Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur. ... Oscar Wilde



Mittwoch, 8. Juni 2011

How do you tell an angel that you don't believe in God?



I'm wishing the bath water clean
She hides in the back and is unseen
I take off the mask that surrounds me
Look me in the face
What do you see
I feel like a boy the age of 13
My body grows up 
But my mind stays the same
Look me in the face 
What do you see?

How do you tell an angel
That you don't believe in God?
Why do I feel
Like such a stranger
I look around
I look around 
And all my friends are gone

But oh would you be me?
Because I would be you
Oh you'd be happy
Only if you wanted to
And how would you treat me?
Because I would treat you
Oh you'd be happy
Only if you wanted to

How do you tell your Father,
That you want him to notice you?
Why does this seem like such a bother?
When mom says you'd be better off dead
But I want to see you
I still want to see you
Oh would you call me?
Oh it's not hard too
I'm the first one 
On your birthday
And oh would you write me
On my birthday
Graduation, was yesterday
Yesterday
Oh...

How do you hold the special victim?
When they push you away
When they've been 
Raped on the inside
Torn on the outside
The dirt and ugly from the stain that they try to hide
Touched in private places
Embarassed faces
To scared to ask for help

Oh would you be me?
Because I would be you
Oh you'd be happy
Only if you wanted to
And how would you treat me?
Because I would treat you
You'd be happy
Only if you wanted to

I'm wishing the bath water clean
She hides in the back and is unseen
I take off the mask that surrounds me
Look me in the face
What do you see?

Dienstag, 7. Juni 2011

Und die Welt wird wieder grün

Sometimes everything is grey
or brown
just death somehow

Sometimes I can't see the sun
it's bright
too bright for me

Sometimes I just lay in my bed
screaming
crying cause of nothing

Sometimes the glass is not full
or half
but it's just empty

And sometimes there's no glass
at all
nothing left to fill

In these days
God sends the rain
to color the world again

In these days
he sends the clouds
to make me see the sun

In these days
he fills me up
and I'm filled
filled with satisfaction

So I thank God, thank God, thank God
for making my world green again.

Montag, 6. Juni 2011

Einen vor den anderen

Vielleicht hat jeder von uns nicht eine gewisse Anzahl an Jahren zu leben, sondern eine Anzahl an Schritten. Die "Faulen" spüren das vielleicht und laufen wenig herum, damit sie länger leben. Andere wissen, dass sie viele Schritte gehen müssen, bevor sie sterben dürfen - deshalb gehen sie so viel wie möglich. Die meisten sind es sich aber vermutlich gar nicht bewusst. Und denken nicht daran, dass sie vielleicht sorgfältig mit ihrem "Guthaben" umgehen sollten. Wenn sie ständig durch die Welt rennen, sind vielleicht irgendwann all ihre Schritte verbraucht.
Und das vielleicht, bevor sie dort angekommen sind, wo sie hin wollen.
Also, überlegt euch gut, wo ihr hin wollt, und setzt dann behutsam einen Fuss vor den anderen. Every step counts.


Wie viele "Vielleicht's" kommen in diesem Text vor? Gibt es ein anderes Wort dafür, ausser "eventuell"?

Donnerstag, 2. Juni 2011

Anfrage zur Kursprogrammserweiterung

Lieber Gott,

bitte nimm doch einen obligatorischen Kurs zum Thema "Selbsteinschätzung" in dein Angebot auf. Denn es gibt Leute, die grössenwahnsinnig sind, eingebildet oder sonst was, und sie sehen es nicht. Und es gibt Menschen, wie sie wunderbarer nicht sein könnten, und auch sie sehen es nicht. Ich finde, du solltest es ihnen beibringen. Uns allen. Wir könnten nämlich viel effizienter sein, wenn wir uns nicht über- und unterschätzen würden.
Meinst du nicht auch?

Kennst du's?

Kennt ihr das, wenn ihr einen Liedanfang hört und denkt: "Wow, tolles Lied!" und ihr euch darauf freut es zu hören, ihr dann aber in irgendwelche Gedankengänge geratet aus denen ihr erst wieder herauskommt, wenn der letzte Ton des Liedes erklingt? Mir geht das andauernd so.

Wie kann man so optimistisch sein, Schuhe mit einem Loch in der Sohle bei Regen anzuziehen und wirklich daran zu glauben, dass der Regen 30 km weiter "nicht sein" wird und die Strassen trocken sein werden? Ich war es. Und wurde wieder einmal enttäuscht.

Kennt jemand weibliche Superhelden? Also ausser Catwoman, Wonderwoman und Heidi.

Wie nennt man das Phänomen des leeren Platzes zwischen zwei Grüppchen im Kino? Pärchen - freier Platz - Mädchengruppe - freier Platz - Familie - ...

Habt ihr schon einmal die Dusche wieder angestellt obwohl ihr, abgetrocknet, mit Handtuch, noch unter ihr standet? Und habt ihr schon einmal mit Kleidern gebadet? Oder im Regen getanzt, bis ihr klatschnass ward, so bis auf die Haut?

Mittwoch, 1. Juni 2011

Ja, aber...und weil.

Wie satt ich es doch habe, mich für alles rechtfertigen zu müssen.

Ja, ich habe für ein "People & Lifestylemagazin" geschrieben,
ja, den ganzen nächsten Monat werde ich nichts anderes tun, als einen Stand zu organisieren, der Glücksmomente sammelt,
nein, ich finde Affären nichts Verwerfliches,
und nein, ich werde nicht all meine Energie ins Studium investieren.
Ja, ich lese gerne Arbeiten Korrektur,
ja, ich bin faul, 
nein, ich weiss wirklich nicht, was netto und brutto ist,
und nein, ich bin nicht fähig, zu akzeptieren.

Und ja, ich glaube an Gott.

Wieso nur habe ich bei all diesen Punkten das Bedürfnis, noch mindestens drei Sätze dazu zu schreiben? Wieso, weshalb und warum ich so bin. Erklärend, damit man mich ja nicht missverstehen kann. Wieso nur habe ich das Gefühl, ich könnte nicht gefallen, wenn jemand nur diese "Geständnisse" sieht und keine Ausführungen dazu? Wieso meine ich zu spüren, dass es von mir erwartet wird, mich zu rechtfertigen? Ich selber habe mir das Bedürfnis nach Rechtfertigung nicht ausgedacht. Woher kommt es also, wie konnte es in unserer Gesellschaft so fest Fuss fassen, hat es auch positive Seiten, wie können wir es wieder verbannen und taucht es überhaupt auch bei anderen auf?

Sonntag, 29. Mai 2011

Forgive me if I'm young

 
Hello world, hope you're listening
Forgive me if I'm young o
r speaking out of turn
There's someone that I've been missing
I think that they could be the better half of me
They're in the wrong place, trying to make it right
But I'm tired of justifying
I say to you
 
Come home
Because I've been waiting for you
For so long
And right now there's a war between the vanities
But all I see is you and me
And the fight for you is all I've ever known
So come home


I get lost in the beauty of everything I see
The world ain't half as bad as they paint it to be
If all the sons, all the daughters,
stop to take it in
Hopefully, the hate subsides, and the love can begin
It might start now, or maybe I'm just dreaming out loud

But until then

Come home
Because I've been waiting for you
For so long
And right now there's a war between the vanities
But all I see is you and me
And the fight for you is all I've ever known

So come home

Everything I cant't be, is everything you should be
And that's why I need you here
So hear this now


Come home
Because I've been waiting for you
For so long
And right now there's a war between the vanities
But all I see is you and me
And the fight for you is all I've ever known

So come home
Come home

Animal domestique

Zwischenmenschliche Beziehungen sind anstrengend. Kompliziert. Schwierig.
Deshalb beschränke ich mich darauf, ein Reh anzufahren, einen Dachs zu beobachten, eine Katze zu verwöhnen, vor einem Hund zu flüchten, eine Biene ins Freie zu befördern, eine Mücke umzubringen, eine Spinne einzufangen (und wieder freizulassen), ein Pferd zu streicheln.
Zwischenmenschliche Beziehungen sind anstrengend. Kompliziert. Schwierig.
Deshalb lasse ich es einfach bleiben
und lausche dem Schnurren
eines zufriedenen Wesens.

Freitag, 27. Mai 2011

Reisegespräch

Wenn ich so dastehe und du mich anguckst,
dann merke ich,
dass ich mal wieder nicht da war.

Denn wenn du mich nervst,
dann klinke ich mich aus,
und fliege davon.

Es fühlt sich an,
als würde man sich häuten
und neu geboren werden.

Ich mache mich frei,
entdecke jedes Mal neues,
ich kann sein, wo ich will.

Über Wolken und Seen,
in Wäldern und auf Feldern,
Bergketten überquerend.

Früher war ich nicht so oft „auf Reisen“.
In letzter Zeit bin ich es immer öfter.
Eigentlich nur.

Denn in letzter Zeit
redest du und redest und redest.
Und sagst doch nichts.

Und wenn du nicht redest,
verhältst du dich
so komisch, so anders, so fremd,

dass ich in die Vergangenheit flüchte,
um mich an den zu erinnern,
der du einmal gewesen bist.

Kommst du irgendwann zurück?
Oder muss ich mich an dich gewöhnen?

Am Abgrund des Wahnsinns


How can I think I'm standing strong
Yet feel the air beneath my feet?
How can happiness feel so wrong?
How can misery feel so sweet?
How can you let me watch you sleep
Then break my dreams the way you do?
How can I have got in so deep?
Why did I fall in love with you?

This is the closest thing to crazy I have ever been
Feeling twenty-two, acting seventeen
This is the nearest thing to crazy I have ever known
I was never crazy on my own
and now I know that there's a link between the two
Being close to craziness and being close to you

How can you make me fall apart
Then break my fall with loving lies?
It's so easy to break a heart
It's so easy to close your eyes
How can you treat me like a child
Yet like a child I yearn for you?
How can anyone feel so wild?
How can anyone feel so blue?

This is the closest thing to crazy I have ever been
Feeling twenty-two, acting seventeen
This is the nearest thing to crazy I have ever known
I was never crazy on my own
and now I know that there's a link between the two
Being close to craziness and being close to you
And being close to you
And being close to you

Angebot fürs Publikum

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden irgendwohin mitnehmt, an ein Theater, in einen Film, zu anderen Leuten, und ihr unbedingt wollt, dass es gut wird? Dass die Schauspieler top sind, der Inhalt spannend und die Menschen interessant. Dass der "Gast", also den, den ihr mitnehmt, seinen Spass hat. Ich zumindest habe diesen Anspruch. Dass es gut wird. Ich will etwas bieten. Schliesslich wäre die andere Person nicht an diesen Anlass gegangen, hätte ich sie nicht dazu animiert.
Ich glaube, das kennen wir alle, die einen mehr, die anderen weniger.
Aber kennt ihr das auch, wenn ihr selber an etwas beteiligt seid, und jemand kommt zugucken oder zuhören? Dann wollt ihr wieder, dass es gut wird. Ihr wollt etwas bieten. Und wenn ihr nur ganz kurz etwas "performt", dann muss das umso besser sein. Damit es sich für den Angereisten auch lohnt. Der Leistungsdruck steigt also. Wenn jetzt also jemand, oder besser noch, gleich mehrere, einen langen Weg auf sich nehmen, um einer anderen Person zuzuhören oder zuzugucken, für nur fünf Minuten, dann steigt der Leistungsdruck noch höher. Bleibt nur zu hoffen, dass man nicht enttäuscht.

Dienstag, 24. Mai 2011

Die Angst davor - hilflos

Fünf Minuten. Das werden die längsten fünf Minuten meines 19jährigen Lebens. 19 Jahre, das ist schon ein ganzes Stück. Etwa ein Viertel. 19 Jahre, das sind (Achtung, ich kann rechnen! OHNE Taschenrechner!)
6935 Tage
166440 Stunden (coole Zahl)
9986400 Minuten.
9986400 Minuten.
In 5-Minuten-Päckchen aufgeteilt sind das dann 1997200 mal fünf Minuten.
So ganz genau stimmt das alles nicht, ich bin ja schon ein bisschen älter als 19. Aber so in etwa. Jedenfalls werden die fünf Minuten in 15 Tagen meine bisher längsten. Zeit ist nämlich nicht einheitlich geeicht wie das Kilogramm oder ein Meter. Man sagt zwar so Daumen mal Pii, dass eine Minute 60 Sekunden hat. Hat sie aber nicht. Die wenigsten Minuten haben 60 Sekunden, die wenigsten Tage 24 Stunden, die wenigsten Jahre 365 Tage. Oder wieso kommt einem die Zeit ewig vor, wenn man in der Schule sitzt? Wieso hat man am Ende vom Tag immer noch nichts geschafft? Und wieso klappt das nie mit den guten Vorsätzen - und schon ist wieder der 31. Dezember? Die Zeit verarscht uns. Beziehungsweise, wir haben einfach vergessen, dass die Zeit nicht geeicht ist. Eine Minute hat etwa 60 Sekunden. Etwa. Die fünf Minuten in 15 Tagen werden etwa 85 Sekunden haben. Mindestens.
Und ich habe noch immer nicht den blassesten Schimmer, mit was ich diese fünf Minuten füllen soll. Mit irgendwelchem Unsinn? Mit lustigen Geschichten - wobei ich schon am zweiten Wort, lustig, scheitern werde? Mit tiefschürfenden Erkenntnissen? Emotionalen Ausbrüchen? Philosophischen Gedanken? Wissenschaftlichen Beweisen?
Irgendwelche Ideen?

Montag, 23. Mai 2011

An was ich so denke.

Ich starre an die Decke und zähle die Holzaugen. Verbinde sie miteinander, kreiere Figuren. Ich betrachte die Bilder an der Wand, amüsiere mich über das Mauskissen beim Computer und zähle die Dreckspritzer auf der Lampe. Ich denk übers Studium nach, dass es so viele machen und es doch das grosse Abenteuer für jeden Einzelnen ist. Ich denke darüber nach, dass es mir nichts ausmachen würde, jetzt zu sterben; aber sehr viel, eingeschränkt zu werden. Ich zähle die Stäbe der Jalousien und die Sekunden, bis es vorbei ist. Ich überlege mir, wie meine Brille aussehen würde, wenn ich eine hätte, und ob ich meinen Kindern wohl Ohrlöcher stechen würde. Ich frage mich, ob der Stuhl auf dem ich liege wohl rückenfreundlich konzipiert wurde. Dann werden meine Augen schwer und ich schlafe ein.

Beim Zahnarzt.

Sprachlos

Es gibt da diese Pausen. Da, wo ich nicht weiss, was ich sagen oder tun soll. In diesen Pausen will ich dir irgendwie mitteilen, dass es mir leid tut. Dass ich gerne besser wäre. Dass ich nicht weiss wie. Ich will dir zeigen, dass ich eine Grenze ziehen muss. Um mich zu schützen. Um mich nicht zu verlieren. Und vielleicht auch für dich. In den Pausen versuche ich, mich wieder darauf zu besinnen, was das Ziel und der Sinn ist. Ich versuche, die Kontrolle zu behalten. Ich weiss nicht, was du in den Pausen denkst. Ich hoffe, du merkst es. In den Pausen hätte ich dich gerne ganz nah bei mir. Um zu wissen, dass es in Ordnung ist. In Ordnung. Es tut mir leid.

Abreise

Mir gönd, ein Schritt um de ander. De Koffer röllelet hinder üs, me ghörten guet uf de Pflaschterstei. Dezue hemmer au no en Rucksack wo schwer uf de Schultere laschtet. Döt isch all da viele Züüg drin, wo mer mit üs umeträget. Wie viel vo däm ächt überflüssig isch...?! Ich weiss es nöd. Mir gönd, ein Schritt um de ander. Tip Tap Tip Tap. Mir drüllet üs um und winked. I chume is stolpere, aber i cha mi feschthebä, am Koffer, mitem ganze Züüg drin. Und au de Rucksack bütet mer Halt. Ich stoh wieder fescht uf beidne Bei und mir gönd, ein Schritt um de ander.

Die Prophezeiung

Vorgestern hätte die Welt untergehen sollen. Sie ist es nicht.
Vielleicht hat sie gemerkt, dass ich noch einmal in meinem bequemen Bett schlafen wollte. Vielleicht hat sie mitgekriegt, dass gestern ein wichtiges Fussballspiel war. Und dass der Sommer vor der Tür steht. Vielleicht hat sie auch gespürt, dass ich mich vor dem Weltuntergang noch verlieben will, ein gebrochenes Herz erleben soll, vielleicht eine Scheidung, eine Geburt oder eine Beerdigung. Vielleicht hat sie aufgeschnappt, dass vor dem Untergang noch ein Hausbau, drei Haustiere, elf Prüfungen und vier verlorene Freundschaften durchlebt werden wollen. Oder sie hat gemerkt, dass ich noch nach Paris und in die Wüste will, dass ich noch nie echte Elefanten gesehen habe und noch Heissluftballon fahren will.
Vielleicht hat die Welt gemerkt, dass ich noch ein paar Dinge zu erledigen habe. Dass ich noch etwas erleben will.
So, jetzt geh' ich was essen. Ich bin hungrig. Lebenshungrig.

Freitag, 20. Mai 2011

Groupie

Wie kann man nur so gute Musik machen? Und Texte mit Inhalt haben? Und dann auch noch nett sein? Aiaiai. Hope to see you again guys!

Stornoway - Zorbing


Donnerstag, 19. Mai 2011

Nicht dabei

Manche Momente sind so schön, dass ich richtig wütend werde, weil ich keine Kamera dabei habe. Denn ich weiss ganz genau: Das Bild würde schön werden, richtig gut, obwohl ich den Auslöser drücke. Zum Beispiel gestern, am Bodensee. Die Mückenschwärme flogen durch die Luft, das Wasser klatschte sanft gegen die Mauer, die Sonne verabschiedete sich langsam und tauchte alles in ein wunderschönes Licht. (Ich weiss, "die Sonne taucht..." und "wunderschön" sind nicht besonders originelle und konkrete Worte. Aber hier passen sie einfach.) Dazu kamen ein Baum, mit grünen Blättern, ein bisschen Wiese, schöne Bänke, ein paar Wolken - ach, einfach herrlich! Und diesen Moment muss man einfach gehen lassen!?

Manche Momente sind so schön, dass ich richtig wütend werde, weil ich kein Aufnahmegerät dabei habe. Denn ich weiss ganz genau: Die Aufnahme würde super werden, auch wenn man mehr rauschen und johlen und klatschen hört als Musik. Zum Beispiel heute, in der Grabenhalle. Das Konzert von 77 Bombay Street war einfach super. Und die Jungs sind auch noch NETT! Klar, ich habe die CD. Aber ich würde gerne genau diese Situation festhalten, in der Menge, Eins mit allen anderen, im Takt der Musik, die Lichter blinken, Nebel steigt auf, und die Musik... Aber mann muss es einfach geniessen, und dann ist es vorbei, und niemals kommt es zurück.

Manche Momente sind so schön, dass ich richtig wütend werde, weil ich kein Papier dabei habe. Und keinen Stift. Denn ich weiss ganz genau: Der Text würde gut werden. Zum Beispiel letzte Woche. Da hatte ich so ein interessantes Gespräch, mit so vielen Denkansätzen und voll von Inspiration. Aber dann kannst du nicht deinen Stift zücken und dir Notizen machen. Das geht einfach nicht. Und so verfliegen die Ideen wieder im Wind, und du bleibst bei deinen kleinen Textchen ohne Inhalt. Das ist doch einfach scheisse.

Böllälli

Die Kugel rollt.
Sie rollt den Abhang runter.
Unten wird sie von Sisyphus in Empfang genommen,
der sich dann wieder daran macht,
den Hügel empor zu kommen.



Die Kugel rollt
denn ihr tut was ihr wollt
und nicht was ihr sollt.

Die Kugel rollt
denn ihr tut was ihr sollt
und nicht was ihr wollt.

Die Kugel rollt und rollt und rollt.

Die Kugel eckt an.
Dabei hat sie doch gar keine Ecken.



Gehst du ins Licht
wenn die Kugel zerbricht?

Mittwoch, 18. Mai 2011

Spannung

Kennst du das, wenn du irgendwie die ganze Zeit innerlich verspannt bist? Wenn sich alle Muskeln zusammenziehen, der Magen nur noch ein einziger Klumpen ist, das Herz schnell und unregelmässig schlägt. Wenn du keinen klaren Gedanken fassen kannst, sondern von hier nach da und dort springst, wenn du das Gefühl hast, du versinkst im Sand oder Moor oder Wasser oder Betonboden - und du kannst nichts, rein gar nichts dagegen tun. Alles wird zusammengedrückt. Gequetscht. Der Kopf, die Brust, der Bauch. Vor allem der Bauch, da ist es am Schlimmsten. Wenn du dich am liebsten einrollen würdest, so klein wie möglich, als Päckchen. Weil du das Gefühl hast, du musst dich zusammenhalten, weil du sonst auseinander springen würdest, obwohl sich alles verkrampft, verkürzt, verengt, verhakt. Wenn du denkst "Ich kann das nicht, ich schaff das nicht, was mach ich hier, aaaaaaaaah!" Kennst du das? Wenn du dich einfach unwohl fühlst in deiner Haut?
Und was machst du dann? Die Haut wechseln? Ha ha ha.

Dienstag, 17. Mai 2011

Was ist es?

Es ist Unsinn - sagt die Vernunft.
Es ist Unglück - sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst.
Es ist aussichtslos - sagt die Einsicht.
Es ist lächerlich - sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich - sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist - sagt die Liebe.

Erich Fried

Ode an den Kristall

Wenn ich so in meiner Ecke sitze - am Fenster, neben der grossen Eingangstür - kann ich allerlei beobachten. Ein gehetzter Lehrer macht letzte Kopien für den Unterricht. Zwei seiner Kollegen gehen lachend ins Lehrerzimmer, vielleicht haben sie eine Freistunde. Ein Junge kommt in mein Blickfeld, er zieht ein Mädchen hinter sich her. Sie verschwinden hinter einer Säule, was den Geräuschen nach auch besser so ist. Irgendjemand spielt Gitarre. Dann wird alles still. Ich spüre die kühle Scheibe an meiner Wange. Es zieht, die Fenster sind seit eh und je schlecht isoliert. Nach und nach kommen ein paar Schüler die Treppe herunter, Brotpapiere rascheln, die WC-Tür geht auf und zu. Mit der Zeit füllt sich die halle, irgendwann läutet die Schulglocke die Pause auch offiziell ein. Es bilden sich Grüppchen, Schülertrauben. Manche stehen aber auch alleine rum, blicken suchend um sich oder kramen in ihrer Tasche. In der Mitte bauen ein paar Leute in Windeseile Tische auf, sie verkaufen etwas. Ich kann nicht genau erkennen, was es ist. Entweder die Schülerzeitung, oder Kuchen für die gemeinnützige Organisation der Schule. Vielleicht sammeln sie auch Unterschriften für Amnesty International. Die Halle leert sich wieder, die Schulglocke verkündet den Beginn der nächsten Lektion. Ich sitze immer noch auf dem Bänkchen, den Kopf ans kühle Glas gelehnt. Dann kommt der Abwart vorbei, wir halten ein Schwätzchen. Der Mensachef tauscht den Menüplan aus, das hat er heute Morgen vergessen. Ich studiere die unregelmässige Wand, überlege, wie lange es wohl dauern würde, wenn man all die Unebenheiten mit einer Zahnbürste putzen würde. Mein Blick schweift weiter zu den berühmten grünen Fliessen, über den roten Teppich, hin zur Putzmaschine "Swingo", mit der ich auch schon fahren durfte. Ich höre den Kaffeeautomaten. Ich beschliesse, mir auch einen zu holen. Also einen Kaffee, keinen Automaten. Aber irgendwie will ich hier nicht weg. Hier bin ich zu Hause. Hier fühle ich mich wohl.
Meine Schule. Meine Eingangshalle. Meine Ecke. Mein (Stamm-)Platz.

Zwei schöne Lieder

James Blunt - Cry




Wieder einmal W's - und ein M

Wieso hauen die Leute immer wie wild auf die Ampelknöpfe (heissen die so?) ein, wo sie doch ganz genau wissen, dass es so nicht schneller geht?

Was ist an in der Sonne glitzerndem Wasser so faszinierend?

Wie gross ist die Welt?

Wenn ich jetzt Ja sage, darf ich dann später wieder Nein sagen?

Merken Haustiere, dass Wochenende ist?

Was bewegt einen Busfahrer dazu, auf Leute zu warten, die schlicht und einfach zu spät zu Hause abgelaufen sind?

Montag, 16. Mai 2011

Beispiele eines Lebens

Wenn du morgens aufwachst,
und jemand neben dir liegt,
und du vor Glück zerspringen kannst.
Wenn du die Augen schliesst,
und die Müdigkeit siegt,
und du verrückt im Traume tanzt.

Wenn du die Nachricht bekommst,
die alles verändert,
und sich alles in dir zusammenzieht.
Wenn du am Morgen erwachst,
die Augen gerändert,
und dich einfach niemand sieht.

Wenn du dich auf den Weg machst,
und du dein Ziel noch nicht weisst,
oder wie lang die Zeit reicht.
Wenn du sagst "Jetzt könnt' ich sterben."
nicht weil's dich auseinander reisst,
sondern weil dein Geist so ist - so leicht.

Dann sind das Grenzmomente,
die alle kennen,
und die man doch nicht teilen kann.
Mit denen man allein ist,
ohne sie zu nennen,
sie kommen einfach, dann und wann.

Und gehen wieder.
Empfange sie, und lass sie wieder gehen.

Samstag, 14. Mai 2011

Staubflocken im Garten

Irgendjemand sagte kürzlich einmal "die dreckige Erde". Ich habe den Zusammenhang vergessen, es ging aber um Erde, nicht um den Boden. Denn dreckiger Boden ist etwas anderes. Dreckiger Boden sind Fliessen mit Schlammschlierken drauf. Oder Parkett mit Staubfluseln. Aber dreckige Erde, was ist das? Also Erde, Erde ist dieses schwarze oder braune Zeug, mal feucht, mal trocken, mal fruchtbar und mal nicht. Viele kleine Tierchen leben da drin, Pflanzen ziehen ihre "Nahrung" aus der Erde, wir laufen, springen oder liegen darauf (meistens mit einer Schicht Gras dazwischen). Gute Erde ist unabdingbar für einen florierenden Garten, für Gemüse, Früchte, Blumen. Unabdingbar für gutes Gras für die Kühe.
Aber was ist dreckige Erde? Oder anders herum, was ist saubere Erde? Ist das Erde ohne menschliche Zusatzstoffe? Oder eben mit? Ist das Erde mit Regenwürmern drin? Oder eben ohne? Ist das Erde, die Leben möglich macht? Oder eben nicht?
Was ist dreckige Erde?

Wasser

Wie sehr Tränen doch das Gesicht eines Menschen verändern können.

Der Kenner

"Ich verstehe die Welt nicht mehr."
Also, wenn ich ehrlich bin - ich habe sie noch nie verstanden.

The Tall Dark Stranger

Wir haben uns noch nie gesehen, aber ich träume von dir.
Wir reden nicht miteinander, aber ich höre deine Gedanken.
Wir kennen uns nicht, aber ich weiss, wer du bist.
Und du weisst, wer ich bin. Vielleicht. Oder?
Wir kennen uns nicht, aber ich vermisse dich.



Mittwoch, 11. Mai 2011

Ohne Worte. Oder doch mit.

Wieso kommt das SVP-Wahlplakat mit dem schwarzen Schäfchen bei Google Bilder wenn man "Irak Veteran Pressefoto" eingibt?

“Yesterday was history.
Tomorrow is a mystery.
Today is a gift.”



Sie ist 21, er 24 und Kriegsveteran aus dem Irak. Mehr Worte sind hier nicht nötig, oder?

Dienstag, 10. Mai 2011

Der Lauf der Zeit

Und wieder einmal weine ich. Ich trauere. Ich trauere, weil alles vergänglich ist. Weil die Uhr in schlechten Zeiten still zu stehen scheint, und weil man in guten gar nicht hinterher kommt mit geniessen. Ich trauere, weil ich voller Wehmut zurück blicken werde. Bleibt nur zu hoffen, dass ich den Blick nach vorne nicht verlieren werde. Ich trauere, weil man nichts, un sei es auch noch so schön, festhalten oder verlängern kann. Es wird vergehen. Wie alles. It's slipping through my fingers.
Es ist mir vollkommen klar, dass das so ist, dass wir es nicht ändern können, dass es gut so ist, dass wir die Erinnerungen haben, eines der grössten Geschenke. Aber trotzdem - oder vielleicht grade deshalb - trauere ich. Und weine.

Montag, 9. Mai 2011

Lauf nicht weg, komm mit

Komm, lass uns aus dem Fenster springen, barfuss über die Wolken laufen.
Komm, legen wir uns ins Gras, lassen uns von den Halmen kitzeln.
Komm, hüllen wir uns ein im Nebel, schweben über die Strassen.
Komm, versinken wir im Sand, so weich und so nah am rauen Meer.
Komm, klettern wir auf einen Baum, packen uns im Blätterdach ein.
Komm, komm mit mir, wohin auch immer.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Turn around

Alles dreht sich. Rechts und links konntest du noch nie unterscheiden, aber jetzt weisst du auch nicht mehr, wo oben und unten ist. Du kannst keinen klaren Gedanken fassen. Alles dreht sich. Farben schiessen durcheinander, Wortfetzen, Gedankenfetzen, Gesichter. Die Geräusche bringen dich fast oder ganz um den Verstand. Du fühlst dich wie ein Kreisel, der sich scheinbar immer schneller dreht und niemals umfällt. Dabei würdest du doch so gerne umfallen. Du fühlst dich wie auf so einem Drehding, wie es auf den Spielplätzen immer steht. Von denen ist dir früher schon übel geworden. Aber die anderen Kinder wollten immer noch länger, noch mehr, noch schneller drehen. Du fühlst dich, als würdest du ein Rad mit offenen Augen schlagen. Alles dreht sich. Oder als wärst du ein Ventilator irgendwo an der Decke eines amerikanischen FastFood-Ladens. Dort würdest nicht nur du dich, sondern auch sein Magen sich drehen. Im Moment dreht sich alles. Oben, unten, rechts, links, diagonal. Alles dreht sich. Und plötzlich steht alles still. Nichts geht mehr. Alles steht still. Und du bist gefangen. Wirst festgehalten von den Sicherheitsbügeln.
Karussellfahrt.

Dienstag, 3. Mai 2011

die show

vorstellen
ich stelle vor
ich stelle mir vor
ich stelle mich vor
ich stelle mich vor etwas
vorstellung
illusion
show 

Montag, 2. Mai 2011

Müsikchen und ein Film

Es ist wieder einmal Zeit für ein bisschen Musik:




Sehr depremiert, ich weiss. Aber mir geht's gut. Wirklich.

Oh, Filmtipp: Keine Sorge, mir geht es gut - Je vais bien, ne t'en fais pas und gleich das Lied dazu:
Ein wirklich sehenswerter, ergreifender, trauriger Film.

Freitag, 29. April 2011

Anyway - Gott und die Kinder

Hat Gott die Kinder weniger lieb, weil sie friedlich oder weniger friedlich spielen, nicht ruhig sitzen oder stehen und ihn nicht stundenlang andächtig anbeten? Hat er sie weniger lieb, weil sie sich nicht verbeugen, keine fünf Ave-Marias sagen und nicht das Kreuz küssen? Hat er sie weniger lieb, weil sie keine prächtigen Gewänder tragen sondern im Dreck spielen und Sandburgen statt Goldkirchen bauen? Können wir Gott, wenn wir älter werden, nur durch Formen nah sein? Müssen wir so unsere Sünden abarbeiten, die wir als Kinder noch nicht hatten?
Wahrscheinlich fehlt mir einfach das Verständnis. Leider. Aber ich bin überzeugt, dass all diese Rituale nicht nötig sind, um Gott nah zu sein. Er ist da; immer, überall, für jeden.

Definition

Manchmal muss man etwas ertragen, das man lieber nicht ertragen würde. Das nennt man dann leiden.

Donnerstag, 28. April 2011

The Voluntary Human Extinction Movement

"VHEMT-Freiwillige sind Realisten. Wir wissen, daß wir nie eine Erde ohne Menschen sehen werden."

Oha, sind das kluge Leute! Das ist in etwa so, wie wenn ich sage: "Ich spendiere dir ein Bier, wenn die Welt 2012 wirklich untergeht." Hahaha.

"Aber wir müssen alle mitmachen."

Ja! Come on let's sing a song - come on let's get extinct.

Puh, beim Durchstöbern der Webseite kann man - äh - bewegende Entdeckungen machen. Wer mag, mache sich selber ein Bild:


ehrlichkeit

unüberlegt
vorschnell
herzklopfen
anmelden
nervös
erzählen
reue
abwägen
rückgängig
spannung
gewissen
angst
antwort
desiderio
müde
teilen
sein

vertrauen

Dienstag, 26. April 2011

Hanna

Ich kenne eine Frau, die will Gefängnispfarrerin werden. Oder Flughafenpfarrerin. Oder so etwas. Sie sagt, sie möge Leute, die ankommen und weggehen, die auf dem Weg sind. Sie sagt, sie möge Menschen mit Gepäck. Für mich heisst das irgendwie, dass sie alle Menschen mag. Denn jeder ist doch irgendwie auf dem Weg. Es gibt keinen Stillstand. Und jeder schleppt das ein oder andere Dingens mit sich rum, vielleicht nur etwas ganz kleines in der Manteltasche, vielleicht ein Rollkoffer, den man hinter sich herziehen kann, vielleicht eine Reisetasche mit abgerissenen Trageriemen und vielleicht lastet das Gepäck auch in einem grossen Rucksack auf den Schultern. Aber man ist ständig auf dem Weg von da nach dort, man nimmt dies mit und lässt jenes zurück. Sei es nun von Gate A nach Gate D mit einem Plastiksack voller Mitbringsel aus einem fremden Land, sei es auf dem Weg der Einsicht, mit einem Fass voller Reue, oder auch einfach nur auf dem Weg durch die Zeit, mit Bildern und Erinnerungen.
We all are people on the way. And we all are people with luggage.

Sonntag, 17. April 2011

Wandern durch die Zeit

Ich mache mich auf. Ich mache mich auf eine Reise, ohne Ziel, ohne Plan. Planlos, ziellos. Aber ich mache mich auf. Sie wird mich über Hügel und durch Flüsse führen, durch einsame Steppen und belebte Wälder. Ich werde sicher vor dem ein oder anderen Abgrund stehen - aber ich werde Brücken suchen und finden. Und wenn nicht, steige ich eben hinunter, bis ganz nach unten. Und auf der anderen Seite wieder hoch. Ich begebe mich auf eine Reise in die Ungewissheit, ins Innerste. Niemand weiss, was mich erwartet. Ob mich überhaupt etwas erwartet. Ich erwarte nämlich nichts. Ich lasse alles auf mich zukommen. Obwohl - nein, ich mache mich ja auf, ich gehe darauf zu. Wie auch immer, ich mache mich auf, auf eine Reise, ohne Ziel, ohne Plan, in die Ungewissheit, ins Innerste. Wir werden sehen, wie und ob ich zurückkehren werde, ob sie mich prägen oder verändern wird. Ich werde Bilder sammeln, und Gerüche, und Gesichter und Wortfetzen. Und dann werde ich alles Bündeln und fest verstauen, nachdem ich es ausgiebig betrachtet habe. Aber zuerst einmal mache ich mich auf und gehe sammeln. Ich mache mich auf, auf ins Unbekannte.

Freitag, 15. April 2011

A child will be born

Wenn dir jemand sagt: "Ich bin schwanger."
Dann ist das Wunder des Lebens greifbar nahe.
In dem flachen Bauch vor dir wächst etwas.
Ein Mensch.
Die Menschlichkeit von morgen.
Wenn nur schon der Satz so viel auslöst,
wie beeindruckend ist dann erst eine Wölbung,
ein Herzschlag
oder später eine winzige Hand und rosige Bäckchen?

Wenn dir jemand sagt: "Ich bin schwanger."
Und alles was vorher war irgendwie verschwindet,
die Scherben am Boden, die Schlieren am Fenster.
Und du mit einem ruhenden Lächeln durch die Welt läufst,
weil du weisst, dass alles gut wird,
dass es einen Gott gibt,
dass etwas unvorstellbar Schönes vor sich geht.

Wenn dir jemand sagt: "Ich bin schwanger."
Und alles andere unwichtig wird.
Und du nur noch willst, dass es dem Ding,
dem Etwas,
dem Leben,
gut geht.
Und wenn es dich glücklich macht,
du erfüllt bist vor Freude,
obwohl du kein Teil davon bist.

Dann weisst du, dass du menschlich bist.
Dann weisst du, dass du fühlst.
Dann scheint die Sonne.

So wie heute.

Mittwoch, 13. April 2011

Bus fahren leicht gemacht

Der 201. Eintrag - und ein ganz "normales" Erlebnis:

Ich fahre Bus. Wieder einmal. Der Bus ist überfüllt. Wie so oft. In meinen Ohren stecken Kopfhörer, ich bin tief versunken in die Welt von Coldplay, Yannick Noah, Stress und Stornoway. Ich habe mir ein Plätzchen ganz vorne ergattert, stehe dort beim Buschauffer, an der vordersten Tür. An Haltestelle Nummer fünf steigt ein Jugendlicher ein, ich schätze ihn ein bisschen jünger als mich selber. Er scheint eine leichte Behinderung zu haben. Der Junge setzt sich auf einen der zwei freien Plätze ganz vorne, dort, wo ich stehe. Er drückt auf seinem Handy herum. Plötzlich mischen sich zum zarten Gesang von Avril Lavigne raue HipHop-Töne. Sie kommen aus dem Handy in der Hand des Jungen. Ich beobachte die anderen Passagiere. Inzwischen sind wir zwischen Haltestelle sechs und sieben. Die Leute schauen auf, suchen die Lärmquelle, finden sie, gucken genervt, seufzen, drehen den Kopf weg. Wir sind an Haltestelle Nummer sieben. Der Buschauffer blickt über die Schulter. Der Junge sagt: "Was?" Der Buschauffer dreht sein Radio lauter. Und fährt weiter. Ich kann die Abneigung förmlich spüren. Das "Mitleid". Mindestens 47 der 52 Menschen im Bus fühlen sich gestört. Oder 47,5. Ich bin der halbe Mensch. Mich stört es nämlich nur ein bisschen. Aber ich kann ja meine Musik auch lauter drehen, dann höre ich seine nicht mehr. Aber so ein ganz klein wenig stört es mich schon noch. Wir haben inzwischen Haltestelle Nummer neun passiert. An Haltestelle Nummer zehn steigt der Junge aus. Es folgen ihm böse Blicke. Und Blicke der Überlegenheit. Wir sind besser als du. Du kennst kein Benehmen. Aber niemand hat etwas gesagt. Niemand hat sich getraut, ihn zu bitten, die Musik auszumachen. Vielleicht hätte er es gemacht. Niemand. Ich auch nicht. Ein junger Mann, eineinhalb Meter von mir entfernt, leicht behindert. Ich habe mich nicht getraut.

Dienstag, 12. April 2011

200 Bäume, Kakteen und Turtles

Für den zweihundertsten Eintrag (ja, wirklich!) habe ich mir ein ganz besonderes Lied aufgehoben (nicht wirklich, aber egal). Als ich es das erste Mal hörte, fand ich es schrecklich. Doch dann sickerte plötzlich der Text zu mir durch - und nun finde ich das Lied so toll, dass ich es niemandem vorenthalten möchte. Man will immer das, was man nicht hat; Es ist nicht immer leicht ich zu sein; The grass is always greener on the other side. Oder eben so:

The flower said I wish I was a tree,
The tree said I wish I could be
A different kind of tree,
The cat wished that it was a bee,
The turtle wished that it could fly
Really high into the sky,
Over rooftops and then dive
Deep into the sea.

And in the sea there is a fish,
A fish that has a secret wish,
A wish to be a big cactus
With a pink flower on it.
...


Montag, 11. April 2011

danach

Ruhe. Innen, nicht aussen.
leben. hektik. verlangen. fordern.
erfüllt leer beides
?
nichts und alles
zu
zu viel zu wenig zu langsam zu schnell
zu anders
geschlossen

abgeschlossen.
ausgeschlossen.
eingeschlossen.
in
Ruhe. Innen, nicht aussen.
Angefüllt mit Sonnenstrahlen.





Sonntag, 10. April 2011

Trauer - Eva Strittmatter

Vor andern schützen mich die Lügen,
Sind sie nur gut genug.
Aber mich selber zu betrügen,
Ist sinnlos. Selbstbetrug
Hilft nicht bei Trauer.
Sie ist untäuschbar. Und sie liegt
In mir wie ein Polyp auf Lauer,
Der tausend Arme hat und siegt.
Ich zwing sie nieder für zwei Stunden,
Und das verfluchte Selbstmitleid
Verjage ich mit scharfen Hunden.
Doch fliehn die beiden niemals weit.
Sie kehrn versteckt zurück und springen
Mich aus dem Dunkel wieder an.
Ich helfe mir mit lautem Singen,
Wenn ich mir nicht mehr helfen kann.
Nach aussen heisst das: Ich bin heiter.
Warum auch nicht? Das Leben zieht
Mit mir als Vorspann ruhig weiter.
Und keiner weiss, was mir geschieht.

Freitag, 8. April 2011

Ja, ich will. Oder doch nicht?

Woher weiss man, dass man etwas will? Wie kann man sich sicher sein, dass man es nicht nur will, weil es andere wollen? Oder dass man es nicht nur nicht will, weil man es sollte? Meistens habe ich das Gefühl, mein Wille ist unabhängig, gehört mir, und nur mir. Aber manchmal, zuerst selten, jetzt immer öfter, beschleicht mich der Verdacht, dass ich eigentlich gar nichts in der Hand habe. Dass mein Wille von den anderen gesteuert wird. Oder von meinem Pflichtbewusstsein. Oder von sonst etwas. Jedenfalls nicht von mir, also nicht von meinem aktiven Teil, meinem Kopf oder wie man das auch immer nennen mag. Woher also weiss man, was man will und ob man es wirklich will?
Oder ist das wollen am Ende unwichtig?

Donnerstag, 7. April 2011

Altern oder Die Zeit vergeht wie der Wind

Und plötzlich gehörst du zu den Alten. Plötzlich siezen dich die Leute, stehen im Bus für dich auf, wollen dich stützen. Plötzlich siehst du lauter unbekannte Sachen in den Regalen - alle anderen laufen und kaufen sie wie selbstverständlich, als wären diese Dinge schon immer da gewesen. Plötzlich wünscht sich dein Kind, dein Göttibueb oder deine Enkelin etwas, von dem du noch nie gehört hast. Oder bringt dir etwas bei - wie wir heutzutage das SMS oder Internet an die älteren Generationen vermitteln. Plötzlich sagst du Sätze wie "Das wirst du auch noch erleben." oder "Früher, da..." oder "Ich rede aus Erfahrung." Tauschst dich über den Job, die Kinder, das Haus, später über die Gebrechen und Enkel aus.

Und plötzlich steht dein Jahrgang auf den Todesanzeigen in der Zeitung.

Arbeitsalltag

"MedContour ist eine neue, sichere und wirksame Alternative zur Fettabsaugung. Diese Methode ist ein innovatives System zur Behandlung von loklisierten Fettdepots und Cellulite aller Schweregrade. Mit Kavitation zur Wunschfigur. MedContour modelliert die Körperkonturen sanft und schafft eine völlig neue Silhouette.
HCG Diät: Ein spezieller Diätplan, kombiniert mit körpereigenen Substanzen, reduziert die so genannten inaktiven Fettdepots. Die 40tägige Diät garantiert den Erfolg, ohne zu hungern, nachhaltig, und der Jo-Jo-Effekt bleibt aus. Auch bei Männern ist ein grosser Erfolg garantiert."

Aaaah! Zum Schreien!!
Mit solchen Texten schlage ich mich nun schon den ganzen Tag herum. Dazwischen war nur kurz Zeit für eine Pressevorstellung im Kino. ("World Invasion - Battle Los Angeles" war der Titel. 100 verschwendete Minuten, die ich besser dazu genutzt hätte, mir einen Sonnenbrand trotz DayLong 50+ zu holen.) Zurück zum Text.
Alternative zur Fettabsaugung. Sucht lieber nach Alternativen für den ganzen Mist, der hier passiert!
Fettdepots und Cellulite aller Schweregrade. Aller Schweregrade. ES INTERESSIERT NIEMANDEN, wie tief die Furchen auf deinem Oberschenkel sind. Verwendet euer medizinisches Wissen, um Menschen zu helfen, und zwar richtig zu helfen!
Schafft eine völlig neue Silhouette. Wen interessiert die Silhouette? Möchte ich eine völlige neue Silhouette haben? Helft lieber denen, die von vorne wie eine Silhouette aussehen!
Reduziert die inaktiven Fettdepots. Ohne hungern. Der Jojo-Effekt bleibt aus. Auch bei Männern ein Erfolg. Aaaaaaah! Da sterben Menschen, weil sie nicht genug zu essen haben. Und ihr redet über inaktive Fettdepots. Alle drei Sekunden verhungert jemand. Und ihr redet vom Abnehmen ohne hungern, vom Jojo-Effekt, und dass auch gesunde Männer bei diesem Wahnsinn mitmachen dürfen.

Macht euch das nicht wütend? Also mich macht das wütend. Ich könnte heulen vor Wut. Wäre sie Wärme, meine Wut, dann würde jedes Wässerchen dieser Erde verdampfen. Zisch. Nein, ich bin nicht auf 180 Grad. Ich bin auf 360.

Mittwoch, 6. April 2011

Lebensweisheiten, Fragen und Aussagen

Hast du gewusst, dass der Deutsche Duden auf Platz 8 der Sachbuchliste steht?

Eine Flasche läuft nicht nur aus, wenn sie offen ist. Sie läuft auch aus, wenn man sie nicht ganz zu macht.

Ich lege die Löffel im Besteckfach immer in die gleiche Richtung, und den rechten Kopfhörer tue ich immer ins rechte Ohr. Ein bisschen Ordnung muss sein.

Wie befreit man sich von jemandem, aus der Umarmung von jemandem, von dem man sich eigentlich wünscht, dass er einen ganz dolle festhält?

Ein Mann im Zug sagte zum Abschluss einer Unterhaltung zu mir: "Ich wünsche Ihnen ein gutes Studium, einen guten Abschluss, einen guten Job und einen guten Mann." Danke, dann habe ich ja alles, was ich brauche...

"Denken Sie beim Telefonieren auch an Ihre Mitreisenden." Was bringt es denen, wenn ich an sie denke? Wenn ich telefoniere, konzentriere ich mich auf die andere Seite der Leitung. Wenn ich an jemanden denke, dann telefoniere ich nicht nebenbei noch. Jeder verdient doch 100 % Aufmerksamkeit, nicht? Wieso also soll ich an meine Mitreisenden denken?

"Wer anderen hilft, hat mehr vom Leben." Aha. Wieso? Woher? Jeder (der lebt) kriegt das Leben. Jeder kriegt die ganze Torte. Es werden keine halben Torten oder einzelne Stücke verteilt. Du hast also nicht mehr vom Leben, wenn du anderen hilfst. Meiner Meinung nach. Vielleicht geht es dir besser, du fühlst dich gut oder sonst irgendetwas. Aber du hast nicht mehr vom Leben.

Je grösser du wirst, desto kleiner wird die Welt.

Sind wir nicht alle irgendwann mal das graue Entlein? Weshalb gehen wir dann so nachlässig mit anderen Menschen um?

Ende

Loslassen tut weh.
Festhalten auch.

Was soll man also tun?

Erst gar nichts annehmen?
Alles abweisen?

Das Leben kann so grausam sein.

Dienstag, 5. April 2011

Wichtig, dringend und keins von beidem

Ist es nicht erstaunlich, dass es einem so oft an Zeit fehlt, um dies oder jenes zu tun; dass man aber trotzdem gerade dann immer einige Minuten für irgendwelchen Schwachsinn übrig hat? Im Moment zum Beispiel stapelt sich bei mir die Arbeit, ich sage "Ich habe keine Zeit". Aber gleichzeitig schreibe ich komische Sachen (und das nicht zu knapp), lese Zeitung (müsste in diesem Ausmass auch nicht sein), gehe spazieren, ins Kino, höre Musik, besuche regelmässig Facebook und so weiter. So vieles von dem müsste nicht sein. Ich müsste es nicht tun und könnte dafür sagen "Ich habe Zeit", oder zumindest wäre meine Arbeit fristgerecht erledigt, ohne dass ich Augenringe bis zum Südpol habe. Wieso also tut man immer das, für das man eigentlich keine Zeit hat? Worin liegt der Reiz des Überflüssigen?
Ich beende diesen Eintrag hier. Ich habe noch viel zu tun.

Geht mal die "Eisenhower-Matrix" googlen.

Sein und nicht sein

Ich bin kein Maler, und doch betrachte ich gerne Farben und Bilder.
Ich bin kein Musiker, und doch lausche ich gerne Tönen und Melodien.
Ich bin kein Koch, und doch rieche ich gerne Gewürze und koste.
Ich bin kein Autor, und doch spiele ich gerne mit Worten und Sätzen.
Ich bin kein Künstler, und doch gestalte, fotografiere, forme ich gerne.


Ich bin ein Mensch, mit Fehlern, und doch fühle ich mich wohl. Meistens.

Montag, 4. April 2011

Plitsch Platsch

Ich finde es gemein, dass die Sonne den Begriff "gutes Wetter" für sich gepachtet hat. Wieso schauen heute alle (wenn ich "alle" schreibe, meine ich natürlich nicht alle, das wäre ja Schubladisierung. Ich meine die Allgemeinheit, den Grossteil, den Standard-Menschen.) also, wieso schauen heute alle aus dem Fenster und sagen: "Läck, ist das schlechtes Wetter da draussen!" Das ist doch einfach unfair! Die Sonne zum Beispiel hat am Wochenende ganz fies meine Haut verbrannt. Der Regen aber plätschert vor sich hin, trommelt gegen mein Fenster (Vormerken: Die nächste Wohnung wird eine Dachwohnung - mit Dachfenstern.), klatscht mit riesigen Tropfen in mein Gesicht, bewässert die Blümchen, wäscht den Dreck weg, stillt den Durst, sammelt sich in Pfützen und bahnt sich dann seinen Weg durch die Furchen des Erdbodens. Und manchmal vermag er es auch, das ein oder andere Gemüt abzukühlen. Der Regen ist so vielseitig. Wieso also muss er immer dieses "schlechte Wetter" aufgedrückt kriegen?

Sonntag, 3. April 2011

Schokolade, Sterne oder Schnee?

Es gibt nichts Schöneres, als morgens aufzustehen und dann nochmals ins warme Bett zu kriechen.
Naja, vielleicht ist ein Spaziergang in der Sonne, mit einem angenehmen Lüftchen doch schöner? Oder ein Sonntagsbrunch mit lieben Leuten, bei dem man über ganz viele unwichtige Themen spricht? Hm, den ersten Schmetterling der Saison sehen, den ersten Schnee mit der Zunge auffangen, nachts die Sterne betrachten, ein schöner Sonnenuntergang, ein nettes Gespräch im Zug, von jemandem zum Kaffee eingeladen werden, oder auch selber jemanden einladen, all das könnten auch die schönsten Momente sein. Oder wenn man merkt, dass etwas gar nicht so schlimm ist, wie man gedacht hat. Wenn man über etwas lachen kann, das einem früher Tränen in die Augen getrieben hat. Ein schönes Lied, mit Herz gespielt. Ein paar Stunden zwischen den Seiten eines guten Buchs. Ein Stück Schokolade auf der Zunge. Vielleicht ist etwas davon das Schönste?
Ich kann mich gar nicht entscheiden. Unsere Welt ist voller Schönheit. Und trotzdem würde ich, glaube ich, wenn ich mich entscheiden müsste, sagen, dass ein Stündchen erholsamer Schlaf das Schönste ist, das es gibt. Und das, obwohl ich gerade erst aufgestanden bin.

Alle Jahre wieder

Wenn die Jahreszeiten Worte wären wären - wie würden sie dann heissen?
Bei mir so:

Herbst - bunte Blätter
Winter - Schnee
Frühling - Blumen
Sommer - gelb, blau, grün

Jaja, ich weiss, sehr standardmässig. Ich bin eben ein Durchschnittsmensch. Na und? Oh, und ist dir was aufgefallen? Es sind alles Naturbilder... Wie sieht's denn bei dir aus?

Freitag, 1. April 2011

So und anders

Haben Dosen-Mandarinen Vitamine?
Haben Fische Gefühle?
Oder umgekehrt, haben Dosen-Mandarinen Gefühle und Fische Vitamine?

Was denkt meine Pflanze von mir?
Wie schmeckt Meerschweinchen?
Oder umgekehrt, was denkt das Meerschweinchen und wie schmeckt die Pflanze?

Wohin gehst du?
Werden wir zusammen sein?
Oder umgekehrt, gehen wir zusammen und bist du du?