Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Mittwoch, 15. Februar 2017

Auf in altbekannte Gefilde

— NO FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW THIS TIME - SORRY GUYS - MAYBE NEXT TIME AGAIN! —

Hej!

Lang ist’s her, seit der letzte Bericht von mir kam. Das lag vor allem an Leipzig: Nach einem harzigen Anfang (die Fänge der Einsamkeit können manchmal ganz schön fest zugreifen - das gehört zu der Umzieherei dazu und ist doch immer wieder überraschend und erdrückend) habe ich mich in dieser wunderbar grünen und lebendigen Stadt eingelebt und ein neues Zuhause gefunden. Dazu gleich mehr. Jetzt aber die wichtigste Info vorweg: Ab dem 1. März wohne ich im Gundeli im schönen Basel, Schweiz (die genaue Adresse darf gerne erfragt werden). Grund dafür ist meine neue bzw. erste Arbeitsstelle, ebenfalls ab dem 1. März in Biel. Auch dazu gleich mehr. Wie immer ist Post sehr willkommen, Besuch natürlich auch!

Nun also zu den letzten Monaten:

Leipzig
  • Leipzig ist, wie gesagt, sehr grün. Mein Weg in die Innenstadt, zur Bibliothek oder zum Arabisch führte immer durch einen einzigen, riesigen Park, der eigentlich eher ein kleiner Wald ist. Das werde ich sicherlich vermissen, tut es doch gut, ein bisschen Natur in der Stadt zu haben. Diesmal habe ich es auch wirklich durchgezogen und bin immer mit meinem Fahrrad gefahren - auch ein tolles Gefühl der Freiheit. Die körperliche Betätigung war ein guter Ausgleich zu vielen Schreibtischstunden, und nun kann ich definitiv kaputte Reifen (also Schläuche… und auch nur vorne… aber immerhin!) selbstständig austauschen.
  • Leipzig lässt auch die Veganer-Seele höher schlagen - so viele Angebote, überall, eine Freude. Kulinarisch war das Leben wirklich gut hier…
  • … und auch kulturell. Kino, Filmfestivals, Konzerte, Märkte, Ausstellungen… was das Herz begehrt. Fertig geworden bin ich noch lange nicht mit allem, Gewandhaus und Oper haben noch keinen Platz gefunden, Besuche in Leipzig sind also unumgänglich.
  • Was meine Zeit in Leipzig aber am meisten prägte, war die KSG (Katholische Studentengemeinde), mit deren Wochenprogramm mein Kalender immer gut gefüllt war: Messe mit anschliessendem Essen, Laudes um 7 Uhr morgens mit Frühstück, Gemeindeabend mit Abendessen (ja, kulinarische Köstlichkeiten sind eben auch wichtig!) und Diskussionsrunden zu Themen, Internationale Abende und diverse Aktionen wie die musikalische Begleitung von Gefängnisgottesdiensten oder gemeinsames Kochen für die Messebesucher… Hinzu kamen Dinge wie der mehr oder weniger regelmässige Doppelkopftreff, den ich sehr vermissen werde. (Aber wer weiss, vielleicht lässt sich in der Schweiz ja ein Grüppchen zum Jassen finden.) So durfte ich, obwohl ich nie an der Leipziger Uni war, viele tolle (liebenswerte, lustige, herzensgute, diskussionsfreudige, interessante, unterschiedliche, einzigartige…) Studierende kennenlernen. Ich werde sie vermissen, wie auch die Gemeinschaft als Ganzes, die mir schnell das Gefühl von Heimat, angekommen und willkommen sein vermittelt hat.
Studium / Arbeit
  • Die Masterarbeit wurde, wie schon vermutet, in einem Kraftakt und unter zeitlichem Druck Anfang Dezember zu Ende gebracht. Die mündliche Verteidigung folgt in einer Woche, danach ist das Kapitel Universität erst einmal abgeschlossen. Darüber bin ich doch ganz froh, auch wenn mein Wissensdurst alles andere als gestillt ist. Aber Wissensdurst und Uni hängen ja auch nicht zwingend zusammen… (Wer Interesse an der (auf Englisch verfassten) Arbeit hat, kann sie auf Nachfrage gerne per PDF geschickt bekommen. Titel: „Don’t give me a fish, teach me how to fish!“ - A Qualitative Study on Bedouin Boys’ Perception of their Prospects and Gender Roles in the Bedouin Community in the Negev)
  • Weiter geht es nun ab dem 1. März mit einer Stelle als „Graduate Trainee in Talent Management and Communication“ bei cinfo. Das ist eine Organisation, die im Bereich der Internationalen Zusammenarbeit verknüpft, informiert, weiterbildet. So ganz grob gesagt. Wer mehr wissen will, darf mich gerne fragen, googlen gehen oder auf den nächsten Bericht warten, wo ich evtl. beschreiben werde, was ich da den ganzen Tag so tue. Ich freue mich auf jeden Fall, nach einer Prüfung und einem zweiründigen Interviewparkour diese Stelle bekommen zu haben. Sie ist auf 12 Monate befristet und gibt mir damit die Gelegenheit, einen Einblick zu bekommen und dann besser zu entscheiden, wo der Weg konkret hingehen soll. Ich bin gespannt und freue mich sehr, auch wenn mich die Vorstellung von zwölf Monaten 100 % erwerbs-arbeiten noch ein wenig abschreckt.
Reiserei
  • Im November hatte ich das grosse Vergnügen, ein liebliches „Chalet“ im Toggenburg hüten zu dürfen. Dort fand ich die nötige Ruhe (chrm…), um an meiner Masterarbeit zu schreiben. Aber auch eine Wanderung im Appenzellerland, das Auffrischen vieler sozialer Kontakte (Klassentreffen, Freunde in St. Gallen, Basel und Bern besuchen, ein Abstecher ins Engadin, eine Schneeballschlacht auf der Wolzenalp…) und Teilnahme an Aktivitäten wie dem dörflichen Adventsmarkt oder einer Filmvernissage fanden Platz in diesem Monat.
  • Nach einem Zwischenstopp in Leipzig ging es für die Vorweihnachts- und Weihnachtstage nach Vilnius (ein schönes Städtchen mit einem sehr… interessanten… Weihnachtsbaum), danach zum Taizé-Jugendtreffen nach Riga. Dort durfte ich dieses Jahr im Presseteam mithelfen, was viel Gerenne bedeutete. Auch viele Interviews durfte ich geben, unter anderem für das französische Radio und lettische Fernsehen. Es war schön, meine Fähigkeiten und Sprachen einsetzen zu können, noch dazu für etwas, das ich als sehr sinnvoll erachte. Natürlich (bzw. nicht natürlich, aber zu meiner grossen Freude) bin ich auch dort wieder einer Menge wundervoller Menschen begegnet. Ich hoffe sehr, einige von ihnen in Basel begrüssen zu werden, denn - JA! - dort wird das nächste Europäische Jugendtreffen stattfinden! Taizé und Jugendliche aus aller Welt, vornehmlich Europa, werden über Silvester 2017/2018 in Basel zu Gast sein, worauf ich mich riesig freue. Nicht zuletzt deshalb habe ich mich dazu entschlossen, meinen Wohnsitz nicht nach Biel (zukünftige Arbeitsstelle) sondern wieder nach Basel zu verlegen.
  • Teil der Reisereien war auch immer wieder München. Auch dort pflege ich noch Kontakte zur Hochschulgemeinde und anderen lieben Menschen. Besonders gefreut hat mich, zwei Eramus-Freundinnen (eine aus der Zeit in Rennes, eine aus Lund) in Germersheim und Dortmund besuchen zu können. Viele Monate haben wir uns nicht mehr gesehen, doch wenn man dann merkt, dass die Wellenlänge noch immer stimmt, dann ist das irgendwie beruhigend und schön. 
  • Weiter geht es nun mit einem Abstecher nach München (Verteidigung) und Wien (das ich seit dem Sommermonat schmerzlich vermisse), danach geht es in die Schweiz und das strikte Arbeitsleben beginnt. Viel Zeit zu Auslandsreisen wird da wohl kaum bleiben, doch auch innerhalb der Landesgrenzen gibt es ja noch viiiiiel zu entdecken… Besonders die Bergwelt möchte ich gerne noch mehr erkunden - wir werden sehen, wie realisierbar das sein wird.
Sonstiges
  • Besonders wichtig war in letzter Zeit auch das Thema Gefängnisseelsorge. Dazu besuchte ich im Oktober ein Seminar des Schwarzen Kreuzes in Hannover, bei dem ich tolle Menschen treffen und zu interessanten Themen diskutieren durfte. Eine Tagung in Bad Boll setzte diesen Weg fort, die musikalischen Einsätze in Gefängnisgottesdiensten mit der KSG taten ihr übriges, um vollends mein Interesse für dieses Feld zu wecken. Ich bin gespannt, wie sich das in der Schweiz weiter verfolgen lässt.
  • Im Oktober war es erneut Zeit für einen Halbmarathon - die 2-Stunden-Marke wurde wegen 75 Sekunden nicht geknackt, doch der Spass war da, ich kam ins Ziel und durfte dort sogar einen Laib Brot in Empfang nehmen. Der Muskelkater am nächsten Tag war… spürbar… aber noch ist der Körper mehr oder weniger jung und war somit nach einigen Tagen wieder wie neu.
  • Zum Schluss nun ein Ausblick - in Gedankenfetzen: Verteidigung der Masterarbeit und damit Abschied aus der akademischen Laufbahn, Wien, Umzug (und damit verbundenes Ausmisten), neue WG (wir sind zu siebt in einem Haus im Gundeli - mit Garten und Gemüsekorb und allem!), neue Arbeit, lange Pendlerwege, zurück in Basel (juhuuu!! <3), Fasnacht (die drey scheenschte Dääg!)… Momentan sehe ich der Zukunft ganz vertrauensvoll entgegen, obwohl es gleichzeitig genug Themen gibt, die mich beschäftigen und die eher „globaler Natur“ sind. Aber das ist ja auch gut und soll wohl so sein.
Nun bleibt mir nichts weiter, als euch für eure Unterstützung in den letzten Monaten zu danken (sei das mit lieben Worten und Gedanken, mit Briefen, Besuchen oder dem Korrekturlesen meiner Arbeit, sei das durch die Gastfreundlichkeit, die ich vielerorts erfahren durfte, die gestrickten Wollsocken oder ein aufmunterndes Skype-Gespräch… DANKE!) und euch mit einem Random Fact in die zweite Wochenhälfte zu entlassen.

Random Fact: Bei einem Spaziergang mit meinem Biologen-Vater durfte ich erfahren, wie sich Misteln verbreiten. Das ist ziemlich spektakulär. Zuerst muss ein bestimmter Vogel eine Mistelbeere fressen. Die ist nicht wirklich verdaulich und kommt dann früher oder später wieder hinten raus. Optimalerweise fliegt der Vogel genau dann über einen Baum, der anfällig für Misteln ist (also z.B. evtl. schon ein wenig krank). Die Scheisse muss dann auch noch auf einen jungen Ast treffen - auf zu dicken Ästen funktioniert der Trick nicht mehr. Die zähe Beere (also wie eine Beere sieht sie nach dem Weg durch den Vogel nicht mehr aus… aber halt so ungefähr) bleibt dann jedenfalls an einem jungen, eher dünnen Ast kleben und rammt nach und nach ihre Wurzeln in diesen Ast. Und schon hat man eine neue Mistel, sozusagen - die wächst dann lange lange lange, bis sie als diese typische „Kugel“ in den Ästen der Bäume gesichtet werden kann. Für jede „Kugel“ muss aber wieder eine neue zerquetschte Beere auf einen jungen Ast treffen - also per Glück durchs runterfallen und draufkrachen oder per Umweg durch den Vogel. Wahnsinn, oder? (Mein Vater wird sich nun die Haare raufen ob meiner sicherlich mangelhaften Darstellung. Aber so blieb es bei mir hängen (quasi wie die Mistelbeeren-Vogelscheisse auf dem Ast, haha), es wird auch kein Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erhoben.

Nun bleibt behütet und seid von Herzen gegrüsst - bästa hälsningar!

Mittwoch, 7. September 2016

Aus dem Osten - Wieder Teil I || Another part I - From the East

--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---

Hej! - ! سلام
 
Drei Monate sind seit dem letzten Mail vergangen, es kommt mir wie ein ganzes Jahr vor. Mittlerweile habe ich wieder genug erlebt, um euch ein kurzes Update zu schicken. Aber das Wichtigste: Ich habe wieder einen festen Wohnsitz und damit auch eine Adresse, die sich über Post und Besuche freut - einfach nachfragen!

Aber nun ein kurzer Überblick der letzten Monate:
  • Nach Israel ging es für zwei Wochen in die Schweiz – zum Wandern, Haus hüten, Freunde besuchen, Musik geniessen (am Openair St. Gallen, wie jedes Jahr). Dieses kleine Fleckchen Erde hat schon was und es gibt noch vieles zu entdecken.
  • Direkt vom Openair ging es nach Wien, wo ich einen Monat im 18. Bezirk wohnen durfte. Nach einer intensiven Woche Summer School an der Uni mit Menschen aus aller Welt genoss ich drei Wochen „sein“ in dieser tollen Stadt. Zwischen endlosen Stadterkundungstouren mit den vielen Besuchern wurde an der Masterarbeit gefeilt (mehr oder weniger erfolgreich und motiviert), ausserdem war es wieder an der Zeit, das angebotene kulturelle Programm voll auszukosten. Auch Teil dieses traumhaften Monats war das wöchentliche Taizé-Gebet in der ältesten Kirche Wiens – der Ruprechtskirche, ein liebliches Kirchlein, wie es auch direkt in Taizé stehen könnte. Die Menschen nahmen mich herzlich auf und wenn ich ehrlich bin, wäre ich am liebsten noch eine ziemlich lange Weile länger in Wien geblieben. Vielleicht ja mal in naher oder ferner Zukunft...
  • Von Wien aus ging es dann per Fahrrad mit Zelt und Gaskocher über Bratislava und Györ an den Plattensee, von dort aus nach Kroatien bis nach Zagreb. Die Dörfer in den verschiedenen Ländern waren sehr eindrücklich, die endlosen Maisfelder dazwischen vermittelten Beständigkeit (Naja. Irgendwann hat man’s auch gesehen, ganz ehrlich.). Dank unserer kräftigen Waden erreichten wir Zagreb schon einen Tag früher als geplant – ein gemütliches Städtchen.
  • Schlag auf Schlag ging es weiter: Die christliche Jugendfreizeit stand an, dieses Jahr waren Norwegen (eine Woche rumtouren mit Kleinbussen und Zelten) und Schweden (eine Woche Hüttenleben im Wald am See) an der Reihe. Die Hochebenen in Norwegen waren beeindruckend, ebenso die engen Strassen und die frei weidenden Schafe. Überall gab es Seen und Wasserfälle, nach jeder Kurve tat sich eine noch faszinierendere Landschaft auf. Es wurde viel gebadet (Zwar waren keine Eisschollen sichtbar, aber doch gefühlt da...) und gesungen und gelacht. In der Hauswoche wurde die Sauna ausgereizt, die Kanus fleissig über den See geschoben und Blaubeeren direkt ab Strauch stibitzt. Natürlich kamen auch die Diskussionen über Gott, die Welt und alles andere nicht zu kurz. Zwei intensive Wochen mit jungen Erwachsenen, die alle liebenswert sind und auf ihre Weise zur Gruppe und dem Gelingen der Freizeit beigetragen haben.
  • Damit ging der Sommer für mich auch zu Ende – nach der Freizeit folgte der Umzug nach Leipzig. Hier lebe ich mich nun langsam in meiner wunderbaren 3er-WG ein, erkunde das „Küchenholz“ (ein riesiger Park direkt vor der Haustür) und das Stadtleben und bin gespannt, was hier noch so alles auf mich wartet. Zu den Bürozeiten werde ich wohl an meiner Masterarbeit wirken, die bis Ende November druckreif sein sollte. Und um ehrlich zu sein – so toll das Vagabundenleben auch ist – nach einem Monat fast täglichem Isomatten-Aufblasen und Schlafplatz-Wechseln ist es nun doch schön, wieder in einem Bett zu schlafen – und zwar jede Nacht im gleichen. Die nächste Reisezeit kommt bestimmt, aber nun komme ich erst einmal hier an.
  • Apropos ankommen: Wer schon einmal hier war und gute Sachen kennt – Orte, Läden, Strassen, Menschen, Vereine... – her damit! Oder kommt einfach vorbei und zeigt / entdeckt mit mir.
Random Fact: Ein Mensch kann sich seine / ihre Haare aus freiem Willen heraus abrasieren, auch ohne Krankheit oder Lebenskrise. Vielleicht findet man es schöner, praktischer, angemessener oder was auch immer. Vor allem aber ist es eine individuelle und persönliche Entscheidung, bei der die Meinung aller anderen – entschuldigt – schnurzpiepegal ist. Und ja, ich fühle mich sehr wohl damit. Und keine Ahnung, ob ich sie wieder wachsen lasse. Es sind Haare. Es sind nur Haare. Soviel dazu :-)

Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام

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Hej! - !سلام
 
It’s been three months since I send you the last email – it seems to me like a whole year has passed. Meanwhile, I experienced enough to send you a short update. But the most important thing: I’m living in an actual flat again, with a fixed address! And I’m looking forward to receive mail and visitors - just ask for the address!

But now a short overview of the last months:
  • After Israel I went to Switzerland for two weeks – to hike, take care of a house, visit friends, enjoy music (at the Openair St. Gallen, as every year). This piece of our planet is somehow very fascinating and there are still many things left to be discovered.
  • After the openair I went straight to Vienna, where I spend one month in the 18th district. After a very intense week Summer School at the university with people from all over the world I enjoyed three weeks of pure “being” in this amazing city. Between the endless city-discover-tours with my numerous visitors I worked on my master thesis (more or less successful and motivated), and in addition to that it was time again to benefit from the offered cultural program. Also part of this wonderful month was the weekly Taizé-prayer in Viennas oldest church, the Ruprechtskirche, a lovely church that I can imagine very well in the middle of Taizé itself. The people welcomed me heartily and to be honest, I would have loved to stay in Vienna for a little (or big…) while longer. Maybe in the future…
  • From Vienna my dear bicycle companion and me went with bikes, tent and camping stove via Bratislava and Györ to the Lake Balaton, from there we went on to Croatia until we arrived in Zagreb. The villages in the different countries were impressive and the endless cornfields in between were our consistent companions. Thanks to our strong calves we arrived one day early in Zagreb – a cosy city.
  • From one adventure straight to the next: It was time for the Christian youth camp again, this year we went to Norway (one week road trip with small busses and tents) and Sweden (one week in a cabin at a lake in a forest). The plateau in Norway was impressive, also the narrow streets and the free grazing sheep. There were lakes and waterfalls everywhere and after every corner a more stunning landscape was opening up. We went swimming a lot (You couldn’t see ice floes, but they were there, at least we felt them…) and we sang and laughed. In the week at the cabin we enjoyed the sauna to the fullest, moved the canoes through the lake and ate blueberries directly from the plant. Of course the discussions about god, the world and everything else were a main part of the journey again. Two intense weeks with young adults, every single one of them was likeable and contributed in their own way to the success of the trip.
  • With the trip also my summer ended and I moved my things to Leipzig. Here I’m getting to know my two flatmates, I’m discovering the “Küchenholz” (a huge park directly in front of my house) and the “big city life”. I’m wondering what will be waiting for me here. Until the end of November I’ll be working on my master thesis, at least during office hours. And to be honest – as much as I love the life of a vagabond – after inflating my camping mat almost daily during one month and changing sleeping places at least that often, it is quite nice to sleep in a real bed again – in fact in the same bed every night. The next trip will come for sure, but now it’s time to arrive here, first.
  • Apropos arrival: Whoever has been here and knows good stuff – places, shops, streets, people, organizations… – keep it coming! Or just stop by and show / discover it with me.
Random Fact: A human being can shave his / her hair by choice, also without being sick or in a crisis. Maybe this person thinks it’s more beautiful, practical, appropriate or whatever. Above all it’s an individual and personal decision where somebody else’s opinion is completely irrelevant. And yes, I feel very comfortable with it. And I have no idea, whether I’ll grow it back again. It’s hair. It’s just hair. So much for that :-)
 
All the best and be safe.
Bästa hälsningar – سلام

Dienstag, 7. Juni 2016

Voll dabei und doch weit weg - Israel V - Completely here yet far away

--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---

Hej! - ! سلام
 
Alles ist wie immer: Ich bin in der hibbeligen und unruhigen Vor-Abreisephase angekommen, packe gedanklich jeden Abend meinen Rucksack und verzweifle ob Platzmangel. Die "noch ein letztes Mal!" - Liste wird fleissig abgearbeitet: Heute hatte ich meinen dritten letzten Falafel, andere Dinge sind zugleich das letzte und das erste Mal. Auch die typischen Fragen bleiben nicht aus: Wie hat es dir gefallen? Wann kommst du zurück? Warum musst du gehen? Freust du dich?
Diese Art von Abschied ist nichts Neues mehr für mich. Trotzdem ist es jedes Mal besonders. Was jedoch immer gleich ist: Die Beständigkeit, mit der die Zeit vergeht, Stunde um Stunde, Woche um Woche. Die Zukunft kommt unweigerlich, und ich freue mich sehr darauf. Zuerst aber folgt ein Blick in die nahe Vergangenheit.
(Und noch zuerster eine Frage: Hat jemand ein Aufladekabel für ein MacBook Pro abzugeben? Meines lebt wohl nicht mehr lange...)
 
Arbeit
Die Arbeit hat sich in den letzten Wochen vor allem auf den Bau von Gärten und meine Masterarbeit beschränkt. Um das Geheimnis zu lüften: Die Arbeit trägt den Arbeitstitel „’Don't give me a fish, teach me how to fish!’ - A Qualitative Study on Bedouin Boys’ Perception of their Prospects and Gender Roles in the Bedouin Community in the Negev“. Es geht darum, wie Beduinische Jungs ihr Leben und ihre Perspektiven einschätzen, wovon sie träumen und was sie sich wünschen. Und darum, wie sie die Rolle der Frau in ihrer Gesellschaft wahrnehmen. Denn egal wie sehr sich Organisationen für Frauenrechte einsetzen – wenn Männer nicht erkennen, dass und warum das wichtig ist, wird dieses Unterfangen sehr schwierig. Das Ziel der Arbeit ist, mögliche Jugend-Programme für eine NGO skizzieren zu können. Diese Programme sollen die Jugendlichen einerseits beschäftigen (es gibt hier so ziemlich nichts, was sie in ihrer Freizeit machen können), andererseits aber auch wegbereitend für eine Gesellschaft sein, in der alle ein gutes Leben haben – Männer und Frauen. So bin ich in den letzten Wochen viel unterwegs gewesen und habe Beduinenjungs, Lehrer, Sozialarbeiter etc. interviewt. Natürlich hätte ich gerne mehr Zeit gehabt und es gäbe noch viele Menschen, die wertvolle Sachen zu diesem Thema beizutragen hätten. Aber auch mit dem momentanen Stand bin ich zufrieden – vor einem Monat sah das alles noch ein wenig dunkler aus. Dank der grossartigen Unterstützung meiner Mitarbeiter und deren Familien und Freunden konnte diese Interview-Serie aus dem Boden gestampft werden. Es hat wahnsinnig Spass gemacht, mit so vielen verschiedenen Menschen zu reden und ihnen zuzuhören.

Wochenende - Unterwegs gesichtet
Neben den Ausflügen für die Interviews standen auch einige andere Dinge an: Der Mitarbeiter-Ausflug führte uns in den Norden, nach Akko. Akko war die Hochburg der Kreuzritter, nachdem sie Jerusalem verloren hatten. Auch Napoleon war dort – verrückt, nicht? Es gibt zwei Besonderheiten in Akko: Zum einen ist es eine Stadt, in der Juden und Araber wirklich zusammen leben – im gleichen Viertel, im gleichen Haus. Zum anderen besteht die Stadt aus zwei Ebenen (oder drei, denn ganz unten gibt es noch ein Tunnelsystem), der Kreuzritterebene (für Archäologen ein Traum) und der heutigen. Der gesamte Ausflug hatte Schulreisen-Charakter: Im Bus wurde gesungen und getanzt, Massen an Süssigkeiten wurden verschlungen (auf dem Rückweg wurde extra Halt in einem Dorf gemacht, das bekannt für seine Gebäcke ist – alles mit Honig durchtränkte Blätterteigdinger mit Nuss-Füllungen), die Stimmung war gut. In Akko selbst teilten wir uns auf und ich kam in den Genuss eines Türkischen Hamams inklusive Dampfsauna, Trockensauna, Whirlpool und Massage. Schaumsäcke wurden über meinen Körper ausgedrückt, Schüsseln mit kaltem und warmem Wasser ausgeleert, alles komplett durchgeknetet. Danach gab’s Früchte und Getränke, ein Verwöhnprogramm der Extraklasse. Der Spass kostete mehr als mein Rückflug nach Deutschland, doch er war es wert, nicht zuletzt um die Freude und Entspannung der anderen mitzuerleben. Es war schön, die Meeresluft zu atmen und Zeit mit allen zu verbringen. Abschluss dieses tollen Tages war ein phänomenaler Sonnenuntergang – ein Spektakel, das mir immer wieder den Atem raubt.
 
Everyday in Israel
Viel Zeit habe ich in den letzten Wochen auch mit den Nachbarskindern verbracht. Manchmal schnabulieren wir Beeren von einem Baum (es gibt sie in weiss und schwarz, sie sehen ein bisschen wie längliche Brombeeren aus...), spielen Fussball (die sind schnell, diese Kiddies!) oder besuchen die Schafe. Neulich stiess ich zu den üblichen Verdächtigen, als sie gerade einen Stuhl aus einer Holz-Palette bauen wollten. Sie sägten kräftig (mit einer stumpfen Säge) und hämmerten und waren sehr kreativ. Am Schluss konnten wir auch wirklich alle auf der Stuhl-Bank sitzen, die Aussicht über das Dorf geniessen und Tee trinken. Herrlich. Die Kommunikation ist manchmal etwas schwierig, aber nirgends ist sie unwichtiger als mit Kindern – mit ihnen kann man auch „stumm“ herumtoben. Lustigerweise kann ich sonst mit Kindern nicht so viel anfangen – hier scheint uns die Sprachdifferenz von Vorteil zu sein...

Von einer befreundeten Lehrerin wurde ich auf eine Abiturfeier eingeladen. Was für ein Anlass! Es gab viel Verpflegung, laute Musik, noch lautere (gebrüllte!) Reden von vielen Männern, amerikanische Kutten und Hüte (diese viereckigen mit dem Bommel dran), Schuhe mit mörderischen Absätzen... – ein Spektakel. Besonders spannend waren die tausenden Fotos (niemand lachte!) und die Handschläge (bei denen man sich prinzipiell nicht anschaut): Die Schüler schüttelten die Hände der Lehrer und zogen an den Lehrerinnen vorbei, die Schülerinnen taten Gleiches mit den Lehrern. Einige LehrerInnen / SchülerInnen machten Ausnahmen, aber im Grossen und Ganzen herrschte eine klare Geschlechtertrennung. Wobei sich mir nach dem Händeschütteldrama in der Schweiz nun die Frage stellt: Ist es sexistisch, wenn beide Geschlechter (mehr als Frau und Mann existieren hier offiziell nicht) dem jeweils anderen die Hand nicht reichen? Einige Frauen, die ich hier getroffen habe, sagten ganz klar, dass es ausser Frage für sie stehe, einem Mann die Hand zu geben. Neben den Handschlägen hatten auch die Hüte einen wahren Unterhaltungswert. Es ist wohl nicht so einfach, sie auf Kopftuch-Köpfen zu befestigen. So fielen sie denn reihenweise auf die Bühne oder hingen, mit Nadeln festgesteckt, auf halber Höhe zwischen Kopf und Schulter. Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Feier vorgeholt wurde, damit sie nicht im Ramadan stattfinden würde. Die Prüfungen stehen noch an, die vermeintlichen Abiturienten sind also noch einen entscheidenden Schritt von ihrem Zeugnis entfernt. Aber was soll’s, das Foto fürs Familienalbum haben sie.

Auch wenn viele Erlebnisse wirklich schön und bereichernd sind und ich tolle Menschen kennen lernen durfte, freue ich mich auch darauf, wieder in einer Umgebung zu sein, in der mir die Regeln bekannt sind und ich mich sicher zu bewegen weiss. Als Beispiel dafür zwei Erlebnisse, die nicht ganz glücklich abgelaufen sind:
Oft war ich mit unserer treuen Sekretärin unterwegs. Wir hatten den Running Gag, dass ich irgendwann ein Selfie mit den Dorfkamelen machen müsse. An einem besonders heissen Tag fuhren wir wieder einmal an diesen Kamelen vorbei, die gerade auf der Wiese lagen. Kurzerhand hielten wir an und ich stieg aus, um ein Foto zu machen. Doch kaum war ich in Position, kam ein Junge auf mich zu, weiter hinten zwei weitere. Die Verständigung war schwer, doch er gab mir zu verstehen, dass ich wohl kein Foto schiessen solle. Die Sekretärin rief vom Auto aus, ich solle ruhig ein Foto machen (was mir auch glückte), doch dann rief ein Mann vom nahe gelegenen Stall irgendwas zu uns herüber. Ich verstand zwar kein Wort, doch der Ton war unmissverständlich. Nachdem ich mich aus dem Staub gemacht hatte, rätselten wir im Auto über den Grund dieses Verhaltens. Auch die Sekretärin, eine eingefleischte Beduinen aus diesem Dorf, konnte es sich nicht erklären. Doch ganz offensichtlich hatte ich als Ausländerin irgendetwas falsch gemacht, ohne es zu wollen – ein unangenehmes Gefühl.
Das zweite Missverständnis ereignete sich an einer Henna-Party, also quasi einem Junggesellinnenabschied. Es war das Fest der Schwester einer Arbeitskollegin – ein schöner Abend. Auf dem Weg zum Ausgang am Ende des Festes sahen wir auf einer Bank ein paar kleine Jungs schlafen. Es sah unglaublich süss und witzig aus, wie sie da übereinander gestapelt ruhten – ein wundervolles Bild, das ich gerne festhalten wollte. Doch plötzlich kam die Mutter eines der Jungen und riss ihn mit sich, kochend vor Wut. Offensichtlich hatte ich etwas falsch gemacht, doch eine Entschuldigung konnte ich gar nicht anbringen, so schnell und wütend war sie davon gerauscht. Später fand ich heraus, dass es zwei Probleme gab: Einerseits das Fotografieren (bisher war mir die Problematik nur bei Frauen bekannt, nicht bei Kindern, dazu noch männlichen), andererseits haben wir anscheinend gelacht. Die Mutter dachte, wir lachen ihr Kind aus und machen uns lustig darüber, dass die Jungs dort schlafen. Ich verstehe noch immer nicht ganz, was genau sie so sehr in Rage versetzt hat. Doch einer erklärte mir: „Wir Beduinen sind sehr emotional.“ Diese Aussage kann ich voll und ganz unterschreiben. Für mich war diese Situation extrem unangenehm – als Gast und als Fremde eingeladen sein und dann in so ein Fettnäpfchen tappen, gar kein schönes Gefühl. Mittlerweile konnte ich mich entschuldigen, doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Was sonst noch erwähnt werden will:
  • Die Moschee neben dem Büro wurde umgestrichen: Zuerst war die Kuppel grün, nun ist sie golden. Sehr verwirrend, denn sie war die einzige grüne Moschee im Dorf und damit ein guter Orientierungspunkt.
  • Das grosse Krabbeln war zu Besuch: Letzte Woche wurde ich von unbekannten Viechern befallen, die eine mittlere Katastrophe auslösten. Solche Stiche können ganz schön jucken – und wenn man mögliche Ursachen abends googlet, spürt man es im Bett am ganzen Körper krabbeln. Vermutete Übeltäter waren Baby-Mücken – unsicht- und -hörbare Tierchen, die richtig gemein und viel (!!!!!) stechen. Ganz allgemein bin ich froh, für eine Weile zurück in eine Gegend zu kommen, in der es keine Riesenkakerlaken und ähnliches gibt.
  • Ramadan hat begonnen, und es war schon Wochen vorher spürbar. Viel wurde darüber geredet, noch mehr eingekauft, tausende Lichter aufgestellt – Ramadan ist in aller Munde. Es ist ein bisschen wie die Weihnachtszeit in Europa.
  • Die Frauen hier lieben es, mir Make-Up ins Gesicht zu schmieren. Eine schenkte mir „Kohle“ (eine Art Kajal), andere legen gleich selbst Hand an. So machte mich eine Nachbarstochter drei Hauttöne dunkler und setzte mir eine Hijab auf, was gar nicht mal so schlecht aussah und sich angenehm anfühlte. Nach der Schminkübung folgte ein entspannter Abend mit viiielen Tanzeinlagen und Kichereien, einfach schön.
  • Müsste ich Beduinen mit einem Wort beschreiben, würde ich „funny“ sagen, also quasi „witzig“.
  • Leider muss ich eine Korrektur für die Bildunterschriften anbringen: Überall wo „Al Aqsa-Moschee“ stand, war der Felsendom zu sehen. Die Al Aqsa-Moschee befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite. Der Felsendom ist nun eine „inoffizielle“ Moschee für Frauen.
Ausblick 
Was ich sicherlich nicht vergessen werde:
  • Wie die Sekretärin mich am ersten Tag vom Bahnhof abholte und im Supermarkt hinfiel – eine Erinnerung, über die wir heute noch lachen.
  • Das Verwöhnprogramm meiner Hausherrin, die mir ständig Brot, Gemüse, Früchte und andere Leckereien bringt. Zum Abschied schenkte sie mir allerlei selbst bestickte Dinge, traumhaft schön.
  • Dass hier wirklich alle (!!!) irgendwie miteinander verwandt sind. Alle.
  • Das süsse Kamelbaby in einem der unanerkannten Dörfer, die herzlichen Menschen dort, die wundervolle Landschaft.
  • Die Strassenhuckel... die werde ich definitiv nicht vermissen!
  • Und so vieles mehr...
Auch die Zukunft war fester Teil der letzten Wochen. Fleissig habe ich nach WGs in Wien (für den gesamten Juli – ich darf an einer Summer School der Universität für Bodenkultur teilnehmen und bleibe noch ein wenig länger) und Leipzig gesucht. Erstere Suche war bereits erfolgreich (ein Zimmer MIT Fahrrad!), in letzterer Stadt werde ich gleich nach meiner Rückkehr einige WGs anschauen gehen. Schon jetzt ist mir Leipzig sehr sympathisch – die Preise sind bezahlbar und es gibt haufenweise tolle Inserate und Menschen, wie mir die vielen Skype-Gespräche mit potenziellen Mitbewohnern gezeigt haben. 

(Anhang: Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen und ich bin aus meinem schönen (auf seine eigene Art) Beduinendorf abgereist. Der Abschied war herzlich, es wurden Süssigkeiten verschlungen und Reden geschwungen. In jeder Kultur ist das Abschied nehmen wieder anders, aber wie bei vielen anderen Dingen gibt es auch hier etwas, das überall irgendwie gleich ist. Nun freue ich mich auf zwei ruhige Tage in Jerusalem (Habt ihr gewusst, dass Kim Kardashian Armenierin ist? Ich kenne sie zwar nicht, aber ich weiss jetzt, das praktisch alle Namen, die auf „-ian“ enden, Armenischer Abstammung sind.) und einen Besuch in Ramallah. Ich treffe viele spannende Menschen im Hostel und wir reden viel (mit einem Israeli über den Konflikt, mit einem Italiener über Poesie und Lyrik, mit ein paar Indern über so ziemlich alles, mit vier UN-Leuten (die kannten sich nicht und trafen sich zufälligerweise hier) über ihre Arbeit...). Es fühlt sich gut an, Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zu treffen und sich mit Menschen zu unterhalten, die reisen und sich der Vielfalt da draussen bewusst sind.)

Nun möchte ich mich bei euch bedanken – fürs Mitlesen, Karten schicken, Begleiten durch dieses Abenteuer. Es tut gut, seine Erlebnisse teilen zu können. Danke!

Random Fact: Zum Abschluss ein bisschen Wissen über Beduinen im Negev. 60 Prozent der Bevölkerung ist zwischen 0 und 19 Jahre alt. Ausserdem haben sie eine der höchsten Wachstumsraten weltweit: 2011 waren es 3,6 Prozent.

Seid von Herzen gegrüsst und bleibt behütet.
Bästa hälsningar - سلام

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Hej! - ! سلام
 
Everything is as always. I’m in this squirrelly and twitchy pre-departure-phase, theoretically I’m packing my bag every evening just to drown in despair over shortage of space. The “one last time!” – list is being diligently worked off: Today I had my last falafel (for the third time), other things are the first and last time at the same time. Also typical questions aren’t being left out: How did you like it? When will you come back? Why do you have to leave? Are you happy?
This sort of farewell is nothing new to me. However, it’s something unique every time. But what always stays the same: The consistency at which time passes, hour by hour, week by week. The future arrives inevitably, and I’m very much looking forward to it. But first follows a glimpse into the past.
(And more first-er a question: Does anybody have a charger for a MacBook Pro? Mine will die soon…)

Work
Work has mainly been restricted to gardens and my thesis in the last week. To disclose the secret: My master thesis has the working title “’Don’t give me a fish, teach me how to fish!’ - A Qualitative Study on Bedouin Boys’ Perception of their Prospects and Gender Roles in the Bedouin Community in the Negev“. It deals with the perception of Bedouin boys – about their life and their perspectives, what they dream about and what they are longing for. And it’s about how they perceive gender roles in their community. Because – no matter how much organizations fight for women empowerment – if men don’t realize that and why this is important, this is a bold venture. The aim of the study is to be able to design a valuable youth program for an NGO. This program should give the youth something to do (there is nothing here, that they can do in their free time), otherwise it should help in creating a society in which everybody has a good life – men and women. So I spend the last weeks on the road, interviewed many boys, teachers, social workers etc. Naturally, it would have been nice to have more time and there were many people that I didn’t talk to, but who would have had valuable thoughts to contribute. But I’m also content as it is now – one month ago everything looked a little darker. Thanks to the amazing support of my co-workers, their families and friends I was able to design and conduct these interviews from scratch. It has been a lot of fun speaking to so many different people and, most of all, listening to them.

Weekend – Seen on the road – Small town life
Apart from the trips for the interviews there were other happenings: The staff-excursion led us to the North, to Akko. Akko was the stronghold of the Crusaders after they had lost Jerusalem. Also Napoleon has been there – strange, isn’t it? Akko has two particularities: It’s a city in which Arabs and Jews truly live together – in the same quarter, in the same house. Furthermore, the city consists of two levels (or three, because there is a complicated tunnel system deep down), the Crusader’s (a dream for archaeologists) and the current one. The whole excursion was like a school trip: People were singing and dancing, we ate massive amounts of sweets (on the way back we stopped in a village that’s famous for its pastry – puff pastry soaked in honey with nut-filling), the mood was got. In Akko we split up and I had the honor to enjoy a Turkish Hammam, incl. steam and dry sauna, whirlpool and massage. Bags with foam were tipped over our bodies, bowls with cold and warm water, everything was kneaded. After that we enjoyed fruit and drinks, a top-class wellness program. This amusement cost more than my flight back to Germany, but it was worth it, last but not least for the sake of seeing my friends joy and relaxation. It was good to breathe some sea air and to spend some time with everybody. At the end of the day we enjoyed a fantastic sunset – a spectacle that consistently takes my breath away.
 
Everyday in Israel
I spend a lot of time with the kids in the neighbourhood during the last few weeks. Sometimes we steal some berries from a tree (they are either white or black and look a little like longish blackberries…), play football (they are fast, these kiddies!) or visit the sheep. The other day I came up to the usual group and found them building a chair out of a wooden palette. They were sawing with all their strengths (and a dull saw) and hammering and being very creative. At the end we could really sit on that chair-bench-construction, enjoy the view over the village and drink a cup of tea. Exquisite! The communication was a little difficult sometimes, but nowhere it’s less important than with children – with them you can also romp around “silently”. Usually, me and children don’t go well together – here our language difference seemed to be an advantage…
From a befriended teacher I was invited to a graduation party. What a happening! There was a lot of food, loud music and even louder (screamed!) speeches from many men, American cowls and hats (these quare ones with the pompon), shoes with breathtaking (or life-…) heels… - a spectacle. Particularly interesting were the thousands of photos (nobody was smiling) and the handshakes (where you never look at the other person): The male scholars were shaking hands with the male teachers and passed the female teachers, the female scholars did the same thing with the male teachers. Some teachers and pupils were making exceptions, but in general there was a clear gender separation. At which, after the drama about the handshakes in Switzerland, a question comes up: Is it sexist when both genders (more than women and men aren’t existing here officially) refuse to shake hands with the other gender? Some women I’ve met here were very clear about their aversion towards shaking hands with a man. Apart from the handshakes also the hats were quite entertaining. Apparently, it’s not that easy to fix them on head-scarves-heads. Numerous hats were falling down on stage or stuck, hanging on needles, halfway between head and shoulder. After the whole celebration I got to know, that the exams haven’t even taken place yet. The party was preponed so it wouldn’t take place in Ramadan (which started today). So the graduates still have one important obstacle to overcome before they receive their certification. But whatever, the picture for the family album is done.

Even if many experiences are truly enriching and beautiful and I have met wonderful people, I’m looking forward to being in an environment that’s more familiar to me, where I know the rules and I can move confidently. To give an example I’ll describe two experiences that weren’t that fortunate:
Often I was on the road with our office manager. We had the running gag that I had to take a selfie with the village-camels at one point of my stay. On a very hot day, we passed these camels one more time, they were lying on the grass. We stopped and I went to take a picture. But just when I found the right pose, a boy came up to me, two more behind him. Communication was difficult, but he tried to let me know that I shouldn’t take a picture. The office manager shouted from the car that I should go ahead and take the photo (which I managed to do), but then a man from a barn nearby started screaming something. I didn’t understand a word, but the tone was without ambiguity. After we had left we puzzled over the possible reasons for this behaviour. Also the office manager, a real Bedouin from that village, couldn’t find an explanation. But apparently I had done something wrong as a foreigner, without intention – an unpleasant feeling.
The second misunderstanding happened at a henna-party, a bachelorette party so to speak. It was the party of a colleagues’ sister – a wonderful evening. On the way to the exit at the end of the evening we saw some little boys sleeping on a bench. It looked incredibly cute and funny, how they were resting piled up on that bench – a memorable picture that I wanted to remember by taking a photo. But suddenly one boy’s mother appeared, tore her boy with her and was boiling with rage. Obviously, I had done something wrong, but I didn’t manage to apologize – the mother disappeared too fast and angry. Later I found out, that there were two problems: One was the act of taking pictures (until then I had only known that this is an issue with women, not with children, let alone male children). In addition to that, the mother saw us laughing and thought, we were mocking her child (or something like this). I still don’t fully understand, what made her so angry. But one explained: “We Bedouins are very emotional.” I can fully confirm this quota. For me this situation was extremely uncomfortable – to be invited as a guest and a foreigner and then drop a brick like that… another unpleasant feeling. Meanwhile I was able to apologize, but a bitter taste stays. 

What else wants to be mentioned:
  • The mosque next to the office was repainted: First the dome was green, now it is golden. Very confusing, since it has been the only green mosque in the village and therefore a good orientation point.
  • The “big crawl”, as we say in German, paid me a visit: Last week I was attacked by unknown creatures, who provoked a medium crisis. Stings like this can be quite itchy – and when you google possible causes just before going to bed, you can feel it crawl all over your body… Possibly the culprits were baby-mosquitoes – invisible and inaudible animals, that sting a lot (!!!!!) and are very mean. In general I am happy to come back to an environment, where huge roaches don’t exist.
  • Ramadan just started, and you could already feel it weeks in advance. They talked about it everywhere, they bought many things and everywhere lights were installed – a little like Christmas time in European countries.
  • Women here love it to put make-up in my face. One gave me “coal” (some kind of “kohl”), others just get the job done themselves. One neighbours daughter transformed me into a Barbie – with darker skin than usually and a hijab. It didn’t even look that bad and felt quite comfortable. After the beauty evening we celebrated a quite evening with a lot of dancing, singing, laughing, giggling – a truly wonderful evening.
  • If I had to describe Bedouins with one word, I called them funny.
  • I have to correct the subtitles for some of the pictures I send. Wherever I wrote “Al Aqsa-mosque” you could actually see the “Dome of Rock”. On the opposite of that stands the real Al Aqsa-mosque. The “Dome of Rock” became something like an “unofficial” place of prayer for Muslim women.
Outlook
What I’ll remember for sure:
  • How the office manager picked me up from the train station for the first time and fell over in the supermarket – a memory about which we’re still laughing today.
  • My landlady’s pampering – she constantly gave me bread, vegetables, fruit and other delicious things. At my departure she gave me many different things with embroidery on them – incredibly beautiful and done by herself.
  • Everybody here is related to each other somehow, everybody.
  • The sweet camel foal in one of the unrecognized villages, the heartily people there, the fantastic landscape.
  • The bumps in the street… won’t miss them for sure!
  • So many other things…
Also the future has been part of the last weeks. I searched for a room in Vienna (I’ll spend the whole July there – I have the opportunity to participate in a summer school at the University for Natural Resources and Life Sciences and decided to stay a little longer) and Leipzig. The first was successful (a room WITH a bicycle!), the latter will be fixed soon hopefully, since I’ll visit many possible flats right after I’m back. Already now Leipzig seems to be a good place – the prices are affordable and there are many good ads and interesting people, as the numerous skype-calls with potential future flatmates have shown.

(Annex: Meanwhile, a few days have gone by and I already left my beautiful (in its own way) Bedouin village. The farewell was heart-warming, we had maaaany sweets and speeches. In each culture, farewells are different. But as it is with many things, also here some things are just the same everywhere. Now I’m enjoying two quiet days in Jerusalem (Did you know that Kim Kardashian is Armenian? I don’t know her, but I know now that basically any name ending with “-ian” is Armenian.) and a visit to Ramallah. I’m meeting many interesting people in the hostel and we talk a lot (with an Israeli about the conflict, with an Italian about poetry, with some Indian guys about pretty much everything, with four UN-workers (they didn’t know each other, it was a coincidence they all met here) about their work…). It feels good to meet people from different countries and cultural backgrounds again, to talk to people who travel and are aware of the diversity out there.)

Now I want to thank you – for reading, sending letters, accompanying through this adventure. It feels good to share experiences. Thank you!

Random Fact: At the end I want to spread some knowledge about Bedouins in the Negev. 60 percent of the population are aged between 0 and 19. Furthermore, they have one of the highest growth rates in the world: 2011 it was 3,6 percent.
 
All the best and be safe. 
Bästa hälsningar – سلام
Tolle Kamele - Awesome camels
Akko
Irgendwann wächst hier was... - At one point something is going to grow here...
Gibt es hier überall, wunderschön! - You can find it everywhere, beautiful!
Lakiya
Mein letztes Werk vor der Arbeise. Besonders stolz bin ich auf das Befestigen der Beine. - My last creation before I left. I'm very proud of the legs I attached.

Sonntag, 15. Mai 2016

Veränderungen annehmen und lernen - Israel IV - Embrace the Change and Learn

--- FREESTYLE ENGLISH VERSION BELOW ---

Hej! - ! سلام

Es ist wieder einmal Zeit. Gerade ist Himmelfahrt vorbei – am gleichen Tag wurde hier in Israel auch des Holocausts gedacht, wie auch der Nachtreise Mohameds nach Jerusalem und seine Himmelfahrt – und ich geniesse die milden Abendstunden nach einem weiteren heissen Tag. Mittlerweile sind Temperaturen von teilweise weit über 30°C an der Tagesordnung, die Felder sind gelb, grüne Oasen gibt es nur noch wenige. Wie das Grün schwindet auch meine verbleibende Zeit hier. In vier Wochen werde ich bereits zurück sein und in Deutschland und der Schweiz herum tingeln. Wie die Zeit vergeht. Vielleicht wundert ihr euch, dass ich schon wieder zurückkomme. Es ist an der Zeit. Die Datensammlung für die Masterarbeit wird dann abgeschlossen sein, zum Schreiben geht man bekanntlich lieber woanders hin. Zudem fängt kurz darauf der Ramadan an, in dem tagsüber nichts gegessen (oder getrunken) werden darf und viele kaum bis gar nicht arbeiten. Auch die Temperaturen werden von jetzt an nur noch steigen – kurzum, ich will es vermeiden, mich mit dem Projekt Israel bis über die Grenzen hinaus zu überfordern und den Bogen verschiedenster Toleranzen zu überspannen. Deshalb soll es nach vier erlebnisreichen Monaten wieder gen bekannte Gefilde gehen. Soviel dazu.

Arbeit
Auch bei der Arbeit vergeht die Zeit. Die Eröffnung scheint schon Monate her zu sein. Alltag ist eingekehrt, sofern es hier je einen Alltag gibt. Ich tue immer noch dies und das, alles und nichts zugleich, irgendetwas fällt immer an. Letzte Woche haben wir in einem sehr (!) entlegenen Dorf einen Garten angelegt. Beziehungsweise für eine Familie, die in einem einzelnen Haus (... eher Hütte...) irgendwo in der Wüste lebt. Alleine findet man den Weg dorthin kaum, das Haus liegt zwischen den kahlen Hügeln einige Kilometer vom Rest des Dorfes entfernt. Der Boden besteht aus Sand und Stein, schon nach wenigen Minuten hatten wir alle zahlreiche Blasen an den Händen. Dazu kamen unmenschliche Temperaturen von etwa 40°C. Wie diese Familie dort lebt – keine Ahnung. Die vielen Kinder liefen alle barfuss über den rauen Boden, der mit Müll (Dosen, Zahnbürsten, Kleider, Rasierer, ein Ventilator, Verpackungen – alles!) übersäht war, innerhalb der Hauswände gab es irgendwie nichts und man fragt sich, wo diese Menschen leben und schlafen. Ein Mädchen trank Wasser aus einer der Tonnen, in denen das Regenwasser gesammelt wird. Was hat sie wohl eine Zukunft vor sich? Dass es diese Armut gibt – keine Frage, das ist ja irgendwie bekannt. Aber dass es sie, in diesem Ausmass, in Israel gibt? Einem Land, dass sich selbst gerne als fortschrittlich darstellt? Das überall WLAN anbietet, pünktliche Züge hat und in das unfassbare Mengen an Geld fliessen? In solchen Momenten kommt einem die Welt besonders ungerecht vor.

Wochenende - Unterwegs gesichtet
Schon wieder durfte ich mir ein paar Tage frei nehmen und mit meinen zwei Begleitern durch das Land reisen. Mit dabei war stets halb Israel, denn dummerweise hatten wir die Pessach-Woche erwischt, in der das ganze Land unterwegs zu sein scheint. Unsere Tour führte uns mit einem Mietauto (ganz frisch, es hatte 29km auf dem Zähler und war noch in Plastik eingepackt) am ersten Tag von Tel Aviv (immer noch eine tolle Stadt, die nicht zum restlichen Land passt – eine Bubble eben; aber baden kann man gut!) über Ashdod (auch da wurde gebadet) nach Lakiya. Am nächsten Tag wurde Masada erklommen – ein Fels, eine Klippe, auf der eine ganze Stadt erbaut wurde. Als sie einmal von den Römern belagert wurde, entschieden sich die Bewohner dafür, kollektiven Selbstmord zu begehen und sprangen alle in den Abgrund. Wir quälten uns in sengender Hitze die vielen Stufen nach oben („Aufstiegszeit je nach Fitness zwischen 45min und 3h“... wir standen nach genau 45min oben!), von den faulen Touris in der Seilbahn seicht belächelt. Die Aussicht war wundervoll und die Steine der Stadt ganz hübsch anzuschauen – mit Archäologie kann ich leider nicht so viel anfangen. Dafür war der Film im Informationszentrum am Fusse des Felsens ein absolutes Highlight für mich, wäre der Geschichtsunterricht nur halb so witzig gewesen... Zur Erfrischung ging es dann ins Tote Meer, wobei das Wasser weniger Abkühlungs- und mehr Badewannencharakter hatte. Weiter ging es nach Jerusalem, wo erneut die Klagemauer (überfüllt, weil Pessach) und der Felsendom (friedlich und wunderschön) besucht wurden. Ein besonderes Erlebnis war der Ausflug nach Bethlehem im Westjordanland, das etwa eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt liegt. Nach einer Schlenderei über den Markt liessen wir uns von einem Taxifahrer einpacken, der uns versicherte, unser Freund zu sein und uns einen guten Preis zu machen. Er brachte uns zu einer Kirche (die steht da, wo die Hirten auf dem Feld waren, als ihnen die Engel die Geburt Jesu verkündigten), zu allen Banksy-Graffitis und der Mauer (Beeindruckend. Sowas stand bis „vor kurzem“ noch in Deutschland. Und doch ist das schon so lange her, jetzt erinnert fast nur noch eine Linie auf dem Boden daran. Wird dieser Tag hier je kommen?) und auf einen Hügel (Herodion, eine Fluchtburg und das Grab von Herodes, das man erst 2007 entdeckte – wieder ein paar Steine und beeindruckende Tunnel). Danach handelten wir eine Weile mit ihm und fuhren nach Hebron. Hebron liegt etwa 40km südlich von Bethlehem im Süden des Westjordanlandes, gar nicht so weit von meinem Wohnort entfernt. Hebron ist eine besondere Stadt, in vielerlei Hinsicht. Hier steht eine berühmte Moschee, in der Abraham, Sara, Jakob und Lea liegen. Auch für Rebekka und Isaak gibt es einen Platz, wie auch für Joseph (nur für die Muslime, die Juden glauben, seine Gebeine lägen in Sichem bei Nablus). Hebron besteht aus zwei Zonen, auch die Moschee ist zweigeteilt: Christen dürfen in beide Teile, Juden und Muslime jeweils nur in den ihren (der muslimische Teil ist eine ehemalige Kreuzfahrerkirche). Abrahams Grab stellt dabei die Grenze dar, in können beide „sehen“, da er für beide Religionen eine äusserst relevante Person war. Grund für die Teilung ist ein Massaker eines jüdischen Arztes im Jahr 1994. Einmal mehr erschien mir das alles sehr abstrus und unwirklich. Unser arabischer Guide führte uns dann ein wenig die Strasse hinunter und wies uns den Weg. Er könne nicht in die Innenstadt, für Araber sei die gesperrt. Grund dafür sind die etwa 400 jüdische Siedler, die im Stadtzentrum wohnen und von abartig (wirklich, unfassbar!) vielen Soldaten bewacht werden. Die Strassen, früher das Zentrum einer belebten und florierenden Handelsstadt, waren wie ausgestorben. „Geisterstadt“ ist das einzig passende Wort. Hie und da hängt Propaganda herum, Soldaten ziehen durch die leeren Gassen, einige andere Touristen, ab und zu fährt ein Auto oder Bus vorbei. Aber sonst – einfach nichts. Von einem Dach oberhalb eines etwas mickrigen arabischen Suk (eine Art Markt) aus sahen wir die zusätzliche militärische Überwachung: auf Dächern verteilte Posten, Wachtürme etc. Und das ist Alltag. Es fällt mir schwer, die Atmosphäre aus Hebron in Worte zu fassen. Ein jüdischer Autofahrer hielt an, um mit uns ein Schwätzchen zu halten, in einem arabischen Strassenladen unterhielten wir uns mit einem jungen Araber – alles irgendwie Menschen. Die ganze Westbank ist zudem in Zonen unterteilt, die für Touristen kaum erkennbar sind, doch unser Taxifahrer kannte die Grenzen alle. Er trug in den von den Israelis kontrollierten Gebieten einen Sicherheitsgurt, schnallte sich jedoch konsequent ab, sobald wir in eine palästinensische Zone kamen. Schwierig, einfach sehr schwierig das alles.
Der letzte Tag führte uns in eine nicht weniger schwierige Gegend: in die Golanhöhen im Norden Israels. Dort herrscht Knatsch mit Syrien, wieder geht es um Landesgrenzen. Auf unserer Wanderung (Laut Angabe 2h45min lang... wir benötigten mit ausgiebigem Picknick und einer guten halben Stunde Nickerchen etwa 1h30... Jaja, interkulturelle Kommunikation.) kamen wir an alten Schützengräben und Panzern vorbei, mit den Augen sahen wir das heutige Syrien, die ehemalige Grenze war nur eine Nasenlänge entfernt. Die Infotafeln waren wieder voller Propaganda, Israel als der grosse Beschützer des Jordan. Wieder war die Stimmung bedrückend: Sonnenschein, Vögel zwitschern, Natur – und nur wenige Kilometer entfernt beginnt ein Land, das jetzt gerade zu Schutt und Asche zerfällt. Aus dem sich zahlreiche Menschen auf eine wochenlange, gefährliche und teure Reise aufmachen. Und mein Besuch stieg ein paar Stunden später in den Flieger und landete bald darauf in der Schweiz. Einfach so. Verrückte Welt!
Der Tag endete jedenfalls mit einem sehr guten Falafel in einem Drusendorf (Die Kellnerin schmiss die Teller auf den Tisch, als wären sie Frisbees, und als wir nach drei Millisekunden noch kein Gericht ausgewählt hatten, wollte sie uns unbedingt den Salat verkaufen – wohl das einzige englische Wort, das sie beherrschte. Der Besitzer hatte Geldscheine und –münzen aus aller Welt an einer Pinnwand hängen, die er uns stolz präsentierte: Franken, Euro, Dollar etc., aber auch ein Schein von den Fiji-Inseln waren vertreten!), in dem wir uns auch mit typischen Süssigkeiten eindeckten, und mit einem elendigen (ja, das Wort gibt es) Stau rund um den See Genezareth (Pessach...). Nun ist die Reisezeit erst einmal wieder vorbei, viel haben wir gesehen, viel gelernt, schön wars, anstrengend auch.

Everyday in Israel
Fährt man hier mit dem Auto an einem Samstag durch ein streng orthodoxes, jüdisches Viertel, kann es schon mal sein, dass man da nicht unbeschädigt rauskommt. Mit unserem Mietwagen hatten wir zwar Glück und begegneten nur einer Fäuste schwingenden Frau (das Navi kennt leider keine Religionen...), doch einer unserer Mitarbeiter hatte weniger Glück. Er war mit zwei Beduinenfrauen auf dem Heimweg von einem Basar und geriet aus Versehen in eben jenes Viertel. Am Samstag. Resultat war eine zersprungene Frontscheibe, denn es wurde ein riesiger Stein von einer Mauer herunter frontal auf das Auto geworfen. Der Stein hatte locker eine tödliche Grösse – doch als die Polizei am Telefon erfuhr, dass es sich nicht um werfende Araber und betroffene Juden sondern das Gegenteil handelt, war der Vorfall nicht mehr von Belang. So funktioniert der Rechtsstaat hier – und alles, was bleibt, sind Wut und Frust.
Eine willkommene Abwechslung war der Brotbackabend vor einigen Tagen. Meine Hausherrin holte mich in die angrenzende „Küche“ (mehr eine Art Zelt oder Unterstand), in der sie einen Ofen eingeheizt hatte. Diesmal buk sie nicht das traditionelle flache Beduinenfladenbrot sondern die zweite hier bekannte Brotsorte, eine Art Pita. Dafür hat man wieder einen mit Holz befeuerten Ofen, diesmal aber mit einer beweglichen, flachen, runden Platte, die man rein und raus schieben bzw. ziehen kann. Auf diese Platte legt man den Teig und ehe man gucken kann, bläst er sich zu Ballons auf. Ein unbeschreibliches Spektakel, wir hatten viel Spass (ich durfte irgendwann sogar den Teig auf die Platte werfen – ja!), auch wenn wir keine gemeinsame Sprache haben. In dem Moment, als meine Hausherrin das letzte Brot aus dem Ofen holte, kam ihre Tochter herein – in der Hand hielt sie ein grosses Glas Nutella und einen Suppenlöffel. Die Freude war gross, plötzlich wuselten überall Kinder herum und es wurden Nutellabrote en masse verschlungen. Was für ein Fest!

Auch sonst kann hier kaum Alltag einkehren – es gibt einfach zu viele Feiertage. Am 1. Mai wurde zwar gearbeitet, doch kurz darauf wurde irgendwas gefeiert (was genau habe ich leider verpasst, ich glaube, es war Mohameds Himmelfahrt), am Donnerstag fand eine grosse Demo („not a demonstration, a WALK!“) zum Unabhängigkeitstag statt (Israels Unabhängigkeit, die Demo war von den Palästinensern – „March of Return“, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Israelis das „Recht der Rückkehr“ haben, die Palästinenser jedoch nicht), am Tag vorher wurde all der Opfer dieses Krieges gedacht und und und.
Letztes Mal kündigte ich den Englischunterricht mit den wunderbaren Frauen aus einem der Dörfer an. Er fand tatsächlich statt. Ein Mal, bis jetzt. Die Logistik ist uns leider ein Hindernis, denn der Weg ist weit und ich sehr unmobil. Doch mehr zu diesem einen Nachmittag: Nach einer abenteuerlichen Autofahrt in einem Auto ohne jegliches Interieur und ohne Klimaanlage (bei 40°C!) kamen wir im Dorf an. Zuerst wurden mir alle Kinder meiner „Gastfamilie“ vorgestellt, dann unterhielten der Vater und ich uns, während die Mutter das Essen auftrug. Wir assen auf dem Boden vor dem Haus, auf einer ausgebreiteten Plastikplane. Plastik wird hier sowieso oft verwendet, auch das Geschirr, Besteck und die Becher sind immer aus Plastik und werden nach jedem Essen weggeworfen. Das war bis jetzt überall der Fall – keine Ahnung, ob es an mir liegt oder ob die Menschen das hier generell so handhaben. Nach dem Festmahl (wirklich!) trudelten so langsam mehr und mehr Frauen ein. Sie brachten alle ihre Kinder mit, die älteren Töchter sassen gesittet mit uns im Kreis. Alle Frauen (irgendwann war gefühlt das ganze Dorf anwesend) starrten mich an und versuchten abwechslungsweise, meine Aufmerksamkeit zu erhaschen. So redete ich drei Sätze Englisch hier, zwei da, dann wieder ein paar Brocken Arabisch – ein heilloses Durcheinander von Sprachen, Menschen und Themen. Es war wahnsinnig spannend und ich musste erkennen, dass Beduinen nicht wissen, was Lasagne ist. Lasagne! Das Essen aller Essen! Meine Beschreibung scheiterte grandios und am liebsten hätte ich sie alle einfach eingepackt und wäre mit ihnen Lasagne essen gefahren. Stattdessen machten wir uns jedoch auf und erklommen den „Hügel hinterm Haus“. Steil ging es nach oben, die Kinder sprangen in Flipflops um uns herum, die Frauen bissen auf die Zähne. Und wir wurden belohnt. Die Aussicht über das weite Land war fantastisch, das Tote Meer und die Hügelketten Jordaniens erahnbar und das Gefühl von Gemeinschaft einfach unbeschreiblich. Frauen und Kinder rissen sich um meine Aufmerksamkeit, für ein Selfie nach dem anderen musste ich still halten, ein Volksfest. Wieder unten angekommen wurden mir noch stolz die Schafherde und die Ziegen präsentiert. Letztere hatten sogar ganz frische Zicklein (einen Tag alt!) und wurden extra gemolken. Zwar hatten wir die vegan-Diskussion an diesem Punkt schon hinter uns gebracht (ich muss mich hier weit weniger intensiv rechtfertigen als an anderen Orten!), doch demonstrieren wollten sie es mir trotzdem noch. Der Abend endete mit einer gemütlichen Runde, einer Tour durchs Haus (eine Küche, ein Raum mit Sofas, ein Elternschlafzimmer, eine Toilette, ein Raum mit fünf Betten und fünf Schränken für die Kinder – fliessend Wasser oder Strom gibt es nicht, man muss sich mit Sonnenkollektoren und ähnlichem zufrieden geben) und einer Einladung zum Übernachten. Eine solche Einladung habe ich inzwischen schon mehrmals erhalten, auch von Menschen aus meinem Dorf (z.B. von der Tochter meiner Hausherrin, dabei weiss die ja am besten, dass ich durchaus ein Bett habe...) und ich konnte noch nicht herausfinden, ob es damit etwas Besonderes auf sich hat. Nach sechs Stunden Dauer-Aufmerksamkeit und englisch-arabischen Small-Talk waren bei mir die Batterien jedoch am Limit, weshalb ich dankend ablehnte. Doch dieser Nachmittag und Abend war eines der berührendsten und eindrucksvollsten Erlebnisse hier im Negev. Ausserordentliche Gastfreundschaft durfte ich schon an vielen Orten erfahren – doch mit diesen Frauen gibt es irgendwie eine besondere Verbindung.

Ausblick
Wer sich hier jetzt nähere Infos zur Masterarbeit erhofft, den muss ich leider enttäuschen. Dieses Projekt gestaltet sich als ein wenig schwieriger als zuerst angenommen und die Pläne ändern praktisch täglich. Ohne Herausforderungen geht es halt nicht und ich versuche, die bestmögliche Limonade aus den Zitronen zu machen, die mir das Leben gerade so zuwirft. Zur allergrössten Not gibt es ja dann immer noch Salz und Tequilla... ;-)

Ansonsten bin ich im Geiste ein wenig schwummerig, mal noch ganz gefangen hier, mal schon weit weg und in der Zukunft. Den Juni werde ich halb halb in meinen Heimatländern verbringen, Juli und August sind noch in der kreativen Phase (die Stadt Wien wird dabei aber eine zentrale Rolle einnehmen) und ab September ist nun definitiv Leipzig das Ziel – Tipps und Ratschläge bezüglich – naja, eigentlich allem, Essen, Wohnen, Kultur... – sind sehr willkommen, auch wenn die Leipziger Monate wohl sehr schreibtischlastig werden, bis im Dezember der Spuk dann vorbei ist, inshallah.

Bis dahin werde ich noch einiges zu tun haben, vermutlich eine weitere Hochzeit besuchen, einen Teamausflug nach Akko miterleben (inkl. Hamam, also türkischem Bad), Brotbackmeisterin werden – ihr werdet davon hören.

Und - wenn ihr jetzt etwas losschickt, dann kommt es noch an... ;-)

Random Fact: Nix Fact, diesmal Tipp: Den Film „Nous trois ou rien“ gibt es jetzt auch mit Untertiteln – unbedingt anschauen, wo auch immer! Einfach wundervoll, durch und durch!

Seid von Herzen gegrüsst, bleibt behütet und gesegnete Pfingsten!
Bästa hälsningar - سلام

(P.S.: Bilder wie gewohnt, diesmal in Zusammenarbeit mit meinen Reisegefährten)

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Hej! - ! سلام

It’s time again. Ascension Day just passed – on the same day Muslims remembered Mohamed’s nightly travel to Jerusalem and his ascension and this year it was also the Memorial Day for the holocaust – and I’m enjoying the gentle evening hours after a very hot day. Meanwhile, temperatures partly far over 30°C are a daily occurrence, the fields are yellow, just a few green oases are left over. The disappearing green is similar to my time here: In four weeks I’ll be already back again and dawdling through Germany and Switzerland. Time passes fast. Maybe you’re wondering why I’m already coming back. But it’s time. The data collection for my thesis will be finished by then and I have to be in another place to write. Also Ramadan starts, when you can’t eat or drink anything throughout the day and many aren’t working a lot (or even not at all). Also the temperatures are constantly rising – in short, I want to avoid challenging myself beyond what’s good with the “project Israel” and also overstretching various tolerance limits. Hence, after four exciting months I’ll return to more familiar regions. That’s that.

Work
Also at work time is moving fast. The opening seems months ago, everyday life is taking over – if there is such thing as everyday life here. I’m still busy with this and that, everything and nothing at the same time; there is always something to do. Last week we build a garden in a very (!) far-flung village. Or rather for one family who is living in a single house (…rather a hut…) somewhere out in the desert. It’s almost impossible to find the way out there alone, the house is situated between bare hills several kilometres away from the village. The soil consists of sand and stone and we all had numerous blisters on our hands after just a few minutes work. In addition, the temperature was around 40°C. How this family lives there – I don’t know. The children were running barefoot over the rough soil, which was covered in trash (cans, toothbrushes, clothes, razors, a fan, packages – everything!). Inside the house there was basically nothing and one can just wonder, where these people live and sleep. A girl was drinking water from one of the rain barrels. What future will she be facing? That this kind of poverty exists – no question, we all know that somehow. But that it exists here, in Israel, to that extend? In a country, that likes to present itself as modern? That offers WLAN everywhere, has punctual trains and that receives massive amounts of money? In moments like this the world seems to be extraordinarily unfair.

Weekend – Seen on the road – Small town life
Again I had the opportunity to take some days off and travel through the country with my two companions. Also half Israel was joining us since we had made the unfortunate choice of going travelling during the week of Passover, when the whole country seems to be on the road. With our rental car (it was brand-new, only 29km and still covered with plastic!) we went on our first day from Tel Aviv (still a great city that doesn’t fit with the rest of the country – a bubble; but bathing is amazing there!) via Ashdod (there we went swimming too) to my home. On the next day we climed all the way up to Masada – a cliff, a rock on which a whole city was build. When the Romans were besetting them, the inhabitants decided to commit collective suicide and jumped over the abyss. We struggled in the heat to climb the endless stairs (“ascent time depending on fitness between 45min and 3h”… we made it in exact 45min!), the lazy tourists in the cable car laughed at us. But the view was amazing, the stones of the city were nice to look at – as you might realize I don’t really feel very passionate about archaeology. A total highlight for me was the movie in the information centre at the bottom of the cliff – if history class had been half as funny… For refreshment we went to the Dead Sea, tough the water was less refreshment and more bathtub-tempered. The next stop was Jerusalem, where we visited the Western Wall (overcrowded, Passover) and the Al-Aqsa Mosque (peaceful and beautiful). A very intense experience was the excursion to Bethlehem in the West bank that is about half an hour away from Jerusalem. After strolling around on the market we let a taxi driver take us with him – he assured us to make a good price and to be our friend. He brought us to a church (which is standing where the angels proclaimed Jesus’ birth to the shepherds in the fields), to all the Banksy-graffitis and the wall (Impressive. Something like this has been reality in Germany just “recently”. Still it seems so long ago, now there is almost nothing but a line in the ground reminding of that massive frontier. Will this day ever arrive here?) and a hill (Herodion, a refuge fort and the tomb of Herod that has only been discovered in 2007 – again some stones and impressive tunnels). After that we negotiated a little and went to Hebron. Hebron is situated around 40km south of Bethlehem in the South of the West bank, not that far away from my current hometown. Hebron is a unique city in several ways. Here you can find the famous mosque where Abraham, Sara, Jacob and Lea are buried. There is also a place for Rebekka and Isaak, as well as for Joseph (just for the Muslims, the Jews believe that his remains lie in Sichem close to Nablus). Hebron has two zones, also the mosque is split: Christians are allowed in both parts, Jews and Muslims only in their respective part (the Muslim part is an ancient crusader-church). Abrahams grave is standing on the border, both sides have a window to see his “coffin” since he was a highly relevant person for both religions. The reason for this division was a massacre from a Jewish doctor in 1994. Once more all of this seemed very unreal and abstruse to me. Our Arab guide lead us down the read, then he showed us the way and said that he couldn’t come with us. The core of the city is blocked for Arabs due to 400 Jewish settlers who live in the city centre and who are protected by a deviant (seriously, unbelievable!) amount of soldiers. These streets, previously the centre of a vivid and flourishing trading town, were empty. “Ghost town” is the only fitting word. Propaganda was hanging on the walls, soldiers patrolling through the empty lanes, some other tourists, every now and then a car or a bus was passing by. But apart from that – nothing, just nothing. From a roof above the pathetic Arab Suk (like a market) we could see all the other military control: different posts on the roofs everywhere, watchtowers etc. And that is everyday life. I can’t really catch the atmosphere in Hebron with words. A Jewish car stopped, the man wanted to chat with us; in an Arabic shop we talked to a young Arab – they are all somehow humans. In addition, the whole West bank is divided in three different zones, not visible for tourists, but our taxi driver knew them all. In the areas controlled by the Israelis he wore a seat belt, but he consequently unfastened the belt as soon as we entered a Palestinian area. Difficult, all of this is very difficult.
On the last day we went to a region not less difficult: the Golan Heights in the North of Israel. Syria and Israel are not on the same page concerning the exact frontier line. On our hike (The instructions said 2h45min… we were done incl. an extensive picnic and a 30min-powernap in 1h30… Once again, intercultural communication.) we passed old dugouts and tanks, Syria was in eye-sight and the former border was just one arm-length away. The information signs were full of propaganda, Israel as Jordan’s big protector. Again the atmosphere was depressing: sunshine, singing birds, nature – and just a few kilometres away there was a country that is falling apart right now. A country from where so many people flee; they go on a long, dangerous and expensive journey. And my visitors went on a plane just a few hours later and landed safely in Switzerland four hours later. Just like this. Strange world!
The day ended with a very good falafel in a Druse village (The waitress smashed the tables on the table as if it was a Frisbee, and when we hadn’t chosen a meal after three milliseconds she insisted on selling us salad – possibly the only English word she knew. The owner had money from all over the world which he presented proudly: Swiss francs, euro, dollar etc., but also some money from the Fiji-islands!), where we also stocked up on typical sweets, and a horrible traffic jam around the Sea of Galilee (Passover…). Now the time of travelling has passed again, we saw a lot, we learned a lot, it was a wonderful experience, and also exhausting.

Everyday in Israel
When you pass an Jewish orthodox quarter on a Saturday by car, it might happen that you don’t exit without being harmed. We were lucky with our rental car, we only saw one women, throwing her fists into the air (unfortunately the navigation system doesn’t know any religions…), but one of our staff members was less fortunate. He was on the way home with two Bedouin women, coming from a bazaar in Jerusalem, and by accident ended up in the same quarter. On a Saturday. The result was a broken front window, because a huge stone was thrown on the car from a little wall above the street. The stone could have been deadly – but when the police on the telephone realized, that it wasn’t Arabs who had thrown the stone towards Jews but the other way around, the incident wasn’t of any interest anymore. That’s how the rule of law works here – and everything that stays are anger and frustration.

A very welcome change was the bread baking some days ago. My landlady took me to the “kitchen” (it’s closer to a tent or a shelter) next to my “apartment”, where she had heated the oven. This time she didn’t bake the traditional flat Bedouin bread, but the second famous bread they use around here, some kind of pita. For this bread we also used a oven with wood, but this time with a movable, flat, round plate that you could draw out or push in. On this plate we put the dough and before you know it they blow up like balloons. An incredible spectacle, we had a lot of fun (they even let ME throw the dough on the plate – yes!), even though we don’t have a common language. Right at the moment my landlady was taking the last bread out of the oven, her daughter entered the room – in her hand she was holding a big nutella jar and a huge spoon. The joy was immense, suddenly many children were strolling around and we all ate bread with nutella. What a party! 

Anyhow, everyday life is non-existent here – there are just too many holidays. On the 1st May we worked, but just a few days later we celebrated something (I missed what it was about, I think it was Mohameds ascension), Thursday we had a big demonstration (“not a demonstration, a WALK!”) for Independence Day (Israel’s independence, the demonstration was from the Palestinians – “march of return”, to remember that Israelis have a “right of return” while Palestinians haven’t), one day before we remembered all the victims of that war and so on.

Last time I announced English classes with the amazing women from one of the villages. It really happened. One time, so far. Logistics are a challenge, unfortunately, because they are far away and I’m not very mobile. But more about that one afternoon: After an adventurous ride in a car without any interior and without AC (at 40°C!) we arrived at the village. First they introduced me to all the children of my “host family”, then I had a chat with the father while the mother was preparing the food. We ate on the floor in front of the house, on a plastic tarp. Plastic is being used a lot here, also plates, cups, forks and knifes are always made of plastic and are thrown away after the meal. That has been the case everywhere so far – no clue whether it’s me (“a guest”) or if people here generally do it like this. After the feast (seriously!) more and more women began to drop in. They brought their children along, the older daughters sat with us. All the women (at one point, literally the whole village was there) stared at me and tried to catch my attention. So I spoke two sentences English here, three there, then some words in Arab – a “dog’s dinner” of languages, people and subjects. It was incredibly interesting and I had to learn that Bedouins don’t know lasagne. Lasagne!! The food of all foods! My descriptions weren’t really of any help and I would have loved to just take them all to a restaurant to have their first lasagne ever. Instead we climbed the “hill behind the house”. It was very steep and the children run around in their flip-flops, the women fought their fitness. And it was worth it. The view over the wide land was fantastic, the Dead Sea and Jordan’s rolling hills were almost in our sight and the feeling of community was just beyond words. Women and children queuing up to get my attention, I had to hold still for one selfie after the other, a real fair. As soon as we arrived at the house again they showed me proudly their herd of sheep and the goats. The goats even had some goatlings (one day old!!) and were milked just for me. Even though we’ve already had the vegan-discussion at that point (I have to justify my choices far less here than in some other places in the world!), they absolutely wanted to demonstrate this for me. The evening ended with a cosy round, a tour through the house (a kitchen, a room with sofas, one parental bedroom, a toilet, a room with five beds and five wardrobes for the children – running water or electricity are non-existent and you have to be satisfied with the solar panels and stuff like that) and an invitation for a sleepover. I received several invitations like this so far, also from people in my village (for example from my landlady’s daughter, although she should know best that I have a bed…) and I couldn’t figure out yet if this is something special. After six hours constant attention and English-Arab-small talk my batteries were almost empty, which is why I had to kindly decline that well-meant offer. But this afternoon and evening were one of the most touching and impressive experiences here in the Negev. I’ve been lucky to experience extraordinary hospitality in many places – but with these women there is a unique connection.
 
Outlook
Who was hoping for more information concerning my master thesis – I have to disappoint you. This project seems to be a little more complicated then I first thought and plans are changing on a daily basis. Apparantly, it never works without challenges and I’m trying to create the best lemonade ever with the lemons live is currently throwing at me. And if it comes to the worst there are always salt and tequila, right? ;-)

Apart from that I am a little dizzy, one moment totally captured here, the next moment far far away and in the future. June I’ll spend half, half in my “countries of origin”, July and August are still in the creative phase (the city of Vienna is playing a key role) and from September on I’ll definitely be in Leipzig – tips and advice concerning – actually everything, food, housing, culture… - are more than welcome, even though I’ll spend a big part of my months in Leipzig on the desk, until the chapter “master thesis” is finished in December, inshallah.

Until then I’ll still have a lot to do, participate in another wedding and a team excursion to Akko (incl. Hamam, a Turkish bath), become professional bread-baker – you’ll hear from me.

And – if you send something now it will still arrive… ;-)

Random Fact: Nada fact, this time a tipp: The movie „Nous trois ou rien“ (“The Three of Us”) is now available with subtitles – please watch, wherever! It’s just wonderful, to the core.
 
All the best and be safe.
Bästa hälsningar – سلام

(P.S.: Pictures as usually, this time in collaboration with my travel companions)


Ausblick von Masada, inkl. Totem Meer - View from Masada, incl. Dead Sea
Wieder Masada, diesmal mit Seilbahn - Again Masada, this time with cable car.
Ausblick von Herodion - View from Herodion
Die Mauer - The Wall
Banksy
Im Hintergrund ist der Checkpoint zu sehen, den Araber nicht passieren können. - In the back you can see the checkpoint that Arabs can't pass.
Einst ein belebtes Stadtzentrum, jetzt eine ausgestorbene Geisterstadt. - Once a flourishing city centre, not a ghost town.
Klagemauer in Jerusalem zur Pessach-Zeit - Western Wall at Passover
Nochmal der Felsendom, weil es dort so schön ist. - Again the Al-Aqsa mosque, because it's amazing there.
Ehemals Syrien, ehemals Kriegsgebiet. - Former Syria, former war zone.
Das abgelegene "Dorf", in dem wir einen Garten anglegten. - The "village" in the countryside where we built a garden.
Ausblick vom Hügel hinterm Haus - es hat sich gelohnt! - View from the hill behind the house - it was worth it!
Brotbäckerei - Baking bread
Nach getaner Arbeit... - After work...
Dieses Mal ist es einfacher... - This time it's easier...