Wie satt ich es doch habe, mich für alles rechtfertigen zu müssen.
Ja, ich habe für ein "People & Lifestylemagazin" geschrieben,
ja, den ganzen nächsten Monat werde ich nichts anderes tun, als einen Stand zu organisieren, der Glücksmomente sammelt,
nein, ich finde Affären nichts Verwerfliches,
und nein, ich werde nicht all meine Energie ins Studium investieren.
Ja, ich lese gerne Arbeiten Korrektur,
ja, ich bin faul,
nein, ich weiss wirklich nicht, was netto und brutto ist,
und nein, ich bin nicht fähig, zu akzeptieren.
Und ja, ich glaube an Gott.
Wieso nur habe ich bei all diesen Punkten das Bedürfnis, noch mindestens drei Sätze dazu zu schreiben? Wieso, weshalb und warum ich so bin. Erklärend, damit man mich ja nicht missverstehen kann. Wieso nur habe ich das Gefühl, ich könnte nicht gefallen, wenn jemand nur diese "Geständnisse" sieht und keine Ausführungen dazu? Wieso meine ich zu spüren, dass es von mir erwartet wird, mich zu rechtfertigen? Ich selber habe mir das Bedürfnis nach Rechtfertigung nicht ausgedacht. Woher kommt es also, wie konnte es in unserer Gesellschaft so fest Fuss fassen, hat es auch positive Seiten, wie können wir es wieder verbannen und taucht es überhaupt auch bei anderen auf?
Ich glaube irgendwie wird es schon fast erwartet, dass man seine Meinung begründet. Nur schon in Prüfungen heisst es begründe, zeige wieso, woher, warum. Und man fragt doch oft auch, warum, wann, wieso, so als eine kleine Rückfrage. Der Fragende will vielleicht es einfach wissen aus reinem Interessen, gar nicht umzunerven. Aber ja es ist nervig und ja bei mir gibt es das auch automatisch.
AntwortenLöschenvielleicht kommen diese gedanken, weil man seinr selbst noch nicht ganz sicher ist? vielleicht stellen die anderen diese fragen gar nicht, sondern sie kommen aus meinem unsicheren ich?
AntwortenLöschenoder?
Natürlich wird es erwartet, und eigentlich sollte man seine Meinung ja auch begründen können (sonst könnte man ja einfach mal "eine Meinung haben", aber nicht genau wissen wieso...), aber man sollte sie nicht immer begründen MÜSSEN. Das sollte nicht neben "Wie heisst du, woher kommst du, was machst du, was willst du mal werden" die wichtigste Frage sein. Begründe. Pah.
AntwortenLöschenNatürlich kommen diese Gedanken, weil man sich seiner nicht sicher ist. Aber von ganz alleine kommt das ja auch nicht, anscheinend übermittelt mir die "Gesellschaft" dieses Gefühl - und ich frage mich, woher das kommt. Wie gesagt, nur aus meiner Unsicherheit? Ich glaube kaum. Und in Gesprächen mit anderen musste ich erfahren, dass es ihnen genauso geht wie mir. Man hat einfach Angst, falsch verstanden zu werden. Und eigentlich jeder ist nicht wirklich sicher. Wieso?? Wieso geben wir uns gegenseitig das Gefühl der Unsicherheit? Bzw. wie können wir uns gegenseitig ein Gefühl der Sicherheit geben?
Ich glaube wirkliche Sicherheit hat man erst dann, wenn man ohne Worte verstanden wird, oder ohne viele Worte. Und ich kann dir auch nicht sagen, wieso man immer begründen muss, wenn du es weisst, kannst du dich bitte bei mir melden?
AntwortenLöschenAber ich könnte mir vorstellen, dass die Gesellschaft, bzw. jeder einzelne, die Gewissheit haben will, alles richtig verstanden zu haben, genau dass man jemanden nicht missversteht.