Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Montag, 24. Juni 2013

Reisespecial - Kein Teil

Hej!

Ich bin nun seit vier Tagen wieder in der Schweiz. Physisch zumindest. Da ich psychisch noch nicht ganz angekommen bin, lasse ich die letzten zehn Tage Revue passieren und euch daran teilhaben - solltet ihr denn die Ausdauer haben, dem gesamten Schreibfluss zu folgen.

Nachtrag: Swedish National Day - 6.6.
Weil für diesen Feiertag nun schon Pfingstmontag gestrichen wurde, muss ich doch noch kurz nachträglich davon berichten. Seit 1983 gibt es den Schwedischen Nationalfeiertag. An diesem Tag wurde Gustav Vasa als König von Schweden gekrönt (1523) und die Verfassung angenommen (1809). Die Schweden interessieren sich aber nicht wirklich für den Feiertag, nur die königliche Familie nimmt an einer Zeremonie in Stockholm teil. Für Austauschstudenten ist es aber eine passende Gelegenheit, noch einmal Kanelbullar und all die anderen Köstlichkeiten aus Schweden zu geniessen.

Lund (10.6.)
Putzen, abschliessen, Schlüssel abgeben. Schon ein komisches Gefühl, die erste "eigene" Wohnung zu verlassen. Ein letztes Mal Fika, noch einmal durch die Stadt wandern (und dabei der eben angekommenen Reisebegleitung das wenige erzählen, das ich über sie weiss), ein letztes Eis. Dann geht's ab in den Zug nach Stockholm und von dort mit dem Nachtzug weiter nach Umeå.

Umeå (11.6.)
Um 06.45 Uhr kommen wir (wir = drei Personen) in Umeå an. Es ist taghell und wir werden erst einmal unsere tausend Kilo Gepäck los. Nach einem Kaffee sind wir dann auch fähig, uns ein bisschen zu bewegen. Der Tag wird nicht sehr spektakulär: Städtchen angucken, einkaufen, Fika machen, auf dem Steg in der Sonne liegen - und dann vier Stunden im Wartesaal am Bahnhof warten, weil das Ticket nicht für den Bus gilt und es draussen regnet. Zum Glück sitzen da auch zwei Jungs aus London mit Gitarre und Mini-Djembe. Musik verbindet und verkürzt die Zeit. Irgendwann kommt dann der Zug und bringt uns nach Luleå.

Luleå (11.6.-13.6.)
Ein kleinen Schreck (Nachts gegen 11 Uhr stellen wir vor / in unserem Hostel fest, dass wir kein Zimmer haben. Das Hostel ist personallos. Aber wie immer ordnet sich alles.) schlafen wir in der fensterlosen Unterkunft. Irgendwie gut, denn in Luleå wird es zu dieser Jahreszeit nie richtig dunkel - so schauen wir in der nächsten Nacht dem Sonnenuntergang und eine kurze Weile später dem Sonnenaufgang zu. Ein sehr merkwürdiges Gefühl.
Ansonsten ist Luleå nicht wahnsinnig spannend - nett, klein, am Wasser. Draussen ist es zu hell und drinnen zu dunkel, um ein Zeitgefühl zu haben - also lassen wir das bleiben und es uns rund um die Uhr gut gehen: essen, spazieren, schlafen. Und schon wieder kriechen wir mit unserem (wirklich schweren!!) Gepäck zum Bahnhof. Es geht nach Kiruna - dabei muss ich feststellen, dass der Polarkreis gar nicht rot eingezeichnet ist, wie ich das immer dachte. Man fährt mit dem Zug einfach darüber, ohne es zu merken.

Kiruna (13.6.-15.6.)
Kiruna ist die 70-grösste Stadt Schwedens (also winzig klein) und gleichzeitig auch die nördlichste, auf einer Höhe mit Mittelgrönland gelegen. Würde es den Golfstrom nicht geben, würde in Kiruna arktisches Klima herrschen. Ausserdem gibt es in Kiruna eine der grössten Eisenerzmienen der Welt, weshalb die gesamte Stadt in den nächsten Jahren auch um fünf Kilometer verschoben wird.
In Kiruna erleben wir das grosse Mitternachtssonnen-Spektakel mit. Gegen 23 Uhr machen wir uns daran, einen Hügel bei Kiruna zu erklimmen. Die Sonne leuchtet hell und orange und wir sind überhaupt nicht müde. Unter uns liegt eine weite Fläche mit Seen, Wäldern und "Nichts". Gegen 24 Uhr nähert sich die Sonne dem Horizont, also der Bergkette, die sich ganz hinten abzeichnet. Und dann entfernt sie sich wieder von ebenjener Linie. Einfach so. Sie steigt höher und höher während wir wieder tiefer und tiefer steigen. Gegen 2 Uhr haben wir unser Hostel wieder gefunden und legen uns ins Bett - draussen scheint die Morgensonne. Schon irgendwie eindrücklich und verrückt.
Am nächsten Tag erfreuen wir uns unserer Energie (die dem vielen Licht zu verdanken ist) und setzen uns in den Zug. In den Abisko Nationalpark soll es gehen. Da wir aber nur Turnschuhe dabei haben, es regnet und der Zug nur dreimal täglich da vorbei fährt, bleiben wir dann doch lieber sitzen und steigen erst an der Endstation aus - Narvik. Narvik liegt an der Küste von Norwegen an einem steilen Hang und sieht in Touristenaugen sehr gewöhnlich aus. Der Rückweg wird mit einem Bus bestritten - kurvige Passstrasen in rasantem Tempo. Die Fahrt lohnt sich aber allemal (auch mit dem Zug), man sieht Seen und Wälder und kommt über die Baumgrenze und überhaupt sieht es dort oben einfach anders aus. Lohnenswert!
Aber schon wieder suchen wir den Weg zum Bahnhof (zum Glück bergab…) und steigen in den Zug.

Zug (15.6.-16.6.)
30 Stunden Zugfahrt, das erlebt man schon nicht alle Tage. Mit Umstieg in Stockholm und Kopenhagen geht es nach Hamburg. Unsere Hauptbeschäftigung: essen und planen, wie, wann und wo wir wieder zu Verpflegung kommen. Ausserdem sind eine Fahrt mit der Fähre, ein defekter Zug und ein bisschen spontane Bahnsteigmusik inbegriffen. Aber 30 Stunden sind dann doch irgendwie genug.

Hamburg (16.6.-18.6.)
In Hamburg wird unser Dreiergrüppchen um eine Person ärmer. Wir beiden Verbliebenen geniessen die Sonne und die Stadt und besuchen abends die Oper, in der unser Gastgeber mitspielt. La Nozze di Figaro ist es, gut inszeniert und umgesetzt, ein wahrer Genuss. Aber schon geht es weiter nach Berlin

Berlin (18.6.-20.6.)
Am heissesten Tag des Jahres und gleichzeitig mit Obama treffen wir in der Hauptstadt Deutschlands ein. Eine wundervolle Stadt, wenn ihr mich fragt. Wir essen Eis und schlendern durch die Strassen - viel lässt sich nicht machen, alles ist abgesperrt, sogar die Spree ist von Tauchern besiedelt. Wir kümmern uns aber nicht gross um Obama sondern gehen zu einem Konzert von Ben Howard, einem australischen Künstler, der sehr gute Musik macht. Und schon wieder trennen sich die Wege und ich fahre durch das Hochwasserdeutschland in die Schweiz.

Schweiz
Nach ein paar schönen Tagen Zwischenstopp in Basel bin ich nun wieder im Toggenburg angekommen, also sozusagen beim Ursprung. Es regnet, ich gewöhne mich langsam an Sprache, Geld und Kultur und freue mich auf das bevorstehende Open-Air (vier Tage lang Konzert und zelten). Schon bald geht die Reise wieder los, nach Taizé und noch einmal nach Schweden soll es gehen. Aber das ist dann ein anderes Kapitel.

Fazit
71 Stunden Zugfahrt, 30kg Gepäck - es war lange und viel, aber toll.

So, das war's. Unten noch ein paar Fotos, geschossen von einer tollen Reisebegleitung (ich fotografiere noch immer analog - wer also noch alte Filme bei sich herumliegen hat und sie nicht mehr braucht - HIER!!). Sie zeigen zuerst den Blick aus der Haustür unserer Jugendherberge in Luleå und danach drei Mal die Mitternachtssonne in Kiruna. Das mittlere Bild ist 23.55 Uhr aufgenommen worden.
Gute Nacht und guten Sommer wünsche ich!

Bästa hälsningar.





Montag, 10. Juni 2013

Ganz kurz davor & fast schon mittendrin - Teil 22

Hej

Ausnahmsweise mal Montagfrüh anstatt Montagnacht. Nichts bleibt gleich, noch nicht einmal die Rundmailzeiten. Aber die letzte Nacht im eigenen Appartment darf nicht verschlafen werden, und nach putzen und packen bleibt halt nur noch das Mailen übrig. Quatsch. Aber morgen um diese Zeit werde ich in einem Nachtzug in den Norden sitzen bzw. liegen, deshalb halt schon jetzt eine Nachricht an die Welt, also euch.
  • Die letzte Woche war voll und schön. Ein letzter Fussballmatch mit anschliessendem Pizzaessen, Diskussionen über das Abendmahl und den Glauben, Fahrrad fahren über Pflastersteine, Fika…
  • Am Mittwoch begann das Abschied nehmen. Von Menschen, Orten, meinem (also Karins - DANKE!!) schönen grün gelb-gepunkteten Fahrrad, Ritualen - halt von einem intensiven halben Jahr. Das gehört halt dazu. Klar. Schön ist es trotzdem nicht.
  • Von Freitag bis Samstag durfte ich dann eine wunderbare Zeit mit meiner "Kerngruppe" (sechs Finnen, eine Dänin, eine Deutsche) in einem netten Häuschen auf dem Land verbringen. Hauptbeschäftigung war essen. Oder Essen vorbereiten. Oder nach dem Essen aufräumen. Aber wir haben auch viel geredet und gelacht, sind spazieren gegangen und haben Holzklötze auf andere Holzklötze geworfen (auch "Kubb" genannt, ein sehr lustiges Spiel!). Der ein oder andere Sonnenbrand war auch mit von der Partie, wie könnte es anders sein bei dem herrlichen Hochsommerwetter.
  • Auch die internationale Gemeinde der Domkirche wurde ein letztes Mal besucht - ein Abschied mehr. Aber es ist irgendwie auch schön zu sehen, dass es so viele tolle Menschen gibt.
  • Nun steht nur noch das finale Putzen und Packen an (es wird eng mit dem Rucksack…), dann geht es los. Schon komisch, wie die Zeit vergeht - gerade erst habe ich mein Zimmer in Basel in Kisten verpackt.
  • Weitergehen tut es morgen (also heute) mit einer Reise in den Norden, mit dem momentanen Besuch und einem weiteren Besuch (langsam wirds kompliziert mit den ganzen Besüchern…). Umeå, Luleå und Kiruna sind geplant, alles andere wird sich ergeben.
Ob es auch mit Rundmails weitergeht, wage ich zu bezweifeln. Das Erasmus-Abenteuer endet hier und somit auch meine wöchentlichen Redeschwäller (ja, ich bin Expertin für Pluräler). Ich habe mich übrigens sehr über die vielen lieben Mails gefreut. Antworten sind nach und nach in Arbeit, gelesen wird immer. Ja, jedenfalls wird vielleicht der Primzahl zuliebe in naher oder ferner Zukunft noch ein ganz letzter Teil angehängt, aber für den Moment soll das hier genügen. Danke für die Leseausdauer!

Bästa hälsningar.

P.S.: Die Schwedischprüfung ist BESTANDEN - das muss hier schon auch noch erwähnt werden, ein ganz kleines Bisschen stolz bin ich da nämlich schon drauf.

Dienstag, 4. Juni 2013

Noch kürzer davor - Teil 21

Hej

Kurz wird das Mail vermutlich nicht, aber es ist kürzer vor der Abreise als das letzte, deshalb der Betreff. Weil ja aber in der Kürze die Würze liegt, belasse ich es bei dieser knappen Einleitung und gehe wie immer zu den Stichpunkten über.
  • Als erstes eine Erklärung: Meine ganzen Besuche sind absichtlich namenslos. Da ich sie aber irgendwie unterscheiden muss, sind sie nun also der erste beste, zweite beste, dritte beste etc. Besuch. Das ist keine Wertung (erst-bester, zweit-bester etc.) sondern einfach ein Unterscheidungsmittel, das, meiner Meinung nach, besser als Besuch Nr. 1, Besuch Nr. 2 usw. ist. Leider hat das alles zu Verwirrungen geführt, die ich hier hoffentlich auflösen konnte. Wer spezifische Fragen zu den Besuchern hat, darf mich gerne kontaktieren.
  • Genau, Besuch. Nachdem der eine ging, kam am zwei Tage später gleich der nächste. Seit gestern sind wir nun sogar zu dritt, was manchmal ein wenig eng wird auf meinen gut 20 Quadratmetern. Aber Stimmung und Wetter sind gut und so ganz ohne Univerpflichtungen lässt es sich gut Touristenführer spielen.
  • Uni. Die Uni ist seit Mittwoch sozusagen abgeschlossen - mit der Einsendung meines Essays über die Armut. Ich "gammle" also nur noch hier rum und schlage Zeit tot, unter anderem mit Fika machen (!!!), Freunde treffen, Ausflüge machen, im Stadtpark auf der Wiese liegen, Harry Potter 6 lesen, in die Kirche gehen, Fussball spielen (wir sind schon richtig gut!!), ein bisschen tanzen und Reste verkochen / -backen. Ja, es ist in der Tat ein Traum und ich geniesse es sehr, frei von jeglichen Pflichten zu sein. Keine Arbeit, keine Uni, kein Garnix.
  • Eine kurze Rückblende aber noch zu vor Mittwoch: Zwei Tage hockte ich in meinem Zimmerchen, las, schrieb und wurde von meiner allerbesten Lieblingsnachbarin zum Essen eingeladen. Das Tolle: Ich durfte einfach kommen, essen, und wieder gehen, weil ich ja arbeiten musste. Wirklich guter Service. (Lecker war's übrigens auch.)
  • Der Mittwochabend wurde dann mit einem Grillfest zelebriert. Von Schokobananen und gefüllten Pilzen über in Elektrozäune springende (bekannte) Schweden und ein heillos überfülltes Auto eines (unbekannten) Schweden war alles dabei. Ein gelungener Abend also.
  • Ich durfte diese Woche einen Einblick in die Gemeinschaft der "dumpster diver" bekommen. Das sind die Leute, die in den Mülltonnen der Supermärkte rumwühlen und einwandfreie Ware mit nach Hause nehmen, die nicht mehr verkauft werden kann. Fazit: richtige Ausrüstung ist wichtig (Schuhe, die dreckig werden dürfen; Stirnlampe; Plastikbeutel und Rucksack; evtl. Handschuhe), der richtige Zeitpunkt ist ebenfalls wichtig, und bevor man dumpster diven geht, sollte man nicht einkaufen. Unser Kühlschrank war ÜBERVOLL.
  • Heute verbrachten wir den ganzen Tag auf dem Kullaberg. Das sind Felsen, Klippen, Wald und Wiesen in einem Naturschutzgebiet hier in Südschweden. Der Tag war lang und anstrengend, es wurde straff gewandert, bergauf und bergab, aber jeder Schritt hat sich gelohnt. Die Aussicht war bezaubernd, das Meer unglaublich blau, die Vögel sangen, es gab blühenden Waldmeister und Bärlauch… Ein Traum! Fotos (gemacht von der Lieblingsnachbarin) sind unten.
  • Bei all dem warmen Wetter, der vielen Sonne und dem leckeren Eis liessen sich die starken Regenfälle in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und in Tschechien leider nicht ignorieren. Ich wünsche allen, die davon betroffen sind, viel Kraft und gute Schwimmhäute! Und wenn's gar nicht mehr geht: In Schweden ist es noch trocken.
Seid nun, fast schon zum letzten Mal, herzlich gegrüsst, oder auf auf Schwedisch:
Bästa hälsningar.





Dienstag, 28. Mai 2013

Kurz (davor) - Teil 20

Hej

Ja, es ist Dienstag. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, oder? Ausserdem war es gestern viel zu warm und sonnig, um auch nur eine Minute am Computer zu verbringen. Nun also der Ersatz:
  • Weil die Fika-Kultur in der Schweiz nicht ganz so ausgeprägt ist wie in Schweden, muss vorgeholt werden. Es gibt also jeden Tag mindestens einmal Fika. Tendenz steigend.
  • An der mündlichen Prüfung durften wir über Herausforderungen philosophieren, an der schriftlichen über das Fleischangebot in Schulmensen. Ansonsten trägt Harry Potter 5 zur stetigen Verbesserung meiner Sprachkenntnisse bei.
  • Potluck-Dinner (jeder bringt etwas aus seinem Land mit), Fussballspiele (Letztes Mal waren unsere Gegner drei WINZIGE Jungs aus Island und Schweden. Die waren so klein, dass ich Angst hatte, sie zu zertreten. Ausserdem waren sie schnell und niemals müde.), Gottesdienste und so weiter halten mich auf Trab.
  • Ein Highlight der Woche war der vierte beste Besuch (NICHT der viertbeste - der vierte BESTE) aus der Schweiz. Kurz aber fein wars, mit einer Lund-Tour, viiiiiiiel Fika, einer richtigen Wanderung durch Malmö, noch mehr Fika und vielen guten Gesprächen. Danke!
Mehr gibt es auch gar nicht zu erzählen. Es ist immer noch mehr oder weniger warm und sonnig, ich werde immer nostalgischer und versuche in Gedanken schon, den Koffer möglichst gut zu packen, nach und nach verabschieden sich die neu gewonnenen Freunde und man tauscht Einladungen (nach Vietnam zum Beispiel) und Mailadressen aus. Abgabetermine für Essays werden da schon einmal bis zur letzten Sekunde ignoriert bzw. durch Rundmail schreiben aufgeschoben. Da morgen aber eben dieser Abgabetermin ist und meine Ausführungen über den Begriff "Armut" noch nicht sehr ausgereift sind, schliesse ich hier.

Bästa hälsningar und warme Sommergrüsse.

Montag, 20. Mai 2013

Europa in Schweden - Teil 19

Hej

Die Zeit vergeht - im grossen Sinne, die Zeit hier in Lund ist fast vorbei; und im kleineren Sinne, meine Prüfungen rücken jeden Tag näher und die Lernzeit schwindet nur so dahin. Nach einer Woche wohlverdienter (für euch und für mich) Mail-Ferien melde ich mich nun wieder - leider ist Pfingstmonatg in Schweden kein Feiertag (er wurde gestrichen, als man anfing, den 6. Juni (Nationalfeiertag) zu feiern).
  • Am 11. Mai war Schwedischer Schokoladenballtag (aufgepasst, nicht Schokoladenb-Alltag sondern Schokoladen-Ball-Tag). Dabei handelt es sich um eine der vielen Köstlichkeiten deren man beim Fika frönt. Der Schokoladenball besteht aus Haferflocken, Kakao und Butter. Aussen kleben ein paar Kokosraspeln oder Streuzucker oder Nussstückchen oder sowas. Empfehlenswert!! (Aber ersetzt locker eine Mahlzeit.)
  • Ein anderer wichtiger Tag bzw. Anlass war natürlich der Eurovision Song Contest (ESC), der in der letzten Woche in Malmö stattgefunden hat. Wer nicht weiss, was das ist, darf jetzt so ziemlich ganz nach unten scrollen. Den ESC in unmittelbarer Nähe zu haben bedeutet Folgendes: viele Touristen aus aller Welt (oder ganz Europa), Flaggen, Wo-ist-der-grösste-Bildschirm-Hysterie, Musik aus allen Ecken… Dank meiner journalistischen Tätigkeiten bei dem besten Jugendonlinemagazin überhaupt (www.tink.ch) durfte ich die Schweizer Delegation treffen. Der Artikel wird in Bälde auf ebenjener Internetseite erscheinen. Momentan macht der Server leider Ferien. Jedenfalls plauderten wir gemütlich - Takasa (sechs Mitglieder der Heilsarmee) ist wirklich eine lustige Truppe. In Malmö war die Stimmung richtig gut, der Boden, Laternenpfähle und Wände mit Schmetterlingen beklebt. Das offizielle Logo des ESC dieses Jahr.
  • Das Finale wurde dann aber doch lieber in einem gemütlichen Wohnzimmer mit europäischen Leuten als in einem überfüllten Pressecenter verfolgt. Wie vermutlich immer gab es katastrophale Beiträge und noch Schlimmeres, aber auch das ein oder andere akzeptable Stück. Obwohl ich ja wirklich nicht verstehe, warum die alle englische Pop- oder Rocksongs oder Balladen singen. Das Tolle ist doch die europäische VIELFALT, die UNTERSCHIEDLICHEN Sprachen, die Musik eines jeden Landes. Jedenfalls gewann nach über drei Stunden endlich Nachbarland Dänemark - auch nächstes Jahr wird der ESC also in einem nordischen Land stattfinden. Vielleicht besser so - die meisten anderen könnten sich das finanziell eh nicht leisten.
  • Da Lund ja nicht Malmö ist hatte Lund den ESC nicht zu Gast. Da Lund aber gerne feiert, setzte sich die Stadt einfach das Motto "We party too" - Wir feiern auch. Es gab alles, wirklich alles. Schlagerfeste, Essens-Messen, Frisuren-Shows...
  • Alles in allem war es eine spannende Erfahrung, aber ich bin auch froh, dass der Trubel jetzt vorbei ist und wir uns wieder dem alltäglichen Leben widmen können.
  • Alltägliches Leben. Das beinhaltet zweistündige Polizeiverhöre und Treffen mit Anwälten. Richtig, der Landlord-Fall geht ans Gericht. Es bleibt spannend.
  • Alltägliches Leben beinhaltet auch die Taizé-Gottesdienste mit anschliessenden Diskussionen, Fussballspiele, Fika, Spaziergänge, Nachbarschaftsbesuche… Leider aber auch die ersten Abschiede (ja, das Wort gibt es im Plural). Die Zeit hier in Lund geht definitiv zu Ende. Das merkt man auch an den vielen Verkaufsanzeigen - alle wollen ihre Fahrräder, Matrazen, Möbel etc. loswerden, bevor sie in ihre Heimat zurückkehren.
  • Vorlesungen habe ich seit Donnerstag keine mehr, jetzt heisst es Aufsatz schreiben und lernen, am Mittwoch und Samstag habe ich nämlich Prüfungen, an denen sie meine Schwedischkenntnisse überprüfen wollen… Ihr dürft mir ruhig die Daumen drücken, gebrauchen kann ich das gut.
Und nun die wichtigste Meldung des Abends:
POST würde ich in der nächsten Woche (also in dieser) abschicken. Heute war eine Karte mit dem Poststempel vom 18. März im Briefkasten. Ab dem 10. Juni bzw. dem 7. habe ich keine Adresse mehr (endlich Zeit, meinen Brieferückstand aufzuholen…).

So, das war alles für heute. Herzlichste Sommergrüsse (Hier ist wirklich Sommer. Die durchnittliche Schwedin läuft mit so kurzen Röcken / Höschen herum wie die wagemutigsten Schweizerinnen am heissesten aller Sommertage. Es ist auch wirklich warm. 25°C.)

Hälsningar

P.S.: Wer ein bisschen Englisch kann: Alle Klischees der Schweden in sechs Minuten.
http://www.youtube.com/watch?v=29tZAqJKtxs&feature=youtu.be

Dienstag, 7. Mai 2013

In den Mai - Teil 18

Hej

Das Preisausschreiben ist hiermit offiziell beendet, die Gewinner sind aufgelistet und wurden noch nicht benachrichtigt. Das wird aber vor Juni-Beginn geschehen. Nun aber zum wöchentlichen Bericht, die wichtigsten Punkte stehen wie immer am Schluss, also schön durchhalten!
  • Wie versprochen kommen ein paar fundiertere Infos zu Valborg, wieder einmal ist die Quelle der Newsletter des International Desk. Eigentlich wird der 30. April ja "siste april" genannt - der Letzte im April. Traditionsgemäss versammelt man sich schon früh morgens und verbringt den ganzen Tag picknickend zusammen - Hering ist das Hauptgericht. Dazu singt man Lieder, die den Frühling begrüssen und Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbreiten. Früher fand am 30. April die Dorfversammlung statt, mit Eiern und Schnaps. Abends zündete man dann Feuer an, um die Raubtiere zu verjagen. Hier in Lund ging das folgendermassen zu und her:
  • Schon ab 8 Uhr in der Früh pilgerten mehrheitlich junge Menschen zum Stadtspark, Picknickdecken, Essen und viel Alkohol im Gepäck. Man richtete sich ein und in den nächsten 8 Stunden wurde gegessen, gesungen, getrunken und gelacht. Sehen und gesehen werden schien das Motto zu sein, und ab und zu fühlte ich mich wie an einem Openair - nur ohne Zelte und Musik. Je später der Tag desto kürzer die Schlangen vor den ToiTois und desto intensiver die Bewässerung der umliegenden Gärten. Einmal mehr wünschen sich die Frauen, ein Mann zu sein. Kostüme aller Art konnten entdeckt werden, ebenso wie Polizisten und Sanitäter - ein Grossaufgebot bei etwa 27'000 Besuchern. Am frühen Abend ging man dann nach Hause um abends auf diversen Partys weiter zu feiern / trinken. Hier ein leider schwedischer Zeitungsartikel, aber die Bilder sind sicher einer Betrachtung würdig: http://www.sydsvenskan.se/lund/27-000-festade-i-stadsparken/
  • Genau - der Müll. Unglaublich, was Menschen so produzieren. (Filmtipp: Trashed von Candida Brady) Ich fahre jetzt noch mit Herzrasen durch die Strassen und hoffe, dass sich mein Fahrradreifen noch ein bisschen länger gegen die vielen Scherben wehren kann. Mein Trüppchen war jedenfalls ganz friedlich eher aussen am Park positioniert, bei mir persönlich behielt auch das Essen über das Trinken Oberhand. Abends wurde das kümmerliche Maifeuer betrachtet - wenn der Sommer auch so wird, braucht man die Winterjacken gar nicht erst wegzupacken. Insgesamt ein spannender Tag mit vielen Eindrücken - noch einmal muss ich das aber nicht erleben. Und bei den Geschichten, die mir am nächsten Tag zu Ohren kamen, war ich dann doch ganz froh, dem Alkohol fern geblieben zu sein.
  • Der nächste Tag. Am ersten Mai gab es früher die Tradition, dass die Studenten bei ihren Professoren zum Fika vorbei gingen und ihnen dabei eine Rückmeldung geben durften - was macht er gut, was eher nicht. Mittlerweile gibt es das nur noch mit dem Rektor. Mit viel Pampam, von Flaggen umgeben und dem Männerchor begleitet klopfen die Studenten an die Tür der Uni. Der Rektor (oder die Rektoren) kommen heraus, dann beginnt der Kampf. Zuerst kritisieren / loben die Studenten, dann verteidigen sich die Rektoren. Am Schluss schreiten alle geeint davon. An und für sich finde ich diese Tradition toll - leider waren die Studenten aber viel zu lieb und zu unkritisch, zu wenig provozierend - meiner Meinung nach. Es folgten einige Umzüge durch die Strassen und Ansprachen verschiedener Parteien, wir genossen aber lieber die Sonne und hielten uns dem Trubel fern.
  • Ein paar leichte und unwichtige Infos dazwischen: "Spitzen schneiden" bedeutet in Schweden nicht, von allen Haaren das unterste Ende zu entfernen. Vielmehr wird einfach mal ein bisschen reingeschnippelt - ein paar Haare sind dann kürzer, andere nicht.
  • Beim Einkaufen gibt man Geld aus.
  • Wöchentliches Fussballspiel gehört nun zu meinem Alltag. Sehr toll, und so international wie nur möglich.
  • Mit Besuch muss man Ausflüge machen und darf so das Land auch noch ein bisschen mehr entdecken. Wir machten uns also einen Tag nach Falsterbo auf, dem süd-westlichsten Zipfel Schwedens. Was uns da erwartete: Strand (mit Sand!!), Meer (mit Duft!!), Wind, ein Leuchtturm, ein Café, Strandhäuschen, ein riiiiesiger Golfplatz mit Golfern (ich werde die Faszination für diesen Sport wohl nie verstehen)… Im Anhang ein Bild (Copyright beim Gast) - der Himmel war wolkenlos. Ein sehr lohnenswerter Ausflug. Nun ist aller Besuch wieder abgereist und ich bin wieder ganz allein. Aber einmal mehr weiss ich: Besuch kriegen ist eine tolle Sache.
  • Die Landlord-Geschichte geht in die nächste Runde. Momentan wird ihm nachspioniert, weil ein Brief nicht abgeliefert werden konnte. Wieder einmal bin ich über das schwedische Rechtssystem erstaunt, folge dem Vorgehen aber interessiert.
  • Schon ist die erste Maiwoche vorbei, und mit dem Mai hat auch die Nostalgie Einzug gehalten. Nur noch einen Monat bin ich hier, so langsam werden Reisepläne geschmiedet und die ersten Sachen verkauft und verschenkt - den ganzen Gerümpel kann ich unmöglich in die Schweiz transportieren. Die Unikurse nähern sich dem Ende und irgendwie hat auch niemand mehr so richtig Lust - die Sonne scheint viel zu hell und warm um drin zu hocken.
Nun die wichtigen Infos:
  • Wer Post nach Schweden möchte und/oder eine schwedische Briefmarke als Gegenleistung dafür, sollte sich sputen. Offiziell habe ich die Wohnung noch bis zum 10. Juni, evtl. gehe ich schon ein paar Tage früher, und nachgeschickt wird nichts. Also LOS!
  • Es gibt schon wieder einen Vegetarier mehr auf dieser Welt - ich fühle mich schon fast missionarisch.
  • GESUCHT: Eine 3-4-Zimmer-Wohnung in Basel, bezahlbar und WG-freundlich. Ja, endlich wird eine eigene WG gegründet, mit zwei der hoffentlich besten WG-Mitbewohnerinnen dieser Erde!
  • GESUCHT: Immer noch: Ein 2-Tages-Pass für das Openair St. Gallen.
Und zum Abschluss ein Lied, das wir heute im Schwedisch gesungen haben (mit Lehrer und Ukulele): http://www.youtube.com/watch?v=wEg3acjFf2M&playnext=1&list=PL9F3B565EE51DEE3B
Gesungen und geschrieben von Peps Persson, einem sehr sehr bekannten schwedischen Liedermacher. Und ein bisschen Ferienstimmung: http://www.youtube.com/watch?v=uFcM1DiWbro
Dieses Lied singen die Schulkinder immer vor den Sommerferien. Wir jetzt halt vor Himmelfahrt. Der Text stammt von Astrid Lindgren. Ida besingt übrigens den Frühling und die Natur.

Nächste Woche wird das Rundmail übrigens ferienhalber ausfallen.

Ha det bra und geniesst die Sonne!
Bästa hälsningar.


Montag, 29. April 2013

Gästewechsel - Teil 17

Hej!

Wieder ein Montag. Wieder bin ich nicht allein in meinem schönen Zuhause - der dritte beste Besuch ist angereist. Aber nun zum gewohnten Rückblick über letzte Woche - diesmal mit einer Preisfrage am Schluss!
  • Der Dienstag wurde einkaufend in Malmö verbracht. Dabei ging es zu und her wie in den amerikanischen Filmen: Der Mann trägt die Taschen, die Frau probiert begeistert Kleider und Schuhe und dies und jenes an. Aber sie war emanzipiert genug, um ihre Sachen selber zu bezahlen.
  • Der Film "More than honey" ist nun auch in Schweden angekommen. Sehr sehenswert!
  • In den Rundmails kam zweimal das erste Eis der Saison vor. Eine aufmerksame Leserin hat dies bemerkt. Hier die Erklärung: Das erste erste Eis der Saison ist ein eingepacktes Supermarkteis, ganz unspektakulär. Das zweite erste Eis der Saison ist dann das erste Waffel-Kugel-Eis draussen auf einer sonnenbeschienenen (vier en's in einem Wort - wow) Bank. So ist das.
  • In der Uni versuchten wir diese Woche, den Begriff "Armut" zu definieren. Wir scheiterten kläglich.
  • Es gibt hier viele tolle Angebot und Organisationen. Eine davon organisierte ein "Backen mit Schokolade". Leider kam ich zwei Stunden zu spät, aber so durfte ich einfach alles probieren ohne einen Finger dafür zu krümmen. Toll, oder? Und: Well done ihr Bäcker, es war delicious! Und: Schweden hat zwar keine gute Schokolade, aber gute Schokoladengebäcke.
  • Wegen der vielen sonnigen und warmen Tage wurde für Freitag ein Grossausflug auf die Insel Ven geplant. Diese Insel liegt zwischen Dänemark und Schweden und ist nur 7.5 km2 gross. Leider war das Wetter dann doch nicht soooo sonnig, aber die Stimmung war gut. Auf Ven mietet man sich ein gelbes Fahrrad und fährt damit über die ganze Insel. Herrlich!! Wir versuchten uns mit dem Tandem… Keine weiteren Details hierzu. Jedenfalls entdeckten wir zahlreiche Rehe, Fasan-Pärchen, Hasen und verschiedenste Vögelchen. Wir trafen fast keine anderen Touristen (bzw. Menschen), doch leider hatte deshalb auch kein einziges Café / Restaurant geöffnet. Also wurde Nahrung im Dorfladen beschafft (DA fanden sich dann allerdings ein paar Menschen - Dorftreff??!) und auf einer nassen Bank verzehrt. Insgesamt eine besuchenswerte Insel und ein toller Tag.
  • Noch ein Tipp: Fahrpläne immer GANZ angucken. Farben haben meistens eine Bedeutung, wie auch kleine Buchstaben.
  • Als Entspannung vom Tandemerlebnis ging es abends noch zum Fussball. Bruder Björn (von den Dominikanern) ist nun für ein Jahr in Helsinki und versucht alles, damit unsere Gemeinschaft nicht auseinander bricht. So hat er auch den Kauf und die Nutzung eines Fussballs angeordnet. Leider waren wir nur fünf Personen und es nieselte zeitweise, aber die Intensität, der Spass, der Einsatz und die Tore waren da. Der Muskelkater am nächsten Tag auch. Was aber der Hauptschluss hiervon ist: Die Fussballsaison ist eröffnet und somit auch der Frühling DEFINITIV da. Und hier um zu bleiben. Jawohl.
  • Am Samstag stand dann die Abreise des ersten besten Besuches und ein weiteres Fussballspiel an. Diesmal spielte der FC FUN (anderer Namensvorschlag: FC International), sprich Finnen, ein Iraner, eine Italienerin und Schweizer. Nach einer Fussballrunde und dem Gefühl, zu wenig gerannt zu sein, gingen wir zu Brennball über (ähnlich wie Baseball aber ohne Schläger), danach noch einmal zu Fussball. Insgesamt zweieinhalb intensive Stunden die alle Muskeln so richtig entstaubten. Als Belohnung gabs dann Falafel und Eis. Das Leben kann auch schön sein.
  • Abgeschlossen wurde die Woche durch intensive Hausarbeiten (putzen, waschen, backen und so weiter) und einem Filmabend. "The Tree of Life" - ein langer und spezieller Film, Leuten mit Sitzfleisch und Vorliebe zu Abstraktem zu empfehlen, finde ich.
Dank der fotografischen Künste des ersten besten Besuchs gibt es wieder drei Bilder. Bild Nr. 1: So sieht es hier aus. Knospen, scheue Blüten, grün, Leben. Bild Nr. 2: Selbsterklärend. Mein Kampf mit dem Tandem. Bild Nr. 3: Suchbild: Wer findet das Reh? Einsendeschluss ist der 6. Mai. Reh rot einkreisen, Foto mit eigener Postadresse per Mail an mich zurück schicken und sich vom Preis überraschen lassen.

Nächste Woche wird dann genauestens über Valborg und den 1. Mai berichtet. Bis dahin - lasst es euch gut gehen!

Hälsningar.




Montag, 22. April 2013

Mit Gästen - Teil 16

Hej

Nach backen, kochen, Wäsche waschen und putzen zeigt die Uhr nun schon wieder Zahlen in den Zwanzigern - eigentlich Zeit fürs Bett. Hier aber noch kurz die letzte Woche in Stichworten, wie immer.
  • Der beste Besuch ist sicher angekommen und immer noch hier. Bis jetzt steht mein Appartment noch. Und ich musste schon eine ganze Woche nicht abwaschen… Toll, oder?
  • Es ist Frühling hier in Schweden. Deshalb hat gestern auch unser Frühlingskonzert statt gefunden. Es war toll, wieder in einem Chor zu singen und diese Stimmung mitzuerleben. Auch wenn wir mehr Sänger (150) als Zuschauer waren, hat es riesigen Spass gemacht. Abends gabs dann noch ein Sittning (3-Gänge-Menü in schicken Kleidern essen) und ich habe mich wacker auf Schwedisch durchgeschlagen, sogar bei Themen wie Militärpflicht und Kernphysik. Jaa, wirklich!! Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf. Und ich danke Harry Potter (immer noch Band 4, leider).
  • Das erste Eis der Saison!
  • Mit Gästen erkundet man die Umgebung: Lommar und Bjärred sind zwei windige Küstendörfchen. Auf jeden Fall einen Besuch wert, allerdings wohl eher bei Sonne und so.
  • Auch ein Tag Lund-Tour stand an, dank anderen Gästen aus der Schweiz / Kopenhagen. Dabei lerne auch ich immer wieder neue Gassen, schöne Plätze und noch nicht gekannte Wege kennen. Zum Beispiel die Steinausstellung im Botanischen Garten.
  • Am Samstag sollte dann eigentlich die Stadtparksaison eingesessen werden - leider war es dann aber doch nicht so wirklich warm und Sonnencreme, Buch und Decke wurden sehr bald wieder in der Tasche verstaut. Aber wo schon vom Stadtpark die Rede ist:
  • Alle reden nur noch über Valborg, auch "der letzte Tag im April" genannt. Tausende von Menschen werden sich im Stadtpark (2 min von hier, juhu!) einfinden (morgens um 8 Uhr!!) und den ganzen Tag dort verbringen. Essen, trinken, feiern. Mal sehen, wie mir das gefällt… Immerhin wird es dieses Jahr 30 Toiletten mehr geben, insgesamt also 130. Das ist sehr positiv.
Die grösste und tollste und beste und überhaupt richtig gute Neuigkeit dieser Woche ist aber die hier: Die Uni hat sich nun, nach 1000000 Mails und noch mehr Besuchen, endlosen Gesprächen und einiger Tränen endlich dazu bereit erklärt, mir in der Landlord-Geschichte zu helfen. Meine Koordinatorin meinte nur: "Wärst du von Anfang an gekommen, wäre das alles viel einfacher gewesen." Dass sie nie anwesend war, nicht auf Mails reagiert hat und mich auch der International Desk abgewiesen hat, ignorierte sie dabei geflissentlich. Naja, immerhin helfen sie mir jetzt wirklich, sie nehmen die Sache in die Hand, denken auch schön selbstständig und ich bin sehr erleichtert. Es ist schon gut zu wissen, dass es da eine Stelle gibt, die einem wirklich zur Seite steht.

Zum Abschluss noch drei Bildchen: Zweimal der Eingang zu meinem Wohnblock - das Vordach lässt sich für verschiedenste Dinge zweckentfremden. Und dann noch ein Ausblick von Bjärred nach Malmö an einem kalten, sehr sehr sehr sehr windigen Tag.

Das war's - lasst es euch gut gehen!
Hälsningar



Dienstag, 16. April 2013

Wirklich Frühling - Teil 15

Hej!

Für eine Einleitung bleibt keine Zeit, denn:
  • DAS WASSER IN LUND IST VERSEUCHT! Nein, Scherz. Es war. Das war das Thema der Woche: Bakterienwasser. Am Dienstag machte die schockierende Nachricht zum ersten Mal die Runde: Lunds Wasser ist verseucht. Es hiess also abkochen und Witze reissen. Seit gestern darf man das frische Nass aber wieder ungehemmt geniessen - wurde auch Zeit, das Thermometer stieg nämlich schon in bedenkliche Höhen, da ist Hahnenwasser ein Muss!
  • Genau, das Thermometer. Hier ist Frühling! Ja, wirklich! Definitiv! Nach Kälte und Regen spriessen nun bunte Blumen, die Gelateria hat geöffnet und die weiblichen Bewohner dieser Stadt tragen nun kurze Röcke OHNE Strümpfe. Frühling!
  • Harry Potter 4 ist angefangen! Es geht vorwärts…
  • Was meinen Schwedischkenntnissen ebenfalls gut tut: Eine schwedische Gesprächsgruppe der katholischen Gemeinde. Wir diskutieren das Thema "Heiligkeit" und verschiedene Heilige. Sehr interessant, sehr ermüdend, sehr vokabularbereichernd.
  • Der wöchentliche Filmtipp: Broken. Britisches Drama mit guter Musik, einer wahnsinnig guten Hauptdarstellerin, spannenden Charakteren und ergreifender Handlung.
  • Wöchentlicher "Darüber-sollte-man-sich-informieren-Tipp": Lest etwas über Uruguays Präsidenten. Eine inspirierende Persönlichkeit.
  • Und noch etwas Allgemeinwissen - vielleicht scheint es euch unangemessen in einem Rundmail, ich finde, hier ist genau der richtige Platz dafür: Amnesty International veröffentlichte Zahlen zur Todesstrafe. Mindestens 682 Menschen wurden 2012 durch die Todesstrafe umgebracht. Das bedeutet ein +2 zu 2011. Ausserdem haben Japan, Pakistan und Indien die Todesstrafe erneut eingeführt. Mehr Infos hier: http://amnesty.org/en/news/death-penalty-2012-despite-setbacks-death-penalty-free-world-came-closer-2013-04-10-0
  • Manche Diskussionen nehmen merkwürdige Wendungen. So kam ein Gesprächsparter vom Militär plötzlich darauf, dass Obama mit Hitler und Stalin zu vergleichen wäre. Mir fielen da nur noch zwei Worte ein (nein, nicht "du spinnst", das wäre wenig diplomatisch gewesen): I disagree.
  • Was das Leben schön macht: Sonne, ein sehr gutes Konzert mit tollen Leuten (Daugther), Spinat-Crêpes mit Lingonsylt, Reste essen, eine Holländerin die extra für mich eine Packung Schuddebuikjes importiert (Spekulatiusstückchen die man aufs Brot streut), ein repariertes Fahrrad, keine Mütze mitnehmen zu müssen, liebe E-Mails und Briefe, tolle Pläne - und so weiter. Ihr seht, eine ganze Menge.
  • Was das Leben mühsam macht: Coordinators (meine Ansprechperson von der Universität) die nie da sind, schon gar nicht zu ihren Bürozeiten. Oder diese Leute vom International Desk. Der International Desk ist eine Einrichtung, die Austauschstudenten bei Problemen und Fragen hilft. Ausser deutsch-schweizer Studentinnen, die aus ihrem Zimmer rausgeworfen wurden, um viel Geld kämpfen und um Hilfe schreien. Per Mail und Telefon sind sie Meister im Abwimmeln. Aber meinem persönlichen Charme konnten sie nach einer ganzen Stunde (!!) Bearbeitung meinerseits nicht widerstehen. So konnten sie mir dann plötzlich doch helfen. Zum Schreien ist das, zum Schreien. Die sind einfach zu beschäftigt, ihre Newsletter zu schreiben...
  • …auch diese Infos hier, ein Nachtrag zu Ostern, wurden aus dem Newsletter des International Desk entnommen: During Easter Swedes eat approximately 2000 tons of egg and drink a lot of schnapps. If you don't like eggs: Buy an empty egg shell of paper and fill it with your favorite Swedish sweets (“lösgodis”). Swedes eat approx. 6000 tons of candy during Easter. Important are also the Easter witches. The idea of Easter witches origins from the 1700’s century. According to Swedish folk belief the Easter witches fly on their brooms to Blåkulla to party with the devil. Today, children dress up as Easter witches; with colored headscarves and red-painted cheeks, they go from house to house in the neighborhood and present the occupants with paintings and drawings in the hope of getting sweets in return. (Wer kein Englisch kann: Schweden essen viel Eier und Süssigkeiten, ausserdem trinken sie Schnaps an Ostern. Und sie feiern gleichzeitig das amerikanische Halloween, irgendwie.)
  • Oh, und am 12. April war Licorice Day. Sehr wichtig.
So, nun ruft aber das Bett - morgen kommt der erste beste Besuch zum zweiten Mal, da will Frau schön geschlafen sein… Ausserdem war heute ein anstrengender Tag. Ich habe nämlich eine Feldstudie durchgeführt und den ganzen Tag Menschen, Regale, Produkte etc. in zwei Supermärkten beobachtet. Fazit: Im Lidl gibt es über 50 Tiefkühltruhen, Gitarren, Motorsägen, Toilettensitze. Im Willy's gibt es meterhohe Regale, Nagellack und nur grosse Nutellagläser.

Bästa hälsningar.

Freitag, 12. April 2013

To understand the world - From Halcolm’s Methodological Chronicle

And the children said unto Halcolm, “We want to understand the world. Tell us, O Sage, what we must do to know the world.”
“Have you read the works of our great thinkers?”
“Yes, Master, everyone of them as we were instructed.”
“And have you practiced diligently your meditations so as to become one with infinity of the universe?”
“We have, Master, with devotion and discipline.”
“Have you studied the experiments, the surveys, and the mathematical models of the Sciences?”
“Beyond even the examinations, Master, we have studied in the innermost chambers where the experiments and surveys are analyzed, and where the mathematical models are developed and tested.”
“Still you are not satisfied? You would know more?”
“Yes, Master. We want to understand the world.”

“Then, my children, you must go out into the world. Live among the peoples of the world as they live. Learn their language. Participate in their rituals and routines. Taste of the world. Smell it. Watch and listen. Touch and be touched. Write down what you see and hear, how they think and how you feel.

Enter into the world. Observe and wonder. Experience and reflect. To understand a world you must become part of that world while at the same time remaining separate. A part of and apart from.”

Ich darf also Harry Potter lesen ("learn their language"), Feste feiern und Fika machen ("participate in their rituals and routines"), Kanelbullar essen ("taste"), Kanelbullar riechen ("smell"), ins Kino und an Konzerte gehen ("watch and listen"), und... ("touch and be touched"). Und danach soll ich sogar darüber schreiben! Was für eine tolle Anleitung.

Dienstag, 9. April 2013

Spät, aber ein Teil 14

Hej

Nein, es war wirklich kein Aprilscherz letzte Woche. Zu eurer Beruhigung kann ich euch aber mitteilen, dass mein Aufsatz pünktlich fertig geworden ist. Ob gut oder nicht steht hier nicht zur Diskussion - fertig und das zum Abgabetermin, das ist das was zählt, oder?
Nun werde ich aber von zwei Wochen berichten müssen, und das mitten in der Nacht - bitte seid mir also nicht böse, wenn vielleicht ein paar merkwürdige Sätze oder Buchstabenfolgen entstehen.
  • Nachdem der Blühende wieder abgereist war genoss ich mein Appartment für ganze 15 Stunden. Dann ging es auf nach Kopenhagen. Zwei Tage lang strich ich alleine durch die Strassen, fröhnte dem Kaffee-Hopping, sonnte in den Stadtparks und genoss es, mit mir selbst zu sein. Oh, und es war warm genug für das erste Eis der Saison!
  • Die Ostertage wurden mehrheitlich schlafend und schreibend verbracht. Ostersamstag ging es dann aber abends in die Domkirche zum Osternachtsgottesdienst. Zwar ist mein Schwedisch noch nicht gut genug, um die Bibellesung zu verstehen, aber es war trotzdem sehr eindrücklich - überall waren Kerzen und Lichter, für den "Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!" - Wechsel quetschten sich alle in die bekerzte Krypta, dann ging es weiter mit Wasserbespritzen, Frieden wünschen etc. Am Ausgang gabs dann sogar Schokoladeneier - man kann also behaupten, dass es sich wirklich gelohnt hat, so lange aufzubleiben.
  • Nach der Auferstehung eine traurige Nachricht: Vernon Dursley ist tot. Also der Schauspieler, der den Vernon Dursley in Harry Potter spielt. Da ich momentan im dritten Buch bin und bald selbigen Film schauen werde, ist das von Wichtigkeit.
  • Auch von Wichtigkeit ist unser Konzert am 21. April. Ich bin seit etwa zwei Wochen Mitglied eines Chores. Bald haben wir ein Konzert, für das wir fleissig üben. Gesungen werden schwedische und slowakische Volkslieder, was sprachlich herausfordernd ist. Aber es macht Spass und tut meinem Schwedisch sicher gut.
  • Wo wir schon beim Schwedisch sind: Mein neuer Lehrer hat einen laaangen Vollbart und ist überhaupt ein cooler Typ. Er besitzt eine Ukulele und singt Lieder wie die hier vor: http://www.youtube.com/watch?v=x-vJmhrUjNw Ausserdem kann er die ganze Klasse dazu bringen, mitzusingen. Starke Leistung, finde ich.
  • Nachdem herrlichster Frühling eingekehrt war (windig, aber Frühling), fegte am Sonntag plötzlich ein Hagel- und Schneesturm über das Land. Gruselig. Jetzt ist aber wieder Frühling. Jawohl.
  • Frühling war auch letzten Freitag. Da machten wir - sechs Finnen und ich - Malmö unsicher. Von einer Bar zur nächsten, einmal sassen wir sogar draussen (ja, open-air!) und tranken unsere heisse Schokolade. Dabei lernte ich auch ein bisschen Finnisch. Zum Beispiel weiss ich jetzt, dass man eine ganze Konversation mit den Buchstaben K und O führen kann. Das geht etwa so: "Koko, koko kokokoko kokoko." "Koko kokoko?" "Koko koko kokoko koko." So ähnlich. Also so hats jedenfalls geklungen. Mit verschiedenen Melodien. Und so. Und ich konnte das Verb gehen konjugieren. Für etwa drei Minuten, dann hatte ich es schon wieder vergessen. Aber ich weiss jetzt: Wenn ich eine neue Herausforderung suche, lerne ich Finnisch. eine wunderschöne Sprache, ganz ohne Ironie!!
  • Ansonsten geht das Leben seinen gewohnten Gang. Taizé-Gebete mit spannenden Diskussionen, Fika hier und Fika dort, Uni-Veranstaltungen mit hitzigen Diskussionen über die Definition von Mainstream und Alternative, Chorproben, Lunches in den Nations… und dazwischen immer mal wieder ein Anruf bei der Polizei, ein Besuch beim Gericht und so weiter. Abriss einer Konversation bei Hyresnämnden, einer Art Spezial-Gericht für Mieter und Vermieter:
  Dame: Ich denke, Sie sollten sich einen Anwalt suchen.
  Ich: Und wo finde ich den? Ich bin Studentin = kein Geld.
  Dame: Googeln!
Da blieb alles zusammen Weg - Worte, Spucke, was auch immer sonst noch weg bleiben kann. Google. Natürlich. Darauf wäre ich ja nicht gekommen. Toller Tipp, danke! Es ist also offiziell: Ich brauche einen Anwalt, logischerweise einen aus Schweden. Wer da Kontakte hat, darf sich sehr gerne bei mir melden.
  • Nun noch zur Erklärung der Sendeuhrzeit: Heute wurde mein neues Daheim endlich gebührend eingeweiht, mit viel Essen und noch mehr tollen Leuten. Gleichzeitig war auch die so lang erhoffte und hart (und teuer) erkämpfte Mitgliedschaft im "neutralen Käseländchen" Grund zum Feiern. Zweierlei kann ich mir nun gewiss sein: Erstens bekommt man als Schweizerin nicht weniger Schokolade geschenkt (richtig so!) und zweitens passen doch eine ganze Menge Leute auf etwa 20 Quadratmeter.
  • Oh, und noch zum Highlight der Woche: Der König war in Lund! Schwedens König!! Ich war aber zu faul, in der Menschenmenge auf ihn zu warten und hab ihn mir deshalb nur auf Fotos angeguckt. Kronprinzessin Victoria wird die erste Königin seit Ulrika Eleonore sein, die Anfang des 18. Jahrhunderts regierte. Denn erst 1980 wurde das Gesetz im Reichstag wieder geändert, das Frauen als Thronfolgerinnen ignorierte.
Das war es soweit wieder. Ich hoffe immer noch, dass ein wenig Normalität einkehren möge und ich die Landlord-Geschichte irgendwie abgeben kann. Wir werden sehen. Wenigstens das Knie hat sich entschieden, mir meine Ruhe zu gönnen - wofür ich sehr dankbar bin.

Seid alle lieb gegrüsst und mit einem der hier so füllig vorhandenen Sonnenstrahlen "versorgt", will heissen gewärmt und erhellt.

Bästa hälsningar.

P.S.: An die Schweizer: GESUCHT: 2-Tages-Ticket für das Openair St. Gallen, allenfalls auch zwei. Zu bieten: 4-Tages-Ticket…
Ausserdem GESUCHT: Wohngelegenheit in BASEL ab SEPTEMBER.

Montag, 1. April 2013

Kein Teil 13

Hej

Aufgrund dringender Universitäts-Verpflichtungen (sprich: Essay über Development und Globalization, 3000 Wörter), die bis morgen 17 Uhr erledigt sein wollen und sollen, es aber noch nicht sind (wegen…naja…also mit der Motivation ist das immer so eine Sache…dafür ist meine Wohnung jetzt blitzblank glänzend sauber geputzt!), muss die dieswöchige Ausgabe von "Grössere und kleinere Katastrophen in Lund" leider ausfallen. Geniesst die Ruhe! Oh, und unten noch ein Bild, wie es am Ostertag hier aussah. Leider nur aus dem Fenster fotografiert, der Essay macht meine Wohnung zum Gefängnis. Für alle die, die im Schnee und unter grauem Himmel sitzen.

Nachträglich "Glad Påsk" und wie immer
Bästa hälsningar


Dienstag, 26. März 2013

Am Waffeltag - Teil 12

Hej!

Eine vollgestopfte Woche, ich komme also gleich zur Sache:
  • Letzte Woche kündigte ich einen Orkan an. Es folgte keiner. Nur ein bisschen Rieselschnee. Es ist also wieder Winter, eisig und kalt. KALT. Ausser in meiner schönen kleinen Wohnung, juhu!
  • Seit knapp einer Woche bin ich stolze Mitgliedin eines Chores. Wir singen schwedische und andere Lieder und haben ein grosses Konzert am 21. April, auf das ich mich schon riesig freue.
  • Am Tag des Frühlingsanfanges kam der Blühende, oder auch der andere beste Besuch. Er schlug sich wacker durch Univeranstaltungen (mit angeregten Diskussionen zum Thema Entwicklung und Globalisierung), ein Seminar mit einem Dominikanischen Bruder aus Istanbul zum Thema Hospitality, einen Taizé-Gottesdienst, einen Brunch und Abendtrunk mit meinen Freunden und so weiter. Wacker!
  • Ausserdem besichtigten wir noch Helsingborg (schönes kleines Städtchen in der Nähe) und Linköping (zwischen hier und Stockholm, siebtgrösste Stadt Schwedens aber winzig, ganz nett). Leider vergassen wir in Linköping die sehr sehr sehr leckeren Crêpes zu bezahlen - unser schlechtes Gewissen wird uns bis in alle Ewigkeit verfolgen.
  • Der erste wirklich warme Ort (ausserhalb meines Appartments) in Lund wurde entdeckt! Es handelt sich dabei um das Gewächshaus des Botanischen Gartens. Sehr feucht, aber seeeeehr warm. Und man ist von schönen Pflanzen umgeben. Ich werde nicht zum letzten Mal da gewesen sein.
  • Auch Teil der Woche war eine Physiotherapie ganz auf Schwedisch. Zu meinem passiven Schwedisch-Wortschatz gehören jetzt also auch Wörter wie Kreuzband, Kniescheibe oder Oberschenkelmuskel. Namentlich heisst mein Leiden wohl "patellofemoral pain syndrome" - übersetzt böse böse Schmerzen hinter der Kniescheibe. Mehr Platz wird dem hier nicht eingeräumt, sie (die Schmerzen) könnten sich dadurch zu wichtig fühlen und noch mehr in den Vordergrund treten wollen - was vermieden werden soll.
  • Noch ein nicht erwähnenswertes Ereignis: die Schwedischprüfung. Nach zwei lustigen Lernabenden fühlte ich mich sehr begrenzt vorbereitet. Das Resultat wird sich erst noch weisen.
  • Ein Höhepunkt der Woche war der Sonntag. Nach Brunch und Kaffeehopping besuchten wir wie immer den internationalen Gottesdienst in der Domkirche. Diese Woche wurde Anna getauft. Sie darf von sich behaupten, den lustigsten Gottesdienst miterlebt zu haben, bei dem ich jemals anwesend war. Was genau so lustig war, lässt sich schwer beschreiben. Ein kleines Beispiel: Die Mutter verschwand kurz vor der Taufe und kehrte nicht zurück. Daraufhin versuchte der Pfarrer verzweifelt, den Ablauf irgendwie anzupassen und Zeit zu schinden. Währenddessen fing sein Mikrofon an zu knacksen, woraufhin der Techniker (während des Gebets!) am Käbelchen bei des Pfarrers Nackens herum werkelte. Dann verschwand auch die Tochter, der Pfarrer tauschte das Mikrofon aus, Tochter und Mutter machten sich auf den Rückweg (man hörte die Stöckelschritte durch die ganze Domkirche - eine grosse Kirche - ergo mit langem Weg - ergo mit ganz ganz vielen *klick klack klick klack klick klack klick klack* (noch viel mehr!!) und die dann noch im Akkord (Mutter UND Tochter). Stille im Gottesdienst. Immer noch *klick klack etc.*. Der Pfarrer fängt ein Gebet an: "We hear your footsteps…". Wieder einmal ist das Beschreiben schwierig. Es war Situationskomik vom Feinsten, lässt sich da nur sagen.
Zum Schluss: Heute (Montag, 25. März) war Waffeltag! Was das ist? Ein Tag, an dem man Waffeln zu essen hat. Mit Lingonsylt (Beerenmarmelade) und Grädde (Sahne). Mmmmmh...

Und ganz abschliessend, wie es langsam Tradition wird, ein Filmtipp: Schaut euch JA NICHT Harry Potter 1 an. Schon gar nicht auf Schwedisch. Lest das Buch. Lest alle Bücher. In welcher Sprache auch immer. Aber der erste Film ist eine einzige Katastrophe. Buch 2 ist in Bearbeitung, mal sehen, wie der zweite Film wird… (Ziel: Alle sieben Bücher auf Schwedisch lesen, dazwischen immer den dazugehörigen Film in schwedischer Sprache angucken. Was ich mir davon erhoffe: Bessere Schwedischkenntnisse, gute Unterhaltung und ein Vokabular rund um die Zaubererwelt.)

Ich wünsche euch eine wunderschöne Frühlingswoche, hier sollen es sogar etwa 3 Grad werden, 3 Grad PLUS!

Hälsningar.

Montag, 18. März 2013

Daheim - Teil 11

Hej

Letzte Woche war immer noch ruhig, jedenfalls was mein Leben anbelangt. Das Wetter macht diese Ruhe aber wieder wett - es stürmt draussen, die Bäume biegen sich und morgen soll sogar ein Schneesturm mit bis zu 80 km / h folgen über das Land fegen. Aber zurück zur letzten Woche.

In diesem Mail gibt es keine Stichworte, sondern nur die Beschreibung eines einzigen Tages. Exklusive einer Wertung - ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich von diesem Tag halten soll. Es handelt sich um Mittwoch.

Am Mittwoch hätte ich von 10 bis 12 Uhr eine Vorlesung gehabt. Wegen heftiger Knieschmerzen wollte ich einen Arzttermin vereinbaren. Eigentlich muss man da bei einer Stelle anrufen, aber aufgrund meines begrenzten Schwedisch und Handyguthabens wollte ich persönlich vorbei gehen. Kurz vor 9 stand ich also in der Vårdcentral (medizinisches Zentrum). Eine Stunde sollte wohl reichen, um einen Arzttermin zu bekommen. Nicht in Schweden. Nummer ziehen, warten, fragen, andere Nummer ziehen, warten, warten, warten, einer Studentin das Problem schildern, einer Krankenschwester das Problem schildern, ihre Diagnose: Du brauchst einen Arzttermin. In Schweden braucht man für alles (ALLES) seine Swedish Personal Number. Leider war die Personal Number, die mir die Universität gegeben hatte, nicht mit der Vårdcentral kompatibel. Die neue Nummer konnte nicht gespeichert werden - das System hatte Probleme damit, dass ich Deutscher Nationalität bin und in der Schweiz lebe. Wie auch immer, um 11.10 Uhr hatte ich endlich meinen Termin. Keine Vorlesung also für mich.
Zurück zu Hause kochte ich mir ein leckeres Mittagessen und machte mich wieder auf den Weg zur Uni, wo ich von 13 bis 15 Uhr ein Seminar mit Referat hätte haben sollen. Ich war da, meine ganze Klasse war da - der Dozent war nicht da. Er war bei seiner kranken Tochter. Kein Seminar, kein Referat, also wieder nach Hause.
Dritte Univeranstaltung an diesem Tag (wohlgemerkt, ich hatte die gesamte restliche Woche frei. Keine Uni. Keine einzige Veranstaltung. NUR AM MITTWOCH): Schwedischkurs. Beginn: 17.15 Uhr. Wann war doch der Arzttermin? Genau, 17.15 Uhr. Naiverweise dachte ich, nach dem Arzt noch in den Kurs gehen zu können. Leider hatte der Arzt erst 18 Uhr Zeit für mich, leider stellte er Wasser in meinem Knie fest, leider musste ich deshalb Medikamente in der Apotheke kaufen gehen, leider steht wieder einmal Physiotherapie an, leider habe ich so meine letzte Schwedischstunde verpasst und leider war der Arzt nicht fähig, mir eine anständige Quittung auszustellen. Die Frustration war also… naja.
Ein weiteres Desaster an besagtem Mittwoch war der Brief mit den Schlüsseln. Dazu sei hier nur soviel gesagt: Schickt niemals einen wichtigen Brief ab, ohne einen richtigen Absender darauf zu hinterlassen. Schon gar nicht in Schweden. Niemals. Alle weiteren Beschreibungen würden hier zu unendlichen Ausuferungen führen, tut mir leid.
Wieder zu Hause bestaunte ich den neuen Papst. Dann las ich in einer Mail (der, die oder das Mail?), dass ich seit dem Cheese Doodle Day offiziell Bürgerin des kleinen Käse-Schokoladen-Uhren-Geld-Landes bin. Im selben Moment klingelte es an meiner Tür - die Zeugen Jehovas wollten mit mir darüber reden, welche Vorteile der Tod Jesu für mich hätte.

Vielleicht ist es unverständlich, wenn man das alles nur so liest, aber ich kam mir vor wie - wie - wie - keine Ahnung. Es war einfach alles sehr abstrus und merkwürdig. Konstigt, wie man es in der schwedischen Sprache nennen würde. Jedenfalls hat mich dieser Mittwoch so sehr mitgenommen, dass ich für den Rest der Woche nur noch stricken, Tee trinken und Harry Potter auf Schwedisch (jaa! Wirklich!! Und es ist toll!) lesen konnte. Nichts Erzählenswertes also. Ich geniesse es in vollen Zügen, in meinem warmen Zuhause zu sitzen und einfach zu sein. Herrlich!

Oh nein, noch ein zweiter Tag ist erwähnenswert: Am Samstag durften wir in der Domkirche einen Taizé-Tag feiern. Angefangen mit einem Gebet ging es weiter mit Diskussionsgruppen, einem Potluck-Dinner (jeder bringt was mit) und abends wurde dann noch einmal in der Domkirche gebetet, mit vielen Kerzen und Liedern und tollen Menschen. Ein Foto ist unten - ich habe mir nämlich als Geschenk an mich selber eine Kamera gekauft, sehr pünktlich, denn zwei Tage später fiel mir mein schöner alter manueller Fotoapparat auf den Boden...



Zum Abschluss gibts noch einen Filmtipp: "The Village at the End of the World". Das ist ein Dokumentarfilm über ein Dorf in Grönland, das 59 Einwohner zählt. Die Kamera begleitet einen Teenager und andere Menschen aus dem Dorf ein Jahr lang und berichtet in einer eindrucksvollen Weise von einem Leben, das so ganz anders als das meine ist. Sehr sehenswert!

In diesem Sinne - bästa hälsningar!

P.S.: Dieser Eintrag ist das beste Beispiel, dass man Unwichtiges bis zum Gehtnichtmehr aufblasen kann. Ich verspreche, dass ich versuchen werde, mich nicht mehr mit dermassen sinnfreiem Gebrabbel zu melden. Nächsten Sonntag ist Waffeltag, darüber gibt es bestimmt wieder etwas Interessanteres zu berichten.