Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Donnerstag, 17. September 2015

Alle Jahre wieder

Salut!

Lang ist's her. Ich werde versuchen, mich kurz zu halten. Alle Jahre wieder - Kisten packen, nach Schweden reisen, zu neuen Abenteuern aufbrechen, in Rennes sein, ein "fremdes" Land kennenlernen - alles schon gehabt und doch alles neu…:
  • München ist nun passé. Die Kisten sind gepackt und verstaut (DANKE! Für Asyl, fürs Schleppen, Fahren und und und…), die Wohnung wurde abgegeben und natürlich wurden auch alle Karten wieder von der Wand genommen. Ihr habt euch noch einmal richtig ins Zeug gelegt und es hat sogar fast gereicht - Bilder findet ihr unten (Entschuldigt bitte die Qualität - die gute Kamera war schon eingepackt…). Tausend Dank dafür! Ein bisschen wehmütig war ich dann schon - man kann so ein paar Quadratmeter doch sehr lieb gewinnen in kurzer Zeit.
  • Auch der Hauskreis musste zurück gelassen werden - doch vorher konnte noch einmal richtig zusammen auf einer Hochzeit gefeiert werden. Euch zweien noch einmal von Herzen alles Gute und tausend Dank für das wundervolle Fest!
  • Abschied genommen habe ich auch von der KHG - doch man sieht sich wieder, da bin ich mir sicher.
  • Auch die Schwedenreise liegt schon wieder ein paar Wochen zurück. Es war einfach nur wunderbar. Von einer sehr intensiven Zeit in München auf einmal in eine noch viel intensivere oder vielleicht einfach andere Welt einzutauchen, mit so vielen neuen, inspirierenden und liebenswerten Menschen - ein wahres Geschenk. Wir hatten Glück mit eigentlich allem - das Wetter spielte mit, wir blieben unfall- und krankheitsfrei, zwischenmenschlich hätte es nicht besser sein können. Und das alles dann auch noch in Schweden, diesem unglaublichen und immer wieder faszinierenden Land. Sogar Polarlichter bei Vollmond waren im Programm inbegriffen (neben Schokobananen und Schlangenbrot / Stockbrot vom Grill, tägliches Baden in irgendwelchen Gewässern, ein Besuch auf Ramshyttan, lustige Autofahrten durch Traumlandschaften, Spieleabende, Sauna, Sonnenaufgänge, Sternschnuppen, Diskussionen…). Zwei Wochen, an die ich mich noch lange erinnern werde.
  • Nach Schweden ging es mehr oder weniger direkt nach Rennes. Und hier bin ich nun. Der Anfang war etwas harzig - man wird doch immer wieder von Dingen überrascht und ich selbst brauche auch einfach immer ein paar Momente, um anzukommen. Ich darf ein kleines Studentenwohnheimszimmer mein Zuhause nennen. Ich habe ein eigenes Waschbecken und inzwischen auch Bettzeug (IKEA sei Dank). Mein Klopapier vergesse ich nur noch jedes fünfte Mal (das ist hier nämlich nicht "inbegriffen" bei den Toiletten - jeder hat sein eigenes und nimmt das dann immer mit…) und auch der Winter macht mir keine Angst mehr - nach dem ersten Panikanfall wegen fehlender Heizung wurde uns nämlich mitgeteilt, dass hier per Fussboden geheizt wird. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf - eine Fussbodenheizung wollte ich schon immer einmal haben…! An den Fenstern hängen Gardinen, auch erste Karten wurden aufgehängt, der Schrank ist eingeräumt und ich kenne einige Leute vom Gang (es gibt etwa 40 Zimmer - keine Ahnung, ob alle belegt sind), die alle sehr toll und international sind: Frankreich, Senegal, Marokko, Deutschland, Slovakei, Italien, Spanien… Leider gibt es weder Geschirr noch einen Ofen oder Tisch - die Küche besteht aus Kühlschränken, einer Mikrowelle, einem Waschbecken und vier Herdplatten. Aber wir teilen fleissig unsere Schwämme und Spülmittel und essen halt stehend in der Küche, um Gesellschaft zu haben. Vielleicht lässt sich irgendwie irgendwo ein Tisch organisieren, der sich irgendwo platzieren lässt - wer weiss, wir werden sehen. Die Stimmung ist jedenfalls gut, das Wasser in den Duschen meistens warm und wir hier alle ganz zufrieden.
  • Die Uni ist am anderen Ende der Stadt auf einem riesigen Campus - eine sehr besondere Stimmung irgendwie, doch sehr anders als eine so zerissene Uni wie in Basel. Es braucht alles ein wenig Zeit, um organisiert zu werden, doch die Menschen geben sich alle grosse Mühe und so langsam aber sicher wird alles. Ich werde wohl einige Arabisch-Kurse haben, auf was ich mich sehr freue. Was das Semester sonst noch so bringen wird - man weiss es nicht. An Plänen, Träumen und Möglichkeiten mangelt es nicht.
  • Ganz wichtig ist natürlich meine neue Adresse, die gerne bei mir erfragt werden darf - hier gibt's zwar keine Palmen, aber doch auch Wände, die sich über Dekoration freuen würden. Momentan bin ich ein bisschen im Verzug mit den Antwortbriefen, aber sie werden noch kommen, habt Geduld.
Ich freue mich wahnsinnig, nun wirklich ein Semester in diesem Land und insbesondere in dieser Stadt studieren zu dürfen. Die sechs Wochen Praktikum mit Migranten und Obdachlosen letzten Sommer sind noch immer sehr präsent und haben mich geprägt - ich bin gespannt, was ich diesmal hier lernen werde.
Das nächste Mal gibt's dann wieder mehr Alltagsgeschichten und Allgemeinbildung, für heute soll hier Schluss sein.
Bleibt behütet!

Bästa hälsningar.


P.S.: Random Fact: In Ruanda sind Plastiktüten schon seit 2008 verboten.




Donnerstag, 11. Juni 2015

Fast ganz München

Servus aus Minga!

Seit dem letzten Eintrag sind zweieinhalb Monate vergangen. Viel ist passiert, viel wird passieren. Hier ein - chronologischer und stichwortiger - Überblick. Diesmal eher lang, das Wichtigste steht am Schluss, also haltet durch oder springt einfach direkt dahin, merkt ja keiner...
  • Das vermutlich Uninteressanteste zuerst: die Uni. Sie plätschert vor sich hin, Arbeiten werden geschrieben (und aufgeschoben…), für Prüfungen wird bald wieder gelernt, Referate werden gehalten - demnächst eines mit Türkischem Tee. Highlight ist nach wie vor mein Wahlpflichtfach Arabisch. Mittlerweile kann ich (SEHR) langsam lesen, verstehe aber noch so ziemlich nichts. Die Sprache und Kultur ist sehr spannend und ich hoffe, beides bald intensiver studieren zu können.
  • Auch Hauskreis und Volleyballverein sind nach wie vor fester Bestandteil meines Lebens, beides ist auf sehr unterschiedliche Art bereichernd und lehrreich.
  • Mein Zuhause habe ich inzwischen in der Katholischen Hochschulgemeinde gefunden. Bei den vielen verschiedenen Aktivitäten wie Taizétag, Lange Nacht der KHG oder "büffeln und beten" fliegt die Zeit nur so dahin. Die vielen lieben und herzensguten Menschen wachsen mir tagtäglich mehr ans Herz und könnten vielfältiger nicht sein.
  • Ansonsten bietet München pro steigendes Grad auf dem Thermometer gefühlte zehn Aktivitäten mehr an. Freies Volleyball spielen im Park, diverse Openair-Kinos, verschiedenste Festivals, grillieren an der Isar, "schwimmen" im Eisbach… Eine wirklich lebendige und wunderschöne Stadt.
  • Im April stand eine grosse Reise an, die mittlerweile schon wieder ein paar Wochen zurück liegt. Mit Taizé-Brüdern und 60 anderen jungen Menschen aus ganz Europa machte ich mich auf den Weg nach Kiew und L'viv in der Ukraine. In den ersten Tagen als Touristin durfte ich die Schönheit und Grösse Kiews entdecken. Danach ging es mit dem Taizé-Programm weiter durch Klöster und Kirchen der Stadt und Umgebung, später mit dem Nachtzug nach L'viv (was für ein Fest!). Hier einige Unter-Stichworte und Impressionen zu diesem Stichpunkt:
    • In den ersten Stunden fühlte ich mich sehr fremd und verloren in diesem unbekannten Land. Zwar waren die Menschen freundlich, doch ohne Sprach- und Buchstabenkenntnisse fühlte ich mich wie amputiert. Die Verhaltensweisen der Leute waren mir fremd und ich fühlte mich einsam, ganz auf mich allein gestellt. Natürlich verflog dieses Gefühl, sobald ich erste Kontakte geschlossen hatte. Doch möchte ich mir nicht vorstellen, wie sich ein Flüchtling wohl in unseren Breitengraden fühlen mag...
    • Das Tschernobyl-Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert (unbedingt mit Audio-Guide!), auch die Free Walking Tour zur Modernen Geschichte und Politik war sehr interessant. Die Leiterin dieser Tour, die Gastgeber im Hostel und andere Ukrainer, mit denen ich reden konnte, hatten alle sehr unterschiedliche Meinungen, Ansichten und Versionen der Geschehnisse. Doch Frieden wünschen sie sich alle.
    • Kiew ist gross und architektonisch sehr schön - weniger erschlagend als bspw. Moskau, doch trotzdem grosszügig in Platz und Bauten. Viele Häuser haben Erker oder kleine Wintergärten, überall gibt es Kirchen. Ausserdem ist die Stadt sehr grün und hügelig. Fahrrad fahren ist eher ungünstig, dafür erreicht mal alle zehn Minuten einen Aussichtspunkt, der noch schöner als der vorherige ist. Gerade im Frühling mit den ganzen Knospen und zartgrünen Blättern wunderschön.
    • Am Wochenende und an Feiertagen wird die grosse Hauptstrasse im Zentrum gesperrt und für Fussgänger frei gegeben. Überall sind Strassenmusiker, Menschen tanzen dazu. An mehreren Stellen in der Stadt stehen Klaviere zur freien Benutzung. Tausende (ja!) Kaffeewagen zieren die Strassenränder, Parks, Gehwege.
    • Die vielen schön bemalten Ostereier, vor allem in der Ostereierausstellung in der Sophienkathedrale.
    • Die mit Teppichen ausgepolsterten Marschrutkas, Mini-Busse, in denen es wie in einem belebten Wohnzimmer zugeht.
    • Ältere Damen, die einem den Weg / wie das mit den Fahrscheinen geht / ihr Leben / was auch immer erklären und erzählen wollen und dabei partout nicht auf den mühsam erlernten Satz "Ich spreche kein Ukrainisch, sprechen Sie Deutsch / Englisch?" hören wollen.
    • Die tiefste U-Bahn-Station der Welt (105m unter der Erde). Man fährt zwei Mal fast zweieinhalb Minuten mit einer Rolltreppe steil nach oben, die schneller fährt als ich joggen kann. Die Stationen sind zwar nicht ganz so prachtvoll wie in Moskau, doch aber sehenswert.
    • Ein Besuch bei den Schwestern Mutter Theresa, die unter anderem Obdachlosen und Kindern aus einkommensschwachen Familien helfen. Kommunizieren konnten wir mit den Kindern wegen Sprachbarrieren zwar nicht, doch Hände, Füsse, geknüpfte Armbänder und Zeichnungen können auch Brücken schlagen.
    • Drei unglaublich lustige Priester, die Jugendarbeit machen. Die Jugendlichen können einmal pro Woche in die Kirche kommen und Fragen auf Zettel schreiben. Die Priester stehen vorne, nehmen die Zettel in Empfang und beantworten die anonymen Fragen darauf. Von "Was haltet ihr von Sex vor der Ehe?" bis zu "Ich finde keine Arbeit, was soll ich tun?" und "In der Kirche predigt ihr über Bescheidenheit und teilen, vor der Tür stehen teure Autos - wie erklärt ihr das?" war alles mit dabei. Wacker schlugen sich die drei mit viel Witz und Humor. Manche Religiöse wären wohl empört gewesen über solche Lockerheit in einem Gotteshaus. Ich denke jedoch, dass diese Form wunderbar angemessen für den Ort und die Zeit ist - auf alle Fälle war es eine sehr interaktive Begegnung und ich hätte gerne Russisch / Ukrainisch gekonnt, um noch mehr verstehen zu können.
    • Meine Gastgeberinnen in Kiew und L'viv. Beide waren sehr um mein Wohlbefinden besorgt, sogar ihre jeweiligen Mütter mischten sich ein, riefen an, gaben Kochtipps. Meine vegane Lebensweise war ein viel diskutiertes Thema und es wurden alle Register gezogen, um mir trotzdem ein Mahl bieten zu können, unter dem sich die Tischplatte biegt. All dieser Aufwand, dieser Herzlichkeit, dieses Geben-Wollen waren sehr berührend, aber auch überfordernd. Denn wie nimmt man als reiche West-Europäerin so viel von diesen Menschen an, die viel weniger haben? Denen man nichts zurück geben kann? Die eigentlich allen Grund hätten, zu verzagen und besorgt um ihr Hab und Gut zu sein? Besuche und Begegnungen wie diese, in denen Menschen Tür zu Haus und Herz öffnen, machen mich immer wieder demütig und dankbar.
    • Das Gebet um das Kreuz, wie es jeden Freitag Tradition in Taizé ist. Eine Russin und ein Ukrainer, die gleichzeitig für dasselbe beten. Auch Erzählungen von anderen Teilnehmern, die ein Krankenhaus mit Kriegsverletzten besuchten, berührten mich sehr: Die Russin erzählte von ihrem ukrainischen Grossvater, der verletzte ukrainische junge Soldat von seiner russischen Familie.
All dies macht es so abstrus und unwirklich, dass noch immer Krieg im Osten dieses Landes herrscht. Auf den Strassen in Kiew sieht man heimkehrende Soldaten, in den U-Bahnen wird Geld gesammelt, ansonsten ist von Krieg nichts zu spüren. Die Menschen gehen ihrem Alltag nach, die Sonne scheint, mal regnet es. Auch der Maidan sieht auf den ersten Blick wie ein schöner Platz aus. Dann fallen die Kerzen, Bilder und Blumen auf, die überall aufgestellt sind. Aber irgendwie sind sie schon so sehr Teil der Umgebung geworden, dass sie fast natürlich erscheinen. Nur die Einschusslöcher in Laternenpfahle und Bäume erinnern an das Blutbad, das vor über einem Jahr dort angerichtet wurde. Neben all der positiven Menschlichkeit, die in den ganzen Hilfsprojekten und -programmen für Flüchtlingsfamilien, Soldaten etc. zu Tage tritt, lässt sich auch die andere Seite des Menschseins nicht verbergen. Ein sehr gebildeter Mann machte sich für mehr Waffen stark, um den Russen den Tarif durchgeben zu können. Und eine Frau in L'viv fühlte sich überfordert mit den Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet im Osten. Sie könnten die Sprache nicht, hätten eine ganz andere Kultur und würden überhaupt nicht versuchen, sich anzupassen. Zudem nähmen sie Wohnraum und Arbeitsplätze weg. Diese Sätze kenne ich nur zu gut - doch im Westen der Ukraine hätte ich sie zuletzt erwartet. 
  • Nach Hause ging es dann von L'viv aus mit dem Bus. Die Fahrt dauerte 24 Stunden und war ein Abenteuer für sich. Nur drei Dinge seien gesagt:
    • Verbringt man so viel Zeit so nah aufeinander wie solch eine Busgemeinschaft, wird man fast eine kleine Familie.
    • Sprachkenntnisse wären doch von Vorteil gewesen. So bekam ich immer erst viel zu spät mit, was genau los war - Toilettenpause, Passkontrolle etc. - immer einen Schritt hinterher.
    • EU-Aussengrenzen sind wirklich kein Zuckerschlecken.
Fazit: Viel Neues gesehen, gehört, gelernt. Neue Freunde gefunden und Denkanstösse bekommen. Ein neues Land und die Schönheiten seiner Sprache, Menschen, Kultur, Geschichte entdeckt. Und einmal mehr bin ich dankbar, dass Taizé all diese Begegnungen ermöglicht und Brücken schlägt.
  • Nach der Ukraine ging es auch noch in die Schweiz, an den Grand Prix von Bern, auch als "die schönsten zehn Meilen der Welt" betitelt. Die gut 16 Kilometer zogen sich endlos dahin, die vielen Hügel (für mich als Städterin aus dem Flachland inzwischen BERGE) trugen nicht wirklich zur Verschnellerung der Tortur bei. Im Ziel kam ich trotzdem an und mit guten Freunden ist alles ein Spass, so werde ich den GP wohl in guter Erinnerung behalten.
  • Auch viel Besuch hatte ich, noch mehr Besuch hat sich für die nächste Zeit angemeldet. Wer München noch mit meiner Wenigkeit erleben möchte, sollte sich bald auf die Socken machen, denn…
… (und jetzt kommt der Zukunftsteil)…
  • Nach Openair St. Gallen (jedes Jahr obligat) kommen Ende August zwei Wochen Schwedenurlaub mit VW-Bussen und einer evangelischen Jugendgruppe auf mich zu. Als Leiterin darf ich mit dem Zelt durch Schweden fahren bzw. in einem Haus mit Sauna, See und Wald irgendwo im Nirgendwo weilen und Bibelarbeiten, Workshops und andere Aktivitäten durchführen. Ich freue mich riesig auf diese neue Erfahrung.
  • Gleich nach Schweden fängt ein ganz neues, aufregendes Kapitel an, auf das ich mich sehr freue, das aber auch mit ein wenig Angst oder Unsicherheit verbunden ist. Ziemlich spontan habe ich mich Anfang April für ein Erasmus-Semester in Rennes, Bretagne, beworben. Seit einer Woche steht nun fest: Ich bin angenommen worden und werde ab September ein Semester lang in Frankreich studieren. Ich freue mich sehr auf die Menschen in Rennes, die ich letzten Sommer schon kennenlernen durfte. Auch auf die Stadt und die Universität freue ich mich, auf den secours catholique, meine wundervolle Gastfamilie von damals, den schönen Park Thabor und die bretonnischen Galettes. Aber ich habe auch Angst davor, auf Französisch zu studieren, mich noch einmal ins Erasmus-Getümmel zu werfen, schon wieder in eine doch auch noch fremde Stadt zu ziehen, die Leute hier zu verlassen und nicht zu wissen, ob Freundschaften halten werden. Auch ist unklar, was nach diesem Semster sein wird - die Masterarbeit muss dann geschrieben werden, am liebsten in einer Organisation / einem Unternehmen, die Programme und Projekte in meine Interessensrichtungen durchführen. Nach noch nicht einmal einem Jahr kommt also wieder eine Zeit des Umbruchs, Abschied nehmens, Ankommens, Kennenlernens, Orientierens, Eingewöhnens auf mich zu. Natürlich werden auch Erinnerungen an das Semester in Schweden wieder wach, wo diese Form des Rundmails überhaupt erst entstand. Vielleicht wird sich der Kreis mit diesem abermaligen Auslandssemester schliessen und ein Ende finden, wer weiss.
  • Nun noch eine letzte Sache. Ich werde vermutlich Mitte August ausziehen. Zum einen gebe ich dabei meine Möbel günstig ab (ja, für einmal habe ich auch was zu geben und suche nicht nur) - wer also in / bei München ist oder wen kennt oder wen kennt der wen kennt…, der Möbel braucht - der melde sich. Zum anderen habe ich ja noch immer diese bekannte Palmenwand. Es hat sich da schon einiges getan und ich bin stolz, nach acht Monaten schon so eine grosse schwarz-weisse Kartensammlung vorweisen zu können. Fotos findet ihr unten. Doch fände ich es sehr sehr toll, wenn ich in neun Wochen noch ein Foto mit einer komplett schwarz-weissen Wand machen könnte - ein kleines Löchlein ist da ja schon noch zu erkennen... Dafür brauche ich euch und all eure Schreibkraft. Zückt die Stifte, grabt schwarz-weiss-Karten aus und klebt Briefmarken drauf! Als Dank kommt ein Beweisfoto der Nicht-mehr-Palmenwand sowie eine Karte aus Schweden / Frankreich. Wenn das mal kein Anreiz ist… ;-) Und für alle Schweizer: Mit dem PostCard Creator App von der Post ist es sogar gratis und ganz bequem vom Smartphone aus zu erledigen… (Was ich eigentlich sagen will: Ich LIEBE Post und freue mich jedes Mal wie…dafür gibt's keinen Vergleich. :-)) Ihr habt noch neun Wochen Zeit, meine Adresse darf gerne erfragt werden. Ich bin gespannt!
Alle anderen kleineren und grösseren Freuden, die hier keinen Platz gefunden haben, seien dennoch nicht vergessen und in anderen Nachrichten erwähnt. Für heute soll hier jedoch Genüge getan sein.

Seid von Herzen gegrüsst
Bästa hälsningar
Servus
À bientôt
.




Dienstag, 24. März 2015

Ein Drittel Minga

Servus

Ja, da bin ich wieder. Ein Drittel der Zeit in München ist vorbei, ein guter Zeitpunkt für eine Zwischenevaluation, finde ich. Aber was wäre eine solche ohne Stichpunkte…?
  • Das erste Semester an der Uni ging schnell vorbei - geprägt war es vor allem von der endlosen Lernerei für die Bachelor-Prüfungen in Basel. Diese wurden im Dezember erfolgreich absolviert, somit ist das Kapitel Bachelor nun voll und ganz abgeschlossen. Nun freue ich mich, mich die zwei weiteren Semester mehr auf das Studium hier konzentrieren zu können, das mir immer noch sehr gefällt. Ein Highlight im nächsten Jahr: mein Wahlpflichtfach Arabisch… Bis jetzt bin ich noch sehr mit abmalen beschäftigt, aber das läuft bald hoffentlich wie von alleine.
  • Für mein geistiges Wohl ist weiterhin mit Hauskreis und mittlerweile auch Taizé-Gebeten und anderen Aktivitäten in der Hochschulgemeinde gesorgt; dort häufen sich die netten Leute und ich fühle mich sehr willkommen.
  • Auch Sport muss sein: So habe ich vor einiger Zeit einen Volleyballverein gefunden, in dem ich einmal pro Woche herumhüpfe. Wir sind eine zwischen 20 und 80 Jahre alte bunt gemischte Truppe, für Spass ist also gesorgt.
  • Die Arbeit (vegane Lebensmittel auf dem Viktualienmarkt verkaufen, was bei den Temperaturen der letzten Monate doch des öfteren eine Herausforderung für Körper und Geist war) wurde erst einmal pausiert - mal sehen, was sich in dem Bereich so auftun wird. Und für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ja, ich bin vegan, und ja, ich habe auch vor das zu bleiben, und ja, es geht mir sehr gut damit.
  • Für die Stadt hatte ich noch nicht sehr viel Zeit, aber so langsam entdecke ich mehr und mehr schöne Orte. Der Englische Garten ist natürlich ein Traum, ebenso Sonnenuntergänge auf dem Olympiaparkhügel, auch die zahlreichen Kaffees, eins schöner und gemütlicher als das andere; alle laden zum stundenlangen Verweilen ein. Von Konzerten, Theater, Kino und so weiter muss ich gar nicht erst anfangen, aus kultureller Sicht war München durchaus keine schlechte Wahl. Zwar finde ich München nach wie vor gross, laut und dreckig (alles drei keineswegs wertend gemeint! Vielleicht könnte man es auch einfach "lebendig" nennen.) und möchte den Grossteil meines Lebens doch an ruhigeren Orten verbringen - aber so für einen Master ist das schon ganz in Ordnung und eine tolle Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.
  • Ach ja, Karneval war ja noch… Durchaus eine Erfahrung wert, aber an die Basler Fasnacht kommt dieses lustige Volksfest nicht heran.
  • Nun zum besten Teil: den Reisen. Nach den Abstechern in die Schweiz zwecks Prüfungen war ich in Prag unterwegs, wie jedes Jahr am Europäischen Jugendtreffen von Taizé. Kurz darauf ging es nach Warschau, wo ich wundervolle Tage mit der besten Halb-Schwedin verbringen durfte, die ich kenne. Danach ging es nach Slowenien, wo ich in Prag geschlossene Freundschaften pflegen und ein wunderschönes kleines Land entdecken durfte. (Ich habe sehr viel über Kultur, Politik, Wirtschaft, Geografie und Sprache gelernt und werde nicht zum letzten Mal dort gewesen sein. Dieses Land ist wirklich eine kleine versteckte Perle mitten in Europa.) Danach ging es wieder für ein paar Tage in die Schweiz, denn leider ging mein Schokoladenvorrat langsam zur Neige. Nach ganz wunderbaren Ferientagen in der allerallerallerbesten WG in Basel (inkl. Bummelsonntag, sonnige Stunden am Rhein, mehreren (!!) Besuchen in der Universitätsbibliothek, durchtanzten Nächten, wundervollen Menschen und sausig-brausigen Fahrradfahrten) bin ich nun zurück in München und schon mitten im zweiten Semester.
  • Eine zukünftige Reise auf die ich mich besonders freue: Ukraine. Mit Taizé und orthodoxen Christen werde ich in Kiew und Lviv dieses Jahr Ostern feiern, hoffentlich in Frieden.
  • Und dann noch etwas zu einem ganz anderen Thema. Schon vor den Anschlägen auf Charlie Hebdo war das Thema in aller Munde, aber danach und auch in Zeiten von Pegida, Ecopop, Umsetzungsvorschlägen für die Masseneinwanderungsinitiative, Bootsunglücken vor den Küsten Europas und Boko Haram kommt es immer wieder auf. Wie sollen wir mit Menschen umgehen, die anders sind als wir? Die aus anderen Ländern kommen, andere Sprachen sprechen, andere Fähigkeiten haben, an andere Götter glauben, anders leben als wir? Ich habe keine Antwort auf alle diese Fragen, keinen Masterplan, und ja, es GIBT viele Schwierigkeiten. ABER oft würde es schon reichen, uns daran zu erinnern, dass wir alle in erster Linie Menschen sind. Alle mit ihrem individuellen Päckchen, aber alles Menschen. (Sehr empfehlen dazu und zu anderen Themen kann ich "Die Anstalt" auf ZDF. Ohne Worte, einfach nur grandios. Jede einzelne Ausgabe.)
  • Was übrigens weiterhin fehlt in meiner supertollen Wohnung: Viiiele schwarz-weiss-Karten. Denn gegenüber der bemalten Wand befindet sich noch immer eine beklebte Wand - beklebt mit einer riesigen Palmen-Fototapete. Diese Palmen sind ja schön und nett, doch soll ihr blau-grün von einer schwarz-weiss-Welle verschlungen werden. Momentan sind es eher noch…einzelne Tropfen, die den Briefkasten erreichen (danke aber an dieser Stelle an alle fleissigen Kartenschreiber!). Adresse kann erfragt werden, ich freue mich und antworte auch - manchmal zeitnah, manchmal erst ein bisschen später.
Kaum zu glauben, aber ja, ich bin tatsächlich schon am Ende angekommen. Anzufügen habe ich nur noch einen Lesetipp: das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse. Es ist momentan einer meiner ständigen Begleiter.
Ich freue mich immer über Lebenszeichen, natürlich auch in Fleisch und Blut anstatt schwarz-weiss…

Seid von Herzen gegrüsst und bästa hälsningar.

Sonntag, 30. November 2014

Die Rassistin

Du, Mensch.
Heute habe ich dich wieder einmal getroffen. Du bist schon öfter aufgetaucht, und es geht mir jedes Mal sehr ähnlich mit dir. Anfangs ist da Neugier. Dann kommt langsam die Skepsis, das Ernüchtern, schliesslich das Bedürfnis aufzuklären, zu informieren, aufzuzeigen, herauszufordern, in Frage zu stellen. Und dann, nach einem kurzen Traurigkeitsmoment, kommt ziemlich sehr schnell die Wut. Die blanke, nackte, kalte Wut. Beziehungsweise heisse Wut. Sie kocht in mir hoch und schlägt dir in Wellen entgegen. Manchmal mehr, manchmal weniger gefiltert. Bringen tut das nichts. Zurück bleiben schlechte Gefühle, ein rasendes Herz, rote, verquollene Augen und der bohrende Stachel der absoluten Hilflosigkeit.
Ich wäre gerne eine, die Menschen wie dich belächelt und gleich wieder vergisst. Oder die dich bemitleidet wegen deiner Unwissenheit, deines unnötigen Grolls, deines engen Horizontes. Bin ich aber nicht. Ich bin eine, die dich schweigend anschreit. Anbrüllt. Dir rechts und links eine runter haut, ohne dich zu berühren. Ich bin eine, die unendlich lang über eine Begegnung wie diese weinen kann. Trauern. Heulen, brüllen, schluchzen, dass Rotz und Wasser nur so fliessen. Eine, die vor Wut alles kurz und klein schlagen könnte, bei der die Adern beim blossen Gedanken an Menschen wie dich hervor treten und der Kopf rot anläuft.
(Andererseits würde ich es mir vermutlich übel nehmen, wenn ich nicht so reagieren würde. Menschen wie du – ihr seid Gift für die Menschlichkeit. Diesen Schmerz darf man ruhig in die Welt hinaus jaulen.)
Leider bin ich nicht eine von denen, die dich bemitleiden und für dich beten. Ich bete einzig und allein darum, keinen Leuten mehr wie dir begegnen zu müssen. Das ist vollkommen intolerant und keine Lösung. Aber auch Toleranz hat ihre Grenzen. Und diesen Preis bezahle ich gerne.

Samstag, 25. Oktober 2014

Servus aus München

Hallo ihr Lieben

Da bin ich wieder und melde mich aus München. Viel ist passiert seit dem letzten Mail vor zwei Monaten und da dachte ich, es wäre Zeit für ein kleines Update. Zumal das "letzte Mail" der Rundmails nie das wirklich letzte bleibt. Hier ist es also, das Update. Chronologisch.
  • Die grosse Bitte, die ich im letzten Mail äusserte - ein Computer für Gérard - hat sich erfüllt. DANKE hier noch einmal an den grosszügigen Spender. Ich bin absolut beeindruckt und die Freudensprünge, die ich noch immer mache, wenn ich daran denke, gehen immer noch in gefährlich hohe Höhen (Sauerstoff ist knapp da oben…). Danke. Gérard ist überglücklich mit dem Computer, er konnte sich nach einigen Schwierigkeiten (ich will wirklich nicht mit ihm tauschen) auch definitiv in der Uni einschreiben und sein Studium beginnen. Zudem lernte er durch die Computersache meinen Gastvater in Rennes kennen - die beiden verstehen sich super, treffen sich regelmässig und organisieren Projekte zusammen. Dann schreiben sie mir beide unabhängig, wie toll der andere doch ist und was sie so alles erlebt haben. Eine wahre Erfolgsgeschichte also, die mein Herz erwärmt, durch und durch.
  • Auch sonst hat mich Frankreich nachhaltig geprägt und ich denke täglich an die Menschen dort. Wer also einmal die Chance hat, in so einer Organisation zu arbeiten - tut es.
  • Die Reise nach Brüssel war ebenfalls ein Erlebnis. Wieder durfte ich tolle neue Menschen treffen, Dinge über die EU lernen, leckeres Bier trinken - einfach eine wundervolle Woche erleben. Mit zuwenig Schlaf, aber vielen guten Momenten.
  • Auch meine zweite Bitte aus dem letzten Mail wurde erhört. So fand sich denn eine ganze Truppe hilfsbereiter Super-Menschen, die mir bei der Verschiebung meines ganzen Krempels in den Freistaat Bayern halfen. Hier noch einmal DANKE für die sichere Fahrt, die lustigen Stunden, die Geduld mit meinem genervten und müden Ich, die Kreativität bei der Wandbemalung (siehe Bild…) und und und. Die Wohnung ist mehr oder weniger fertig eingerichtet (jetzt sogar mit Esstischplatte, direkt importiert aus Salzburg (schöne Stadt!)), ich fühle mich wohl und geniesse es, mein ganz eigenes Reich zu haben. Ausser beim Putzen. Da wäre ich nicht traurig, Unterstützung zu haben. Aber naja.
  • Was noch fehlt in der Wohnung: Viiiele schwarz-weiss-Karten. Denn gegenüber der bemalten Wand befindet sich eine beklebte Wand - beklebt mit einer riesigen Palmen-Fototapete. Diese Palmen sind ja schön und nett - bzw. nein, das sind sie eben nicht. Deshalb soll ihr hässliches blau-grün von einer schwarz-weiss-Welle verschlungen werden. Meine Adresse gibt's auf Nachfrage, ich freue mich und antworte auch - manchmal zeitnah, manchmal erst ein bisschen später.
  • Dann war ja noch das Jahreskonzert mit dem Orchester. Es hat riesig Spass gemacht, viele Leute waren da (hat mich gefreut!!) und einen schöneren Abschluss für dieses tolle Jahr kann ich mir kaum vorstellen.
  • Nach dem Orchester kam der Halbmarathon - 21 Kilometer quer durch Basel, quasi ein Abschiedslauf. Auch der war spassiger als gedacht. Natürlich gab es den ein oder anderen Kilometer, an den ich mich lieber nicht erinnere. Aber ich bin ins Ziel gekommen, und das ist doch ganz schön. Es wird nicht mein letzter Halbmarathon gewesen sein.
Jetzt bin ich also in München, die Uni hat auch hier begonnen und ich wage es, ein erstes Fazit zu ziehen:
  • Die Stadt ist wundervoll und es gibt viiiiel zu entdecken.
  • Meine Arbeit (vegane Sachen auf dem Viktualienmarkt verkaufen) macht richtig Spass. Sie fordert - neue Produkte, anderes Kassensystem, vielfältige Kundschaft mit unterschiedlichen Ansprüchen, ein neues Team… - aber ich freue mich immer darauf und sie bietet eine gute Abwechslung zum sitzenden Uni-Dasein.
  • Ich habe einen Hauskreis gefunden, mit sehr lieben Leuten. (Hauskreis: Wir treffen uns regelmässig, essen zusammen Abendbrot, singen Taizé-Lieder, lesen einen (Bibel-)Text und reden darüber - und über sonstige Dinge im Zusammenhang mit unserem Glauben und Gott und dem Leben.)
  • Die Uni macht ebenfalls Spass (jaja, mein Leben ist ganz spassig im Moment!). Das liegt vor allem an den Dozenten, die sehr motiviert sind (sehr ungewohnt, irgendwie…). Und an den Fächern, in denen wir spannende Sachen lernen. Und an den netten MitstudentInnen aus aller Welt: Russland, Ukraine, Indonesien, Österreich, Deutschland natürlich, Italien, China… Aber die Uni fordert auch, was gut ist, aber zeitraubend. Der Studiengang heisst Interkulturelle Kommunikation und Moderation, wir lernen Sachen im Bereich Sprachen, Unternehmenskommunikation, Marketing, Wirtschaft allgemein, Kommunikationstechniken und so weiter.
  • Daneben beschäftige ich mich momentan vor allem mit der Bachelor-Prüfungsvorbereitung für Dezember (BALD!!), was mich mit ein wenig Sorge erfüllt.
  • Es ist merkwürdig, wieder in Deutschland zu sein. Einerseits ein Land, dass ich gut kenne - immerhin habe ich einen Teil meines Lebens hier verbracht. Aber doch sind mir viele Dinge fremd und ich entdecke, dass ich doch sehr schweizerisch bin. Natürlich lassen sich Ostdeutschland und München - Freistaat Bayern - nicht vergleichen.  Ich bin also gewissermassen wieder im Ausland - weder in der ersten, noch in der zweiten Heimat. Vielleicht wird das hier ja die dritte bzw. vierte (Schweden…) Heimat…?
So, genug von mir. Zum Schluss möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken. Dieser Sommer war wieder sehr bewegt und voll und abwechslungsreich. Vieles wäre nicht möglich gewesen ohne euch. Deshalb: Danke für die Gastfreundschaft - in Edinburgh, in Rennes, in Basel (!!), im Toggenburg, überall, wo ich sein durfte. Danke für die Geduld, für die Grosszügig- und Freigiebigkeit bei sämtlichen Dingen (Farbe, Velos, und und und), für die Spontaneität, Verlässlichkeit, danke für Verständnis, aufbauende Worte und feste Umarmungen, fürs Kisten tragen und Pinsel schwingen, für noch so viel Sachen mehr. Danke!

Und der obligate random fact: In zahlreichen Ländern ist Englisch eine offizielle Amtssprache. Die Vereinigten Staaten von Amerika gehören nicht dazu.


Lasst es euch gut gehen und ich freue mich, von euch zu hören und euch zu sehen! In diesem Sinne - Servus aus München!



Mittwoch, 27. August 2014

Nach hinten und nach vorn - ein Resüme

Salut oder bald auch Servus

BITTE lest vor allem das fette rote BITTE am Ende des Mails, alles andere ist unwichtiger.
  • La vie en France ist zu Ende, die Zeit des Pendelns hat begonnen. In den nächsten Wochen wird der einzige Fixpunkt der Zug (hier stellvertretend für alle öffentlichen Verkehrsmittel aufgeführt) sein, der mich zwischen Basel, der Ostschweiz, Brüssel und München hin und her transportiert. Doch vor einem Blick auf die Zukunft hier noch ein Blick in die Vergangenheit:
  • Der beste Zugang zu älteren, arbeitslosen Männern, die meist auf der Strasse leben? Zigaretten, Bier oder - ein Spiel. Es lohnt sich, jassen zu lernen. Das kennt und liebt man nämlich auch in Frankreich. Mein Teampartner und ich haben zwar haushoch verloren, aber das ist Nebensache.
  • Nicht nur jassen, auch feiern kann ich jetzt auf französisch: Um den Freiwilligen für ihre Arbeit zu danken und auch einmal ausserhalb der "Arbeit" etwas zusammen zu unternehmen, habe ich sie zu einem gemütlichen Abendessen eingeladen. Zehn kamen, elf assen, elf tranken, elf spielten Spiele und diskutierten über Gott, den Glauben, ob Jesus perfekt war, die Welt, Zukunftspläne, Wertvorstellungen und Dinge, die sie bereuen. Bemerkenswert dabei ist, dass sich nicht alle untereinander kannten. Trotzdem und trotz der Verschiedenheit der Menschen (Franzosen, Afrikaner, Arbeitslose, Universitätsprofessoren etc.) einen ganzen Abend lang miteinander tiefe Gespräche führen zu können - das ist einfach toll.
  • Mit viel Gepäck bin ich gekommen, mit noch viel mehr wieder gegangen. Unter anderem dabei:
    • Bretonnische Galettes. Für daheim gebliebene Schleckermäuler.
    • Sandalen. Von meiner lieb gewonnenen algerischen Freundin.
    • Eine Taizé-Schüssel. Von meinem amerikanischen Zwilling.
    • Eine bretonnische Tasse. Von dem liebenswerten Ehepaar, das mich zum Bahnhof gebracht hat.
    • Viele Erinnerungen, die hoffentlich nie vergessen gehen.
    • Viele Kontakte, die hoffentlich eine ganze Weile halten.
    • Viele Wörter, die ich hoffentlich oft anwenden kann.
    • Viel Wissen über alles mögliche, beispielsweise Afrika, die verschiedenen Länder und Kulturen dort.
    • Bücher. Der kleine Prinz in Original, ein Buch über den tollen Markt in Rennes etc.
    • Das vielleicht wichtigste Gepäckstück: Die Gewissheit, etwas verändern zu können. Die Gewissheit, einen Unterschied zu machen. Die Gewissheit, nicht der ganzen Welt helfen zu können oder zu müssen, aber diesen paar Menschen ein paar schöne Augenblicke beschert zu haben.
Nun bin ich in München, habe meine zukünftige Wohnung gesehen (toll - klein aber fein!) und den Vertrag unterschrieben (juhu!). Bald geht es nach Brüssel (Studienreise mit der yes, young european swiss, um die EU besser kennen zu lernen), danach bin ich eine Weile in der Schweiz. Ab dem 1. Oktober studiere (Interkulturelle Kommunikation und Moderation) und wohne ich dann im Freistaat Bayern; Post (brauche viiiiel neue Wanddeko! Z.B. schwarz-weiss Bilder mit Musik- / Film- / anderen Tipps hinten drauf?!) und Besuch sind immer sehr willkommen, Adresse einfach erfragen.

Die Zeit der Rundmails endet also einmal mehr - schön war's. Ich möchte aber nicht ohne eine letzte Einladung, eine letzte Bitte, eine allerletzte Bitte und einen letzten random fact aufhören:

Einladung: Am 27. September um 20 Uhr findet in Therwil bei Basel unser Akkordeonorchester-Jahreskonzert statt. Komme wer kann - alle anderen auch. Es lohnt sich! (siehe Flyer unten)

BITTE: Eine der vielen Bekanntschaften und Freundschaften aus Rennes ist G. G. kommt aus Kamerun und hat International Affairs (oder sowas - mit international und Rechtswesen und so) studiert. Er ist im Moment ohne Papiere, also offiziell illegal in Frankreich. Seine Situation ist, wie die von vielen, ziemlich kompliziert. Er möchte gerne weiter studieren und darf das in Frankreich auch, in etwa einer Woche beginnt sein Semester. Der Mensch ist blitzgescheit, hat unglaublich viel Potenzial und wir haben viele Stunden Kaffee trinkend und diskutierend verbracht, was immer sehr bereichernd für mich war. G. schreibt gern, hat einen unstillbaren Wissensdurst und ist zielstrebig. Mit kleineren Schreibarbeiten (z.B. Texte für Webseiten von Musikern) verdient er sich ein bisschen Geld. Nun ist das Problem, dass er keinen Computer hat. Für diese Arbeiten, auch für Recherchen, natürlich für die Uni und um allgemein einfach zu schreiben wäre das aber sehr gut beziehungsweise notwendig. Momentan macht er alles über den Computer seines Cousins, bei dem er im Moment auch wohnt. Das ist aber sehr schwierig und auf Dauer nicht wirklich eine Lösung, gerade für das Studium. Lange Rede, kurzer Sinn: Falls jemand einen Computer (Laptop, da die Wohnsituation nicht stabil ist und das Ding deshalb transportabel sein sollte) hat, den er nicht mehr braucht - da würde sich ein sehr toller Mensch sehr drüber freuen. Es würde ihm seine Ausbildung möglich machen, was wiederum ein weiterer Schritt in Richtung geregeltes Leben darstellt. Es muss nicht das neueste Modell von morgen sein, aber natürlich wäre es auch nicht schlecht, wenn es kein Kasten von vorgestern wäre - wer schon einmal eine Arbeit für die Uni auf solch einem Gerät geschrieben hat, weiss, dass das Nerven ohne Ende kostet. Wer sowas hat oder jemanden kennt oder was weiss oder… - bitte melden.

Bitte II: Jetzt habe ich eine Wohnung - aber leider noch kein Umzugsequipment. Gesucht werden deshalb starke Menschen, die Lust auf einen Ausflug nach München haben; ein grosses Auto (so ein Kleinlaster / -bus, das grösste Auto, das man mit normalem Ausweis fahren darf) und ein Fahrer (jdm. der gut und gerne grosse, schwere Autos fährt) für eben dieses Auto. Umzugstermin ist irgendwann im September, flexibel, vorzugsweise nicht am Wochenende. Über Gegenleistungen kann verhandelt werden.

Random fact:
In München gibt es mehr Yoga-Studios als Kindertagesstätten. Was das zu bedeuten hat und warum das so ist, darf sich jeder selbst überlegen.

Und noch ein Filmtipp:
Monsieur Claude und seine Töchter. Eine französische Komödie über kulturübergreifende Ehen. Selten so gelacht. Wirklich.

Bästa hälsningar, danke für eure Ausdauer und lasst es euch gut gehen!


Donnerstag, 14. August 2014

Spät und lang

Salut!

Der späten Stunde wegen ohne Einleitung direkt zu den letzen zwei Wochen:
  • Ich habe zum ersten Mal eine ganze Artischocke gegessen. Kannte ich sonst nur als Pizzabelag, jetzt auch aus dem Dampfkochtopf. Hervorragend!
  • Jeden Tag lerne ich viel. Französische Vokablen und kulturelle Gepflogenheiten, aber auch meine Geografiekenntnisse (vor allem im Bereich Afrika) verbessern sich stetig. So auch das Wissen über einzelne Länder. In Guinea gäbe es zum Beispiel keinerlei Probleme zwischen Muslimen und Christen. Sie würden auch munter untereinander heiraten. Irgendwie hoffnungsvoll, dieser Gedanke.
  • Ebenfalls lehrreich: Ein Mittagessen mit einer irakischen Familie aus Mossul. Wer nicht weiss, was da gerade so abgeht, der informiere sich jetzt.
  • Ansonsten war die Zeit gefüllt mit liebem Besuch:
    • Zwei Franzosen: Auflug nach St. Malo (süsses Küstenstädtchen mit schönem Strand, der Entdecker Kanadas kommt von da) und Mont St. Michel (Pilgerort, eine Kirche auf einem Felsen im Meer). Zusammenfassung: Meer, Küste, Natur, Wind, Geruch, Rauschen, Flut, Crêpe / Galettes. Sehr schön. Siehe Bilder unten.
    • Eine Taizé-Bekanntschaft aus New York: drei Tage Englisch reden.
    • Drei Schweizerlein: zwei Tage Schweizerdeutsch reden. Gut zu wissen, dass diese Sprachkenntnisse noch vorhanden sind. Aber mein Französischniveau war nach diesen Tagen wieder…naja, sehr tief unten. Dafür kenne ich jetzt Vitré, ein winziges Städtchen ganz in der Nähe, mit Schloss und vielen Fachwerkhäusern.
      Ich hoffe, der ein oder andere Besucher wird seinen Weg auch nach München finden. Dort habe ich nämlich inzwischen eine Wohnung gefunden (ja, wirklich!) und freue mich, Tür und Tor für Gäste zu öffnen.
Nach viereinhalb Wochen hier ist es mir nun doch ein Anliegen, ein bisschen genauer zu erklären, was ich eigentlich den ganzen Tag lang mache:

Der Secours Catholique ist ein Knotenpunkt im Netzwerk der Hilfsorganisationen. Sie bieten von allem ein bisschen an, verweisen aber vor allem an die jeweils zuständigen Stellen.
  • Accueil ("Empfang", jeden Morgen 9-11 Uhr): Es gibt Kaffe und ein kleines Frühstück (manchmal Toast, meist Zwieback mit Marmelade). Man kann duschen, telefonieren, Wäsche waschen. Ausserdem bieten wir ein Dach über dem Kopf, Gesellschaft, ein offenes Ohr. Viele freuen sich nur schon über ein freundliches "Bonjour", wenn ich mich sogar an den Namen erinnern kann, werde ich mit einem Lächeln belohnt. Manchmal spielen wir UNO, manchmal sitzt jeder alleine in seiner Ecke, manchmal diskutieren wir über Polygamie, Probleme in Europa oder die beste Joggingschuhmarke. Es kommen vor allem Migranten aus verschiedensten Ländern, aber auch manche "SDF" (sans domicile fixe - Obdachloser), die meist Franzosen sind.
  • Nachmittag (14-17 Uhr): Nachmittags gibt es einen spezifischeren Accueil. Einmal nur für die Obdachlosen aus Frankreich, einmal für Migranten, die Hilfe mit den Behörden benötigen etc. Dabei lerne ich viel über das Asylwesen Frankreichs und höre zahlreiche Geschichten - warum Menschen ihre Heimat verlassen haben, wie sie hierher gekommen sind, was sie vorher für ein Leben hatten, wie ihr Leben jetzt aussieht. Es liessen sich Bände damit füllen. Manchmal können wir ihnen helfen, oft müssen wir sie woanders hinschicken oder können nur Mut zusprechen. Das ist teilweise sehr deprimierend, lohnt sich aber, wenn man auch die Dankbarkeit der Menschen sieht, die sich oft auch einfach nur darüber freuen, dass ihnen jemand aufmerksam zuhört.
  • Bagageri: Manchmal helfe ich in der Bagageri aus, wo die Menschen ihr Gepäck aufbewahren können. Da kommt es dann beispielsweise zu einer Begegnung mit einem polnischen Matrosen, der in Norwegen gearbeitet hat und in der Bretagne Gold sucht. Seine Sporttasche war voll gestopft - mit einem Europa-Atlas, geologischen Karten und Goldwäscherschüsseln. Dabei ist er weniger vom Gold an sich motiviert sondern viel mehr am Glücksgefühl des Findens.
Neben praktischen Sachen wie Dossiers suchen, Blätter kopieren, Kaffee kochen, Tische putzen und Wäsche machen verbringe ich den Tag vor allem mit dem Pflegen sozialer Kontakte. Eine armenische Sängerin mit Rückenproblemen, ein französisches Genie mit Schizophrenie, ein Afrikaner ohne Papiere, ein Jugendlicher ohne Ausbildung, ein gestrandeter Deutscher, ein lebensfroher Russe… Liebenswerte und sehr menschliche Menschen in Fülle. Sie alle wollen wahr genommen, beachtet werden. Meine Aufgabe ist also, meine Aufmerksamkeit so gut wie möglich aufzuteilen und in diesen wenigen Stunden das zu geben, was möglich ist. Was ich dafür von ihnen bekomme, kann mir keine Schule oder Universität bieten: Lehrstunden in Französischer Sprache und Kultur, in Geografie, Ethnologie, Politik aller Länder dieser Welt, in Menschlichkeit, UNO-Schummel-Möglichkeiten und (Über-)Lebenskunst etc. Dagegen erscheinen mir zwei offene Ohren und Augen, ein bisschen Klavierunterricht (Flohwalzer…) und eine Kanne Kaffe geradezu läppisch.

Fazit: 

Ich fühle mich sehr wohl. Die Leute im Büro, die Freiwilligen und die Gäste sind alle sehr freundlich und geduldig. Wenn ich in eineinhalb Wochen im Zug Richtung Basel sitze, werde ich viele neue Dinge im Gepäck haben. Vor allem in meinem Herzen.

Random fact:
Die Hauptstädte der Demokratischen Republik Kongo (Kinshasa) und der Republik Kongo (Brazzaville) liegen (vermutlich) so nah beieinander wie sonst keine zwei Hauptstädte. Geschätzte Distanz: Vier Kilometer.

Und ganz zum Schluss noch ein Werbespot für ein unterstützenswertes Projekt von Freunden:
https://www.100-days.net/de/projekt/captain-plant-food-truck/
Wirklich eine gute Sache von guten Leuten für einen guten Zweck. Und lecker.

Das war's - Zeit für die Nachtruhe.
Bleibt behütet und bästa hälsningar.

Küste zwischen Mont St. Michel und St. Malo
Küste zwischen Mont St. Michel und St. Malo
St. Malo
St. Malo
Mont St. Michel

Mittwoch, 30. Juli 2014

Rennes = Immer noch das Paradies

Salut!

Schon wieder sind zwei Wochen vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin froh, meinen Sommer mit Sonne, Wind und Regen verbringen zu dürfen (grösstenteils Ersteres) und nicht wie viele nur mit Letzterem… Die bekannte stichwörtliche (ja, das Wort existiert) Zusammenfassung - aber Achtung, es wird lang:
  • Die Ameisen. Ein paar Nächte hatte ich dieses tolle Gefühl, dass es überall krabbelt und kribbelt. Man hörte sie nämlich knirschen, die Viecher. Ohren, Zehen und alles andere sind aber noch dran. Mein Arzt des Vertrauens war das Internet, die Apotheke ein Supermarkt und die Medizin - frische Pfefferminzblätter. Angeblich mögen es die lieben Tierchen gar nicht, wenn Minze oder Basilikum sehr duftet. Zwei Nächte wurden es immer weniger, dann waren sie ganz weg. Ich bewohne mein wunderbares Dachzimmer also wieder alleine - und bin fast schon ein bisschen traurig… So langsam konnte ich alle Namen der Insektelchen… Frieda und Lisa und Irma und Roger und Paul und…
  • Ich habe schon seit einiger Zeit ein eigenes Velo und fahre auch fleissig damit herum. Der Kanal, der sich durch Rennes zieht, führt von Meer zu Meer. Wer die Strecke Basel-Mainz am Rhein entlang kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie es hier aussieht. Herrlich!
  • Herrlich, wenn wir schon dabei sind, ist auch der grosse Stadtpark hier. Thabor heisst er (nur schon der Name…) und bietet alles, was das Herz begehrt. Einen botanischen Garten en miniature, Bäume, Gewässer aller Art, eine Orangerie mit Kunstaustellungen, Wiesen, Blumen, verschlungene Wege und breite Alleen… Ein toller Ort, an dem man immer Zeit verbringen kann. Manchmal werden auch Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen angeboten, wie zum Beispiel ein Abend mit typisch bretagnischen (hm… halt typisch aus der Bretagne) Tänzen, natürlich mit passender Musik. Mein Highlight: Ein Akkordeonspieler mit roten Haaren und unglaublich schnellen Fingern. Solch schöne Töne - da geht einem das ganze Herz auf.
  • Nach dem Tanzen (und Hören) will der Körper gestärkt sein. In der Bretagne macht man das mit Galettes, Crêpes und Cidre. Delicieux! Oh, und viiiiiel Käse isst man hier. Ständig. Mein erstes Essen, zu dem ich hier eingeladen wurde, war aber - man glaubt es kaum - Schokoladenfondü.
  • Ansonsten ist die Bretagne wie ein eigenes Land. Und legt auch Wert darauf, anders zu sein, besonders, noch besonderer als alle anderen. Wie das Elsass. Und die Normandie. Und wie sie alle heissen. Zum Beispiel gibt es hier ein Spiel, das nach dem gleichen Prinzip wie Boule oder Bodja funktioniert, nur mit "Plättchen" (relativ schwer, rund aber flach, bei Wikipedia nennt man das "Wurfscheiben"). Heissen tut das Ganze dann "Jeu de palets bretons" (Spiel der bretagnischen Wurfscheiben sozusagen). Man hat ein Brett, stellt sich ein paar Meter davor auf, wirft eine kleine Wurfscheibe darauf (hofft, dass man trifft und so) und wirft dann die grösseren Wurfscheiben so, dass sie sich möglichst nah (oder auf) bei der kleinen Wurfscheibe positionieren. Gut ist, wer die Holzplatte trifft und die Wurfscheibe auch darauf liegen bleibt. Wer dann auch noch nah ist, zählt zu den Profis (wie die "gens de la rue", die "Menschen der Strasse" (Obdachlose), die seit vielen vielen Jahren jeden Montag beim secours catholique (wo ich arbeite) üben.
  • Meine Arbeit ist ansonsten einerseits nicht viel anders als das letzte Mal beschrieben und andererseits auch viel zu komplex, um das hier auszuführen. Wen's interessiert, der sollte da mündlich nachfragen. Es macht mir auf jeden Fall grosse Freude, ich lerne viel in allen denkbaren (wirklich!) Bereichen und bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen.
  • Was aber doch noch erwähnt sein muss - und ich gebe mir grosse Mühe, das nicht rassistisch oder in einer anderen Weise angreifend zu formulieren: Es gibt hier viele schwarze Menschen (dunkelhäutig, stark pigmentiert - was auch immer). Und man bzw. ich musste mich doch irgendwie erst daran gewöhnen. Nicht, dass ich noch nie solche Menschen gesehen habe - aber in der Schweiz weiss man in der Regel "Aha, jemand aus dem Ausland". Hier ist dem nicht so - es gibt viele Franzosen, die dunkelhäutig sind. Manchmal vergesse ich das. Warum das wichtig ist? Ist es nicht. Auf den ersten Blick. Aber vielleicht ja doch, irgendwie…?
Sonstige Erlebnisse:
  • Biber als Begleitung beim Joggen am Kanal.
  • Eine Kuchenbackaktion zur Rettung grässlicher Dosenmandarinen. Niemand wollte die Mandarinen, vom Kuchen hab ich nur noch die Krümel gesehen.
  • Fleissiges Training für den Halbmarathon - inzwischen auch mit angemessenem Schuhwerk. Ob der Preis dafür auch angemessen war, darüber lässt sich streiten. Aber was macht man nicht alles für die Gesundheit…
  • Teilnahme an einer "manifestation" (Demo, Umzug) für Palästina bzw. in Gedenken an die Ereignisse in Gaza. Beeindruckend, dass in dieser kleinen Stadt (etwa 200'000 Einwohner) doch etwa 400 Menschen zusammenkommen und für den Frieden marschieren. Und das immer wieder, heute findet schon die dritte "manifestation" zu diesem Thema statt!
  • Rendez-vous au parlament: Ein kulturelles Angebot der Stadt Rennes. Abends wird auf das Parlamentsgebäude in der Stadt eine Lichtshow projeziert, die die Geschichte von Rennes erzählt. Oder so. Hab nicht alles verstanden, was da erzählt wurde, aber die Lichteffekte und Videokunst waren doch sehr eindrücklich.
  • Ein Marktbesuch (jeden Samstag): gross, bunt, laut, überall Früchte und Gemüse und Fisch und Fleisch und Käse und Brot (herrliches Brot! Da sag einer Franzosen ässen nur Baguette - Schmarrn ist das, tolles Brot haben sie!), ein Saxophon und viele junge Leute, die dazu Lindy Hop tanzen (wer nicht weiss, was das ist, der youtube diesen Begriff jetzt. Youtuben = modern für "auf der Internetseite www.youtube.com eingeben und ein Video davon anschauen")), fröhliches Geschwatz, so richtig…Markt halt.
Tipps der Wochen:
  • Film "Jimmys Hall": starke Frauenrollen, toller Dialekt (natürlich im Original angucken!) und eindrückliche Geschichte
  • Vokalensemble Orpehus. Eine ukrainische achtköpfige Männergruppe, die wunderschön singt. Beim Konzert hier in Rennes fand ich heraus, dass sie vorher in der Schweiz waren - natürlich in meinem "Heimatdörfchen". Zufälle gibt's. Sie sangen orthodoxe Kirchenlieder, traditionell ukrainische Stücke und auch Klassiker wie Yesterday von den Beatles oder "In the jungle". In Glitzerwesten. Wenn irgendwelche Männer Glitzerwesten tragen können, dann diese. Und diese Stimmen - sehr eindrücklich. Sehr empfehlenswert. Sollten sie in eurer Nähe sein - geht hin.
  • DAS WICHTIGSTE ÜBERHAUPT: Unser Konzert am 27. September, Flyer siehe unten, WEHE DEIN Gesicht ist da nicht zu finden…!!
Random facts (ging ja letztes Mal vergessen, deshalb hier zwei):
  • Rennes ist, so sagt man, die kleinste Stadt (Frankreichs…Europas…der Welt…) mit einer Metro. Noch dazu vollautomatisch, da hockt also kein Metrofahrer vorne drin. Ganz schön gespenstisch, wie das Ding so durch die Röhren wuscht.
  • Der Elephant ist das einzige Tier mit vier Knien.
Das war's - ich freu mich, von euch zu hören, und melde mich sonst einfach, wenn's wieder passt. Lasst es euch gut gehen!

Bästa hälsningar (man darf ja die erworbenen Kompetenzen nicht einfach so schleifen lassen…)
.


Mittwoch, 16. Juli 2014

Rennes = Paradies

Viele liebe Saluts

Nach dem ersten Arbeitstag und 48 Stunden in Rennes folgt schon der erste Bericht. Warum? Weil hoffentlich bald nur noch français aus meinem Mund quillt und ich euch davon verschonen möchte.

Taizé
  • Eine Woche Taizé bereichert in vielerlei Hinsicht. Neue Freundschaften, interkulturelle und -religiöse Gespräche, gelebte Solidarität und Toleranz… Ein Höhepunkt war ein Gespräch mit dem ehemaligen Erzbischof von Algier, der Hauptstadt von Algerien. Er erzählte von der Zusammenarbeit der Moslems und Christen, die dort schon seit vielen Jahren gut funktioniert. Beeindruckend! 
  • Ein weiteres Highlight: Ein von uns (ein paar Jugendliche) durften innerhalb der Woche einen Workshop zum Thema "Neue Solidarität" vorbereiten. Er wurde ein voller Erfolg und für meinen Teil zum Thema vegetarische / vegane Ernährung habe ich zahlreiche Rückmeldungen und Komplimente bekommen. Meine Worte hätten sehr zum Nachdenken angeregt, meinten viele. Und das ist genau das, was ich mit Gesprächen über diese Themen bezwecken möchte: keineswegs verurteilen oder provozieren oder beleidigen, sondern schlicht und einfach zum Nachdenken bringen. Nur damit ihr das auch alle noch einmal wisst und schwarz auf weiss seht…
  • Und ein drittes erfreuliches Erlebnis: Ich durfte bei einem sehr netten Ehepaar nach Paris mitfahren, ihre Töchter kennen lernen, trotz Grossvater im Krankenhaus bei ihnen übernachten und von ihnen zum Zug gebracht werden. Manche Sachen funktionieren einfach mit ein wenig Gottvertrauen.
  • Per Zufall verbrachte ich ausgerechnet den "14 juillet" in Paris, den französischen Nationalfeiertag. Wir verfolgten die mehrstündige Parade im Fernsehen, die Flugzeuge konnten wir aus dem Fenster sogar live sehen. Die Franzosen mögen ihr Militär schon sehr. Oder die Journalisten / Programmverantwortlichen wählen die Berichterstatter und interviewten Menschen sehr gezielt aus. Oder beides. Ich habe mir jedenfalls Mühe gegeben, nicht allzu schnippische Kommentare zu diesem ganzen Tamtam zu machen. Was angesichts meiner doch begrenzten Französischkenntnisse auch nicht wirklich schwierig war.
Rennes
  • Wohnen: nettes, älteres Ehepaar; wunderschönes Haus mit vielen afrikanischen Dekorationen; Dachzimmer mit Dachfenster (hoffentlich regnet es bald…eines der schönsten Geräusche!) und eigener AmeisenKOLONIE (!!!) direkt über dem Bett (irgendwelche Tipps oder Ratschläge? Einfach sein lassen? Sie befinden sich zwischen Decke und Wand (Dachschräge), sind morgens verschwunden und kommen im Verlauf des Tages wieder raus. Sie haben Flügel, einige jedenfalls, bleiben aber grösstenteils an mehr oder weniger dem gleichen Ort. Noch. Aber heute sind es schon massiv mehr als gestern… Esswaren habe ich keine in meinem Zimmer.); umgeben von grünen Bäumen und netten Nachbarn mit Katzen, die ich während der Ferien füttern darf / muss / kann / soll. Fazit: perfekt (trotz der Ameisen. Perfekte Perfektion gibt es nämlich nicht - es muss immer irgendein Problemchen geben, dass man lösen kann. Und Ameisen - das hatte ich noch nie.).
  • Freizeit: Rennes ist wunderschön, sehr grün, von einem Kanal (ergo Wasser) durchzogen, an dem man wunderbar joggen / spazieren kann. Die Distanzen sind laufbar, vielleicht lässt sich irgendwann irgendwie irgendwo ein fahrendes Vehikel (Velo oder Fahrrad) auftreiben.
  • Arbeiten: Der Arbeitsweg beträgt drei Minuten - ein grosses Plus. Der Arbeitsort nennt sich "secours catholique", eine Unterorganisation der Caritas France. Nach dem ersten Arbeitstag lässt sich sagen:
    • Den ganzen Tag Französisch und nur Französisch sprechen und hören ist anstrengend.
    • Mein Namensgedächtnis wird mit den Jahren nicht besser.
    • Auch das französische Asyl-System ist kompliziert und bürokratisch.
    • Ich mag Menschen.
Ein bisschen ausführlicher: Morgens betreue ich jeweils den "acceuil". Während zwei Stunden können Immigranten, Obdachlose, wer auch immer vorbei kommen und ein kleines Frühstück essen, Kaffee trinken, miteinander plaudern, duschen, Wäsche waschen. Ausserdem gibt es eine "bagagerie", wo sie Gepäck lassen können, das sie nicht immer herumtragen wollen. Nachmittags werden oftmals Beratungen für die Leute angeboten: Briefe übersetzen, Anträge stellen, Unterkünfte finden, Informationen geben. Getragen wird das alles von unzähligen Freiwilligen, die unglaublich freundlich, engagiert und kompetent erscheinen.

Soviel nach dem ersten Tag. Es wird sich zeigen, wie es weiter geht. Die "conclusion" bis jetzt: Es wartet ein grossartiger Sommer.

Seid herzlich gegrüsst.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Wieder einmal unterwegs

Hallo meine Lieben!

Kurz war die Ruhe, jetzt geht es wieder los: Die Kisten sind gepackt, die Möbel auseinander gebaut, das Zimmer in der besten WG der Welt ist leer, (fast) alles steht irgendwo in einer Lagerhalle. Nur ein grosser blauer Rucksack (und ein grosser roter Koffer, aber das klingt nicht ganz so poetisch, also bleiben wir beim Rucksack) wird mich in den nächten drei Monaten begleiten. In dieser Zeit geht es nach Taizé (6.-13. Juli), nach Rennes (14. Juli - 23. August) für ein Praktikum bei der Caritas, nach Brüssel (31. August - 7. September) als Mitorganisatorin einer Bildungsreise mit der yes - ja und dann ist es irgendwann Zeit für München.

Genau, München im "Freistaat Bayern". Dort werde ich ab Oktober einen Master in "Interkultureller Kommunikation und Moderation" machen - vorausgesetzt, ich finde ein Plätzchen für mein Bett. München sei ein schrecklicher Ort, um eine Wohnung zu suchen, heisst es. Das ist gelogen. Es ist noch viel schlimmer. Aber mit Glück, Vertrauen und ein bisschen Hilfe von oben wird sich schon ein Türchen auftun, so war es bis jetzt schliesslich immer. Falls aber jemand von euch gerade zufälligerweise jemanden kennt, der jemanden kennt, der mit jemandem verwandt ist, der… und so weiter - meine Mailadresse darf man gerne weiterleiten…
Natürlich stehen (sobald vorhanden) Tür, Tor und Briefkasten meines neuen Heims offen und warten auf Bevölkerung / Befüllung, sprich Besuch und Post. (Bis dahin: Adresse erfragen.) Auch über allgemeine Tipps zum Leben in München freue ich mich.

Nicht nur ein Schlafplatz, auch ein Akkordeon wird gesucht. Die letzten Monate im Akkordeonorchester Binningen-Bottmingen haben mir so viel Freude gemacht, dass ich das weiter verfolgen möchte. Gesucht wird ein ordentliches Gebraucht-Modell, Tasten, chromatisch (mehr Details auf Nachfrage).

Wo wir schon beim Akkordeon sind: Am 27. September 2014 findet in Therwil bei Basel das Jahreskonzert des Akkordeonorchesters Binningen-Bottmingen statt. Ich werde da natürlich noch kräftig mitspielen, weshalb ihr alle herzlichst eingeladen seid. Es würde mich sehr freuen, dort ein paar bekannte Gesichter zu erblicken!

Nach dem Konzert ist ein Halbmarathon durch die Strassen Basels geplant, irgendwie auch ein Abschiedslauf. Die drei Jahre Studium in dieser wunderschönen Stadt haben mich sehr bereichert und viele Dinge und Menschen lasse ich mit zwei weinenden Augen zurück. Es war schön, es war wirklich wirklich schön und ich werde wohl in vielen Jahren auch eine von denen sein, die ein ganz kleines bisschen wehmütig von den guten alten Studienzeiten erzählt. Aber es ist auch Zeit für etwas Neues, und München scheint da eine ganz gute Option zu sein.

So, zum Abschluss noch ein random fact der letzten Woche: In Edinburgh kann man frittiertes Mars essen. Wirklich. Und es ist lecker.

Lasst es euch gut gehen und auf bald!

Dienstag, 18. Februar 2014

Take Sides.

Neutrality helps the oppressor,
never the victim.
Silence encourages the tormentor,
never the tromented.
- Elie Wiesel


Donnerstag, 29. August 2013

Danach - Teil 23

Hej

Schon wieder befinde ich mich auf dem Weg von Schweden in die Schweiz. Schon wieder habe ich viele spannende Sachen hier erlebt und es gibt das eine oder andere zu berichten. Also kommt schon wieder ein Mail. Weil es das letzte ist, dürfen alte Traditionen gebrochen werden - deshalb ist heute Mittwoch. Nun aber zu den wichtigen Dingen.
  • Nach ein paar Tagen im Toggenburg ging es im Juli für eine Woche nach Taizé. Es war wieder eine wunderbare Erfahrung, meine Akkus sind nun aufgeladen und ich habe wieder viel gelernt. Obwohl ich die ganze Zeit in Stille verbracht habe, habe ich ein paar Schweden kennen gelernt. Ein richtiges Heimatgefühl war das.
  • Wenig später wurde der Rucksack wieder gepackt: Mit meinen Eltern ging es per Auto quer (also längs) durch Deutschland, mit der Fähre nach Schweden (ich durfte das Auto auf die und von der Fähre fahren - und es ist noch ganz!!) und dann mit Zwischenstationen (die erste natürlich Lund) nach Stockholm. In Lund war es sehr schön, all die bekannten Plätze noch einmal im schönsten Sommerwetter zu sehen, Eis zu essen und einfach in Erinnerungen zu schwelgen. In Stockholm stiess dann der "erste beste Besuch" zu uns und weiter ging es nach Ramshyttan.
  • Ramshyttan ist die Farm, auf der wir nun einen wunderbaren Monat mit wwoofing (voluntary working on organic farms) verbracht haben. Auch beim dritten Mal fasziniert die Natur dort, die Menschen, die Tiere, einfach alles. Ich habe wieder viel gelernt: Rasenmäher fahren, trimmen (ein Trimmer ist ein Fadenmäher - keine Ahnung, was der korrekte Ausdruck dafür ist - siehe Bild), Hügelkultur anlegen (ein Teil von Permakultur: man baut einen riesigen Hügel aus Baumstämmen, Reisig, Mist, Grasziegel etc. und baut dann Gemüse und ähnliches darauf an - siehe Bild), Holz am effektivsten stapeln, Konfi (Marmelade für die Deutschen) kochen…
  • Auch viele Tiere haben wir angetroffen: Ringelnattern, eine Kreuzotter, Hasen (tote und lebendige), Spechte, zwei Rehe im Vorgarten, Opa Langbeine (viiiiiiiiiiiiele!! Sie werden auch Zimmermänner oder Weberknechte genannt. Und es ist eins der wenigen Tiere, in denen ich keinen Funken Schönheit entdecken kann. Wir werden wohl niemals Freunde werden.), Wurmgetier (viiiiel Wurmgetier, gefunden beim Mist für den Hügel holen), Vögel mussten befreit werden, Fledermäuse ebenso, Schmetterlinge auch… Und dann waren da natürlich noch die Pferde. Fünf Friesen (grosse schwarze Pferde mit langen, schönen Mähnen) und zwei Isländer (kleine, flinke und sehr trittsichere Pferdchen). Auch da war alles dabei: Reiten ohne Sattel, Schritt, Trab, Galopp, herunterfallen, ausmisten, Wundversorgung, füttern, Wassertrog reinigen, Reitwege ent-urwalden...
  • Das grösste Highlight in diesem Monat hatte allerdings nichts mit Landwirtschaft zu tun. Wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, gab es in ferner Vergangenheit (sprich Februar) Probleme mit meinem Landlord (Vermieter). Er warf mich raus, leider aber nicht mit all meinen Sachen und vor allem ohne mir mein Geld zurück zu zahlen. Nach einem Behördenmarathon wurde eine Anwältin für mich gefunden. Der Gerichtstermin sollte morgen sein, ist nun aber nicht mehr nötig: Der gute Lord zahlt von alleine, fast den ganzen Betrag. Ich muss also nicht vors Gericht. Am schönsten ist aber, dass sich der ganze Aufwand und die viele Energie, die ich in diese Sache gesteckt habe, gelohnt haben. Alles in allem eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte, aber die auch nicht unbedingt wiederholenswert ist.
Noch ein paar Fakten fürs Allgemeinwissen:
  • Warum alle Schweden rote Häuser haben: Die rote Farbe wird aus einem Nebenprodukt des Erzabbaus hergestellt. Sie lässt das Holz atmen, schützt es aber gleichzeitig. Wer sein Holzhaus alle 10-20 Jahre mit dieser Farbe streicht, wird sehr lange darin wohnen können.
  • Was Fika ist: Fika kann vieles beinhalten. Grundsätzlich ist es ein Wort für gemütliches Zusammensitzen. Das kann ein Snack in der 10-Uhr-Pause, Kaffee trinken am Nachmittag, ein Feierabendbier, ein Schlummertrunk vor dem Schlafengehen oder anderes sein. Man kann dabei etwas essen oder auch nur etwas trinken. Hauptsache gemütlich und in Gesellschaft. Fika machen ist sehr wichtig in Schweden, beispielsweise auch bei der Arbeit. Wer dort nicht mindestens einmal am Tag Fika mit seinen Kollegen macht, kann schon als "zu arbeitsam" gelten. Ich werde auf jeden Fall probieren, die Fika-Kultur in die Schweiz zu importieren….
Tschüss sagen ist immer schwer, vor allem an so einem schönen Ort (Ramshyttan) und von einem so lieb gewonnenen Land. Aber ich freue mich auf die Zukunft: Zuerst geht es mit Zwischenhalten in Lund und Deutschland in die Schweiz zurück. Dort wartet die beste WG überhaupt (vier Frauen, wenn das mal gut geht… Immerhin haben wir zwei Badezimmer.). Nach ein paar Tagen Paris (ich war noch nie da, dabei ist es nur drei Stunden Zugfahrt von Basel entfernt!) fängt dann die Uni wieder an - auch darauf kann man sich zeitweise freuen. Und irgendwann kommt bestimmt wieder einmal der Tag, an dem ich mit meinem Rucksack in den Zug Richtung Schweden steige. Schwedisch kann ich jetzt ja.

Übrigens: Der Mietvertrag ist nun unterschrieben und der Briefkasten hat bereits ein Namensschild. Briefe, Karten, Päckchen und Besuch sind herzlich willkommen! Die Adresse kann bei mir erfragt werden.

Bästa hälsningar (= liebe Grüsse)

P.S.: Noch ein paar Bilder, gemacht natürlich vom "ersten besten Besuch".

Sonnenuntergang.
Trimmen.
Reiten auf Bresi ohne Gebiss und ohne Steigbügel aber mit viiiiel Spass.
Warum es mir da so gefällt.
Unser Hügel. Noch nicht ganz fertig. 
Ohne Worte.
Bildhübscher Friese Arion.