Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Freitag, 30. September 2011

Vom Träumen.

Manche Menschen sehen die Dinge wie sie sind und fragen: "Warum?" Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: "Warum nicht?"
George Bernard Shaw

Allein die Möglichkeit, dass ein Traum wahr werden könnte, macht das Leben lebenswert.
Paulo Coelho


Die Welt unterteilt sich in Menschen, die dir erzählen, dass deine Träume unerreichbar sind und in solche, die dich auf ihre Schultern heben, damit du besser herankommst. Ich lasse mich lieber zu den Sternen heben als am Boden festnageln.
Katie Kacvinsky in "Die Rebellion der Maddie Freeman"

Donnerstag, 29. September 2011

Und die Statue stürzte vom Sockel.

Wenn du merkst, dass die Helden deiner Kindheit, deine Vorbilder und Idole, die, zu denen du voller Bewunderung aufgeschaut hast - wenn du merkst, dass sie gar nicht so toll sind. Dass sie gar nicht so viel wissen, so viel können, dass sie gar nicht so gut sind wie du immer gedacht hast. Wenn du merkst, dass du sie überholt hast, weil sie stehen geblieben sind. Dass DU nun IHR Vorbild bist. Wenn du ihre Gesellschaft nicht mehr schätzt, weil dich ihre Beschränktheit in den Wahnsinn treibt. Und wenn es dich wütend macht, wie du andere Menschen auf einen Sockel stellst - nur um sie dann früher oder später herunterkippen zu sehen.
Dann weisst du einmal mehr, dass du älter wirst, dass du dich veränderst, und die Welt sich mit dir. Und dass nichts so ist wie du es siehst.

Mittwoch, 28. September 2011

Schifffahrt

Ich fahre gerne mit dem Schiff. Die Kinder freuen sich, weil es etwas Besonderes ist. Und auch die Erwachsenen scheinen entspannter auf dem sanft schaukelnden Untergrund. Sie ruhen, denn weg können sie sowieso nicht. Ihr Körper jedenfalls kann nicht weg. Aber alles andere nimmt der Wind, er trägt es davon. Alle Sorgen, Ängste, Gedanken, Gefühle. Bis nur noch die wehenden Haare übrig bleiben.

Montag, 26. September 2011

Teeren und Lehren

"Es macht ja schon einen ziemlichen Unterschied, ob man sagen kann 'Ich habe das und das studiert' oder ob man sagen muss 'Ich habe heute die Strasse vor dem Haus geteert'."

Zu dieser Aussage stelle man sich einen überheblich wirkenden, gut gekleideten und kleinen Studenten vor, der wie ein Muttersöhnchen aussieht und die Nase hoch im Himmel trägt. Er ist ganz offensichtlich stolz auf seinen Studentenausweis, vermutlich hat er seine Zulassung gerahmt und übers Bett gehängt. Er kauft sich morgens einen Vitaminriegel, fährt zur Uni, benutzt die Toilette, kommt nach Hause, öffnet einen Brief und fällt müde in sein bequemes Bett. Dass dafür eine Verkäuferin, ein Busfahrer, eine Putzfrau, ein Briefträger und ein Möbelmensch nötig sind - und das nur an vorderster Front, ganz zu schweigen von den Menschen, die die Waren lagern, transportieren, abpacken, herstellen... - daran verschwendet der junge Mann keinen Gedanken. Viel zu sehr ist er damit beschäftigt, sich ganz seiner hochrangigen Bildung zu widmen. So erforscht er Sprachprobleme und Facetten der Gesellschaft. Er liest Bücher und schreibt Arbeiten. Er bildet sich und kann am Ende stundenlang referieren. Aber als er nach all den Jahren der Bildung sein Zertifikat (er ist nun Professor) an die Wand hängen möchte, kann er den Hammer nicht mehr halten. Seine Hände sind abgefault. Das Blut wurde im Kopf gebraucht. Tja, dumm gelaufen. Es ist schon ein Unterschied, ob man sagen muss 'Meine Hände arbeiten nicht mehr' oder ob man sagen kann 'Ich arbeite mit meinen Händen'.

Sonntag, 25. September 2011

Das Wissen machts

Manchmal muss ich nicht am Meer sein,
und nicht auf dem Gipfel;
manchmal brauch' ich keine Wälder und Wiesen,
und auch keine Musik.
Manchmal ist die Sonne nicht da,
und du auch nicht,
und es geht mir trotzdem gut.
Denn manchmal reicht es
zu wissen,
dass es all diese Dinge gibt.
Dass es dich gibt.
Irgendwo.

Über die Liebe

Bevor der Verstand sich entschliesst, einen Schritt zu tun, hat die Liebe den siebenten Himmel erreicht. (Dschelaled-Din Rumi)

Liebe auf den ersten Blick ist einfach zu begreifen. Aber wenn zwei Menschen sich jahrelang angeschaut haben, dann wird sie ein Wunder. (Sam Levenson)

Liebe fordert nicht, Liebe ist ein Entgegenkommen. Sie ergreift nicht Besitz; sie gibt Freiheit. (Caren Casey)

Zuhause ist man, wo das Herz ohne Scheu lachen und in Ruhe seine Tränen trocknen lassen kann. (Unbekannt)

Es gibt nicht Schöneres als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen, oder vielmehr trotz seiner selbst. (Victor Hugo)

Das Leben ist Liebe - erfreue dich an ihr. (Mutter Theresa)

Alles bezwingt die Liebe. (Vergil)

Worth to think about it

"I think we've been through a period where too many people have been given to understand that if they have a problem, it's the government's job to cope with it. 'I have a problem, I'll get a grant.' 'I'm homeless, the government must house me.' They're casting their problem on society. And, you know, there is no such thing as society. There are individual men and women, and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look to themselves first. It's our duty to look after ourselves and then, also to look after our neighbour. People have got the entitlements too much in mind, without the obligations. There's no such thing as entitlement, unless someone has first met an obligation."

Prime minister Margaret Thatcher, talking to
Women's Own magazine, October 31 1987

Dienstag, 6. September 2011

Breathe!

Breathe and you know that you are alive.
Breathe and you know that all is helping you.
Breathe and you know that you are the world.
Breathe and you know that the flower is breathing too.
Breathe for yourself and you breathe for the world.
Breathe in compassion and breathe out joy.

Breathe and be one with the air that you breathe.
Breathe and be one with the river that flows.
Breathe and be one with the earth that you tread.
Breathe and be one with the fire that glows.
Breathe and you break the thought of birth and death.
Breathe and you see that impermanence is life.

Breathe for your joy to be steady and calm.
Breathe for your sorrow to flow away.
Breathe to renew every cell in your blood.
Breathe to renew the depths of consciousness.
Breathe and you dwell in the here and now.
Breathe and all you touch is new and real.

Breathe. You are alive.

Anabel Laity

14 Tage später

Ramshyttan:
- Schwedisch, Englisch, mit Händen und Füssen, Deutsch und dann auch noch FRANZÖSISCH (Ich liebe den Akzent im Englisch der Franzosen.) - zu viel für meinen überforderten Kopf.
- Pilze sammeln ist genauso gefährlich wie Beeren pflücken.
- Mousse au chocolat muss nicht moussig sein. Es schmeckt auch, wenn es die Konsistenz von Schokoladencreme hat.
- Ein grosses Abschieds-Pancake-Essen mit selbst gepflückten Beeren.
- Es war nicht das letzte Mal an diesem atemberaubenden Ort. Ganz sicher.

Fiddlersfarm:
- Kleine Wanderungen mit grossen Rucksäcken - naja. Hauptsache, man kommt am Ziel an.
- Ich mag herzliche Begrüssungen. Und ich sehe gerne, dass sich nicht viel verändert hat. Die einen nennen das langweilig, ich nenne das beständig.
- Ein bisschen was HAT sich verändert: Das Chaos und der Dreck sind etwa um ein Viertel zurück gegangen. Immer noch unvorstellbar gross, aber besser. Hoffnung!
- Auch Kinder können sich weiterentwickeln. Die Grundzüge bleiben aber immer gleich.
- Zu viert (mit Bruder, einer Deutschen und einer Franzosin) macht die Arbeit doch gleich viel mehr Spass.
- Arbeit: "Wolken machen" oder auch Wolle von klebrigen Stellen befreien. An und für sich keine schlimme Arbeit, vor allem bei strömendem Regen - bis man die ersten Maden mit seinen Fingern zerquetscht hat. SIE WAREN ÜBERALL. Iih. Dann doch lieber keine weissen Weihnachten.
Ausserdem den Garten entrümpeln. Karotten, rote Beete, Kartoffeln, Zwiebeln ... - und alles im Überfluss. So hiess es denn dieses Jahr (anstatt "Lingonsylt und Apfelringe") Gemüse schnippeln (zum Teil mit der musikalischen Begleitung von Laifs Schülern - super!), kochen und in den Tiefkühler verfrachten.
Und wieder durfte ich malen: Diesmal eine Scheune, aber glücklicherweise im gleichen Farbton wie schon Maries Haus. Meine Hosen hätten sonst unmöglich ausgesehen, mit lauter bunten Farbtupfern... Dazu noch eine Feststellung: Eine lange Doppelleiter auf einem Traktor vermittelt einem nicht wirklich das Gefühl von Sicherheit. Dazu ein orkanartiger Wind und das Arbeitsklima ist perfekt.
- Hühner, Hasen, Katzen, Menschen, Pferde - alle wollen sie Essen haben.
- Auf der Fiddlersfarm gibts ein Klavier. JUHU!
- Ausflüge an die Küste und nach Halmstad zeigen: Auch dieser Teil des Landes ist noch genauso schön wie letztes Jahr.
- Laifs Brot ist lecker.
- Es gibt Menschen, deren Sätze zu 50 % lustig sind. Jeder zweite Satz bringt einen zum Lachen. Wahnsinn. Wenn ich diese Gedanken hätte, würde ich mich nur noch auf dem Boden kugeln.
- Riesentrampoline sind TOLL.
Es war eine rundum entspannte Woche, mit vielen guten Gesprächen und Momenten. Zeit zum Ankommen und Sein.

Schweden ist vorbei, diesmal ganz ohne Elch-Erlebnis. Mein Wortschatz hat sich um "Fliegenpilz", "Strick" und "Muskelkater" erweitert. Da werde ich wohl nochmal nach Schweden reisen müssen. Nach Amerika, Südafrika, Israel und Norwegen. Ach ach, das Fernweh, schon da, noch aus der Ferne.

Gatersleben:
Nach einer Woche gings dann weiter in die "alte Heimat", mit Bruderherz im Gepäck. Nach 12 Stunden und einer schönen Schiffsüberfahrt trafen wir in Gatersleben ein. Auch dort hat sich nicht viel verändert. Wie schön und entspannend nach den vielen neuen Eindrücken.
- Die Tierfrau bleibt eben eine Tierfrau. So teilten wir die Wohnung mit zwei Turmfalken, Mäusen, Ratten, einer Taube und einem Dutzend Schmetterlingspuppen. Die Insekten habe ich bewusst nicht aufgezählt, das würde den Rahmen sprengen.
- Nach einem Ausflug in das schöne Städtchen Quedlinburg (Cafe's über Cafe's - wäre eine perfekte Stadt für Cafe-Hopping; die alte Musikschule, wo noch immer die gleiche Flötenlehrerin arbeitet; viele schöne Fachwerkhäuser...), der dank der Deutschen Bahn übrigens sechs Stunden dauerte, von denen wir nur zweieinhalb in der Stadt selber waren, lasen wir eine kleine Schwalbe auf. Und mussten leider zusehen, wie sie wenig später starb, trotz fachmännischer Betreuung durch unsere Tierfrau. Fips ist jetzt im Schwalbenhimmel - da gibts ganz viele Mücken, die hat sie besonders gern. (Im Mückenhimmel gibts übrigens ganz viele Menschen.)
- Die Bürgermeisterin muss man nicht erkennen, wenn man seit 10 Jahren nicht mehr in dem Ort lebt. Oder?
- Ein Spaziergang zum ehemaligen Kindergarten. Schwelgen in Erinnerungen. Nostalgie. Ach ach. Da möchte man doch glatt nochmal Kind sein.

Nach drei Tagen ging es dann, diesmal alleine, weiter nach Wernigerode, zu meinen lieben Verwandten. Auch dort ist es immer wieder schön. Morgens habe ich Zeit für mich (die ich grösstenteils mit schlafen zubringe... Ich muss ja ausgeruht sein für die kommende Woche!) und nachmittags machen wir Stadtbummel, basteln, spielen Gitarre, lesen ... Abends gings dann ins Tischtennis, wo ich von einem über 80-jährigen Profi unterrichtet wurde - ich hoffe, er hatte danach keine Alpträume. Erkenntnis: Wernigerode und der Harz sind so schön wie eh und je. Und liebe Menschen bleiben liebe Menschen. Und Auto fahren macht Spass. Und Dachfenster (mit Regen drauf) sind ein MUST-HAVE. Ein zu schönes Geräusch, um es zu verpassen.

Morgen ist es soweit: Die letzte Etappe der Reise beginnt. Eine Woche darf ich mit dem cantacanti (Schulchor) Konzerte geben, Leute treffen, Zeit verbringen. Zuerst am Eurotreff in Wolfenbüttel, danach im Rahmen eines schon längst fälligen Gegenbesuchs bei unserem lieben Ahrensburger Chor (bei Hamburg). Es wird höchste Zeit für ein bisschen Musik!

Freitag, 26. August 2011

Of Power and Love

When the power of love overcomes the love of power, the world will know peace.

Jimi Hendrix

Fantasie.

Und vergiss nicht zu träumen,
dir eine Welt vorzustellen,
in der Liebe mehr Platz hat,
in der die Hoffnung nicht aufhört
und der Friede die ganz tiefe Sehnsucht
aller Menschen ist.

Dass du träumen kannst,
ist eine Gabe.
Deine Energie wartet darauf,
vor deine Träume gespannt zu werden.
Setz dich ein für das,
was du glaubst.

Ulrich Schaffer

Donnerstag, 25. August 2011

Sprachlos oder Das andere Ja

Nein, es war nicht eng.
Nein, es war kein Versehen,
und nein, du hast ganz sicher nicht geschlafen.

Du hast ein Stück von mir genommen,
einfach herausgebrochen.
Vielleicht wird die Wunde heilen,
aber nein, verschwinden wird sie niemals ganz,
und nein, dieses Stück kommt nie zurück.

Nein, es war kein Versehen.
Nein, ich wollte das nicht.
Nein, das Wort, das ich nicht sagen konnte.

Finger weg!

Du nimmst dir, was du willst.
Du greifst einfach zu.
Du machst ein bisschen Small-Talk,
und denkst, jetzt gehört sie mir.
Du fragst nach Hobbys und Plänen,
aber du fragst mich nicht, ob ich dir geben will
was du dir wünschst, was du brauchst.

Du nimmst dir, was du willst.
Und hinterlässt ein Schlachtfeld,
einen Ort der Zerstörung.
So ganz nebenbei
wärmst du dich an mir auf,
als wäre ich eine Tanksäule.
Bin ich nicht.

Ich habe Gefühle,
und einen Willen,
und was mir gehört,
gehört nicht dir.
Also lass deine Finger davon.
Denn Geschenke nimmt man nicht,
man kriegt sie.

Hilflos

Ich dachte immer, man kann sich doch wehren.
Ich dachte immer, man kann doch etwas sagen.
Die Hand wegschubsen.
Aufstehen und gehen.
Ich dachte immer, das wäre möglich,
und gar nicht so schwer.

Es geht nicht.

Man kann sich nicht wehren.
Man bleibt stumm, auch wenn es innen schreit.
Man erstarrt.
Ist unbeweglich.
Lässt geschehen.

Ich dachte immer, ich könnte mich wehren.

V.H., c/o

Ich habe es satt, dieses c/o in meiner Anschrift. Seit einigen Jahren ist es da, manchmal nur gefühlt, meistens aber echt. c/o in Häusern, Zimmern, bei Familien, fremden Leuten. Immer c/o. Bei. Zu Gast. Auf Zeit. Ich will kein c/o sein. Wenn ich meinen Absender auf einen Brief schreibe, möchte ich vier Linien haben. Name, Strasse, Ortschaft, Land. Und nicht noch ein c/o und das Ablaufdatum dieser Adresse.
Ausserdem habe ich es satt, meinen Facebookstatus mit "V. H. packt" zu füttern. Packt aus. Kommt heim. Stellt den Koffer in die Ecke. Ja. Aber nicht schon wieder packen, auspacken, einpacken, umpacken, aufhängen, abhängen, kennen lernen und so weiter. V.H. lässt sich nieder.
Bald gehts nämlich auf an den ersten Ort seit langem, an dem ich definitiv aupacke. Wo es kein geschriebenes c/o gibt. Hoffentlich gibt es dort auch kein gefühltes c/o. Mein Name steht schon auf dem Briefkasten. Er bleibt hoffentlich für eine Weile da. Und auf dem Estrich ist genug Platz für Koffer und Kisten, die sich einstauben lassen können. Ich bin bereit.
Mein Zuhause. Mein. Zuhause.

Dienstag, 23. August 2011

Another song

Mumford & Sons - Winter Winds

As the winter winds litter London with lonely hearts
Oh the warmth in your eyes swept me into your arms
Was it love or fear of the cold that led us through the night?
For every kiss your beauty trumped my doubt

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no
This time no"

We'll be washed and buried one day my girl
And the time we were given will be left for the world
The flesh that lived and loved will be eaten by plague
So let the memories be good for those who stay

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no"
Yes, my heart told my head
"This time no
This time no"

Oh the shame that sent me off from the God that I once loved
Was the same that sent me into your arms
Oh and pestilence is won when you are lost and I am gone
And no hope, no hope will overcome

And if your strife strikes at your sleep
Remember spring swaps snow for leaves
You'll be happy and wholesome again
When the city clears and sun ascends

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no"

And my head told my heart
"Let love grow"
But my heart told my head
"This time no
This time no"

Am Ende des Tages

Wenn es dunkel ist, gibt es keinen Schatten.
Wenn es dunkel ist, können müde Augen ruhn.
Wenn es dunkel ist, kannst du die Maske ablegen.
Wenn es dunkel ist, siehst du nicht, wie tief du fällst.
Wenn es dunkel ist, wird das Licht umso heller sein.
Wenn es dunkel ist, kannst du die Sterne sehen.
Also lass die Sonne untergehn,
sie wird wiederkommen.
Bestimmt.

Sonntag, 21. August 2011

Das ist das Haus von Marie, und es will bemalt werden

Um ein typisch schwedisches Haus zu haben, muss es rot sein. Damit es schön aussieht, muss die Farbe all fünf Jahre erneuert werden. Das fünfte Jahr ist jetzt.
Aber vor dem Malen muss die alte Farbe vom Haus abgekratzt werden. Mit Besen.
Das macht genau 2 Minuten lang Spass.
Nach 5 Minuten spürst du den Arm.
Nach 7 schmerzt ebenjener.
Nach 10 denkst du an eine Pause.
Nach 20 siehst du aus wie nach zwei Monaten Strand und Sonne, teint-mässig.
Und nach einer halben Stunde machen sich erste Blasen bemerkbar.
Es folgen noch weitere Phasen der Demotivation, bis du schliesslich abends völlig geschafft ins Bett fällst. Natürlich erst nach einer Dusche im Regen, einem Bad im See und einem in der Badewanne, denn der orange Staub ist ÜBERALL. Am nächsten Morgen stehst du mit einem ganz hässlichen Muskelkater auf.

Dann gehts an's Malen. Das Malen macht immerhin eine halbe Stunde lang Spass. Aber nach zwei Stunden und drei Blasen schweifen die Gedanken ab. Dann fällst du zum ersten Mal von der Leiter, nach einer Stunde zum zweiten Mal. Dein Körper ist mittlerweile übersäht mit Farbklecksen, vor allem der Hals, die Arme und das Gesicht. Die Fensterrahmen, ursprünglich weiss, sind nun... naja, nicht mehr weiss. Der Arm schmerzt. Die Pflanzen unter dir leiden, denn Leitern sind schwer, und Farbe verstopft ihre Atemwege. Also die der Pflanzen. Am Abend stehst du vor einer Wand, die genauso aussieht, wie zwei Tage zuvor. Dafür bist du nun braun / rot / orange.
Ich wollte schon immer mal ein Haus anmalen. Ich denke, einmal reicht. Eine Malerkarriere wirds wohl nicht geben.

Ich liebe wwoofing.

Zwischen hier und da

Übermorgen ist der letzte Tag in diesem Paradies, dann gehts weiter auf die nächste Farm, wo meine Reisegruppe um meinen lieben Bruder auf zwei erweitert wird. Morgen soll ich für die ganze Truppe kochen - wenn das mal gut geht. Ich denke langsam ans packen (einmal mehr Milimeterarbeit) und finde da so allerlei aus den letzten Tagen:

- Mein Rezeptbuch wurde um einige Rezepte erweitert. Unter anderem um das einfachste und leckerste Brot der einfachen Hausfrauenkünste.
- Die Leute in Ramshyttan waschen ihre Wäsche nicht. Sie hängen sie einfach eine Woche an die Wäscheleine, draussen, und lassen den Regen sein Wunderwerk tun. Sehr ökologisch - und effizient?
- Ich durfte das traditionelle Krabbenessen miterleben. Ein "Dorffest" - wir waren etwa 25 Leute. Man isst Krabben, und weil die Tierchen so eklig sind muss man kräftig mit Schnaps, Cognac und vor allem Vodka nachspülen. Dazwischen werden immer wieder irgendwelche Trinklieder gesungen. Am Schluss waren alle pappsatt und betrunken. Nach Hause gings aber doch mit dem Auto - jaja, die ökologischen Schweden...
- Apropos Ökologie muss ich mich hier sowieso sehr beherrschen. Diese Unmengen an Plastiktüten, Stromverschwendung, Wasservergeudung, das Auto für alle 10 Meter und und und. Schade, denn das Wissen wäre in den Köpfen vorhanden, nur beim Anwenden haperts noch.
- Ich bin immer wieder erstaunt, wie weich Pferdenüstern sind.
- Erst jetzt, wo ich Zeit mit einer Person verbringe, die fast taub ist, fällt mir auf, was wir alles übers Hören machen. Der Toaster, der Wasserkocher, das Auto vor dem Haus, die bettelnde Katze... Und dann die ganzen "Lebensgeräusche": Seufzer, Lacher,... Sie vergisst regelmässig das Wasser abzustellen - weil sie das Rauschen nicht hört. Dafür kann ich abends meine Musik hören und sie schläft daneben... auch praktisch.
- Reiten verursacht Muskelkater.
- Hier wird ein alter Braunkohleofen aufgebaut, wie vor 400 Jahren. Spannend!
- Zu zweit mit dem Kanu zu einer einsamen Insel (20 Schritte mal 8 Schritte) paddeln, dort am Feuer picknicken und geniessen. Rechts die untergehende Sonne, die den Himmel in allen Farben einfärbt. Links der Vollmond, der sich im Wasser spiegelt. Wenn man vor lauter Schönheit nicht weiss, wohin man schauen soll, ist man in Ramshyttan. Oder wie Kristiina sagt, wenn der Himmel sich im Wasser spiegelt: "It's like sky coming to town."
- Ramshyttan kennt keine Vorhänge vor den Badezimmerfenstern. Intimsphäre vs. schöne Aussicht...
- Gespräche mit einer Estin können sehr spannend sein. Der Einfluss der Russen, das Leben in Skandinavien etc.
- HIER LEBEN VIELE ZECKEN. JA, man darf sie umbringen. Sie knallen lustig, wenn man sie verbrennt.
- Post ist toll, egal wo auf der Welt. Und Briefe mit Schreibmaschinen schreiben macht Spass.
- Die Schulter knarzt, die Beine sind aufgeschlitzt, der Rücken tut weh, der Hals kratzt, das Knie jault - ich werde alt.
- Ungleiches Arbeitstempo schlägt aufs Klima.
- Lange Arm- und Beinbekleidung sind beim Beeren pflücken im Wald von Vorteil. Hinterher weiss mans. Ausserdem sind die Finger nun blau - und werden es für immer bleiben, wies aussieht.
- Wenn sich jemand wie ein kleines Kind über gepflückte Beeren freut, ist das jeden einzelnen Kratzer wert. Ausserdem mag ich Beerenkuchen...
- Für zwei denken ist anstrengend. NEIN, ich bin nicht schwanger.
- Fahrräder mit funktionierender Gangschaltung - davon träume ich nachts.
- Es gibt sooo viel verschiedene Milch-, Joghurt-, Rahmsorten, und alle in der gleichen Verpackung! Mellanfil, Filmjölk, Mjölk, Mellanmjölk...
- Von der Leiter fallen tut weh. Richtig von der Leiter fallen tut nicht weh (richtig = auf das richtige Körperteil und die richtigen Pflanzen). Ich habs extra nochmal ausprobiert.
- Bratpfannen sind schwer. Wenn sie auf deinen Fuss fallen, sind sie zehnmal so schwer. Sagt auch der grosse Zeh.
- Ich besitze nun schon ZWEI Polaroid-Kameras! Wer noch Papier zu Hause hat - her damit!!
- Voltige macht Spass, auch in Schweden.
- Es ist toll, selbst geerntete Sachen zu essen.
- Fast tägliches schwimmen im EISkalten See. HIER ist Herbst. Inklusive Wind und Regen (im Regen schwimmts sich am schönsten).
- Schweden hat schöne rote Häuser. Jaja. Die wollen auch bemalt werden. Dafür werden wwoofer rekrutiert. Mehr dazu siehe im folgenden Eintrag "Das ist das Haus von Marie, und es will bemalt werden". Nur soviel: Nach Regen, See und Dusche fühlt man sich wieder halbwegs menschlich.
- Rumsitzen und quatschen, bei Tee und Kuchen. Immer wieder schön.
- Es gibt einen Asteroiden mit dem Namen Veronika. Sein Licht benötigt 25 Minuten bis zur Erde.

Die Zeit fliegt (wie immer nach der Hälfte), und trotzdem will ein Tag um den anderen gelebt werden.

Samstag, 20. August 2011

Geradeaus, immer der Kurve nach

Mein liebstes geometrischess "Element" ist die Strecke. Nein, keine Gerade, und auch keine Linie. Geraden sind unendlich - also unfassbar, unbegreiflich; Grösseres als die Endlichkeit kann das Hirn nämlich nicht fassen (wenn überhaupt das). Auch nicht die Linie - sie schwebt so undefiniert im Raum, und Unklarheiten sind nie gut. Aber die Strecke, die ist einfach perfekt. Sie hat einen klaren Anfangs- und Schlusspunkt, sie ist grade, man sieht also von A nach B und von B nach A. Die Länge ist genau definiert, die Breite oder Dicke spielt keine Rolle. Einfach, ganz simpel, von A nach B.
Wo wir schon beim Superlativ sind: Am wenigsten mag ich den Kreis. Er ist der Inbegriff der Undefinition. Eine Kugel hat wenigstens ein Volumen. Aber ein Kreis hat nur eine Linie, die so zerbrechlich, so verformbar aussieht, dass ich nicht glaube, dass die Fläche, der Radius, der Durchmesser immer gleich bleiben.
Kreise sind gemein. Sie ändern ihren Mittelpunkt, drehen sich, drehen sich plötzlich um etwas anderes, nicht mehr um das Zirkeleinstichsloch (was sowieso hässliche Punkte auf der Unterlage hinterlässt). Kreise sind manchmal oval, eierförmig. Sie sind immer zu gross oder zu klein. Und vor allem: Folgst du der Kreislinie, kommst du nirgendwo hin. Du gehst immer und immer wieder dieselbe Strecke, fängst von vorne an, erreichst das Ende und doch nicht das Ziel. Und am Schluss ist dir schwindlig und es dreht sich alles.
Da bleib ich doch lieber bei meiner langweiligen Strecke. Punkt A zu Punkt B. Klar, einfach, definiert.