Ich steige in den falschen Zug. Ich bemerke es und bleibe aus Trotz sitzen, weil das eigentlich der richtige Zug sein sollte, laut Fahrplan. Falsch. Der richtige Zug wäre drei Minuten später auf dem gleichen Gleis abgefahren.
Ich traue mich nicht, "Wie bitte?" zu sagen, wenn ich etwas akustisch nicht verstanden habe. Stattdessen sage ich "Ja..." um dann zu merken, dass das Gegenüber eine Oder-Frage gestellt hat. "Bier oder Wein?" "Ja..." Ist mir egal, mit was ich mich betrinke. "SVP oder CVP?" "Ja..." Ist mittlerweile eh alles das Gleiche. "Das oder das?" "Ja..." Ist beides hässlich.
Ich kriege Panik, wenn sich jemand an mich erinnern kann, ich diese Person aber noch nie in meinem aktiven Leben gesehen habe. Blackout? Filmriss? Stalker? Doppelgänger?
Ich werde wütend, wenn ich einen Fleck nicht weg kriege. Dann schrubbe und schrubbe ich, und auch wenn ich ganz genau weiss, dass er nicht verschwinden wird, putze ich immer weiter. Am Schluss übermale ich ihn oder stelle etwas drauf. (Immer, wenn ich das Etwas wegnehme, geht das Ganze von vorne los.)
Ich wohne alleine. Ich warte darauf, dass jemand den Kompost leert und den Müll wegbringt. Ich warte. Der Müll bleibt. Ich wundere mich.
Ich rede stets in mehreren Erzählsträngen - sonst würden die Zuhörer ja noch einschlafen, oder? Und womöglich könnten sie, wenn es anders wäre, sogar verstehen, über was ich rede - das wäre ja was!
Und mit jedem einzelnen Ich im obigen Text ist mein schlechtes Gewissen gewachsen - und wächst weiter - weil es doch so viel Wichtigeres gäbe.
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