Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Freitag, 26. August 2011

Of Power and Love

When the power of love overcomes the love of power, the world will know peace.

Jimi Hendrix

Fantasie.

Und vergiss nicht zu träumen,
dir eine Welt vorzustellen,
in der Liebe mehr Platz hat,
in der die Hoffnung nicht aufhört
und der Friede die ganz tiefe Sehnsucht
aller Menschen ist.

Dass du träumen kannst,
ist eine Gabe.
Deine Energie wartet darauf,
vor deine Träume gespannt zu werden.
Setz dich ein für das,
was du glaubst.

Ulrich Schaffer

Donnerstag, 25. August 2011

Sprachlos oder Das andere Ja

Nein, es war nicht eng.
Nein, es war kein Versehen,
und nein, du hast ganz sicher nicht geschlafen.

Du hast ein Stück von mir genommen,
einfach herausgebrochen.
Vielleicht wird die Wunde heilen,
aber nein, verschwinden wird sie niemals ganz,
und nein, dieses Stück kommt nie zurück.

Nein, es war kein Versehen.
Nein, ich wollte das nicht.
Nein, das Wort, das ich nicht sagen konnte.

Finger weg!

Du nimmst dir, was du willst.
Du greifst einfach zu.
Du machst ein bisschen Small-Talk,
und denkst, jetzt gehört sie mir.
Du fragst nach Hobbys und Plänen,
aber du fragst mich nicht, ob ich dir geben will
was du dir wünschst, was du brauchst.

Du nimmst dir, was du willst.
Und hinterlässt ein Schlachtfeld,
einen Ort der Zerstörung.
So ganz nebenbei
wärmst du dich an mir auf,
als wäre ich eine Tanksäule.
Bin ich nicht.

Ich habe Gefühle,
und einen Willen,
und was mir gehört,
gehört nicht dir.
Also lass deine Finger davon.
Denn Geschenke nimmt man nicht,
man kriegt sie.

Hilflos

Ich dachte immer, man kann sich doch wehren.
Ich dachte immer, man kann doch etwas sagen.
Die Hand wegschubsen.
Aufstehen und gehen.
Ich dachte immer, das wäre möglich,
und gar nicht so schwer.

Es geht nicht.

Man kann sich nicht wehren.
Man bleibt stumm, auch wenn es innen schreit.
Man erstarrt.
Ist unbeweglich.
Lässt geschehen.

Ich dachte immer, ich könnte mich wehren.

V.H., c/o

Ich habe es satt, dieses c/o in meiner Anschrift. Seit einigen Jahren ist es da, manchmal nur gefühlt, meistens aber echt. c/o in Häusern, Zimmern, bei Familien, fremden Leuten. Immer c/o. Bei. Zu Gast. Auf Zeit. Ich will kein c/o sein. Wenn ich meinen Absender auf einen Brief schreibe, möchte ich vier Linien haben. Name, Strasse, Ortschaft, Land. Und nicht noch ein c/o und das Ablaufdatum dieser Adresse.
Ausserdem habe ich es satt, meinen Facebookstatus mit "V. H. packt" zu füttern. Packt aus. Kommt heim. Stellt den Koffer in die Ecke. Ja. Aber nicht schon wieder packen, auspacken, einpacken, umpacken, aufhängen, abhängen, kennen lernen und so weiter. V.H. lässt sich nieder.
Bald gehts nämlich auf an den ersten Ort seit langem, an dem ich definitiv aupacke. Wo es kein geschriebenes c/o gibt. Hoffentlich gibt es dort auch kein gefühltes c/o. Mein Name steht schon auf dem Briefkasten. Er bleibt hoffentlich für eine Weile da. Und auf dem Estrich ist genug Platz für Koffer und Kisten, die sich einstauben lassen können. Ich bin bereit.
Mein Zuhause. Mein. Zuhause.

Dienstag, 23. August 2011

Another song

Mumford & Sons - Winter Winds

As the winter winds litter London with lonely hearts
Oh the warmth in your eyes swept me into your arms
Was it love or fear of the cold that led us through the night?
For every kiss your beauty trumped my doubt

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no
This time no"

We'll be washed and buried one day my girl
And the time we were given will be left for the world
The flesh that lived and loved will be eaten by plague
So let the memories be good for those who stay

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no"
Yes, my heart told my head
"This time no
This time no"

Oh the shame that sent me off from the God that I once loved
Was the same that sent me into your arms
Oh and pestilence is won when you are lost and I am gone
And no hope, no hope will overcome

And if your strife strikes at your sleep
Remember spring swaps snow for leaves
You'll be happy and wholesome again
When the city clears and sun ascends

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no"

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no
This time no"

Am Ende des Tages

Wenn es dunkel ist, gibt es keinen Schatten.
Wenn es dunkel ist, können müde Augen ruhn.
Wenn es dunkel ist, kannst du die Maske ablegen.
Wenn es dunkel ist, siehst du nicht, wie tief du fällst.
Wenn es dunkel ist, wird das Licht umso heller sein.
Wenn es dunkel ist, kannst du die Sterne sehen.
Also lass die Sonne untergehn,
sie wird wiederkommen.
Bestimmt.

Sonntag, 21. August 2011

Das ist das Haus von Marie, und es will bemalt werden

Um ein typisch schwedisches Haus zu haben, muss es rot sein. Damit es schön aussieht, muss die Farbe all fünf Jahre erneuert werden. Das fünfte Jahr ist jetzt.
Aber vor dem Malen muss die alte Farbe vom Haus abgekratzt werden. Mit Besen.
Das macht genau 2 Minuten lang Spass.
Nach 5 Minuten spürst du den Arm.
Nach 7 schmerzt ebenjener.
Nach 10 denkst du an eine Pause.
Nach 20 siehst du aus wie nach zwei Monaten Strand und Sonne, teint-mässig.
Und nach einer halben Stunde machen sich erste Blasen bemerkbar.
Es folgen noch weitere Phasen der Demotivation, bis du schliesslich abends völlig geschafft ins Bett fällst. Natürlich erst nach einer Dusche im Regen, einem Bad im See und einem in der Badewanne, denn der orange Staub ist ÜBERALL. Am nächsten Morgen stehst du mit einem ganz hässlichen Muskelkater auf.

Dann gehts an's Malen. Das Malen macht immerhin eine halbe Stunde lang Spass. Aber nach zwei Stunden und drei Blasen schweifen die Gedanken ab. Dann fällst du zum ersten Mal von der Leiter, nach einer Stunde zum zweiten Mal. Dein Körper ist mittlerweile übersäht mit Farbklecksen, vor allem der Hals, die Arme und das Gesicht. Die Fensterrahmen, ursprünglich weiss, sind nun... naja, nicht mehr weiss. Der Arm schmerzt. Die Pflanzen unter dir leiden, denn Leitern sind schwer, und Farbe verstopft ihre Atemwege. Also die der Pflanzen. Am Abend stehst du vor einer Wand, die genauso aussieht, wie zwei Tage zuvor. Dafür bist du nun braun / rot / orange.
Ich wollte schon immer mal ein Haus anmalen. Ich denke, einmal reicht. Eine Malerkarriere wirds wohl nicht geben.

Ich liebe wwoofing.

Zwischen hier und da

Übermorgen ist der letzte Tag in diesem Paradies, dann gehts weiter auf die nächste Farm, wo meine Reisegruppe um meinen lieben Bruder auf zwei erweitert wird. Morgen soll ich für die ganze Truppe kochen - wenn das mal gut geht. Ich denke langsam ans packen (einmal mehr Milimeterarbeit) und finde da so allerlei aus den letzten Tagen:

- Mein Rezeptbuch wurde um einige Rezepte erweitert. Unter anderem um das einfachste und leckerste Brot der einfachen Hausfrauenkünste.
- Die Leute in Ramshyttan waschen ihre Wäsche nicht. Sie hängen sie einfach eine Woche an die Wäscheleine, draussen, und lassen den Regen sein Wunderwerk tun. Sehr ökologisch - und effizient?
- Ich durfte das traditionelle Krabbenessen miterleben. Ein "Dorffest" - wir waren etwa 25 Leute. Man isst Krabben, und weil die Tierchen so eklig sind muss man kräftig mit Schnaps, Cognac und vor allem Vodka nachspülen. Dazwischen werden immer wieder irgendwelche Trinklieder gesungen. Am Schluss waren alle pappsatt und betrunken. Nach Hause gings aber doch mit dem Auto - jaja, die ökologischen Schweden...
- Apropos Ökologie muss ich mich hier sowieso sehr beherrschen. Diese Unmengen an Plastiktüten, Stromverschwendung, Wasservergeudung, das Auto für alle 10 Meter und und und. Schade, denn das Wissen wäre in den Köpfen vorhanden, nur beim Anwenden haperts noch.
- Ich bin immer wieder erstaunt, wie weich Pferdenüstern sind.
- Erst jetzt, wo ich Zeit mit einer Person verbringe, die fast taub ist, fällt mir auf, was wir alles übers Hören machen. Der Toaster, der Wasserkocher, das Auto vor dem Haus, die bettelnde Katze... Und dann die ganzen "Lebensgeräusche": Seufzer, Lacher,... Sie vergisst regelmässig das Wasser abzustellen - weil sie das Rauschen nicht hört. Dafür kann ich abends meine Musik hören und sie schläft daneben... auch praktisch.
- Reiten verursacht Muskelkater.
- Hier wird ein alter Braunkohleofen aufgebaut, wie vor 400 Jahren. Spannend!
- Zu zweit mit dem Kanu zu einer einsamen Insel (20 Schritte mal 8 Schritte) paddeln, dort am Feuer picknicken und geniessen. Rechts die untergehende Sonne, die den Himmel in allen Farben einfärbt. Links der Vollmond, der sich im Wasser spiegelt. Wenn man vor lauter Schönheit nicht weiss, wohin man schauen soll, ist man in Ramshyttan. Oder wie Kristiina sagt, wenn der Himmel sich im Wasser spiegelt: "It's like sky coming to town."
- Ramshyttan kennt keine Vorhänge vor den Badezimmerfenstern. Intimsphäre vs. schöne Aussicht...
- Gespräche mit einer Estin können sehr spannend sein. Der Einfluss der Russen, das Leben in Skandinavien etc.
- HIER LEBEN VIELE ZECKEN. JA, man darf sie umbringen. Sie knallen lustig, wenn man sie verbrennt.
- Post ist toll, egal wo auf der Welt. Und Briefe mit Schreibmaschinen schreiben macht Spass.
- Die Schulter knarzt, die Beine sind aufgeschlitzt, der Rücken tut weh, der Hals kratzt, das Knie jault - ich werde alt.
- Ungleiches Arbeitstempo schlägt aufs Klima.
- Lange Arm- und Beinbekleidung sind beim Beeren pflücken im Wald von Vorteil. Hinterher weiss mans. Ausserdem sind die Finger nun blau - und werden es für immer bleiben, wies aussieht.
- Wenn sich jemand wie ein kleines Kind über gepflückte Beeren freut, ist das jeden einzelnen Kratzer wert. Ausserdem mag ich Beerenkuchen...
- Für zwei denken ist anstrengend. NEIN, ich bin nicht schwanger.
- Fahrräder mit funktionierender Gangschaltung - davon träume ich nachts.
- Es gibt sooo viel verschiedene Milch-, Joghurt-, Rahmsorten, und alle in der gleichen Verpackung! Mellanfil, Filmjölk, Mjölk, Mellanmjölk...
- Von der Leiter fallen tut weh. Richtig von der Leiter fallen tut nicht weh (richtig = auf das richtige Körperteil und die richtigen Pflanzen). Ich habs extra nochmal ausprobiert.
- Bratpfannen sind schwer. Wenn sie auf deinen Fuss fallen, sind sie zehnmal so schwer. Sagt auch der grosse Zeh.
- Ich besitze nun schon ZWEI Polaroid-Kameras! Wer noch Papier zu Hause hat - her damit!!
- Voltige macht Spass, auch in Schweden.
- Es ist toll, selbst geerntete Sachen zu essen.
- Fast tägliches schwimmen im EISkalten See. HIER ist Herbst. Inklusive Wind und Regen (im Regen schwimmts sich am schönsten).
- Schweden hat schöne rote Häuser. Jaja. Die wollen auch bemalt werden. Dafür werden wwoofer rekrutiert. Mehr dazu siehe im folgenden Eintrag "Das ist das Haus von Marie, und es will bemalt werden". Nur soviel: Nach Regen, See und Dusche fühlt man sich wieder halbwegs menschlich.
- Rumsitzen und quatschen, bei Tee und Kuchen. Immer wieder schön.
- Es gibt einen Asteroiden mit dem Namen Veronika. Sein Licht benötigt 25 Minuten bis zur Erde.

Die Zeit fliegt (wie immer nach der Hälfte), und trotzdem will ein Tag um den anderen gelebt werden.

Samstag, 20. August 2011

Geradeaus, immer der Kurve nach

Mein liebstes geometrischess "Element" ist die Strecke. Nein, keine Gerade, und auch keine Linie. Geraden sind unendlich - also unfassbar, unbegreiflich; Grösseres als die Endlichkeit kann das Hirn nämlich nicht fassen (wenn überhaupt das). Auch nicht die Linie - sie schwebt so undefiniert im Raum, und Unklarheiten sind nie gut. Aber die Strecke, die ist einfach perfekt. Sie hat einen klaren Anfangs- und Schlusspunkt, sie ist grade, man sieht also von A nach B und von B nach A. Die Länge ist genau definiert, die Breite oder Dicke spielt keine Rolle. Einfach, ganz simpel, von A nach B.
Wo wir schon beim Superlativ sind: Am wenigsten mag ich den Kreis. Er ist der Inbegriff der Undefinition. Eine Kugel hat wenigstens ein Volumen. Aber ein Kreis hat nur eine Linie, die so zerbrechlich, so verformbar aussieht, dass ich nicht glaube, dass die Fläche, der Radius, der Durchmesser immer gleich bleiben.
Kreise sind gemein. Sie ändern ihren Mittelpunkt, drehen sich, drehen sich plötzlich um etwas anderes, nicht mehr um das Zirkeleinstichsloch (was sowieso hässliche Punkte auf der Unterlage hinterlässt). Kreise sind manchmal oval, eierförmig. Sie sind immer zu gross oder zu klein. Und vor allem: Folgst du der Kreislinie, kommst du nirgendwo hin. Du gehst immer und immer wieder dieselbe Strecke, fängst von vorne an, erreichst das Ende und doch nicht das Ziel. Und am Schluss ist dir schwindlig und es dreht sich alles.
Da bleib ich doch lieber bei meiner langweiligen Strecke. Punkt A zu Punkt B. Klar, einfach, definiert.

Freitag, 19. August 2011

Seasons

Äpfel am Boden,
Kürbisse auf dem Teller,
Laub und endloser Regen.
Kälte
und freundliche Sonnenstrahlen,
die nicht verbrennen.

Und Raupen im Gras,
gleich neben den Pflaumen.

Herbst.

Donnerstag, 18. August 2011

Schwimmen

Das Rauschen von Wasser in den Ohren.
Der Geschmack von Salz im Mund.
Der Geruch von Herbst in der Nase.
Die Wärme von Sonnenstrahlen
auf den geschlossenen Augenlidern.
Das Kitzeln von Regentropfen im Gesicht.

Ein Moment Zufriedenheit und Sein.
Schwimmen, beim Haus am See.

Mittwoch, 17. August 2011

Wasted time.

So you think you’ve made it
With your fancy job and all
I bet you feel special
When you’re doing what they all want

I got something to tell you
There’s a better life out there
Let go of those hangups
And then go sail away

I don’t have time to waste away
On this puppet cabaret
I’ll dance somewhere far away

All things we do against our will
Is a moment we’ve wasted away
I’d like to think there’s more to life
Than just running around in this wheel

So you may have faked it
When you said that you’d be gone
“Just a matter of weeks now
Until I’m running away from home

We will be gone together
on this adventure hand in hand”
You’re stuck in your office
And now we’re far apart

I don’t have time to waste away
On this puppet cabaret
I’ll dance somewhere far away

All things we do against our will
Is a moment we’ve wasted away
I’d like to think there’s more to life
Than just running around in this wheel

Sonntag, 14. August 2011

Antwort an einen Sternenkenner

Ich will gar keine Sternenbilder kennen. Ich will weder einen Wagen finden, noch grosse und kleine Bären betrachten oder den Lauf irgendwelcher Kugeln überwachen. Ich mag die Vorstellung, dass irgendwer völlig unwillkürlich silberne Punkte mit seinem Glitzerstift auf schwarzes Papier setzt. Tupf tupf tupf. Manche Dinge sind zu schön, um von der Wissenschaft erklärt zu werden. Deshalb nein, der Wagen bleibt in der Garage, ob gross oder klein.

Neon

Was war deine beste Entscheidung?

Wenn du bis ans Ende deiner Tage nur noch Schokoladenmousse oder trockenes, hartes Brot essen könntest - was würdest du nehmen?

Lieber ganz alleine sterben oder lieber so dramatisch wie zum Beispiel Michael Jackson?

Kann man zu lieb sein?

Wenn ein Lied schön ist, sollte man es dann ganz oft hören, obwohl man noch gar nicht alle anderen Lieder kennt (unter den unbekannten Liedern sind mit Sicherheit Dutzende schöne Stücke...)?

Was macht Kinder so schön?

Wieso fühlt sich Abschied immer so scheisse an - egal was für einer?

Damien Rice - Once again


"What the hell do you want?"
"Who the hell knows?"

Donnerstag, 11. August 2011

Ramshyttan-Redeschwall

Und schon ist ein ganzer Abschnitt vorüber und ein neuer hat angefangen. Gestern ist meine tolle Reisebegleitung wieder in die Schweiz zurück gekehrt und es ist Zeit, zusammenzufassen. Wir waren in einer Jugendherberge mitten in der Altstadt Stockholms stehen geblieben.

- Wer sein Gepäck in einen schon vollen Gepäckraum tut, darf nicht erwarten, dass nach ihm niemand mehr sein Gepäck in die vier Wände reinquetscht. Rucksack graben macht Spass!
- Kanelbulle sind einfach LECKER. Das leckerste Gebäck ohne Schokolade, würde ich ganz frech behaupten.
- Manche Dinge ändern sich nie: Rolands Augen sind immer noch die liebsten weit und breit; ich mag herzliche Begrüssungen und das Gefühl, willkommen zu sein; an jedem bekannten Ort erwartet einen viel gleiches aber auch viel neues; Rechtschreibung (Gross- und Klein) war noch nie mein Ding; Messer gehören nicht in meine Hand; Kinder sind herzig (ja, herzig, nicht süss.); zu zweit machts mehr Spass; Mittagsschläfchen und PowerNaps tun gut. Immer.
- Morgens aufstehen liegt mir nicht. Abends ins Bett fallen schon eher.
- Ramshyttan: Beeren (mit Brennnesseln dazwischen - juhuu), Wald, Natur, Seen, Himmel, Pferde, 2 Polen (sehr nette), rote Häuser, tolle Menschen (alles Individuen...logisch), Sonne und Regen, baden, jäten, Gewächshaus, Kartoffeln ausgraben, Lauch eingraben, unbekannte Pflanzen ernten (essen kann man fast alles - boil it, frie it, cook it, do what you want!), Heu, Feuer, Katzen...
- Das Haus am See. Ein Haus mit direktem Seezugang, sprich eigenem Steg und sogar Ruderböötli, mit Terasse (für lunch oder dinner), mit Sauna (für kühle Abende - in Kombination mit dem privaten Badeplatz) und und und. Das Ganze eingeschlossen von Bäumen, sodass man das Gefühl hat, der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein. HERRLICH! Und abends schwimmen die Bieber vorbei. Tagsüber auch Schlangen... Seeschlangen... uuuh.
- Schlangen lassen sich auch in Holzstapeln finden. Zum Glück habe ich erst nachher herausgefunden, dass die ganz schwarzen gefährlich sind... Dafür hopsen überall Frösche und Fröschchen herum (viele nicht grösser als zwei Zentimeter), ausserdem sieht man hin und wieder einen Hasen, ein Reh oder was halt sonst noch so kreucht und fleucht.
- Man gab mir Schultern, um Baumstämme zu tragen. Doch manche Baumstämme sind selbst für mein breites Kreuz zu schwer. Dafür gibt es Orion, einen wunderschönen Friesen-Wallach. Der kann nämlich Baumstämme ziehen, wie vor hundert Jahren. Das braucht viel Geduld, macht aber Spass (Mensch und Tier) und schont den Rücken. Danke, 1PS!
- Schlitten mit Kufen sind nicht dazu bestimmt, über Kieselsteine gezogen zu werden.
- Es gibt gute und weniger gute Fahrräder. Die ohne Bremsen, Licht und Gangschaltung (in einem doch einigermassen hügeligen Gebiet) dafür mit Platten gehören, glaube ich, zu letzteren.
- Ich muss mich immer erst eine Weile an das Chaos und die unstrukturierte Arbeitsweise gewöhnen. Mittlerweile klappt das ganz gut, ich übernehme einiges sogar schon selbst. Bleibt nur zu hoffen, dass ich das spätestens mit der Grenzüberschreitung in die Schweiz wieder ablege.
- Der Himmel hier ist immer schön. Rund um die Uhr. Um 11 ist es immer noch hell, und um 4 sieht man schon die ersten Morgenstrahlen. Bis vor 1 Monat war es hier durchgehend hell - das muss ich wohl nächstes oder übernächstes oder überübernächstes Jahr angucken kommen.
- Ich hab mich verliebt. In Legolas. Ein junger, wilder, schwarzer Friesen-Hengst, der den Unterschied zwischen einer Stute und einem Wallach nicht kennt. Und der einfach einen herzzerreissenden Hengste-Blick drauf hat.
- Ich liebe die Diskussionen hier: Sollte eine Frau eine Lady sein? Was macht eine Lady zu einer Lady? Heisst das, sie darf die Türen nicht mehr selbst aufmachen, sondern muss auf ihren Gentleman warten? Sollten wir uns nicht mehr fortpflanzen, um die Weltpopulation zu reduzieren? Was passiert in Afrika? (Roland ist aus Südafrika und hat sich durch seine Arbeit im Bereich Journalismus ganz dem Thema Apartheid verschrieben. Sehr spannend, Zeitzeugenberichte.) Wieso sollte man Vegetarier (oder eben nicht) sein?
Aber bei all den Gesprächen merke ich immer wieder, wie wenig ich weiss, wie viel es zu tun gibt, wie wenig man ändern kann, wie gross die Welt ist, wie schrecklich Menschen sein können (oh ja), und so weiter. Und am Schluss schliesst man doch immer wieder die Augen und wendet sich voller Hingabe seiner eigenen kleinen Welt mit ihren Problemen zu.
- In Schweden gibt es keine Brockenhäuser oder Flohmärkte. Es gibt Auktionen. Morgens kann man die Ware betrachten (ein ganzer Haushalt in diesem Fall, also alles, ALLES), ab 11 Uhr gings dann los. Wer am meisten bietet kriegt das Möbelstück, das Geschirr, Werkzeug, Vehikel, Buch oder in unserem Fall auch den Karton mit den bereits geschriebenen Weihnachtskarten aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert. Roland ist ein begeisterter Sammler und Käufer. Wir waren mit einem leeren Anhänger gekommen. Und verliessen den Schlammplatz (es regnete den ganzen Tag, und zwar schwedischer Regen, es GOSS also) mit einem vollen Anhänger. Tische, Stühle und ein Haufen Schrott. Und ein Webstuhl, der sich als Tretorgel entpuppte, die Roland für 7.50 Franken extra für mich erstanden hatte (weil ich doch ein Klavier so schmerzlich vermisse). Das Ding steht nun in der Küche (und füllt sie halb aus) und klingt grauenhaft. Schlimmer noch als die Katze Frieda, die uns morgens pünktlich um halb 6 wecken kommt, um ihr Frühstück zu kriegen. Übrigens: Regen ist nass und Autos bleiben im Schlamm stecken.
- "Gleich" kann auch in fünf Stunden heissen.
- Zopf schmeckt auch mit Dürüm-Mehl.
- Wenn man müde ist werden aus einem 5-Minuten-Päuschen schnell mal Halbe-Stunden-Pausen. Wir sind ständig müde.
- Wenn kein Mixer da ist, kippt man den Rahm halt flüssig über den Kuchen. Unbedingt ausprobieren, ist sogar lecker!
- In Schwedens Bussen kann man immer noch nicht bar bezahlen. Angeblich haben einige Banken das Bargeld sogar schon ganz abgeschafft. Meine Reisebegleitung durfte also ihren Charme spielen lassen - weil ich intelligenterweise meine Kreditkarte (die ich nun tatsächlich besitze!!) vergessen hatte. Dafür fand ich eine echte POLAROID-KAMERA!! Mit einem Film drin!! Juhe!
- Manche Menschen sind einem sympathisch. Andere sind unsympathisch. Und dann gibt es da noch die dritte Sorte, die, bei denen man sich nicht recht entscheiden kann.
- Sprachduelle auf Englisch mit einem sehr angetrunkenem Pharma-Boss sind irgendwie aufregend.

Hier oben wird mir einmal mehr bewusst, dass es so viele unterschiedliche Lebensweisen gibt. Wenn Roland von Südafrika erzählt; wenn ich die Polen sehe, die hier leben und arbeiten, was kaum mehr voneinander zu unterscheiden ist; Studenten, Geschäftsleute, Aussteiger, Reisende, Leute, die seit 50 Jahren in ein und dem selben Haus wohnen - woher soll man wissen, welches die Richtige ist? Die einen sorgen sich um das Wetter, ob die Ernte gut wird oder ob die Pflanzen wohl erfrieren werden. Die anderen kümmern sich um Börsenkurse und kennen nichts Wichtigeres als ihren Computer. Mir gefällt das Leben hier oben sehr gut, aber ich bezweifle, dass ich dauerhaft so sein könnte. So neben der "Welt". Vielleicht macht es mich einfach glücklich, zu wissen, dass es solche Orte gibt.

So viel Text. Zu viel Text.

Montag, 1. August 2011

Hälsningar från Stockholm

Schweden. Endlich. Das 6. Land, die 6. Sprache, die 6. Stadt, die 6. Währung und die 6. Jugi. Nach so viel Neuem fühle ich mich hier doch irgendwie das erste Mal ein bisschen wie ich mir "Zuhause" vorstelle. Was Schweden so zu bieten hat? Wieder einmal Stichworte, wild durcheinander.

- Schöne, geräumige Züge
- Atemberaubende Natur (Wald, Tiere, Seen...)
- Eine Nacht bei einem echten Schweden und ein Abend mit einer Halbschwedin in Stockholm. So kommt man auch zu Insidertipps, die dann natürlich alle mit meiner neuen Reisebegleitung ausprobiert wurden: Zwei (SUPER LECKERE!) Vegi-Restaurants (eins davon mit Blick auf die Skyline Stockholms, dazu ist das Restaurantmotto "Give Peace a Chance" - schön, nicht?), Panoramastrassen, eine grüne Insel mitten in Stockholm (Djurgården heisst sie, darauf sind ein Tierpark und Bonzenvillen. Wie schön ist doch die Natur nach so viel Stadt), und und und
- PowerNaps sind effektiv und belebend
- Gamla stan (die Altstadt) ist so schön wie eh und je. Das Eis ist gut, die Kaffes einladend und abends wird man im Irish Pub von Engländern bedient (und Schweizer bezahlen - aus Nationalgefühl oder wieso auch immer).
- Strassenkünstler en masse. Die waren ja schon auf der ganzen Reise anzutreffen, aber hier gibt es "Hang"-Spieler (eine Blechschüssel aus der Schweiz, klingt einfach wunderschön), Fingermaler (ein Bild wie ich es in 100 Jahren nicht malen könnte malt der in 5 Minuten mit den FINGERN!!), Schmuck aus Gabeln, Musiker, deren Instrument halbvolle Wassergläser sind... Da kriegt man ja glatt Komplexe.
- Es bleibt länger hell hier - und wenn die Sonne dann endlich verschwindet, tut sie das nur mit atemberaubenden Farben.
- Man sieht viele Frauen in Militärkleidung oder in der Palastwache (das Hostel ist direkt neben dem königlichen Palast...jaja!). Emanzipation finde ich ja gut, aber müssen dafür Frauen ins Militär?
- heiss, Sonne, Regen, Wasser, Inseln, Touristen
- Asiaten überfielen uns mit Kameras - wir werden also grinsend und posierend in irgendwelchen Fotobüchern auf der anderen Seite der Welt kleben. Toll.
- Ich weiss doch noch einiges vom Besuch im letzten Jahr, was mich doch ein ganz kleines bisschen stolz macht (geografisch und sprachlich gesehen). Ausserdem geniesse ich das Grossstadtleben, aber ich freue mich auch auf den Bauernhofalltag. Die Vielfalt der Menschen erschlägt mich in den Städten immer schier. Mit wie vielen würde ich mich wohl gut verstehen? Mit wem könnte ich diskutieren, mit wie vielen hätte ich Spass, wem hätte ich gar nichts zu sagen und bei wie vielen würde ich mich wohl fühlen?
- Der ganze Schlafsaal stellt den Wecker auf 8 Uhr - und steht doch nicht vor 9 auf. Wir inklusive, PowerNap am Nachmittag hin oder her.
- Die Schwedische Bahn hat genau EIN Bahnreisezentrum in Stockholm (für Infos und Tickets etc.). Es dauert eine EWIGKEIT, bis man dran kommt. Ein riesiges Dankeschön an die SBB - auch wenn sie die Preise ständig erhöhen und mir immer noch kein GA geschenkt haben, obwohl ich ihre Angebote fleissig nutze und seit 8 Jahren an sämtlichen Wettbewerben mitmache, bei denen man eins gewinnen kann.
- Städte machen müde. (Das merkt man vielleicht auch an diesem extrem unstrukturiertem Bericht.)

Wie auch immer, morgen geht´s auf nach Ramshyttan (www.ramshyttanhorsefarm.se), auf zur Arbeit, auf in die Natur, weg von der "zivilisierten Welt". Wir werden sehen, was die nächsten drei Wochen (eine davon mit Begleitung, zwei alleine) bringen werden.