the best and be safe.
Bästa hälsningar -
سلام

Negev - noch grün - still green.
Vorher - Before
Danach - After
Wie gesagt: noch grün, dazu viele Mohnblumen.
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Like I said: still green, with many poppies.

Ashdod - eine Stadt mit ganz merkwürdiger Architektur. Viele Hochhäuser, dazwischen aber immer ganz viel leerraum. Ansonsten eine Strandstadt mit Palmen.
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Ashdod - a city with strange architecture. Many skyscrapers, in between a lot of emptiness. Besides that a lovely beach town with palm trees.
Jonahs Grab befindet sich in Ashdod, weshalb auch dieser liebenswürdiger Plastik-Gitter-Pflanzen-Wal dort rumliegt.
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Jonah's grave is in Ashdod, which is also why this lovely plastic-grid-plant-whale is lying around.
Tel Aviv - Jaffa
Tel Aviv
Stadttor - Gate in Jerusalem
Felsendom - al-Aqsa-mosque
Kalia Beach am Toten Meer: Auf der anderen Seite kann man die sanften Hügel Jordaniens ausmachen.
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Kalia Beach at the Dead Sea: On the other side you can see Jordan's rolling hills.
Neue, fancy Kirche von feministischen, mexikanischen Nonnen in Magdala. Der Altar besteht aus einem Schiff mit einem Kreuz, der Blick aus der Kapelle gleitet über den Aussenpool und dann bis zum See Genezareth.
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New, fancy church from feminist, Mexican nuns in Magdala. The altar consists of a ship with a cross, the view goes from the chapel to the pool right up to the Sea of Galilee.
Die Verkündigungskirche in Nazareth. Riesig!
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Church of the Annunciation in Nazareth. Enormous!