Ich schaue zum Mond und hätte so viel zu sagen.
Ich könnte von meinem Tag erzählen: 4 Schnittwunden, 3 Verbrennungen, 1 notfallmässiger Arztbesuche, ein ausgekugeltes Knie, ein Absturz, 5 Stromschläge, ein Pferdehuf im Bein, ein Pferdegebiss im Arm, ein gerettetes Leben, kirschgrosse Hagelkörner, ein Fast-Wutanfall, ein Ganz-Wutanfall, Musik, 5 l Apfelmuss, ein Eimer self-made Schokoladeneis, ein Schokokuchen, ein nerviger Wecker, das schlimmste Kind auf Erden.
Das war mein Tag.
Davon könnte ich erzählen.
Oder ich könnte erzählen, dass heute das Pferd meiner Freundin gestorben ist. Einer sehr guten Freundin. Sie haben den ganzen Tag um das Leben dieses Pferdes gekämpft. Und verloren. Klar, es ist "nur" ein Pferd. Kein Mensch.
Aber.
Ich war oft zum Reiten bei ihr, wir waren auch zwei Wochen zusammen mit den Pferden in den Ferien. Mir ist das Pferd also auch ans Herz gewachsen, ich bin traurig und geschockt. Wie muss sie sich erst fühlen? Sie hat ihre gesamte Freizeit mit den Pferden verbracht. In dem Haus, in dem ich immer Willkommen bin, in dem so viel Freude herrscht, wo immer gute Stimmung ist, sitzen jetzt fünf Leute, die ich sehr gerne habe. Und sind tieftraurig.
Und ich kann nichts dagegen tun.
Davon könnte ich erzählen.
Oder ich könnte erzählen, dass warten fast immer unsinnig ist, dass Missverständnisse unumgänglich sind, dass Erwartungen zwangsläufig zu Enttäuschungen führen, dass Vertrauen früher oder später missbraucht wird, dass Zeit eben nicht alle Wunden heilt.
Davon könnte ich erzählen.
Und noch von viel mehr.
Aber ich erzähle nichts von all' dem.
Stattdessen schaue ich zum Mond.
Wieder einmal.
Und schweige.
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